Energieversorgung

Nach Revision: Trianel-Kraftwerk nun noch leistungsstärker – und fit für die Zukunft

  • schließen

Die Revision im Trianel-Kraftwerk ist beendet, der Standort in Hamm-Uentrop ist damit fit für die Zukunft – und das nun deutlich leistungsstärker.

Hamm – Auch im abgeschalteten Zustand war es in der Halle von Block 10 des Gas- und Dampfturbinenkraftwerks von Trianel nicht still geworden. In rund vier Monaten hatten die Experten von Siemens Energy die komplette Anlage zerlegt und fit gemacht für die Zukunft. Noch vor Weihnachten ist die erste Großrevision des 2008 in Betrieb genommenen Kraftwerks in Uentrop beendet. Die beiden Blöcke sind dann leistungsstärker als je zuvor wieder am Netz.

Noch vor wenigen Tagen lagen diverse Einzelteile neben Generator, Gas- und Dampfturbine und warteten auf den Einbau. Nach erfolgreichen Testläufen in dieser Woche heißt es: aufatmen. „Kurz vor Weihnachten ist die Revision komplett abgeschlossen“, sagt Dr. Martin Buschmeier, Geschäftsführer der Trianel Gaskraftwerk Hamm GmbH & Co. KG.

Dieses zeitliche Ziel sei ganz im Sinne der Mitarbeiter. Die vergangenen Monate bedeuteten „emotionalen Stress“. Die Aufgabe war, eine riesige Anlage in ihre ungezählten Einzelteile zu zerlegen, zu prüfen und wieder zusammenzubauen – und auch zu reparieren.

Risse in Dampfturbine

Wie schon beim ersten Teil der Großmaßnahme gab es ein Problem. Zur Erinnerung: Kurz vor dem Ende der Revision in Block 20 – so die interne Art der Benennung für die beiden Blöcke – waren im November 2022 bei einer Prüfung unerwartet Risse in der Dampfturbine entdeckt worden. Dieser Schaden zeigte sich auch in Block 10. Nur war es keine Überraschung mehr. „Wir waren vorbereitet“, sagt Buschmeier.

Restarbeiten der Revision im Trianel-Kraftwerk: Dr. Martin Buschmeier gibt einen Überblick. Das Gas- und Turbinenkraftwerk ist eine sogenannte Einwellenanlage mit dem Generator in der Mitte (gelb) und der Dampfturbine (links) auf der einen und der Gasturbine (nicht zu sehen) auf der anderen Seite.

Bei der Prüfung des sogenannten Läufers zeigten sich die Risse in der Welle dort, wo die einzelnen Turbinenschaufeln eingesetzt sind. Der Schaden wurde rechtzeitig entdeckt. „Zu einem späteren Zeitpunkt wäre er nicht mehr reparabel gewesen“, sagt er.

Dann hätte die Anlage lange stillgestanden. So ein Läufer ist ein schweres und großes Präzisionsbauteil, das nur wenige Unternehmen auf der Welt herstellen. Von Wartezeiten von etwa einem Jahr sei bei einer Ersatzbeschaffung auszugehen, sagt Buschmeier. So waren es im Fall der Reparatur nur etwa sieben Wochen Verzögerung. Dennoch „unglücklich“ in Zeiten der Energiekrise und angesichts des wirtschaftlichen Ausfalls. Denn Trianel konnte in der Zeit nur mit einem Block Strom produzieren.

Noch mehr Megawatt

Frühzeitig wurden die Risse entdeckt, auch weil Trianel die Großrevision vorgezogen hat. Grund ist ein recht neues Programm des Kraftwerkbauers Siemens Energy. ATEP steht für Advanced Turbine Efficiency Package, auf Deutsch „Erweitertes Turbinen-Effizienzpaket“. Nach der Umsetzung ist das GuD-Kraftwerk von Trianel noch leistungsstärker.

Die Leistung der beiden Uentroper Blöcke mit ursprünglich jeweils 425 Megawatt (MW) hatte mit den Jahren erwartungsgemäß abgenommen. Die Ausbeute aus der Gasverbrennung ist abhängig von der Lufttemperatur und der Luftdichte, so dass die Gesamtleistung zuletzt auf bis zu 800 MW abfallen konnte. „Nun haben wir sie auf bis zu 900 MW angehoben“, sagt Buschmeier.

Die Steigerung gelingt durch zwei entscheidende Maßnahmen: Die Gasturbinenschaufeln sind hohen Temperaturen ausgesetzt. Im Zuge von ATEP steigert ein ausgeklügeltes Kühlsystem die Effizienz. Ein größerer Luftmassenstrom in der Turbine ist möglich. Außerdem lässt sich durch eine verbesserte Form der Schaufeln der Wirkungsgrad der Turbine steigern. Der Wirkungsgrad des gesamten Kraftwerks hat sich so von anfangs 57,5 auf rund 60 Prozent erhöht. In der Bilanz ist das auch ein Beitrag zur CO2-Reduktion.

Schwergewichte

An den hohen Aufwand für die Revision erinnerte bis vor kurzem noch der aufwendig gebaute Anlegeplatz am Datteln-Hamm-Kanal. Dort stand zeitweise ein riesiger, 42 Meter hoher Raupenkran. Dieser hievte 340 Tonnen schwere Generatoren zwischen Schiff und Spezialtransporter, mit dem die schwere Fracht zwischen Frielinghauser Straße und Trianelstraße befördert wurde.

Lagerplatz im Schatten des 60 Meter hohen Schornsteins: Einer der älteren Generatoren des Kraftwerks wurde nur ausgebaut. Er hat noch eine „Restlebensdauer“. Im Notfall kann er aber schnell wieder eingebaut werden.

Viele Komponenten des Kraftwerks wurden von Siemens Energy in den Werken Mülheim und Berlin überholt und kamen zurück. Darunter einer der Uentroper Generatoren – generalüberholt eingebaut. Der andere lagert gut konserviert und in Schutzgasatmosphäre im Schatten des Blocks 10. „Er ist unser größtes Ersatzteil“, sagt Buschmeier. „Er hat noch eine Restlebensdauer. Im Notfall ist er einsatzbereit.“

Andernfalls könnte Trianel bis zu etwa zwei Jahre auf einen Ersatz warten. Mit so langen Lieferzeiten müsse man derzeit rechnen.

Nach nicht ganz eineinhalb Jahren ist die Revision in den beiden Kraftwerksblöcken abgeschlossen. Trotz des überraschenden, aber reparablen Schadens: „Es ist gut gelaufen“, sagt er. „Wir sind zufrieden mit dem Ergebnis.“

Die Zukunft

Gaskraftwerke sind im Vergleich zu Kohlekraftwerken nicht zuletzt wegen der Flexibilität von Vorteil. Sie können die Stromproduktion bei Bedarf schnell hochfahren. Mit Wasserstoff als Brennstoff kann ihnen eine besondere Bedeutung für die langfristige Energiesicherheit zukommen, wie im Fall des Uentroper Standorts. Er ist nun fit für die Zukunft.

Hamm hat mittlerweile mit dem Wasserstoffzentrum, der Wasserstoffallianz Westfalen und dem Institut für Sektorenkopplung der HSHL eine führende Rolle beim Thema Wasserstoff eingenommen. Nach der Revision kann das Trianel-Kraftwerk mit bis zu 15 Prozent Wasserstoff betrieben werden. Zur Produktion des Gases soll 2024/25 am Standort ein Elektrolyseur mit einer Leistung von 20 MW gebaut werden. Aber: Erst einmal wird der Wasserstoff vor allem für den Betrieb der neuen Stadtwerkebusse benötigt.

Im September beschloss die Gesellschafterversammlung der Trianel Gaskraftwerk GmbH & Co. KG – die zur Gruppe der Trianel GmbH aus Aachen mit mehr als 100 Versorgern und Partnern gehört, darunter die Stadtwerke Hamm – einen dritten Kraftwerksblock zu planen. Er soll mit grünem Wasserstoff betrieben werden und eine Leistung von 500 MW haben. 400 bis 500 Millionen Euro werden in Uentrop investiert – ein Energiestandort mit Zukunft.

Versorgung von Millionen von Haushalten

Welchen Beitrag das Trianel Gas- und Turbinenkraftwerk in Uentrop für die Stromversorgung leistet und leisten könnte, zeigen die folgenden Zahlen. In 1.000 Betriebsstunden produzieren die beiden Blöcke 800.000 Megawattstunden (MWh) Strom. Im Jahr 2022 lieferte der Standort in rund 1.600 Stunden etwa 1,28 Millionen MWh. Bei einem rechnerisch vergleichsweise hoch angesetzten jährlichen Verbrauch für ein Einfamilienhaus von 4.000 Kilowattstunden (kWh) reicht das für 320.000 Haushalte.

Das Kraftwerk könnte im Jahr deutlich mehr. „Das Kraftwerk produziert aber nur das, was der Markt verlangt“, sagt Dr. Martin Buschmeier, Geschäftsführer der Trianel Gaskraftwerk Hamm GmbH & Co. KG. Mit fortschreitender Energiewende dürfte das mehr werden. „Wir können etwa 8.000 Stunden durchfahren“, sagt Buschmeier. Dann wären das 1,6 Millionen Haushalte – ohne Gewerbe und Industrie. Und nach der Revision und Leistungssteigerung sogar 1,8 Millionen. Aber das ist derzeit nur eine „Zahlenspielerei“.

Die Stromerzeugung

Das Trianel Gas- und Dampfturbinenkraftwerk ist eine sogenannte Einzelwellenanlage. Der Generator in der Mitte wird auf der einen Seite von der Gasturbine angetrieben. Ihre heißen Abgase dienen der Erzeugung von Dampf in einem nachgeschalteten Abhitzekessel, der die Dampfturbine auf der anderen Seite antreibt. Dadurch erreicht das Kraftwerk einen hohen elektrischen Wirkungsgrad von rund 60 Prozent.

Wegen der vergleichsweise geringen Emissionen und der hohen Energieeffizienz gilt diese Art der Anlage als besonders umweltfreundlich, da sie prinzipiell sowohl mit konventionellem Erdgas als auch regenerativ erzeugtem Wasserstoff betrieben werden kann.

Rubriklistenbild: © Rother

Kommentare