VonMaximilian Gangschließen
Die asiatische Hornisse breitet sich in NRW aus. Der Neuankömmling frisst die heimischen Bienen. Das hat weitere Folgen für das Ökosystem.
Köln – Nach Frankreich, Belgien und den Niederlanden hat die asiatische Hornisse nun Deutschland erreicht – und sie breitet sich sehr schnell aus. Auch in Nordrhein-Westfalen werden immer mehr Exemplare nachgewiesen. Die Ausbreitungsgeschwindigkeit liegt laut Untersuchungen bei knapp 80 Kilometern pro Jahr. Innerhalb weniger Jahre könnte der Neuankömmling sich also im gesamten Land verbreitet haben.
Asiatische Hornisse für Menschen ungefährlich – aber gravierende Auswirkungen auf Ökosystem
Die gute Nachricht: Ein Stich der Hornisse ist für Menschen ohne Allergien zwar schmerzhaft, aber ungefährlich. Die schlechte Nachricht: Die rasante Ausbreitung der asiatischen Hornissen kann verheerende Folgen haben, denn die Tiere fressen die heimischen Bienen, und das massenhaft. Das heißt im ersten Schritt: Imker könnten bald Schwierigkeiten bei der Honigproduktion haben, was wiederum die Honigpreise mittelfristig ansteigen lassen dürfte. Im zweiten Schritt hätte ein Bienensterben aber auch gravierende Auswirkungen auf Nutzpflanzen wie Obst.
Asiatische Hornisse
► Die Asiatische Hornisse ist eine aus Südostasien stammende, kleinere Verwandte der Europäischen Hornisse. Im Jahr 2004 wurde die Hornissenart in Südwest-Frankreich erstmals freigesetzt. Anhand bestimmter Merkmale ist die Hornisse gut zu erkennen, typisch ist unter anderem ihre schwarze Grundfärbung am Körper und ihre feine, aufrechte, schwarze und braune Behaarung. Ihr ursprüngliches Verbreitungsgebiet erstreckte sich von China über den Himalaya bis nach Taiwan und den Osten Indiens.
► Größe: Königin bis 3 Zentimeter Körperlänge, Arbeiterin bis 2,4 Zentimeter. Zum Vergleich: Eine heimische Honigbiene hat eine Körperlänge zwischen einem und 1,8 Zentimeter
►Wissenschaftlicher Name: Vespa velutina
► Nistplatz: Hauptsächlich im Freien, in Baumkronen, oft in über zehn Metern Höhe
► Frisst heimische Bienen, die keinerlei Schutzmechanismen gegen die neue Art entwickelt haben
Asiatische Hornisse in NRW: Heimische Biene hat keine Chance
Die asiatische Hornisse gilt als Allesfresser. Beispielsweise ernährt sich das Tier auch von anderen Insekten, wie Fliegen und Mücken. Doch vor allem fressen die Neuankömmlinge Bienen – sie machen bis zu 85 Prozent ihres Speiseplans aus, wie das Landesamt für Natur, Umweltschutz und Verbraucherschutz NRW (LANUV) mitteilt. Andere als asiatische Arten, ist die heimische Honigbiene der Hornisse schutzlos ausgeliefert: Sie hat keine besonderen Abwehrmechanismen entwickeln können.
Die „schwarzen Jäger“ – wie die asiatischen Hornissen aufgrund ihrer Färbung genannt werden – patrouillieren vor den Bienenstöcken und schlagen dann zu. „Die asiatische Hornisse fängt die Bienen vor dem Nest ab“, sagte Matthias Roth vom Imkerverein aus Köln im Gespräch mit 24RHEIN. Durch ihre Schnelligkeit und Agilität ist die Hornisse in der Lage, Bienen im Flug zu fangen: „Sobald eine Biene gefangen wurde, werden Kopf, Flügel, Beine und Abdomen (Anm.: Hinterleib) abgetrennt, die Flugmuskulatur wird an die Larven verfüttert“, so das Landesamt.
Gefahr durch asiatische Hornisse: „Dadurch gehen die Bienenvölker ein“
Wenn erstmal eine Biene dem Räuber aus Asien zum Opfer gefallen ist, hat das Folgen für das gesamte Bienenvolk, wie das Vorstandsmitglied des Imkervereins sagt: „Das merken dann natürlich auch die Bienen und sie trauen sich dann nicht mehr, aus dem Nest zu kommen. Dadurch gehen die Völker ein“. Sobald das Bienenvolk dann nachhaltig geschwächt wurde, kann die asiatische Hornisse in den Bienenstock eindringen, den Honig fressen und die Brut entfernen, heißt es beim Lanuv. Damit gehört die asiatische Hornisse zu den gefährlichsten exotischen Tieren, die neu in NRW sind, denn sie bedrohen eine andere Art.
Während die europäische Variante Nester für ein paar hundert Tiere baut, bieten die Nester der asiatischen Hornisse Platz für deutlich mehr Jäger. Am Ende des Sommers schlüpfen nach Angaben des Lanuv bis zu 900 Drohnen und bis zu 350 junge Königinnen. Selbst die heimischen Hornissen haben es deshalb schwer, gegen ihre asiatischen Artgenossen anzukommen – die Bienen haben indes gar keine Chance. Insbesondere die Population der Wildbienen – von denen schon jetzt mehr als die Hälfte der Arten bedroht ist – könnte weiter sinken, befürchtet Experte Roth.
Asiatische Hornisse frisst Bienen: Wird Honig teurer?
Was sind die Folgen für die Imkerei in Deutschland, wenn einige Bienenvölker durch den Neuankömmling nach und nach geschwächt oder sogar ausgelöscht werden? „Man könnte vermuten, dass die Hobbyimker dann weitaus weniger Lust haben, sich mit den Bienen zu beschäftigen“, sagte der Kölner Experte. Dabei seien es schon jetzt sehr wenige: „Die Anzahl der Imker hat in den letzten Jahren zwar zugenommen, aber im Verhältnis zu vor 100 Jahren sind es weiterhin sehr wenig Imker in Deutschland“. Rund 135.000 Menschen waren 2022 unter dem Dach des Deutschen Imkerverbandes erfasst. In vielen Fällen könne der Honigbedarf bereits nicht gedeckt werden. Heißt: Honig wird seltener – und perspektivisch teurer.
Frankreich: Asiatische Hornisse ist eine große Gefahr – „Kampf ist von vornherein verloren“
Ein Blick in das Nachbarland Frankreich kann einen Hinweis auf mögliche Folgen der Verbreitung der asiatischen Hornisse liefern. Schon vor über einem Jahrzehnt schlug der damalige Präsident der Gironde (Region im Südwesten Frankreichs), Raymond Saunier, Alarm. Die asiatische Hornisse hatte sich in Bordeaux breit gemacht – und tagtäglich patrouillierten bis zu zehn der tropischen Tiere gleichzeitig vor jedem seiner Bienenstöcke. Probleme bei der Blütenbestäubung waren die Folge.
„De Kampf ist von vornherein verloren“, sagte damals der Agrarforscher Denis Thiery der Zeitung Le Parisien. Auch Saunier blieb nur die Kapitulation. Er baute alle seine Bienenstöcke ab und brachte sie 60 Kilometer entfernt in Sicherheit. Ähnliche Entwicklungen sind in Deutschland auch denkbar. Aktuell bleibt Imker Roth aber zuversichtlich: „Es gibt schon noch Imker, die zusehen werden, weiter für Ersatz zu sorgen“. Doch was, wenn nicht?
Darum ist die Biene wichtig für das Ökosystem
► Bienen spielen eine zentrale Rolle bei der Bestäubung von Pflanzen. Pollen und Nektar von Blüten sind Nahrung für Insekten. Um den Nektar zu sammeln, muss sie ins Innere der Blüte. Dabei bleiben Pollen an den Haaren der Tiere hängen.
► Fliegt die Biene anschließend zu einer anderen Blüte, um weiteren Nektar zu sammeln, werden die Pollen auf die sogenannte Narbe übertragen. Jetzt können neue Samenkörner in der Blüte heranreifen.
► Viele Obstsorten und andere Nutzpflanzen sind von der Bestäubung durch Bienen abhängig - andernfalls könnten sie sich kaum fortpflanzen.
Asiatische Hornisse bedrohen Bienen in NRW – dabei sind sie „unendlich wertvoll“
Die Folgen für das Ökosystem wären deutlich spürbar, wenn die Bienenvölker immer weiter bedroht werden. Denn Bienen leisten einen wichtigen Beitrag zum Wachstum von Nahrungsmitteln: Durch die Bestäubung der Bienen können sich viele Nutzpflanzen überhaupt erst fortpflanzen. Laut der Umweltschutzorganisation Greenpeace ist etwa jeder dritte Bissen, den wir zu uns nehmen, direkt oder indirekt von der Bestäubung durch Insekten abhängig. Ohne Bienen würden die Erträge von bis zu drei Viertel der Nutzpflanzen schrumpfen.
Vor allem Obst- und Gemüsesorten wären von einem solchen Ertragsrückgang betroffen, darunter: Äpfel, Birnen, Tomaten oder auch Mandeln. Wie in einem zusammenhängenden System üblich, hätte das auch finanzielle Folgen: Allein in Europa gibt es laut den Umweltschützern 4.000 Gemüsesorten nur dank summender Insekten. Der wirtschaftliche Nutzen wird weltweit auf 265 Milliarden Euro geschätzt. Der Biene kommt dabei in den meisten Regionen die wichtigste Rolle zu, sie ist also „unendlich wertvoll“ für das deutsche Ökosystem, so Greenpeace. (mg) Fair und unabhängig informiert, was in NRW und Deutschland passiert – hier unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.
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