VonDieter Dorbyschließen
NS-Größen, Parteimitglieder oder nur Mitläufer: Welche Rolle Braumeister Adolf Wiedemann und Emil Hinterdobler, Zeitungsredakteur beim Miesbacher Anzeiger, in der Zeit um 1939 gespielt haben, hat Stadtkurator Alexander Langheiter nun in einer Pressemitteilung aufgeschlüsselt.
Beide sind abgebildet auf einem Wandgemälde, das der Kunstmaler Josef Stallhofer 1939 im Parsberger Gasthof Altwirt gemalt hat (wir berichteten). Weil das Bild als eines von dreien vor der Vernichtung gerettet werden soll, wurde die Frage nach dem nationalsozialistischen Hintergrund relevant.
Das Wichtigste vorweg: Langheiter kommt in seiner Auswertung der vorhandenen Quellen zu dem Ergebnis, dass es sich bei beiden nicht um - wie im Finanzausschuss gesagt wurde - NS-Größen gehandelt habe. „Dazu zählen führenden Köpfe des NS-Regimes, Funktionäre, hohe Amtsträger, Profiteure und Personen, welche in die NS-Verbrechen involviert waren“, erklärt er. Für Hinterdobler und Wiedemann, treffe dies aber nicht zu.
Lesen Sie auch: So wurden die „Miesbacher Honoratioren“ zum Politikum
„Hinterdobler war einfaches Parteimitglied und als Mitarbeiter im NS-Zeitungsblock sicherlich regimekonform.“ Er wäre nach dem Krieg wohl als klassischer Mitläufer kategorisiert worden. „Wiedemann war frühes Mitglied der NSDAP und überzeugter Nationalsozialist, wie aus seinem Nachruf hervorgeht. Er saß ab 1933 als Ratsherr für die NSDAP im Miesbacher Stadtrat. Allerdings hatte der Stadtrat damals nur beratende Funktion und keine Entscheidungsgewalt.“
Lesen Sie auch: Enkel fordert Belege für NS-Verdacht
Erkennbare NS-Bezüge seien auf keinem der drei Bilder – neben der „Honoratiorenrunde“ gibt es noch die „Parsberger Bauernrunde“ und das Hauptbild „Der Viergsang musiziert“ – zu finden. „Es sind keine NS-Symbole, Uniformen oder zeittypische bildliche Mittel verwendet. Lediglich das Wissen um das Herstellungsjahr der Wandbilder oder die Lebenszeit der Dargestellten lassen den zeitlichen Rahmen erschließen.“
Lesen Sie auch: Deshalb sollen die Wandgemälde gerettet werden
Das Bild zeigt laut Langheiter eine Runde im Wirtshaus. Zu dieser gehören mit Braumeister Wiedemann und dem Brauereidirektor Eduard Hager zwei Männer der Leitungsebene der Brauerei Waitzinger. „Die Brauerei war auch Eigentümer des Gebäudes“, so Langheiter. Georg Stöger-Ostin und Emil Hinterdobler waren Mitarbeiter der Lokalzeitung Miesbacher Anzeiger.
Lesen Sie auch: Deshalb lehnt Zweite Bürgermeisterin die Grundschule als neue Heimat des Wandbildes ab
„Stöger-Ostin schrieb damals schon Volksstücke, die auch in Parsberg aufgeführt wurden“, erklärt der Historiker. „Hinterdobler war laut Aussage in seinem Nachruf ein ausgesprochener Musikliebhaber. So fanden sie wohl den Weg auf die Wand des Altwirtsaals.“ Wie die Auswahl der Personen erfolgte, sei trotz intensiver Recherchen im Miesbacher Anzeiger und im Nachlass des Malers Josef Stallhofer nicht zu ermitteln gewesen.
„Typische Wirtshausbesucher zu dieser Zeit“
Die drei Wandbilder zeigen laut Langheiter insgesamt 19 Personen, wobei das Hauptbild mit der Darstellung der Volkssänger allein schon von der Größe her dominiere. „Das Hauptbild würde auch alleine funktionieren. Thematisch sind die beiden kleineren Bilder Beiwerke, welche die Position der Zuschauer übernehmen“, beschreibt der Kurator. „Sie stellen die typischen Wirtshausbesucher der Entstehungszeit des Triptychons dar: einerseits Vertreter des Bauernstandes, der damals das Dorfleben in Parsberg dominierte, und andererseits Bürger aus dem nahen Miesbach, die nachweislich den Gasthof des Sepp Sontheim als Ausflugsziel nutzten.“
ddy
