In den Wäldern

Wildkatzen breiten sich in NRW aus – ein gutes Vorzeichen

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Immer mehr Wildkatzen kehren in die Wälder in NRW zurück. Das hat mit Bemühungen von Umweltschützern zu tun – und könnte ein gutes Vorzeichen sein.

Köln – Sichtungen sind selten, und doch gibt es immer mehr Wildkatzen in Nordrhein-Westfalen. Vor rund 100 Jahren lebten die landesweit letzten Exemplare des scheuen Raubtiers in der Eifel, doch mittlerweile finden sich Vorkommen auch im Arnsberger Wald, in der Egge, im Kottenforst und im Rothaargebirge, heißt es in einer Mitteilung vom Landesbetrieb Wald und Holz NRW. Mit der Eifel beherbergt NRW sogar eines der beiden Verbreitungsschwerpunkte der europäischen Wildkatze in Deutschland. Die Tiere scheinen sich in unseren Breiten wieder wohler zu fühlen – und das ist ein gutes Zeichen, sagt eine Expertin.

Bessere Lebensräume für Wildkatzen in NRW – warum diese auch bedrohten Tierarten helfen

„Wildkatzen benötigen besonders strukturreiche Lebensräume, mit vielen Baumhöhlen und viel Totholz“, erklärt Wildkatzenexpertin Katharina Stenglein vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) im Gespräch mit 24RHEIN. Wenn sich nun in NRW – neben anderen Tieren – auch die Wildkatze wieder ausbreitet, könnte das ein gutes Indiz für die zukünftige Artenvielfalt sein: „Das sind Lebensraumbedingungen, die auch viele bedrohte Tierarten benötigen“. Nach bisherigen Erkenntnissen seien solche Lebensräume auch besser für Extremwettersituationen gewappnet, so Stenglein.

Naturschutzprojekt „Wildkatzenwälder von morgen“

Gleichzeitig betont die Naturschützerin aber auch: „Das bedeutet jedoch nicht, dass unsere Wälder generell besser werden. Vielmehr zeigt es, dass lokale Schutzbemühungen greifen“. Beispielsweise unterstützt der BUND NRW gemeinsam mit Försterinnen und Förstern von Wald und Holz NRW im Rahmen des Naturschutzprojekts „Wildkatzenwälder von morgen“ verschiedene Maßnahmen, die den Lebensraum des Tiers verbessern sollen. „Für die Wildkatzen werten wir mehrere kleine Waldwiesen und einige hundert Meter Waldrand auf“, sagt Jens Merzbach, Leiter des Forstbetriebsbezirks Siebengebirge in einer Mitteilung.

Konkret bedeutet das: „An geeigneten Stellen sorgen wir für mehr Licht am Boden und pflanzen dann seltene Baum- und Straucharten. Das sorgt für mehr Katzenverstecke und fördert die Artenvielfalt insgesamt“, so Merzbach. So soll der Wiederausbreitungsprozess des scheuen Raubtiers aktiv unterstützt werden. „Im Fokus stehen große Waldgebiete am Rande ihres Verbreitungsgebietes“, teilt der Landesbetrieb Wald und Holz mit. Für den Winter sind in den Regionalforstämtern Rhein-Sieg-Erft und Oberes Sauerland zahlreiche Einzelmaßnahmen geplant.

Die Europäische Wildkatze breitet sich in Nordrhein-Westfalen aus – und das ist gut so, sagen Naturschützer.

Im ersten Schritt müssten für die Aufwertung der Lebensräume erstmal einige Bäume gefällt werden, wird Christine Thiel-Bender vom BUND NRW in der Mitteilung zitiert. „Erweiterte und mit dem Wald besser vernetzte, artenreiche wilde Wiesen fördern im ersten Schritt dort den Artenreichtum der Insekten“. Das verbessere die Lebensbedingungen von Mäusen – die Hauptbeute von Wildkatzen – sowie anderen Nagern, was wiederum das Nahrungsangebot der Wildkatzen stärke. „Es ist wichtig, immer die Zusammenhänge zu beachten“, so Thiel-Bender.

Fast die Hälfte aller Tier- und Pflanzenarten in NRW bedroht – doch es wird besser

Neben dem Klimawandel sei der Verlust der Artenvielfalt eine der größten Herausforderungen unserer Zeit, heißt es vom Landesbetrieb Forst und Holz NRW. Laut einer Untersuchung stehen etwa 45 Prozent der Tier-, Pilz- und Pflanzenarten in Nordrhein-Westfalen auf der „Roten Liste“ – sind also gefährdet, vom Aussterben bedroht oder bereits ausgestorben, wie das NRW-Umweltministerium schreibt. Doch durch die Bemühungen der Naturschützer nimmt der Lebensraum Wald in NRW wieder zu. Und auch einst ausgestorbene Arten, wie Bieber, Waldvögel oder Uhus, sind wieder in die Wälder zurückgekehrt. Außerdem gilt mit dem Goldschakal die Ausbreitung einer fuchs- und hundeähnlichen Tierart in NRW als wahrscheinlich. (mg) Fair und unabhängig informiert, was in Köln und NRW passiert – hier unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren

Rubriklistenbild: © Fredrik von Erichsen/dpa

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