VonReinhold Großelohmannschließen
Die Warsteiner Brauerei hat mit Schwierigkeiten zu kämpfen und zieht Bilanz. Besonders die Zweitmarken, das Natur-Radler und die Märkte in Asien und Afrika spielen dabei eine Rolle.
Warstein - „Rückgängiger Bierkonsum, hoch kompetitives Marktumfeld, generelle Konsumzurückhaltung“: Mit diesen Worten beschreibt die Warsteiner Brauerei ein für die gesamte Bierbranche schwieriges Jahr 2024, in das wegen der Fußball-Europameisterschaft im eigenen Land eigentlich große Hoffnungen gesetzt worden waren. Doch der EM-Effekt verpuffte.
Nach herausforderndem Jahr: Warsteiner Brauerei zieht 2024-Bilanz
Das spiegelt sich aktuell in den Jahresbilanzen der Brauereien wider. So auch bei Warsteiner. Die Brauerei vermeldete dank geringer Zuwächse bei den Zweitmarken am Donnerstag dennoch „Stabilität“. Das Gesamtunternehmen mit seinen drei westfälischen Brau-Standorten Warstein, Paderborn und Herford sowie der 50 Prozent Beteiligung an der Schlossbrauerei Kaltenberg in Bayern gibt für 2024 ein Plus von 0,5 Prozent an – bei einem geschätzten Gesamtausstoß von rund 3,6 Millionen Hektolitern. Zuwächse seien aus dem Auslandsgeschäft gekommen. „Vor allem das Geschäft in Afrika und Asien verzeichnete starke Zuwachsraten“, heißt es in einer Pressemitteilung zur „stabilen Jahresbilanz 2024“. In China gibt es laut Brauerei eine erfolgreiche Kooperation mit Walmart. In Kamerun sei die Marke Isenbeck gut gelaufen, so Sprecherin Laura Heinzelmann.
Rückzug aus heimischer Gastronomie
Mit konkreten Zahlen hält sich die Brauerei allerdings auch in diesem Jahr zurück und bestätigt auch nicht Rückgänge für die am Sitz der Haus Cramer Gruppe in Warstein gebraute Dachmarke „Warsteiner“, die 2024 knapp unter die Zwei-Millionen-Hektoliter-Grenze gerutscht sein dürfte. Auch wenn der eigene Rückzug aus der Gastronomie in Warstein mit der Schließung des Stammhauses „Domschänke“ nebst „Sudhaus“ nicht maßgeblich gewesen sein dürften. Allerdings gab es auch „Erfreuliches“, wie der Pressemitteilung zu entnehmen ist: Warsteiner Natur-Radler habe einen „steilen Aufwärtstrend“ genommen – sowohl mit als auch ohne Alkohol. Im vergangenen Jahr war mit Grapefruit eine zusätzliche Geschmacksrichtung hinzugekommen.
Was die Zweitmarken der Haus Cramer Gruppe angeht, entwickelte sich im Inland die Biermarke „Oberbräu Hell“ besonders positiv. Deren Markenauftritt sei im vergangenen Jahr optisch leicht verändert und gegenüber dem Wettbewerb stärker differenziert worden. So stieg der Absatz des hellen Vollbiers gegenüber dem Vorjahr im zweistelligen Prozentbereich. Generell sei man mit der Entwicklung der Regionalmarken Paderborner und Herforder sowie verschiedenen Bieren der König Ludwig Schlossbrauerei Kaltenberg „zufrieden“, so heißt es. Getragen werde die positive Entwicklung der Gruppe zudem durch die Entwicklung der „Third Party Brands“, zu denen unter anderem die spanische Lifestyle-Marke „Estrella Galicia“ sowie die Spezialitätenbiere der irischen Rye River Brewing Company zählen. Hier sei der Absatz durch verschiedene Vertriebskooperationen im zweistelligen Prozentbereich gewachsen.
Lohnbrauen am Standort Warstein
Positiv habe sich auch der 2024 intensivierte Bereich des Lohnbrauens entwickelt. Dies war ein Projekt des im Herbst als Vorsitzender der Geschäftsführung überraschend abgetretenen Helmut Hörz. So wird am Brau-Standort Warstein etwa die polnische Biermarke „Tyskie“ für den deutschen Markt gebraut und abgefüllt. Auch die Rewe-Marke „Schmackes hell“ kommt inzwischen aus Warstein. „Das Lohnbrauen ist im zweistelligen Bereich gewachsen“, berichtete Warsteiner-Sprecherin Laura Heinzelmann auf Nachfrage. „Wir haben hier in Warstein sowohl die technischen Möglichkeiten als auch die Kapazitäten.“ Gebraut würde nach den Original-Rezepturen. Aktuell habe man weitere „Großkunden“ gewonnen. „Das lohnt sich für uns als Brauerei.“ Dabei verweist Heinzelmann auch auf die Möglichkeit des Transports über die Schiene. Auch dank des Lohnbrauens sei der Gesamtumsatz der Gruppe 2024 stabil geblieben.
Raphael Rauer, der als Geschäftsführer Vertrieb und Marketing Helmut Hörz beerbt hat, sieht die Lage der Haus Cramer Gruppe im Wettbewerb sogar als „verbessert“ an, „obwohl das Jahr zahlreiche Herausforderungen mit sich brachte“. In der Pressemitteilung heißt es: „Umso erfreulicher ist unsere Bilanz, mit der wir als Team mit Recht zufrieden sein können. Sie belegt, dass unsere strategische Ausrichtung richtig ist und die Anpassungen unseres Geschäfts an die aktuelle Situation Wirkung zeigen.“
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