Beim EU-Gipfel sind sich alle einig: Der Wolf muss leichter abgeschossen werden

  • schließen

Beim Treffen der deutschen Länderchefs in Brüssel gab es ein Thema, bei dem sich alle einig waren: Es muss leichter sein, Wölfe unter bestimmten Umständen abzuschießen.

Brüssel – Viel wurde beim EU-Gipfel der deutschen Länderchefs besprochen: Wie kann die Industrie in Deutschland gestärkt werden? Wie viele Flüchtlinge können aufgenommen und wie verteilt werden? Auch Niedersachsens Regierungschef Stephan Weil (SPD) war nach Brüssel angereist. Mit im Gepäck hatte er für Donnerstag, 7. September: das Dauer-Thema „Wolf“.

In der Politik herrscht weitgehend Einigkeit: Der Wolf soll künftig leichter abgeschossen werden dürfen.

Das sorgt vor allem, aber nicht nur in Niedersachsen, für viele erhitzte Gemüter. Nicht nur nach der jüngsten Wolfsattacke bei Stade, bei der 55 Schafe starben – einer der „schlimmsten Angriffe in Niedersachsen überhaupt“. Offenbar hatten sich zwei Rudel zusammengetan und richteten das Massaker an.

Bei EU-Gipfel sind sich alle einig: Der Wolf muss leichter abgeschossen werden können

Schon seit Jahren fordern Jäger- und Landwirtschaftsverbände eine Reduzierung des Wolfsbestands in Niedersachsen. Das Problem: Das Raubtier Wolf steht EU-weit unter strengem Schutz. Niedersachsens Regierungschef Weil hatte schon zu Wochenbeginn angekündigt, sich in Brüssel für regionale Lösungen einsetzen zu wollen.

So müsse es in seinem Bundesland „mit übermäßigen Wolfspopulationen und deutlichen Nutzungskonflikten“ möglich sein, sehr schnell einzugreifen. Mit seinem Anliegen stieß Weil in Brüssel auf offene Ohren. Selbst EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen, die ihr Pony „Dolly“ bei einem Wolfsangriff verlor, äußerte sich zum Thema.

Höchstpersönlich erklärte von der Leyen die Konzentration von Wolfsrudeln in einigen europäischen Regionen zu einer „echten Gefahr für Nutztiere und potenziell auch für den Menschen“, zitiert der Spiegel die Kommissions-Präsidentin. Ein ungewöhnlicher Vorgang, eigentlich äußern sich Kommissionschefs nur zu den ganz großen Themen.

EU-Kommission zum Wolf: „Abschüsse müssen schneller und unbürokratischer möglich sein“

Doch vielleicht ist der Wolf ja auch ein solches Thema. Es sei „völlig richtig“, wenn lokale Behörden bei klarer Gefahr eine Bejagung erlauben, so von der Leyen – und kündigte an: „Die Kommission wird deren Abwägungsentscheidung nicht infrage stellen.“ Eine Nachricht, die auch bei den Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten gut angekommen sein dürfte.

Und so scheint es, als könnte der Wolf bald einfacherer getötet werden können. Die Kommission hatte am Montag angekündigt, dass der strenge Schutz von Wölfen unter EU-Recht gelockert werden könnte. Zunächst sollen aber bis zum 22. September systematisch Daten über Wolfspopulationen aus ganz Europa bei einer Meldestelle eingereicht werden, schreibt der Spiegel.

Wenn Dutzende Schafe gerissen werden [...] ist das eine Tragödie für jeden Weidetierhalter

Bundesumweltministerin Steffi Lemke

Laut dem Hamburger Blatt sei man sich ausnahmsweise auch mal bei der Ampel-Koalition einig. So äußerte Bundesumweltministerin Steffi Lemke (Grüne) kürzlich gegenüber der Welt: „Abschüsse von Wölfen nach Rissen müssen schneller und unbürokratischer möglich sein.“

„Wenn Dutzende Schafe gerissen werden und verendet auf der Weide liegen, dann ist das eine Tragödie für jeden Weidetierhalter und eine ganz große Belastung für die Betroffenen. Daher brauchen sie mehr Unterstützung und Sicherheit“, so Lemke.

Nicht nur Niedersachsen gilt wieder als Wolfsland

Musik wahrscheinlich auch in den Ohren der meisten Landwirte: Sie hatten am Mittwochabend anlässlich der Ministerpräsidentenkonferenz dafür demonstriert, den Schutzstatus des Wolfes zu lockern. „Der Wolf ist definitiv nicht mehr vom Aussterben bedroht“, sagte Simon Darscheid vom Schafzuchtverband Nordrhein-Westfalen. Trotz Weidezäunen und Hütehunden würden seine Schafe weiterhin von Wölfen gerissen. „Der Wolf muss runtergestuft werden aus der allerhöchsten Schutzstufe im EU-Artenschutzrecht“, sagte Udo Hemmerling, stellvertretender Generalsekretär des Deutschen Bauernverbands. Wenn niemand eingreife, werde die Zahl der Wölfe nur weiter steigen.

Neben Niedersachsen hat sich der zur Mitte des 19. Jahrhunderts ausgerottete Wolf seit seiner Rückkehr auch in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen um die Jahrtausendwende wieder breit gemacht. Es kommt immer wieder vor, dass Wölfe auch Nutztiere wie Schafe, Ziegen und Kälber reißen.

Rubriklistenbild: © dpa/Sina Schuldt/Matthias Udwardi/Montage

Kommentare