VonMarvin K. Hoffmannschließen
Eine auffällige Spinne breitet sich in NRW weiter aus. Ihre Netze sind kunstvoll und einzigartig. Die Weibchen legen ein grausames Verhalten an den Tag.
Hamm – Die auffällig schwarz-gelb gestreifte Wespenspinne (Argiope bruennichi) ist längst kein seltener Anblick mehr in Nordrhein-Westfalen. Was einst als exotische Erscheinung galt, entwickelt sich zu einem festen Bestandteil der heimischen Spinnenfauna. Mit ihrer wespenähnlichen Färbung und einer Körperlänge von bis zu 2,5 Zentimetern bei den Weibchen gehört sie zu den größten und spektakulärsten Radnetzspinnen Europas.
Die Wespenspinne ist nicht gänzlich neu in NRW. Schon in den 1960er Jahren ist sie hier mit den ersten Nachweisen im Kölner Raum bekannt. Seitdem hat sich die ursprünglich aus wärmeren Regionen Südeuropas stammende Art kontinuierlich von Südwesten her ausgebreitet. Heute ist sie im Ruhrgebiet und Rheinland weit verbreitet und in geeigneten Lebensräumen zahlreich anzutreffen, beispielsweise im Essener Gleispark Frintrop oder auf dem Areal des Landschaftsparks Duisburg-Nord, wie der NABU NRW erklärt. „Im Westfälischen Tiefland und in Mittelgebirgslagen wie dem Sauerland oder dem Teutoburgerwald wird sie jedoch seltener gesichtet“, heißt es dort zudem. Aufgrund der Häufigkeit werde die Art in der Roten Liste auch als „nicht gefährdet“ eingestuft.
Wespenspinne breitet sich aus – ein Zeichen des Klimawandels
Besonders charakteristisch sind die kunstvollen Radnetze der Wespenspinne, die sie in 20 bis 70 Zentimetern Höhe über dem Boden spannt. Mit einer Spannweite von meist 30 bis 40 Zentimetern fallen diese Netze durch ihr markantes zickzackförmiges Gespinstband auf, das sogenannte Stabiliment. „Die Wespenspinne liebt wärmebegünstigte, störungsarme Standorte mit niedrigem und halbhohem, strukturreichem Pflanzenbewuchs wie auf Heide-, Brach- und Grasflächen oder an Wegrändern“, erklärt der NABU NRW. Mittlerweile sei sie aber auch auf Feuchtwiesen oder in Gärten anzutreffen.
Als Indikator für den Klimawandel gilt die Wespenspinne als besonders interessant. Experten vermuten, dass die Klimaerwärmung und die damit verbundenen bodennahen Windströmungen die Ausbreitung dieser wärmeliebenden Art begünstigen. Menschliche Strukturen schaffen dabei günstige Voraussetzungen: Ruderal- und Brachflächen entlang von Gleisanlagen und Bahndämmen fungieren als ideale „Wärmeinseln“, die eine schnelle Ausbreitung unterstützen.
„Je nach Witterung findet man ab Mai Wespenspinnen-Jungtiere, von Juli bis August sind vermehrt erwachsene Tiere unterwegs“, erklärt der NABU NRW. Im Herbst trifft man aber kaum Männchen an – das hat einen ziemlich grausamen Grund: Meist fallen nach dem Geschlechtsakt die Männchen dem angeborenen Kannibalismus der Weibchen zum Opfer, weshalb zum Herbst hin fast nur noch die Weibchen angetroffen werden.
Trotz ihres furchteinflößenden Namens und Verhaltens ist die Wespenspinne für den Menschen völlig harmlos. Ihre Mundwerkzeuge können die menschliche Haut normalerweise nicht durchdringen. Als nützlicher Insektenjäger trägt sie sogar zur natürlichen Schädlingsbekämpfung bei. Wer im Spätsommer aufmerksam durch NRWs Wiesen und Brachflächen wandelt, kann diese faszinierenden Achtbeiner und ihre kunstvollen Netze bei tiefstehender Sonne besonders gut beobachten.
