Unwetter in Hude

„Begann mit harmlosen Regentropfen“: Extremes Unwetter zieht durch Ort in Niedersachsen – neue Details

  • schließen

Eine Gemeinde in Niedersachsen traf es am späten Donnerstagabend: Ein extremes Unwetter hinterließ eine Schneise der Zerstörung. War es ein Tornado?

Update vom 22. September 2023, 14:09 Uhr: In Niedersachsen haben Unwetter für Chaos gesorgt. Besonders in Hude war die Zerstörung groß. Offen blieb allerdings bisher, ob es sich bei dem Unwetter am Donnerstag um einen Tornado gehandelt haben könnte. Jetzt äußert sich der Deutsche Wetterdienst (DWD) zu dem Wetter-Ereignis. DWD-Meteorologe Felix Dietzsch sagt auf Nachfrage von kreiszeitung.de: „Zum jetzigen Zeitpunkt geht der DWD davon aus, dass es sich bei diesem Ereignis wahrscheinlich nicht um einen Tornado gehandelt hat.“

Tornado zieht durch Ort in Niedersachsen? Neue Erkenntnisse geben Antwort

Vielmehr können für die Schäden in Hude „wohl kleinräumige Gewitterfallböen“, ein sogenannter „Microburst”, verantwortlich sein. „Diese Fallwinde treffen auf dem Boden auf und erreichen dort in Böen sehr hohe Geschwindigkeiten in Orkanstärke“, so Dietzsch. Regnet es zeitgleich, könnten Beobachter diese Fallwinde kaum von einem Tornado unterscheiden. Allerdings lässt sich auch diese Annahme aktuell nicht genau feststellen.

Nur eine umfangreiche Analyse des Schadensbildes könnte einen Tornado bestätigen. Zudem müsste der Wetterdienst Bildmaterial sichten, das den „auskondensierten Rüssel“ zeigt. „Die Daten unseres Niederschlagsradars liefern keine Hinweise auf einen Tornado“, so Dietzsch abschließend.

Tornado und Orkantief: Die 5 heftigsten Unwetter in Niedersachsen der vergangenen Jahre in Bildern 

Westerland auf Sylt Kyrill
Der 18. Januar 2007 ist vielen Menschen in Niedersachsen vermutlich in Erinnerung geblieben: Der Orkan „Kyrill“ zog über das Land hinweg. Diese Aufnahme zeigt den Vortag, an dem bereits hohe Wellen auf den Strand von Sylt trafen.  © dpa/Carsten Rehder
Sturm - Orkan „Kyrill“ über Deutschland
Im Fischereihafen von Norden-Norddeich schlugen am 18. Januar 2007, rund vier Stunden vor dem Maximum der zu erwartenden schweren Sturmflut, bereits die ersten Wellen über die Pierkante. Bis in den Morgenstunden des Folgetags sollte das Orkantief noch im Norden wüten und Zerstörung mit sich bringen. © dpa/Ingo Wagner
Orkan "Kyrill" - Hochhausdach fällt auf Wohnhaus
Der Blick aus einem zerstörten Kinderzimmer in Barsinghausen zeigt: Das Orkantief „Kyrill“ hinterließ große Schäden in Niedersachsen. Mit einer Schadenssumme von 149 Millionen Euro verfehlte der Orkan dort nur knapp die Aufnahme in die Liste der weltweit zehn teuersten Naturkatastrophen der Gruppe. 47 Menschen starben durch „Kyrill“. © Jochen Lübke
Tornado auf Helgoland
Wenn Urlauber Helgolands an den 12. Juli 2010 zurückdenken, gefriert ihnen vermutlich das Blut in den Adern. An diesem fegte ein Tornado über die Düne der Nordseeinsel hinweg und richtete erhebliche Schäden an. Ursache für die Superzelle war das Tiefdruckgebiet „Norina“. © dpa/Uwe Nettelmann
Tornado fegt über Helgoländer Düne
Der Tornado, der am 12. Juli 2010 über die Helgoländer Düne hinwegfegte, sorgte vom Land aus für eindrucksstarke Bilder durch massive Wolkenformationen.  © dpa/Kay Martens
Tornados in Norddeutschland - Helgoland 2010
Der Tornado hinterließ auf Helgoland ein Trümmerfeld. Dieses Bild zeigt einen Campingplatz auf der Düne der Insel. Elf Menschen wurden verletzt. Auch kam es zu Schäden in Niedersachsen. Im ostfriesischen Hafen Leer richtete das Unwetter zum Beispiel Schäden von etwa einer Million Euro an. Zudem starben zwei Menschen.  © dpa/Andrea Auer
Sturmflut am Hafen in Neuharlingersiel (Niedersachsen)
Der Orkan „Xaver“ wütete vom 4. Dezember 2013 bis zum 10. Dezember 2013 im Norden Europas. Den Norden Deutschlands erwischte er am 6. Dezember 2013 mit voller Wucht. Die „Nikolausflut“ gehört zu den schwersten der letzten 100 Jahre. Dieses Foto zeigt die Stärke der Flut am Hafen von Neuharlingersiel in Niedersachsen.  © dpa/Ingo Wagner
Orkantief Xaver Hochwasser Bensersiel Niedersachsen
Das Hochwasser in den Mittagsstunden am 6. Dezember 2013 überflutete während des Sturmtiefs „Xaver“ den gesamten Campingplatz in Bensersiel, Niedersachsen. Auf den Inseln waren „erhebliche Dünenabbrüche zu verzeichnen“, teilte das niedersächsische Umweltministerium (NLWKN) mit. Insbesondere waren die Dünen am Hammersee auf Juist und die Zeltplatzdünen auf Spiekeroog sowie die Harlehörn-Düne auf Wangerooge betroffen. © dpa/Ingo Wagner
Orkan Xaver Lüneburg
Auch im Inland Niedersachsens kam es während des Orkantiefs „Xaver“ zu erheblichen Schäden. Auf eisglatter Fahrbahn wurde der Bus von einer Sturmböe erfasst, rutschte von der Straße und knallte in zwei Bäume. Der Gesamtschaden in Deutschland wurde auf 100 bis 200 Millionen Euro geschätzt. Präzise Wettervorhersagen und verbesserter Küstenschutz konnten großeren Summen vorbeugen. In Europa starben insgesamt 13 Menschen, davon in Deutschland eine Person.  © dpa/Polizei Lüneburg
Nach Sturmtief „Friederike“ - Niedersachsen
Das Sturmtief „Friederike“ erreichte am 18. Januar 2018 seinen Höhepunkt. Im Norden Deutschlands brachte der Orkan unter anderem starken Schneefall mit sich. Die Straßen waren deshalb spiegelglatt. So kam es zu einer Reihe an Unfällen. Besonders den Süden Niedersachsens erwischte es heftig. © dpa/Hauke-Christian Dittrich
Nach Sturmtief „Friederike“ - Niedersachsen
Den Süden Niedersachsens erwischte der Orkan „Friederike“ heftig. Während in den flachen Regionen des Landes nur wenig Schäden verzeichnet wurden, sah die Lage in der Hauptstadt Hannover ganz anders aus. Wie auf dem Foto zu sehen ist, stürzten unter anderem Bäume in Häuser. © dpa/Hauke-Christian Dittrich
Waldschäden nach Orkan Friederike
Die größten Schäden richtete „Friederike“ in den Wäldern von Niedersachsen an. Landesweit werde mit mehr als zwei Millionen Kubikmetern Sturmholz gerechnet, erklärte damals das Niedersächsische Umweltministerium. Insbesondere im Mittelgebirge wurden Wälder zerstört, wie zum Beispiel im Harz, Solling und dem Weserbergland. © dpa/Stefan Rampfel
Sturmtief Zeynep - Bensersiel
275431582.jpg © dpa/Hauke-Christian Dittrich
Sturmtief Zeynep - Emden Niedersachsen
Ein Unimog der Hafenbehörde fährt am überschwemmten Kai im Hafen Emden in Niedersachsen vor der Fähre „Westfalen“. Es ist der 18. Februar 2022. An der Nordsee erreichen die Windböen des Orkantiefs „Zeynep“ stellenweise bei über 140 Kilometer pro Stunde. © dpa/Lars Klemmer
Stürme verursachen Schadholz im Privatwald
Mitte Februar zog nicht nur das Orkantief „Zeynep“ über Niedersachsen hinweg. Auch zwei weitere, „Ylenia“ und „Antonia“, sorgten für Unwetter und Sturm. Nach Schätzungen der Landwirtschaftskammer entstanden dabei gut eine Million Festmeter Schadholz. Das Orkantief „Zeynep“ forderte in Europa insgesamt 17 Todesopfer. Ein Mann starb bei Dacharbeiten an der Wurster Nordseeküste, Niedersachsen. In Ostfriesland wurden laut Feuerwehrverband ca. 1900 Feuerwehreinsätzen abgearbeitet. © dpa/Philipp Schulze

Update vom 22. September 2023, 10:55 Uhr: „Sehr außergewöhnlich“, so beschreibt Torsten Suhr, Zugführer der örtlichen Feuerwehr, den gestrigen Einsatz gegenüber kreiszeitung.de. Eine 150 Meter breite Schneise, zwei Kilometer lang, von Süd- nach Nordhude: Es sind die Eckdaten eines vermeintlichen Tornados, der am Donnerstagabend durch die 15.000-Einwohner-Gemeinde walzte. 14 Einsatzkräfte und sieben Fahrzeuge waren im Einsatz. Zurück bleibt „Verwüstung“, schildert Suhr.

Unwetter zieht durch Ort in Niedersachsen – Einsatzkräfte vermuten einen Tornado

Vor einem Hof lagen beispielsweise Äste von 50 Zentimeter Dicke. Sie brachen aus einer massiven Eiche heraus, während der Sturm wütete. „Das Haus konnte man nicht mehr sehen.“ Direkt an der Kirche, in der Waldstraße, sei in einer Höhe von sieben Meter ein Baum abgebrochen. Unzählige weitere Bäume fielen um. Eine große Eiche krachte auf ein Wohnhaus. Bisher habe Suhr ein derartiges Ausmaß nicht erlebt. Dabei wütete der Sturm nur kurzweilig.

Erst vor wenigen Wochen entdeckten Sturmjäger eine Windhose an der ostfriesischen Nordseeküste, die in Richtung Norderney zog.

Mehrere Bäume wurden entwurzelt, einer fiel beinahe auf den hiesigen Kirchturm: Ein extremes Unwetter zog kürzlich über Hude in Niedersachsen hinweg.

„Fünf bis zehn Minuten richtig Sturm und dann schon wieder Ruhe“, sagt Suhr. Er habe zu Hause aus dem Fenster geschaut und gesehen, dass Regen am Fenster „vorbei preschte“. Als er am Feuerwehrhaus ankam und zum ersten Einsatz fuhr, war der Spuk schon wieder vorbei. „Teilweise sah das aus, als wäre ein Tornado durchgeweht“, schildert Suhr. Ob es einer gewesen ist, könne er nicht sagen und ist auch bislang nicht bestätigt. Dennoch ist die Zerstörung so groß, dass die Aufräumarbeiten noch eine ganze Weile andauern werden.

Dicke Eiche fällt beinahe auf Kirchturm: Extremes Unwetter erwischt Hude in Niedersachsen

„Es wird noch ein paar Tage in Anspruch nehmen“, sagt Torsten Suhr. Teilweise liegen weiterhin Bäume quer über der Straße. Die Lage sei aber mittlerweile so weit im Griff, dass Rettungswagen überall ankommen würden. Der Zweckverband Kommunalservice Nordwest werde im Laufe des Tages weitere Wege freischneiden.

Wetter-Trend: Das erwartet Niedersachsen in den kommenden fünf Tagen

Samstag, 23. September 2023küstennah häufiger Schauer und einzelne Gewitter, 18 Grad
Sonntag, 24. September 2023freundlicher Wechsel von Sonne und Wolken, zwischen 18 und 20 Grad
Montag, 25. September 2023teils starke Bewölkung, sonst vielfach heiter und trocken, 20 Grad an der See und 23 Grad in Hannover
Dienstag, 26. September 2023bis zu 23 Grad Celsius in Hannover, trocken
Mittwoch, 27. September 2023bis zu 25 Grad in Hannover, trocken

Erstmeldung vom 22. September 2023, 09:23 Uhr: Niedersachsen – Mehrere Bäume werden entwurzelt, eine dicke Eiche verfehlt den örtlichen Kirchturm nur knapp: Das extreme Unwetter, was am vergangenen Donnerstagabend, 21. September 2023, durch Hude zog, hinterließ eine Schneise der Zerstörung. Die örtliche Feuerwehr berichtet gegenüber Nord-West-Media TV von zig Bäumen, die umgefallen sind. Auch sprechen die Einsatzkräfte von einer Windhose.

Schneise der Zerstörung: Extremes Unwetter zieht durch Hude in Niedersachsen

Laut Einsatzleiter sei zudem eine regelrechte Schneise im Bereich der Waldstraße zu erkennen gewesen. Auch der Pastor der hiesigen Kirchengemeinde, Reiner Backenköhler, schildert seine Beobachtungen: „Es begann mit ein paar harmlosen Regentropfen, eine Minute später war hier der Teufel los.“ Es sei ein ganz starker Wind durch den Ort gezogen, der viele Bäume umgerissen habe. Scheiben gingen zu Bruch.

Der Regen habe sich plötzlich horizontal gestellt – für ihn ein Anzeichen, dass es eine Windhose gewesen sein könnte. Nur wenige Minuten wütete das Unwetter, dann war es schon wieder vorbei. Die Schäden sind enorm und für ein normales Gewitter ungewöhnlich. Experten müssen jetzt anhand der Wetteraufzeichnungen klären, ob es eine Windhose beziehungsweise ein Tornado gewesen sein könnte.

Unwahrscheinlich ist es nicht. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) warnte gestern vor starken Gewittern, die über das Land bei Bremen hinwegfegen könnten. Grund hierfür könnte ein Ex-Hurrikan sein, der vor Europa steht und dessen Ausläufer jetzt Norddeutschland erreichen.

Rubriklistenbild: © Nord-West-Media TV

Kommentare