VonBarbara Kamislischließen
Etwa 500 Besucher folgten am Donnerstag den Worten der vier Bürgermeisterkandidaten in Melsungen beim HNA-Lesertreff. Die Kandidaten punkteten mit Sachlichkeit.
Melsungen – Die Kandidaten waren beim HNA-Lesertreff in der Melsunger Kulturfabrik bemüht, die Fragen der Besucher und Moderatoren sachlich zu beantworten. Bis auf wenige Ausnahmen gab es keine persönliche Kritik.
Rund zwei Stunden lang standen die vier Kandidaten Timo Riedemann (SPD), Olaf Petersen (unabhängig), Martin Krüger (parteilos) und Alexander Katzung (unabhängig) in der Melsunger Kulturfabrik den Moderatoren Damai D. Dewert und William Abu El-Qumssan und den Besuchern Rede und Antwort.
Gesundheitsversorgung, Barrierefreiheit und der Leerstand – das waren nur einige der Themen, auf die Leser Antworten von den vier Kandidaten haben wollten.
Kandidaten einig: Melsunger Klinik wohl Geschichte
Die Kandidaten waren sich einig, dass es in Melsungen kein Krankenhaus in der bisherigen Form mehr geben wird. Stattdessen müsse man auf andere Lösungen setzen. „Das Krankenhaus ist weg und kommt auch nicht wieder“, sagt Martin Krüger. Er halte ein ambulantes OP-Zentrum mit Orthopädie für umsetzbar.
„Ich bin realistisch und schaue mir die Rahmenbedingen an, da lässt sich kein Vollkrankenhaus umsetzen“, sagt Alexander Katzung. Er sieht die Zukunft für Melsungen in einem Intersektoralen Gesundheitszentrum mit Kurzzeitpflegeplätzen.
„Die ersten Schritte für ein Intersektorales Gesundheitszentrum sind auf den Weg gebracht“, sagt Timo Riedemann. Das besondere sei, dass „wir als Stadt dafür Geld in die Hand nehmen“. Melsungen habe viele Arztsitze, die müssten auch in Zukunft besetzt werden. Dafür müsste, ähnlich wie bei den Kinderärzten, Geld in Hand genommen werden.
Olaf Petersen wollte nichts versprechen. Sprach sich aber für ein Medizinisches Versorgungszentrum aus, wo auch Schlaganfallpatienten behandelt werden könnten. „Denn da zählt jede Minute“, sagt Petersen.
Der Leerstand in der Melsunger Innenstadt nimmt stetig zu. Außer zum Wochenmarkt am Donnerstag ist oft wenig los. William Abu El-Qumssan wollten wissen, wie die Kandidaten die Innenstadt beleben wollen.
Barrierefreiheit beschäftigt die Kandidaten
Timo Riedemann will unter anderem Geld für mehr Barrierefreiheit zur Verfügung stellen. Außerdem ist er der Meinung, dass der Citymanager sich verstärkt um die Beseitigung des Leerstands kümmern solle, statt um soziale Medien. „Aber natürlich müssen wir auch einkaufen in der Innenstadt.“ Ein Standpunkt, den auch Olaf Petersen teilt.
Einkaufen attraktiver machen will Alexander Katzung. Seine Ideen unter anderem eine Brötchentaste an den Parkscheinautomaten sowie die Verknüpfung von Präsenz- und Onlinehandel.
Martin Krüger ist der Meinung, dass es nicht ehrlich wäre, eine lebendige Innenstadt zu versprechen. „Wir können uns natürlich engagieren, aber wir können auch keine Wunder erwarten.“ Vielmehr müsse man die Stadt ein Stück weit annehmen, wie sie sei.
Der Behindertenbeauftragte der Stadt Robert Weck wies auf die mangelnde Barrierefreiheit unter anderem im Rathaus. „Das empfinde ich als diskriminierend“, sagte Weck.
Auch als es um die Innenstadtbelebung ging, war die mangelnde Barrierefreiheit ein Thema. Die Kandidaten waren sich einig, dass bei diesem Thema Luft nach oben ist, aber auch wenn schon viel passiert sei.
Erst gestern erhielt die Stadt einen Förderbescheid des Landes über 385.000 Euro für den barrierefreien Umbau der Bartenwetzerbrücke mit Verbindungsweg in die Altstadt. (Barbara Kamisli)
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