VonSascha Karowskischließen
Die SPD will das Areal der Großmarkthalle für Wohnungen nutzen. Eine kleine Halle soll für Lebensmittel erhalten bleiben. Der Umschlaghandel soll weichen.
München – Das Areal der Großmarkthalle soll für den Wohnungsbau genutzt werden. Das fordert nun auch die SPD. Zudem besteht der Wunsch, eine kleine Halle für Lebensmittel zu erhalten: Hier wird die Groß- zur Kleinmarkthalle!
Großmarkthalle in München: Investor Ralf Büschl zieht sich überraschend aus dem Projekt zurück
Wie berichtet, müssen die Politiker im Münchner Rathaus nun entscheiden, wie es mit dem Gelände in Sendling weitergeht. Denn Investor Ralf Büschl („Paketposthalle“) hatte sich mehr oder weniger überraschend aus dem Projekt zurückgezogen. Das grundsätzliche Problem bleibt aber bestehen. Die Halle ist marode, ein Neubau ist unumgänglich.
Gemeinsam mit den Menschen vor Ort habe die SPD die Wünsche für eine künftige Gestaltung des Areals gesammelt und zu einem Antrag zusammengefasst. Dabei stünden bezahlbare Wohnungen stehen im Vordergrund, aber der Charakter und Charme des Lebensmittelhandels soll in einem kleineren Rahmen erhalten bleiben.
Großmarkthalle in München: SPD wünscht sich, dass nur noch ein kleiner Markt für Lebensmittel bleibt
Hierfür eigne sich konkret die denkmalgeschützte Halle 1. Im Gegensatz zu den anderen baufälligen Hallen dürfe sie nicht abgerissen, sondern müsse ertüchtigt werden. Somit böte sich die Gelegenheit, dass dort auch nach Ende des Großmarktbetriebs weiterhin Lebensmittel über die Theke gehen. Händler, die aktuell am Großmarkt tätig sind, könnten dort einen Platz im Sichthandel finden. Aber auch eine Mischung aus Lebensmittelhandel und Gastronomie sei denkbar. Vorbilder gebe es in anderen Großstädten, so beispielsweise der Borough Market in London, der Mercado Central in Valencia oder die Boqueria in Barcelona.
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Der Umschlaghandel wiederum, der für die Versorgung der Münchner keine wesentliche Rolle spiele, solle bei den Planungen nicht mehr berücksichtigt werden. Lastwagen, die tief in die Stadt hineinfahren, nur um diese kurz darauf mit ihrer Ladung wieder zu verlassen, erfüllten laut SPD nicht den grundsätzlichen Versorgungsauftrag, der einem Marktbetrieb zugrunde liege. Hierfür könnten verkehrlich besser angebundene Orte gefunden werden, möglicherweise auch außerhalb der Stadtgrenzen.
SPD-Ideen für die Großmarkthalle: Koalitionspartner freut sich, dass die Genossen den Grünen-Vorschlag mittragen
„Sendling mag seinen Großmarkt“, sagt SPD-Vize Kathrin Abele. „Diesen Charme möchten wir erhalten, auch wenn der ganz große Wirtschaftsbetrieb neuen Wohnungen weichen muss. Uns schwebt ein Viertel vor, in dem man – so wie es heute ist – die Verbindung zum Lebensmittel spürt.“
Lob für den SPD-Antrag kommt von den Grünen, die unlängst eine nahezu wortgleiche Initiative gestartet hatten. „Es ist super, dass sich unsere Koalitionspartnerin dieser grünen Idee nun angeschlossen hat“, sagt Grünen-Stadtrat Christian Smolka. „Das Areal hat Strahlkraft über Sendling hinaus, deswegen ist es wichtig, dass wir hier alle an einem Strang ziehen und die Planungen vorantreiben. Natürlich in Abstimmung mit den Anwohnenden, dem Bezirksausschuss und den Händlern.“
Kritik kommt von der Linken, Fraktionschef Stefan Jagel schimpfte: „Das ist wirklich nur noch zum Lachen – oder zum Heulen. Den Händlern gegenüber hat die SPD in den letzten zehn Jahren drei Perspektiven gegeben und allesamt wieder eingestampft. Zuverlässige Stadtplanung sieht anders aus.“
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