Neue Protest-Strategie

Greta Thunberg lässt sich in Lützerath mal wieder wegtragen – sie scheint glücklich

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Bei Lützerath hat die Polizei bei einer Demo erneut Schlagstöcke gegen Aktivisten eingesetzt. Auch Greta Thunberg war unter den Demonstranten.
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  • Maximilian Gang
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    Peter Sieben

Nach der Lützerath-Räumung geht es weiter: Aktivisten starten überall in NRW überraschend Aktionen. Die Polizei setzt derweil bei einer Demo erneut Schlagstöcke ein.

  • Bei einer Demo in Lützerath hat die Polizei erneut Schlagstöcke und Pfefferspray eingesetzt.
  • Überall in NRW starten Aktivisten überraschend Aktionen.
  • Im Tagebau Inden hatten sie einen Braunkohlebagger gestürmt.
  • Alle aktuelle Infos zum Lützerath-Protest im News-Ticker

Update vom 17. Januar, 17:27 Uhr: Polizisten haben nach einer Demo bei Lützerath die Klimaaktivistin Greta Thunberg weggetragen. Sie hatte mit anderen Aktivisten an einer Sitzblockade teilgenommen. Eine Polizeisprecherin bestätigte, Thunberg sei für die Feststellung der Personalien in Gewahrsam genommen worden. Sobald die Identitäten aller Beteiligten feststünden, würde die Gruppe in Bussen aus dem Gefahrenbereich gefahren und dann entlassen.

Die Polizei hatte zuvor erneut Schlagstöcke und Pfefferspray gegen Aktivisten eingesetzt.

Polizei setzt in Lützerath erneut Schlagstöcke ein

Update vom 17. Januar, 17 Uhr: Mehrere Hundert Demonstranten versammelten sich bei Lützerath, darunter auch die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg. Nach Angaben der Polizei lösten sich Menschen aus der Demonstration heraus und machten sich in Richtung des Tagebaus Garzweiler auf. Das Betreten der einbruchgefährdeten Tagebaukante und von Lützerath ist untersagt.

Erneut kam es zu Zusammenstößen zwischen Aktivisten und Polizei. Die Beamten setzten wieder Schlagstöcke und Pfefferspray ein, es war auch berittene Polizei vor Ort. Am Samstag erst war es bei einer Großdemo zu Gewaltszenen zwischen Aktivisten und Polizisten gekommen, es gab Verletzte. Über die genauen Umstände gibt es unterschiedliche Aussagen von Aktivisten und Polizei, auch die genaue Zahl der Verletzten ist noch nicht bekannt.

Lützerath selbst war in den vergangenen Tagen von der Polizei geräumt worden und ist abgeriegelt.

Nach der Demonstration gelangte nach Angaben des Energiekonzerns RWE eine Person in den Braunkohletagebau. „Das ist natürlich grob leichtsinnig, was der da macht“, sagte ein RWE-Sprecher.

Update vom 17. Januar, 14:35 Uhr: Klima-Aktivisten der Gruppe Extinction Rebellion haben sich in Düsseldorf am NRW-Innenministerium festgeklebt.

Klimaaktivisten haben sich aus Protest gegen die Lützerath-Räumung an das Innenministerium in Düsseldorf geklebt.

Etwa ein Dutzend Menschen, darunter eine Mutter mit Kind, waren an der Aktion in Düsseldorf beteiligt, wie Sprecher von Polizei und Innenministerium sagten. Nach einiger Zeit beendeten die Einsatzkräfte die Aktion: Einige Demonstranten seien freiwillig gegangen, andere weggetragen worden. Die Aktivisten, die sich an Scheiben geklebt hatten, wurden von der Polizei gelöst.

Die Demonstranten forderten außerdem den Rücktritt von Innenminister Herbert Reul: Am Wochenende war es bei der Groß-Demo in Lützerath aus Sicht der Aktivisten zu unverhältnismäßiger Polizeigewalt gekommen.

Blockaden am Tagebau Garzweiler

Update vom 17. Januar, 13.50 Uhr: Aktivistinnen und Aktivisten haben am Mittag den Eingang zum Tagebau Garzweiler in Wanlo blockiert. Die Polizei war Ort um die Sitzblockade aufzulösen.

Lützerath ist geräumt, doch der Protest geht weiter: Aktivisten haben den Tagebau Inden gestürmt und an weiteren Orten in NRW soll es Aktionen geben.

Etwa zeitgleich haben Aktivistinnen und Aktivisten Zufahrtwege zum Aussichtspunkt RWE-Skywalk blockiert.

Lützerath-Aktivisten stürmen Tagebau und besetzen Kohlebagger

Update vom 17. Januar, 11:50 Uhr: Die Kohle-Gegner setzen nach der Räumung von Lützerath ihre Proteste in NRW dezentral fort, nachdem das Aktionsbündnis „Lützerath unräumbar“ zu einem gemeinsamen Aktionstag am Dienstag aufgerufen hatten. Zum Bündnis gehören auch Gruppen von Fridays for Future und der Letzten Generation.

Im Braunkohletagebau Inden, der den Landkreis Düren und die Städteregion Aachen berührt, haben Aktivisten einen Schaufelradbagger besetzt. Dieser musste die Arbeit in der Folge einstellen. Die Polizei spricht von etwa 20 beteiligten Aktivisten, laut Angaben eines Sprechers von RWE handelt es sich um 30 bis 40 Personen.

Die Aktivisten, die die Werksbahnschienen zum Kraftwerk Neurath besetzt hatten, wurden mittlerweile von Polizisten weggetragen, wie die Polizei Aachen erklärt. Der „Aktionstickers Lützerath“ vermeldete etwa 130 Blockierer, Polizei und RWE sprechen von einer Gruppe von etwa 50 Personen, die von den Gleisen entfernt wurden. Gewalttätige Auseinandersetzungen sind bisher an keinem Protestort bekannt geworden.

Nach der Lützerath-Räumung schwärmen Aktivisten in ganz NRW aus: Am Morgen blockierten sie Schienen am Kraftwerk Neurath.

Nach Räumung von Lützerath: Aktivisten blockieren Gleise der Kohlebahn

Update vom 17. Januar, 11:20 Uhr: Jetzt schlagen die Aktivisten offenbar am Kohlekraftwerk Neurath zu: „Der gelbe Finger von Lützerath unräumbar“ blockiere seit Stunden die Nord-Süd-Kohlebahn am Kraftwerk, teilen die Aktivisten mit. Vor Ort halten sie Transparente von Fridays For Future in die Höhe: „Wenn Kinder zu Profis werden“ steht darauf, dazu der Hashtag #KlimagörenMachenKohleausstieg.

Nach Lützerath-Räumung: Aktivisten schlagen in ganz NRW zu

Erstmeldung: Erkelenz – Lützerath ist Geschichte – eigentlich. Die letzten beiden Besetzer haben die Tunnel unter dem Dorf verlassen und RWE reißt jetzt die verbliebenen Gebäude ab. Aber: Lützerath ist noch nicht vorbei, die Proteste gehen weiter. Überall in NRW starten Aktivisten jetzt weitere Aktionen. Die einzelnen Aktionsgruppen tragen Namen wie „Gelber Finger“ oder „Rosa Finger“, als wären sie Teil einer gemeinsamen Hand.

Unter anderem diese Aktionen starten in NRW:

  • Am Morgen haben Aktivisten den RWE-Tagebau Inden bei Jülich gestürmt und den Betrieb unterbrochen.
  • Um 13 Uhr startet in Düsseldorf eine Demo am Landtag.
  • In Keyenberg bei Lützerath wird es am Vormittag ebenfalls eine Demo geben.
  • Die Initiative „Kirche im Dorf lassen“ rief kurzfristig zu einem Gottesdienst und einer Prozession am Dienstagmorgen (ab 10 Uhr) in Keyenberg auf.

Zu dem gemeinsamen Aktionstag hatte das Bündnis „Lützerath unräumbar“ aufgerufen. Darauf stellt sich auch die Polizei Aachen ein. „Wir gehen davon aus: Es wird Aktionen geben“, hieß es.

Die verlassenen Dörfer bei Lützerath – so sehen sie heute aus

Leerstehende Häuser in Dörfern bei Lützerath
Eine Gaststätte in Keyenberg. Weinranken haben die Fassade überwuchert, der Innenraum ist leer.  © Peter Sieben
Straße in Keyenberg
Leere Straßen und leere Häuser in Keyenberg. © Peter Sieben
Leerstand in Keyenberg
Auch dieser Metzgerladen steht leer. © Peter Sieben
Keyenberg bei Lützerath
In dem Tagebau-Dorf wohnen kaum noch Menschen.  © Peter Sieben
Fenster eines Hauses in Keyenberg
Einige Bewohner sind geblieben – in der Hoffnung, dass es eines Tages wieder lebendig wird in Keyenberg.  © Peter Sieben
Hausfassade in Keyenberg
Um viele Häuser kümmert sich niemand mehr. © Peter Sieben
Verlassene Häuser in Keyenberg
In einigen Dörfern wohnt nur noch ein Bruchteil der ursprünglichen Einwohnerzahl © Peter Sieben
Leerstand in Kuckum
Ein leerstehendes Geschäft in Kuckum. Von den einst 500 Einwohnern sind noch etwa 40 übrig.  © Peter Sieben
Überwuchertes Ladenschild
Ein Laden in Unterwestrich bei Lützerath, den es schon lange nicht mehr gibt.  © Peter Sieben
Verlassener Hof in Unterwestrich
Auch dieser alte Hof in Unterwestrich bei Lützerath ist längst verlassen. © Peter Sieben
Leere Straßein Keyenberg
Die Rolläden sind an den meisten Häusern in Keyenberg heruntergelassen.  © Peter Sieben
Weihnachtsschmuck in Keyenberg
Obwohl nicht mehr viele Menschen hier leben, steht ein Weihnachtsbaum vor der Kirche in Keyenberg. © Peter Sieben
Schild gegen Diebe in einem Vorgarten
In den leerstehenden Häusern in Unterwestrich, Keyenberg oder Kuckum kommt es oft zu Einbrüchen. Die, die noch hier wohnen, wollen Diebe und Vandalen mit solchen Schildern fernhalten.  © Peter Sieben
Gelbes Kreuz auf einer Mauer
Das gelbe Kreuz ist zum Symbol der Protestierenden geworden, die Dörfer wie Lützerath vor dem Abriss bewahren wollen. Man findet es überall in den halbverlassenen Orten nahe dem Tagebau Garzweiler.  © Peter Sieben
Der Friedhof von Kuckum bei Lützerath
Der Friedhof von Kuckum: Regelmäßig werden Gräber werden immer noch umgebettet – obwohl der Ort erhalten bleibt.  © Peter Sieben
Camp in Lützerath
Von den ursprünglichen Hof-Bewohnern ist in Lützerath niemand mehr da. Heute besetzen Klimaaktivisten den Weiler.  © Peter Sieben
Camp Lützerath
Das Camp der Klimaaktivisten in Lützerath am 7. Dezember: RWE hat das Dorf an diesem Tag vom Strom getrennt. © Peter Sieben
Baumhaus im Camp von Lützerath
Ähnlich wie im Hambacher Forst, leben die Aktivisten auch in Baumhäusern.  © Peter Sieben
Baumhaus in Lützerath
Manche der Baumhäuser in Lützerath sind in großer Höhe erbaut. © Peter Sieben
Hof in Lützerath
Die alten Gehöfte bieten ohnehin nur bedingt Schutz – ohne Strom wird es in Lützerath noch härter © Peter Sieben
Barrikaden in Lützerath
Im Januar soll Lützerath geräumt werden. Die Klimaaktivisten rund um die Initiative „Lützerath lebt“ haben Widerstand angekündigt.  © Peter Sieben
Ein zerstörtes Auto im Camp von Lützerath
Direkt an der Grenze zum Camp in Lützerath liegt der Tagebau Garzweiler von RWE.  © Peter Sieben
Braunkohlebagger im Tagebau Garzweiler II
Die gigantischen Braunkohlebagger im Tagebau Garzweiler II sind dauerpräsent: Langsam graben sie sich in Richtung Lützerath.  © Peter Sieben
Plastikstühle in Lützerath am Tagebau Garzweiler II
Protestcamp am Abgrund: Lützerath liegt direkt am RWE-Tagebbau Garzweiler II.  © Peter Sieben
Braunkohlebagger
Die Braunkohlebagger im Tagebau Garzweiler von RWE stehen unmittelbar an der Kante zu Lützerath.  © Peter Sieben
Heimtrainer vor der Grube von Garzweiler
Ein Heimtrainer am Abgrund. Am Tagebau Garzweiler gibt es immer wieder Mahnwachen der Aktivisten aus Lützerath. © Peter Sieben
Gespensterpuppe in Lützerath
Plakativ: Für die Aktivisten aus Lützerath ist Strom aus Kohle ein Schreckgespenst.  © Peter Sieben
Besetzer mit Sturmhauben in Lützerath
Wenn Menschen von außerhalb kommen, vermummen sich viele Besetzerinnen und Besetzer.  © Peter Sieben
Besetzer auf einem Hochsitz in Lützerath
„Wir bauen in die Höhe, um es der Polizei so schwer wie möglich zu machen“, erklärt eine Aktivistin. An mehreren Stellen in und um Lützerath besetzen die Aktivisten permanent Hochsitze, verbringen dort oft Stunden. © Peter Sieben
Ein alter Wohnwagen dient als Barrikade vor Lützerath
Ein alter Wohnwagen dient als Barrikade vor Lützerath. Unterstützung gibt es auch von Gruppen aus anderen Städten. © Peter Sieben
Menschen besuchen das besetzte Lützerath
Anfang Januar kommen immer mehr Menschen nach Lützerath. Aktuell besetzen mehrere hundert Menschen das Dorf. Am 8. Januar gab es zudem einen öffentlichen Dorfspaziergang.  © Peter Sieben

Nach Räumung in Lützerath: Aktivisten planen Aktionen am Dienstag

„Jede Minute, die der Bagger läuft und Kohle verbrannt wird, heizt die Klimakatastrophe weiter an. Als Bündnis ‚Lützerath unräumbar‘ stellen wir uns der Zerstörung in den Weg!“, hieß es vonseiten der Aktivisten.

Was genau alles noch geplant ist, dazu äußerten sie sich bislang nicht – offenbar setzen sie auch auf das Überraschungsmoment.

Fünf Tage nach Räumungsbeginn verlassen Aktivisten Lütherath

Das Braunkohledorf Lützerath ist zum Symbol für den Protest gegen den Braunkohletagebau geworden. Über Monate hatten Aktivisten das Dorf besetzt und zuletzt vehement gegen die Räumung durch die Polizei verteidigt.

Bei der Räumung von Lützerath war es auch zu Gewaltszenen gekommen: Aktivisten und Polizisten gerieten aneinander, es gab Verletzte. Am Montag verließen nach Angaben des RWE die letzten Aktivisten, die sich tagelang in einem Tunnel unter dem Dorf verschanzt hatten, das mittlerweile umzäunte Gelände.

Pinky und Brain (vr.n.l.) im Tunnel unter Lützerath: Ob und wo genau der Tunnel existiert, ist unklar.

Das Ende von Lützerath war damit fünf Tage nach Beginn der Räumung in greifbare Nähe gerückt. Nach Angaben des Energiekonzerns RWE, der dort Kohle ausbaggern will, handelte es sich bei „Pinky“ und „Brain“, wie sie sich nennen, um die letzten Aktivisten vor Ort. Die Räumung durch die Polizei sei damit beendet.

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