VonFabian Hartmannschließen
Der Sommer 2024 war bislang nass und gewittrig. Mitunter führten Unwetter im Norden zu verheerenden Folgen. Wie man sich bei Gewittern am besten in Sicherheit bringt.
Delmenhorst – Als ein Blitz in einen Baum im Delmenhorster Graftwiesen-Park einschlug, wurden alle Familienmitglieder einer achtköpfigen Familie schwer bis lebensbedrohlich verletzt. Ein fünf Jahre alter Junge und ein 14-jähriges Mädchen mussten vor Ort reanimiert werden. Die Familie hatte während eines der teils schweren Gewitter, die über Teile Niedersachsens hinwegzogen, Schutz unter einem Baum gesucht.
Nach Blitzeinschlag in Delmenhorst schweben ein Kind und ein Jugendlicher weiterhin in Lebensgefahr
Nach Eingang des telefonischen Notrufs wurde der Fall als „Massenanfall von Verletzten“ (MANV) behandelt – also als Situation, in der die medizinische Regelversorgung nicht mehr ausreicht, um die Gesundheit der Betroffenen zu gewährleisten. Ein Rettungshubschrauber flog die beiden lebensbedrohlich verletzten Kinder in ein Krankenhaus, die übrigen Familienmitglieder wurden von Krankenwägen in Kliniken gebracht.
Bereits zur Julimitte, 14. Juli 2024, resümierte der Deutsche Wetterdienst (DWD), „zur Halbzeit gestaltete sich der Sommer 2024 äußerst wechselhaft“. Und auch die darauf folgende Woche sollte mit den teils verheerenden Folgen in Teilen Niedersachsens am Sonntag für einen unwetterartigen Abschluss sorgen. Zuvor warnten Meteorologen bereits vor teils schweren Unwettern in Teilen Niedersachsens. Sollte das Wetter in der zweiten Sommerhälfte nicht nachhaltig umschlagen, dürften Bremen und Niedersachsen auch in den verbleibenden Wochen des Sommers 2024 weitere Gewitter und Unwetter ereilen.
Ratschläge und Tipps vom BBK – so lässt sich im Falle eines Gewitters am besten Schutz suchen
Was aber ist bei Unwettern mit Blitz, Donner und Starkregen zu beachten – auch, damit sich ein Fall wie der im Delmenhorster Graftwiesen-Park nicht wiederholt? Und gibt es empfohlene Verhaltensweisen und Tipps, an die sich halten lässt, wenn man beim Spaziergang in der Natur von einem Unwetter überrascht wird?
Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) empfiehlt, sich bei Unwettern von offenem Gelände, Berggipfeln sowie frei stehenden hohen Objekten wie etwa Bäumen, Antennen oder Laternen fernzuhalten. Zu Überlandleitungen empfiehlt es, einen Mindestabstand von 50 Metern unbedingt einzuhalten. Schutz vor Gewittern lässt sich dem BBK zufolge bei unmittelbarer Bedrohung möglichst in Bodensenken finden, sozusagen am niedrigsten Punkt der Umgebung. Hierbei empfiehlt es sich, mit eng zusammengestellten Füßen in die Hocke zu gehen, da so verhindert wird, dass besonders viel Strom durch den Körper fließen kann.
Außerdem sollten Kopf und Nacken geschützt werden, da Gewitter unter Umständen Hagelschlag verursachen. In leeren Flussläufen oder engen Schluchten sollte bei einem Gewitter zudem bedacht werden, dass hier womöglich die Gefahr von Überschwemmungen aufgrund von Starkregen besteht. Darüber hinaus empfiehlt das BBK, nach Möglichkeit metallische Gegenstände vom eigenen Körper zu entfernen – etwa Gürtel, Uhren, Regenschirme oder Wanderstöcke.
Bei Gewittern mit Blitzen sollte „auf keinen Fall unter Bäumen“ Schutz gesucht werden
Auch die Feuerwehr Bremen rät davon ab, sich bei Starkregen, Sturm und Gewitter im Freien aufzuhalten. Schutz suchen sollte man „auf keinen Fall unter Bäumen“, sagte Feuerwehrsprecher Christian Patzelt „buten un binnen“. Denn im Sommer böten die vollen Baumkronen für Sturmböen noch mehr Angriffsfläche als in der kalten Jahreszeit.
Was aber ist mit dem althergebrachten Sprichwort, „Weiden sollst du meiden, Buchen sollst du suchen“, um im Falle von Unwettern und Gewittern sicher zu sein? „Niemand sollte dann Schutz unter Bäumen suchen – auch nicht unter den sprichwörtlichen Buchen“, fügte Patzelt hinzu. Der Polizeisprecher empfiehlt einen Sicherheitsabstand von mindestens zehn Metern zu Bäumen, aber auch zu hohen Gegenständen, wie zum Beispiel zu Ampel- oder Laternenmasten.
Auch in Autos ist man bei Gewittern vor Blitzeinschlägen geschützt
Ein sicherer Zufluchtsort bei Gewittern und Unwettern ist im Gegensatz zu Feldern, Wiesen oder Bäumen in freien Natur das Auto. Als allseitig geschlossener elektrischer Leiter stellt ein Automobil nämlich einen „Faradayschen Käfig“ dar, der als elektrische Abschirmung wirkt. Bei äußeren statischen oder quasistatischen elektrischen Feldern bleibt der innere Bereich infolge der Influenz nämlich feldfrei.
„Wichtig ist dabei, dass alle Fenster geschlossen sind“, sagte Feuerwehrsprecher Patzelt laut „buten un binnen“. Von Motorrädern und Fahrrädern sollte hingegen umgehend abgestiegen werden. Darüber hinaus empfiehlt der Feuerwehrsprecher bei Gewittern einen Mindestabstand von fünf Metern zwischen dem Zweirad und dem jeweiligen Fahrer.
Blitze gibt es nicht nur unmittelbar im Zentrum eines Gewitters – sondern auch in Ausläufern
Der DWD weist in seinen Gewitter-Empfehlungen auch darauf hin, dass Vorsicht auch geboten ist, selbst wenn sich das Gewitter nicht direkt über dem eigenen Standort befindet. Einerseits nämlich können Gewitterwolken eine weite horizontale Ausdehnung erreichen – theoretisch sind dann überall unter ihnen Blitzschläge möglich.
Zum anderen aber könne ein Blitz auch mehreren Kilometern entfernt vom eigentlichen Gewitter auftreten. Denn Blitze suchen immer den Weg des geringsten (Luft-)Widerstands, und dieser ist laut DWD nicht zwangsläufig der kürzeste Weg zwischen dem Kern der Gewitterwolke und dem Erdboden.
In Ausnahmefällen kann es daher auch passieren, dass selbst bei Sonnenschein ein Blitz aus dem Randbereich einer Gewitterwolke schlägt. Bevor sich infolge eines Gewitters wieder ins Freie gewagt wird, sollte laut DWD möglichst so lange gewartet werden, bis sich die Gewitterwolke vollständig verzogen hat und kein Donner mehr zu hören ist. (fh)
Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa | Patrick Pleul


