VonEva Burghardtschließen
Seit Jahren gilt das Ruhrgebiet als eine Hochburg krimineller Clans. Jetzt richtet die Polizei ihren Fokus auf den Aspekt „Kriminalität durch Syrer“.
Essen – Nach den jüngsten Ausschreitungen im Clan-Milieu in Essen und Castrop-Rauxel im Juni nimmt die Polizei Essen nun kriminelle Syrer ins Visier. Laut einer Mitteilung hat Essens Polizeipräsident Andreas Stüve beschlossen, die Besondere Aufbauorganisation (BAO) mit dem Schwerpunkt Clan um den Aspekt „Kriminalität durch Syrer“ zu erweitern.
Nach Clan-Ausschreitungen: Polizei nimmt Syrer stärker ins Visier
Die Polizei beobachte Kriminalität, die durch Syrer begangen wird, bereits seit einiger Zeit, heißt es in dem Bericht. Schon in der polizeilichen Kriminalstatistik für das 2022 sei auffällig gewesen, dass die Straftaten, die von syrischen Staatsbürgern begangen werden, zugenommen haben.
Aufgrund dieser Erkenntnisse und „vergangener Ereignisse“ soll insbesondere Clan-Kriminalität, die von Syrern und Syrerinnen begangen wird, nun strategisch bekämpft werden. „Wir können und wollen nicht warten, bis sich kriminelle Strukturen verfestigen und von den nächsten Generationen übernommen werden“, so Stüve.
Was ist Clan-Kriminalität?
► Wenn die Rede von Clans ist, sind meist bestimmte Mitglieder von Großfamilien mit türkisch-arabischen Wurzeln gemeint. In Deutschland gehören nach Schätzungen des Bundeskriminalamts (BKA) rund 200.0000 Menschen zu solchen Großfamilien. Die meisten von ihnen sind nicht kriminell. Einige wenige aber haben sich zu Gruppierungen zusammengeschlossen, die Straftaten im Bereich der organisierten Kriminalität begehen.
► Viele gehören den sogenannten Mhallami an, einer arabischstämmigen Volksgruppe. Ihre Vorfahren wurden nach dem Ersten Weltkrieg aus der Türkei vertrieben, kamen dann in den Libanon. Als dort Bürgerkrieg ausbrach (1975 bis 1990), flohen viele der Familien nach Deutschland.
► Als Clankriminalität bezeichnen die Behörden Straftaten, die sich aus ethnisch abgeschotteten Subkulturen heraus entwickeln.
►Laut Landeskriminalamt gibt es bei jedem fünften Verfahren im Bereich der organisierten Kriminalität Bezüge zu Familienclans.
► Die kriminellen Clan-Mitglieder begehen schwere Straftaten, wie Menschenhandel, Betrug, Erpressung und Raub.
► Jetzt nehmen szenekundige Beamte der Polizei bei ihrer Arbeit auch kriminelle Menschen mit syrischem Hintergrund in den Fokus.
► Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) hatte zuletzt einen Vorschlag öffentlich gemacht, der es erleichtern würde, kriminelle Intensiv-Straftäter leichter abzuschieben. Daraufhin erntete sie Kritik – unter anderem von der CDU-Politikerin Serap Güler.
Man baue dabei auf die positiven Erfahrungen der bisherigen Arbeit der BAO. 36 Kräfte der Polizei sollen in dem neu geschaffenen Sachbereich jetzt tätig werden, entschied der Polizeipräsident Anfang Juli.
Polizei will Rechtsverständnis und Lebensweise der Syrer besser verstehen
Damit die Arbeit der Ermittlerinnen und Ermittler erfolgreich sein kann, analysieren die zuerst den Ist-Zustand, heißt es in der Mitteilung. Dabei greife man auf Zahlen und Daten aus den Kommunen Essen und Mülheim an der Ruhr zurück.
Wissenschaftliche Unterstützung kommt auch von der Hochschule für Polizei und Verwaltung NRW, die für die Ermittler ein Lagebild erstellen. Dabei gehe es darum, das Rechtsverständnis, die Lebensweise, die Kultur und das Verhältnis zu staatlichen Institutionen der syrischen Community zu verstehen.
Kritik für das Vorgehen der Essener Polizei kommt etwa von dem Polizeiwissenschaftler Prof. Dr. Thomas Feltes. Er hält die Maßnahmen für nicht legitim und erhebt schwere Vorwürfe.
Kampf gegen Clan-Kriminalität: Alle „rechtsstaatlichen Möglichkeiten ausschöpfen“
Die Polizei bekämpft Clan-Kriminalität durch Syrer nicht alleine – man arbeite dabei mit Netzwerkpartnern zusammen, um „alle rechtsstaatlichen Möglichkeiten auszuschöpfen“, so die Meldung. Dabei spiele auch die Prävention eine Rolle.
Zuletzt hatte es Kritik an der Vorgehensweise von Innenminister Reul (CDU) bei der Clan-Kriminalität gegeben. So warf ihm unter anderem der Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) vor, dass die öffentlichkeitswirksamen Razzien im Clan-Mileu nur der Inszenierung dienten. (ebu/mit dpa)
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