VonMagnus Reitingerschließen
Dass es 2024 kein Volksfest in Weilheim geben wird, sorgt für viel Gesprächsstoff in der Kreisstadt – und auch für Unverständnis. Trotz der Kündigung des Festwirts müsste kommendes Jahr ein Fest möglich sein, meinen manche.
Weilheim – Wie ein Lauffeuer hat sich nach dem Bericht unserer Zeitung am Wochenende die Nachricht verbreitet, dass der langjährige Festwirt gekündigt hat und das Weilheimer Volksfest im kommenden Jahr ausfällt. Das Fest wie gewohnt im Mai abzuhalten, sei „aus organisatorischen und zeitlichen Gründen“ nicht möglich, hieß es in der jüngsten Stadtratssitzung. Das Rathaus nehme die Kündigung der H. u. P. Schöniger GmbH zum Anlass, über das künftige Format der Veranstaltung nachzudenken; dieser „Findungsprozess“ solle ab Herbst „durch Externe fachkundig begleitet“ werden.
„Penzberg hat in vier Wochen Volksfest auf die Beine gestellt“
Beraten worden war darüber vor 14 Tagen nicht-öffentlich im Hauptausschuss. Im Stadtrat gab es vergangene Woche – wie bei Bekanntgaben üblich – keine Aussprache zu dem Punkt. Viele Kommentare sammelten sich indes in kürzester Zeit auf der Facebook-Seite des Weilheimer Tagblatts sowie auf unserer Website www.merkur.de. Darin kritisiert eine Reihe von Lesern die schnelle Absage für 2024. Die Stadt Penzberg, heißt es darin auch, habe es „letztes Jahr geschafft, ein Volksfest in vier Wochen auf die Beine zu stellen – ganz ohne Eventagentur“.
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Unterschiedliche Ansichten im Weilheimer Stadtrat
Auch im Weilheimer Stadtrat gibt es durchaus unterschiedliche Ansichten zu dem Thema, wie Nachfragen unserer Zeitung zeigen. Saika Gebauer-Merx (FDP), die Referentin des Gremiums für Messen, Märkte, Festplatz und Volksfest, verteidigt das Vorgehen: Zwar sei die Absage für 2024 „total bedauerlich“, doch für kommendes Jahr stünden die Volksfeste längst fest, die Gefahr wäre, „dass man die Guten nicht mehr bekommt, weil die ausgebucht sind“. Für die Folgejahre könne man das Format gewiss etwas modifizieren, etwa „an der Größe des Festzelts drehen“. Doch das Volksfest müsse bleiben, es habe eine „große Bedeutung, durch alle Altersklassen hindurch“.
Der Festwirt habe stets „alles organisiert, auch die Fahrgeschäfte“, betont BfW-Fraktionsvorsitzende Brigitte Holeczek. Auch deshalb brauche es Zeit, einen guten Nachfolger zu finden, das könne man „nicht für nächstes Jahr übers Knie brechen“. Ob ein Volksfest 2024 möglich wäre, lässt Marion Lunz-Schmieder im Gespräch mit unserer Zeitung offen. Doch dessen Qualität sei in Weilheim „immer gut“ gewesen, so die CSU-Fraktionschefin, und man sei sich im Rat einig, diese erhalten zu wollen: „Das spricht sicher für eine Denkpause, wie es vom Bürgermeister formuliert wurde.“ Dabei gelte es grundsätzlich zu überlegen, „welche Formate in Frage kommen“. Ihr persönlich sei wichtig, weiterhin „ein bayerisches Fest“ zu bieten, wie es „nach wie vor sehr viele schätzen“.
Ein Jahr Volksfest-Pause: Chance oder Risiko?
In der Grünen-Fraktion sei „nicht jeder glücklich“ über die Vorgehensweise der Stadt, räumt deren Sprecher Manuel Neulinger ein: „Einige meinen, mit intensiven Bemühungen hätte man vielleicht für nächstes Jahr was auf die Beine stellen können.“ Man sehe das Risiko, dass es nach einem Jahr Pause noch schwieriger sein könnte, einen Nachfolger für den Festwirt zu finden. Andererseits könne es „eine Chance sein, in Ruhe ein neues Konzept zu erarbeiten und den idealen Partner dafür zu finden“. Die Grünen seien auch offen für „neuere Formate“, so Neulinger. „Aber man muss schon sagen: Das Volksfest mit seinen Fahrgeschäften ist sehr beliebt, gerade bei Familien.“
Die Kündigungsgründe, die Festwirt Peter Schöniger auf Tagblatt-Anfrage nannte – Weilheim sei letztlich zu klein für sein Angebot und die Kosten zu hoch geworden – können viele vor Ort nachvollziehen. „Dass es nicht ganz einfach ist, zeigt sich auch in Nachbarorten“, sagt Bürgermeister Markus Loth (BfW) mit Blick nach Murnau und Penzberg. „Zu Beginn meiner Amtszeit haben auch Peißenberg und Schongau noch Volksfeste gehabt, die sind inzwischen verschwunden.“
„Verschwörungstheorie“ um Stadtrat von Weilheim Miteinander
Manche Ratsmitglieder mutmaßen hinter vorgehaltener Hand, Schönigers Rückzug nach 25 Jahren in Weilheim sei auch eine Reaktion auf den Antrag, den Ullrich Klinkicht (WM Miteinander) im vergangenen Mai stellte: Die Stadträte, so seine Forderung, sollten sich nicht mehr, wie seit Jahren üblich, am „Tag der Betriebe, Behörden und Vereine“ vom Wirt zur Brotzeit einladen lassen, sondern selber die Zeche zahlen. Weil er nicht zulässig sei, wurde über diesen Antrag im Mai gar nicht abgestimmt. Doch nun erinnert etwa Klaus Gast in einem Facebook-Kommentar daran: Die Kündigung des Festwirts, schreibt der CSU-Stadtrat, sei „Klinkichts Erfolg, weil doch die bösen Stadträte vom Volksfest-Wirt alle mit einer Brotzeit gefangen wurden, ihm das Volksfest zu überlassen“. Klinkicht selbst weist den Vorwurf gegenüber unserer Zeitung zurück: „Diesen Schuh zieh’ ich mir nicht an, aber es ist ein durchschaubarer Versuch, mit dieser Verschwörungstheorie kommunalpolitisches Kleingeld zu schürfen.“
Künftig Weilheimer Bier auf dem Weilheimer Volksfest?
In Online-Kommentaren ist zudem von der Hoffnung zu lesen, der Wechsel könnte dazu führen, künftig „auf dem Weilheimer Volksfest auch Weilheimer Bier auszuschenken“. Es sei „schön, dass die Bevölkerung hinter uns steht“, freut sich Ulrike Flassig, Miteigentümerin der Brauerei vor Ort, dem Dachsbräu – der just im Mai 2024 mit einem Hoffest „145 Jahre Weilheimer Bier“ feiert. Auf Tagblatt-Anfrage betont sie, dass man „eine Brauerei und kein Festzeltbetrieb“ sei. Doch Möglichkeiten der Zusammenarbeit gäbe es, und natürlich könnte der Dachs Bier liefern. Man werde auch das Gespräch suchen, so Flassig; „Es bleibt spannend.“
Das zahlt die Stadt Weilheim fürs Volksfest
Übrigens bekam die Stadt bisher pro Volksfest rund 15.000 Euro Platzmiete vom Wirt und den Schaustellern – Geld, das laut Olaf Wiesner, Leiter des Veranstaltungsbüros, in den Unterhalt des Festplatzes gesteckt wird. Die Ausgaben der Stadt fürs Volksfest sind höher: 17.000 Euro wurden etwa für Werbung, Einladungen, Verwaltungskosten und das Feuerwerk gebraucht, wobei ca. ein Viertel davon der Wirt übernahm. Mit einigen tausend Euro schlagen die Dienste der Stadtwerke für die Trafostation und die tägliche Platzreinigung zu Buche. Gar nicht aufgeführt sind die Personalkosten für zwei Mitarbeiter des Veranstaltungsbüros, die mit dem Fest beschäftigt sind. Und fast 23.000 Euro investierte die Stadt heuer, um - wie es guter Brauch ist - alle Weilheimer ab 65 Jahren zum Seniorennachmittag einzuladen. Gespart hat man sich dieses Jahr bereits die Volksfestbahn vom Marienplatz, die zuletzt einen fünfstelligen Betrag kostete.
