VonHeinrich Krackeschließen
Zur Sicherung der Verdener Innenstadt sind hundert Brandschützer rund um die Uhr im Einsatz. Außerdem wurden Kräfte aus Cuxhaven und Diepholz angefordert.
Verden/Achim – Die Hochwasserlage im Landkreis Verden hat sich am Freitag, 29. Dezember, zugespitzt. In der Stadt Verden wurden über das Fischerviertel hinaus weite Teile der Innenstadt abgesperrt und mit Sandsäcken abgesichert. Am Vormittag trafen rund 190 Einsatzkräfte der Kreisfeuerwehrbereitschaft Cuxhaven zum Unterstützen der örtlichen Feuerwehren ein.
Gleichzeitig stiegen die Pegel weiter, moderat zwar, um vier bis fünf Zentimeter, aber zwischenzeitliche Wolkenbrüche führten zu einer nächsten Stufe der angespannten Lage und für das Wochenende sind ebenfalls ergiebige Regenfälle vorhergesagt. Aufgrund der prekären Lage haben Stadt und Landkreis ein Feuerwerks-Verbot erörtert, aber am Ende nicht verhängt. Es blieb beim Appell, auf das Zünden von Raketen und Knallkörpern zu verzichten. Lediglich in der Achimer Innenstadt gilt ein solches Verbot.
„Wir liegen inzwischen nur noch wenige Zentimeter von den Pegel-Höchstständen entfernt“, hieß es am Vormittag in einer ersten Lage-Beurteilung der Kreisfeuerwehr. Anschließend verschärfte sich die Situation praktisch von Stunde zu Stunde. Bis zum Abend wurde die Verdener Innenstadt zwischen Fußgängerzone und Aller vollständig gesperrt, es folgten weitere Bereiche in Richtung Allerstraße. Vorausgegangen war ungewöhnlich regnerisches Wetter, das die Hochwasser-Entwicklung begünstigt hatte.
Zufahrtsstrecken rund um Verden wegen Hochwasser gesperrt
Auch für nächste wichtige Zufahrtsstrecken wurde der Fahrzeugverkehr untersagt. Seit Donnerstag beispielsweise für die Südbrücke in Verden. An der Zufahrt, dem Klusdamm, kam es zu einem größeren Qualmwasseraustritt, der durch Quellkaden gemeinsam von Feuerwehr und THW gesichert wurde. Weiterhin finden im gesamten Kreisgebiet regelmäßige Kontrollfahrten der Deichverbände, Feuerwehren und dem THW an den Deichanlagen statt.
Damit steht im gesamten Landkreis nur noch eine Brücke über die großen Ströme zur Verfügung, die Nordbrücke über die Aller. Im weiteren Umfeld ist bereits seit Donnerstagabend die Zufahrt zur Weser-Brücke in Hoya geschlossen.
In Verden spitzte sich zunächst die Lage im Fischerviertel zu. Die komplette Fahrbahn auch der zweiten Parallelstrecke ist seit Freitag überspült, die Häuser wurden durchgängig mit Sandsäcken gesichert. An der Reeperbahn quoll Wasser aus der Kanalisation empor und machte die Strecke unpassierbar. Im angrenzenden Allerpark stand das Nass kniehoch hinter der Schutzmauer. Am Übergang zum provisorischen Parkplatz vor Lebenshilfe und neuem Gebäude der Staatsanwaltschaft schufen Brandschützer einen Deich aus Sandsäcken.
Nördlich der Allerbrücke gerieten erste Bereiche an der Allerstraße unter Hochwasser-Einfluss. Auch hier verlegten die Einsatzkräfte Sandsäcke. Am Nachmittag veröffentlichte das Rathaus den Hinweis, Fahrzeuge seien umgehend von den Parkplätzen an Reeperbahn, Blumenwisch und Norderstädtischem Markt zu entfernen. Aufkommendem Hochwasser-Tourismus wurde in diesem Bereich mit einem Zugangsverbot für Passanten begegnet. Parallel dazu fanden umfangreiche Sicherungs- und Pumpmaßnahmen am Jugendhof Sachsenhain im Ortsteil Dauelsen statt.
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Zwischenzeitliche Irritationen löste die Debatte um ein Feuerwerksverbot aus. Nachdem die Gemeinde Lilienthal ein solches zum Schutz vor Überbeanspruchung der Brandschützer verhängt hatte, sei auch im Landkreis Verden eine ähnliche Vorgehensweise erwogen worden. Das bestätigte auf Nachfrage etwa Verdens Bürgermeister Lutz Brockmann. Letztendlich habe man sich nur zu einem Appell auf Feuerwerk-Verzicht durchgerungen.
Kein Böller-Verbot im Landkreis Verden, aber dringender Appell an Feiernde
„Böllern ist grundsätzlich erlaubt. Es bedarf schon sehr gewichtiger Gründe, ein Verbot anzuordnen. Diese Gründe liegen hier nicht vor“, erklärte auf Nachfrage Landkreis-Pressesprecher Ulf Neumann. Generell sei die Lage in Lilienthal und Verden nicht vergleichbar. Eine solche Entscheidung müsse einer rechtlichen Prüfung standhalten, und das sei hier nicht gegeben. Zudem sei ein Verbot nur sehr schwer durchzusetzen.
Die Kreisverwaltung widersprach unter anderem der Meldung einer Nachrichtenagentur, die von einem kreisweiten Böllerverbot berichtet hatte. Brockmann appellierte an die Bevölkerung, zumindest den Bereich großräumig an und auf der Südbrücke von Feuerwerk zu verschonen.
Mit zunehmender Dauer gerieten auch in Verden die Brandschützer an die Grenze ihrer Belastbarkeit. Rund um die Uhr sei die Einsatzstärke auf knapp 100 Kräfte gehalten, teilte der Kreisfeuerwehrverband mit. So gut es ging, sei Ablösung bereitgestellt. Mehrfach kam es zu Sirenenalarm, um weitere Kräfte zu mobilisieren. Zudem wurde nur einen Tag, nachdem der Landkreis die Vorstufe zum Katastrophenfall festgestellt hatte, das sogenannte „außergewöhnliche Ereignis“, von den Möglichkeiten dieser Anordnung Gebrauch gemacht.
Die Kreisfeuerwehrbereitschaft Cuxhaven wurde mit bis zu 190 Kräften angefordert. Benötigt würden sie, um die Verdener Brandschützer in der Nacht zu entlasten. Die Kräfte von der Nordsee sammelten sich an den Berufsbildenden Schulen und starteten unter anderem mit dem Befüllen von Sandsäcken. Zehntausende seien inzwischen gefüllt, heißt es. Am Abend machte sich zudem eine Kreisfeuerwehrbereitschaft aus dem Landkreis Diepholz auf dem Weg in den Landkreis Verden, um die örtlichen Einsatzkräfte weiter zu entlasten und Personalreserven zu bilden.
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Allerdings hatten die Brandschützer nicht nur mit dem Hochwasser zu kämpfen, sie mussten auch auf Falschmeldungen in den sozialen Medien reagieren. Unter anderem hieß es dort, der Deich bei Hutbergen sei gebrochen, ein Seniorenheim in Langwedel sei evakuiert. „Beides trifft nicht zu“, sagt Feuerwehr-Pressesprecher Dennis Köhler. „Der Deich wurde frühzeitig verfestigt, das Seniorenheim ist lediglich auf den Fall einer Evakuierung vorbereitet worden. Deshalb wurden Sandsäcke geliefert.“



