An zweitgrößtem See Deutschlands

Konzert-Gelände in NRW geplant – direkt am Rande des Tagebaus

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Festivals und Konzerte neben dem größten Loch Europas? In Elsdorf soll eine Waldbühne am Tagebau Hambach gebaut werden. Später wird die Grube zu einem riesigen See.

Elsdorf – Feiern, und wenige Meter entfernt sieht es aus wie das Ende der Welt: Das soll zukünftig in Elsdorf im Rhein-Erft-Kreis möglich sein. RWE will den Tagebau Hambach nach dem gesetzlichen Kohleausstieg in NRW mit Wasser aus dem Rhein fluten, und das riesige Loch so zum zweitgrößten See Deutschlands umfunktionieren. Bis das Mammutvorhaben abgeschlossen ist, werden noch einige Jahrzehnte vergehen. Doch schon jetzt arbeiten viele Menschen daran, die Transformation im rheinischen Braunkohlerevier voranzutreiben. Unter anderem soll eine Waldbühne am Tagebaurand Platz für Konzerte und Festivals bieten.

Waldbühne am geplanten Hambachsee in NRW: Konzerte und Festivals direkt am Tagebau

Eine Waldbühne am Tagebau Hambach soll zukünftig Festivals und Konzerte beheimaten.

Die Planungen, eine Waldbühne am Rande des Tagebau Hambach zu errichten, hat die Stadt Elsdorf in ihrem „Masterplan Zukunftsterrassen Elsdorf“ festgehalten. Darin schlüsselt die Verwaltung auf, wie die Transformation des rheinischen Reviers auf ihrem Stadtgebiet gelingen soll. Die Location soll dabei auf einer Plateaufläche errichtet werden, die es als solches noch gar nicht gibt. Nachdem der letzte Braunkohlebagger am Tagebau ab 20230 stillsteht, soll RWE die Fläche herstellen, wie es in einer Vereinbarung zwischen dem Energieriesen und der Neuland Hambach GmbH heißt.

Neuland Hambach GmbH

Die Neuland Hambach GmbH wurde von den sechs Anrainerkommunen Elsdorf, Jülich, Kerpen, Merzenich, Niederzier und Titz ins Leben gerufen. Die Gesellschaft vertritt die Interessen der Bürgerinnen und Bürger im Umkreis, kümmert sich um die strukturpolitische Entwicklung und die Koordination der Zukunftsperspektiven sowie um die Akquise von Fördermitteln und Investitionen.

Bis dann tatsächlich Menschen am Tagebau Hambach feiern können, werden also noch ein paar Jahre vergehen. Dafür gibt es weitere Planungen, auf die sich die Menschen in der Region freuen können: Die Stadt Elsdorf will auf der Plateaufläche, die zukünftig den Namen „:vista nova“ tragen wird, auch Wiesen-, Sport- und Spielflächen errichten. Auf den Böschungsflächen des geplanten Sees sind zudem „Novel Food“-Testfelder geplant. Novel Food bedeutet neuartige Lebensmittel, also Speisen, die bislang nicht oder kaum in die Essgewohnheiten der Menschen integriert sind, beispielsweise Nahrung aus Zellkulturen.

Panoramastraße, Ferienpark, Seequartier: Das ist am riesigen Hambachsee in NRW geplant

Weitere Attraktionen sollen die „Zukunftsterrassen“ in Elsdorf in NRW touristisch aufwerten. So wird in unmittelbarer Nähe, direkt vor der Sophienhöhe, ein Ferienpark im Wald entstehen. Langfristig sind auch Flächen für die Landwirtschaft und drei weitläufige Strandabschnitte am geplanten See geplant. Schon vor dem Ende des Kohleabbaus am Tagebau Hambach wird die derzeitige Tagebaustraße zu einer Panoramastraße für Auto- und Radfahrer sowie Fußgänger ausgebaut, die mit wichtigen Verknüpfungspunkten, beispielsweise der Elsdorfer Innenstadt und einer möglichen Seilbahn zum Berggasthof verbunden wird.

Riesige Tagebauseen in NRW: Kritik an dem Vorhaben

Die Entnahme des Wassers für die Tagebauseen aus dem Rhein sorgte gleich von mehreren Seiten für Kritik: Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) fürchtet, dass der Rhein zukünftig sowieso schon zu wenig Wasser führen könnte und zweifelt an der Durchführbarkeit des Projekts. Auch Anwohner zeigten sich mit dem Vorhaben von RWE rund um den Tagebau Hambach unzufrieden. In Dormagen sorgt das Vorhaben, den zweitgrößten See Deutschlands in NRW entstehen zu lassen, für reichlich Unmut.

Die Waldbühne soll dann dauerhaft bestehen bleiben, wie Robert Wassenberg, Sprecher der Stadt Elsdorf, im Gespräch mit 24RHEIN sagte. Dafür soll sich das Drumherum nach dem Ende der Füllphase – RWE plant mit 2070 – nochmal gehörig verändern: Die „:vista nova“, also die zuvor errichtete Plateaufläche, wird dann in drei Halbinseln unterteilt und zu einem „Seequartier“ umgeformt, heißt es in der Vereinbarung von RWE und der Neuland Hambach GmbH. Das Quartier ist eines der „Leuchtturmprojekte“ der Verantwortlichen.

Wohnen direkt am Wasser? Das ist zukünftig in Elsdorf am riesigen Tagebausee Hambach möglich

In ihrem „Masterplan“ gibt die Stadt Elsdorf eine Richtung vor, was zukünftig am zweitgrößten See Deutschlands in NRW entstehen soll.

Unter anderem ist geplant, die Siedlungsentwicklung bis an den Rand des neu geschaffenen Sees voranzutreiben. Aktuell muss für Wohnbebauung noch ein Sicherheitsabstand von 400 Metern zur Kante des Tagebaus eingehalten werden. Diese Begrenzung fällt nach der Fertigstellung des Hambachsees weg, dann wird das Wohnen direkt am Ufer des zweitgrößten Sees Deutschlands möglich werden. Neben Wohnraum soll es auf den Inseln zudem Neubauflächen zur touristischen Versorgung und Anlegepunkte für Boote sowie eine Fähre geben, die die unterschiedlichen Tagebauseiten über den Wasserweg miteinander verbinden. (mg) Fair und unabhängig informiert, was in Köln und NRW passiert – hier unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

Rubriklistenbild: © MUST Städtebau GmbH

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