VonMarc Lentvogtschließen
Die Bundestagskandidaten im Wahlkreis Diepholz-Nienburg I sollen Stellung beziehen: Wie denken sie über das Verbrenner-Aus und alternative Fahrzeug-Antriebe?
Der Countdown läuft. Am Wochenende entscheidet Deutschland über die Zusammensetzung des neuen Bundestags. Im Wahlkreis Diepholz-Nienburg I haben sieben Parteien eigene Direktkandidaten aufgestellt. Jeder von ihnen bekommt von der Kreiszeitung die Gelegenheit, Stellung zu unterschiedlichen politischen Themengebieten zu beziehen.
In der vierten und vorletzten Folge unserer Wahl-Serie steht dieses Mal die Mobilität im Mittelpunkt. Unsere Frage an die Direktkandidaten lautete: Beim Auto wird aus Umweltgründen in Europa auf E-Mobilität gesetzt, das Aus des Verbrenner-Motors ist beschlossen. Wollen Sie den Weg weitergehen und was halten Sie von alternativen Fahrzeug-Antrieben?
Axel Knoerig (CDU)
Elektroautos sind wichtig für den Klimaschutz, doch ihre Nachhaltigkeit hängt maßgeblich von der Stromquelle ab. Wenn Sonne und Wind nicht genug liefern, greifen wir oft auf importierten Atom- oder Kohlestrom zurück, was nicht die Lösung sein kann.
Deshalb brauchen wir dringend einen stabilen Energiemix mit erneuerbaren Quellen – mit dem Fokus auf Biogas. Allein im Landkreis Diepholz gibt es mehr als 100 Biogasanlagen, die stärker in die kommunale Strom- und Wärmeversorgung eingebunden werden müssen. Gleichzeitig sollten alternative Antriebe wie Erdgas und wasserstoffbasierte Technologien stärker gefördert werden.
E-Fuels sind ebenso unverzichtbar, um Millionen bestehender Diesel-Fahrzeuge klimafreundlich zu betreiben. Technologieoffenheit statt einseitiger Förderung ist der beste Weg, um klimaneutrale Mobilität zu sichern.
Peggy Schierenbeck (SPD)
Es spricht doch nichts dagegen, weiterhin alternative Antriebe zu erforschen. Man hat das in der Vergangenheit getan und bislang hat sich nichts wirklich durchgesetzt. Das kann doch in der Zukunft anders sein. Wenn wir unsere vorhandenen Verbrennermotoren mit alternativen Kraftstoffen betreiben können, die unsere Umwelt nicht belasten, wieso sollte man dann dagegen sein?
Die Forderung der CDU, am Verbrennerauto festzuhalten, ist absurd. Denn es ist ein Irrtum zu glauben, dass Deutschland darüber entscheidet, ob der Verbrennungsmotor eine Zukunft hat. Diese Entscheidung wurde schon vor zehn Jahren getroffen, in China und den USA – während die deutschen Autobauer die Entwicklung verschlafen haben.
Selbst wenn die CDU es schaffen sollte, das Verbrenner-Verbot in Europa aufzuheben, bliebe die Entwicklung hin zur Elektromobilität unverändert, denn sie ist die Zukunft.
Thomas Heidemann (Bündnis 90/Die Grünen)
Europa setzt auf E-Mobilität, das Verbrenner-Aus ist beschlossen. Ich unterstütze diesen Weg, aber er muss begleitet werden: mit mehr Ladeinfrastruktur, sicherer Energieversorgung und sozial verträglichen Anreizen.
Viele sehen mangels Ladesäulen keine Alternative zu Benzin oder Diesel. Ich setze mich für ein flächendeckendes Schnellladenetz ein. Zwar importieren wir teils Atomstrom, aber nur 3,7 Prozent des Bedarfs (2024). Mit mehr erneuerbarer Energie und Speichern werden wir unabhängiger.
Biogas (CNG) kann eine Ergänzung sein, wenn nachhaltig produziert. Besonders im ÖPNV braucht es Förderung für klimaneutrale Antriebe. E-Mobilität muss praktisch und bezahlbar sein.
Kurz gesagt: Ja, ich will den Weg der E-Mobilität weitergehen – aber mit einer realistischen, sozial gerechten und technologisch ausgereiften Umsetzung.
Heike Hannker (FDP)
Wir lehnen ein Verbot des Verbrennungsmotors entschieden ab und setzen uns für Technologieoffenheit ein. Die FDP möchte die Transformation des Autos marktwirtschaftlich umsetzen und fordert den Abbau regulatorischer Hürden für jede Technologie.
Die FDP unterstützt die Nutzung nachhaltiger Kraftstoffe, um die Zukunft des Verbrennungsmotors auch nach 2035 zu sichern. Zudem wird die Gleichstellung von Elektromobilität, erneuerbaren Kraftstoffen, Biokraftstoffen und Wasserstoffmobilität bei jeglicher Regulatorik, Besteuerung und Förderung angestrebt. Die FDP setzt auf Innovation und Wettbewerb, um Arbeitsplätze, Wohlstand und klimafreundliche Mobilität zu sichern.
Michael Barth (Die Linke)
Auch wenn Fahrzeug-Antriebe mit Biogas einen geringeren Schadstoffausstoß haben, ist Gas weiterhin ein fossiler Brennstoff und trägt nicht zur Vermeidung des Kohlenstoffdioxidausstoßes bei. Weder E-Fuels, noch Wasserstoff sind praktikable Lösungen für den Individualverkehr.
Biokraftstoffe sind nur eine Alternative, wenn sie regional sowie aus Bioabfällen oder Reststoffen produziert sind. Es braucht verlässliche staatliche Rahmenbedingungen, um die Produktion der Elektromobilität hochzufahren.
Zugleich muss endlich umfassend in die öffentliche Ladeinfrastruktur investiert werden. Wir wollen Energiemanagement- und Speichertechnik fördern. Langzeit-Energiespeicher für die Dunkelflaute wollen wir in das bestehende Stromnetz integrieren. Insgesamt wollen wir nur in echte erneuerbare Energiequellen und Infrastruktur investieren.
Andreas Iloff (AfD)
Die Alternative für Deutschland spricht sich grundsätzlich gegen planwirtschaftliche Eingriffe der Politik und des Staates in die Marktwirtschaft aus. Es ist die Innovation von Ingenieuren der Automobilindustrie, die Produkte entwickelt, die nachhaltig, verbraucherfreundlich und europäisch und international wettbewerbsfähig sind.
Die AfD ist gegen ein Verbrennerverbot, weil wir generell gegen ein politisches Verbot von Technik sind. Wir geben den deutschen Verbrennungsmotoren eine große Zukunft und stellen sie in den Wettbewerb mit anderen alternativen Antrieben.
Gerade in der historischen Betrachtung der deutschen Verbrennungsmotoren ist es eine Schande, dass die deutsche Politik in der EU nicht gegen das Verbot des Verbrennermotors interveniert hat. Eine starke AfD wird alles unternehmen, dieses Verbrennerverbot zu kippen.
Kareen Heineking (Freie Wähler)
Vom Verbrenner-Aus wollen wir uns definitiv vorerst verabschieden, bis tragbare, ressourcenschonendere Lösungen vorliegen. Wir setzen uns für jede Form der Energiegewinnung ein, die die Umweltbelastung minimiert und gleichzeitig unsere Abhängigkeit von externen Quellen reduziert. Derzeit bietet Biomasse aus unserer Sicht die besten Voraussetzungen für eine CO2-neutrale Energieversorgung. Für besonders wichtig halten wir die Wiederherstellung von Verlässlichkeit, für die Verbraucher und die Wirtschaft, einschließlich der Landwirtschaft, deren Niedergang in den vergangenen Jahrzehnten wissentlich in Kauf genommen wurde. Für einen Staat, dessen Bevölkerung gerade einmal ein Prozent der Welt ausmacht, ist es unsinnig, eigene hohe (und sinnvolle!) Standards weiter zu erhöhen, wenn andere Länder nicht mitziehen und ihre Interessen eher ohne Rücksicht auf die Umwelt verfolgen.
Die Serie
1. Wie können die Renten gesichert werden?
2. Wo sehen die Kandidaten den größten Modernisierungsbedarf?
3. Ist die KI ein Fluch oder ein Segen?
4. Was denken die Kandidaten über das Verbrenner-Aus?
5. Welches ist „das“ Projekt, das die Kandidaten unbedingt umsetzen wollen würden?
