Wie können Renten gesichert werden? - So denken die Bundestagskandidaten im Wahlkreis Diepholz-Nienburg I

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Die Kreiszeitung fragt, die Kandidaten antworten.
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Wie wollen die Bundestagskandidaten im Wahlkreis Diepholz-Nienburg I dafür sorgen, dass Rentner 2030 gut von ihrer Rente leben können? Wir haben nachgefragt.

Der Countdown läuft. Dieses Wochenende wählt Deutschland einen neuen Bundestag. Im hiesigen Wahlkreis haben sieben Parteien eigene Direktkandidaten aufgestellt. Jeder von ihnen bekommt die Gelegenheit, Stellung zu unterschiedlichen Themengebieten zu beziehen. In dieser Folge steht die Rente im Mittelpunkt. Unsere Frage lautete: Wie wollen Sie dafür sorgen, dass ein Rentner oder eine Rentnerin 2030 von der persönlichen Rente gut leben kann?

Axel Knoerig (CDU)

Die gesetzliche Rente steht in den kommenden Jahren auf festen Beinen. Die Renten steigen Jahr für Jahr, dennoch reicht das mittel- bis langfristig nicht mehr aus. Private Altersvorsorge und Betriebsrenten müssen deshalb gestärkt werden. Wir als Union wollen hier vor allem dafür sorgen, dass Menschen mit kleinem Einkommen besser abgesichert werden

Peggy Schierenbeck (SPD)

Wer sein Leben lang arbeitet, muss im Alter gut von seiner Rente leben können. Daher sichern wir das Rentenniveau dauerhaft bei mindestens 48 Prozent. Ein abschlagsfreier Renteneintritt nach 45 Beitragsjahren bleibt weiterhin einer unserer Grundsätze. Eine Anhebung der Regelaltersgrenze, wie es die CDU fordert, lehnen wir strikt ab. Wer jedoch über das Rentenalter hinaus arbeiten möchte, erhält zusätzliche finanzielle Anreize. Die betriebliche Altersvorsorge werden wir durch steuerliche Förderung attraktiver gestalten, besonders für Geringverdiener. Die private Altersvorsorge machen wir transparenter und günstiger, mit gezielter staatlicher Förderung für kleine und mittlere Einkommen. Selbstständige werden in die gesetzliche Rentenversicherung einbezogen. Und im Gegensatz zu den anderen Parteien haben wir das ganze durchgerechnet und es ist finanzierbar.

Thomas Heidemann (Die Grünen)

Viele Rentner im Wahlkreis haben jahrzehntelang hart gearbeitet, aber steigende Mieten und Energiepreise bedrohen ihre finanzielle Sicherheit. Ich setze mich für eine Bürgerrente ein, die alle Erwerbstätigen einbezieht – auch Selbstständige und Beamte. Eine gerechtere Finanzierung durch eine Anhebung der Beitragsbemessungsgrenze und auch eine Verbreiterung der Bemessungsgrundlage sichern langfristig stabile Renten. Zusätzlich müssen betriebliche und private Vorsorgemodelle besser gefördert werden, insbesondere für Menschen mit geringem Einkommen. Altersarmut darf kein Thema mehr sein! Konkret fordere ich regionale, gut erreichbare und barrierefreie Beratungsstellen für Rentenfragen, damit alle Zugang zu verständlicher Information und individueller Vorsorgeberatung haben.

Heike Hannker (FDP)

Wir bevorzugen eine Rentenpolitik, die auf Flexibilität, Eigenverantwortung und Kapitalmarktintegration setzt. Ein zentraler Aspekt ist der flexible Renteneintritt, bei dem gilt: Wer länger arbeitet, erhält mehr Rente. Die FDP orientiert sich dabei an erfolgreichen Modellen wie in Schweden, wo Menschen freiwillig länger arbeiten und dadurch höhere Rentenansprüche aufbauen können. Ein weiterer wichtiger Bestandteil ist die Einführung einer Aktienrente, um die gesetzliche Rente zu ergänzen und unabhängiger vom demografischen Wandel zu machen. Wir planen, einen Teil der Rentenbeiträge am Kapitalmarkt zu investieren, um langfristig höhere Renditen zu erzielen. Zudem wird ein steuerlich gefördertes Altersvorsorgedepot vorgeschlagen, das es den Bürgern ermöglicht, privat für das Alter vorzusorgen.

Michael Barth (Die Linke)

Das Rentenniveau muss wieder auf 53 Prozent angehoben und die Beitragsbemessungsgrenzen verdoppelt werden. Für ein gerechtes Rentensystem zahlen alle Menschen mit Erwerbseinkommen ein – auch Beamte, Selbstständige und Freiberufler. Die niedrigen Rentenansprüche von Niedrig- und Geringverdienenden, Erwerbslosen, Erziehenden und Pflegenden wollen wir aufwerten. Wer 40 Jahre lang gearbeitet hat und selbst Beiträge gezahlt hat, soll ab 60 abschlagsfrei in Rente gehen können. Gegen Altersarmut hilft unsere „solidarische Mindestrente“ für diejenigen, die wegen schlechter Jobs, erzwungener Teilzeit oder Erwerbslosigkeit keine auskömmliche Rente bekommen. Sie erhalten einen Zuschlag bis zur Höhe der Armutsrisikogrenze von derzeit rund 1400 Euro. Die gesetzliche Rente gehört nicht an die Börse. Eine Aktienrente ist riskant und teuer.

Andreas Iloff (AfD)

Die Ausgaben des Bundes sind neu zu priorisieren. Nicht Klimaschutz, Massenmigration oder Ukraine-Krieg-Hilfen (Wiederaufbau) sind zu finanzieren, sondern die Daseinsvorsorge des deutschen Volkes. Deutschland hat im europäischen Vergleich ein sehr niedriges Rentenniveau, dies ist anzupassen. Die Zielmarke sind 70 Prozent. Dazu darf das Geld der Rentenkasse ausschließlich für die Rente verwendet werden, die Zahl der Einzahler muss erheblich vergrößert werden. Die Anzahl der Beamten ist nur auf hoheitliche Aufgaben zu reduzieren und auch Politiker zahlen in die Rentenkasse ein. Verwaltungen sind zu reduzieren, Anreize für freiwilliges längeres Arbeiten sind zu schaffen. Da können flexible Arbeitszeitmodelle und Heimarbeit („Home-Office“) helfen. In der Produktion können Modernisierung und Digitalisierung (KI) die Arbeitsprozesse nach japanischem Vorbild vereinfachen.

Kareen Heineking (Freie Wähler)

Ich halte die Doppelbesteuerung von Renten für ungerecht. Weiterhin ist jede andere Form der Doppelbelastung von Renten ungerechtfertigt und muss abgeschafft werden: Auf Renten Kranken- und Sozialversicherungsbeiträge zu erheben, ist inakzeptabel, da diese Beiträge bereits beim Erwerb der Rentenanwartschaften geleistet worden sind. Somit bedeutet die erneute Belastung der Renten selbst eine Doppelbelastung. Vor dem Hintergrund, dass Zuwanderern, die keine Beiträge zum Sozialversicherungssystem geleistet haben können, dieselben Ansprüche gewährt werden wie Beitragszahlern, ist es verständlich, dass diese Praxis auf breite Ablehnung stößt. Wenn diese Ungerechtigkeiten nicht beseitigt werden, ist es nicht verwunderlich, dass Bürger in Scharen extremistischen Parteien zulaufen. Statt kontraproduktive Proteste „gegen rechts“ anzuleiern, wäre es weitaus zielführender, die Ungerechtigkeiten abzustellen, die den extremistischen Parteien Wähler zutreiben.

Die Serie

1. Wie können die Renten gesichert werden?

2. Wo sehen die Kandidaten den größten Modernisierungsbedarf?

3. Ist die KI ein Fluch oder ein Segen?

4. Was denken die Kandidaten über das Verbrenner-Aus?

5. Welches ist „das“ Projekt, das die Kandidaten unbedingt umsetzen wollen würden?

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