VonDaniel Schröderschließen
2024 gab es im Kreis Soest viel weniger Straftaten als im Jahr davor. Die Stadt Soest wurde kreisweit zum großen „Gewinner“.
Kreis Soest – Die Zeit der Straftaten-Explosion im Kreis Soest ist beendet. Am Mittwoch stellten Kripo-Chefin Isabel Frenser und der stellvertretende Abteilungsleiter der Soester Kreispolizeibehörde, Stefan Heimbuch, die Kriminalitätszahlen für 2024 vor. Nach besorgniserregenden Entwicklungen in 2022 und 2023 konstatierte Isabel Frenser am Mittwoch, dass „die Wende“ geschafft ist. Mit kreisweit 18.693 Taten lag die Kriminalität im Kreis Soest fast wieder auf Vor-Corona-Niveau.
Kriminalität im Kreis Soest: Polizei schafft landesweit herausragenden Rückgang
Vor allem in der Stadt Soest legte die Polizei zusammen mit anderen behördlichen Akteuren vielen Straftätern das Handwerk. Kreisweit sank die Zahl der angezeigten Taten im Vergleich zu 2023 um 2002 Fälle. Allein im Soester Stadtgebiet verzeichnete die Polizei 1355 Taten und damit 22,6 Prozent weniger als im Vorjahr und reduzierte die Fälle in Soest auf 4639. „Wenn wir auf dem Niveau bleiben, dann sind wir zufrieden“, erklärte Isabel Frenser. Natürlich strenge sich die Polizei weiter an, die Zahlen so weit wie nur möglich nach unten zu drücken. Stefan Heimbuch unterstrich: „Man kann im Kreis Soest sicher leben und sich sicher fühlen.“
Kriminalität im Kreis Soest geht um 10 Prozent zurück – ein landesweit herausragender Wert
Mit dem Kriminalitätsrückgang von rund 10 Prozent schaffte die Soester Polizei einen landesweit herausragenden Wert. „Ein sehr gutes Ergebnis“, freute sich Frenser. Im NRW-Schnitt ging die Kriminalität exakt um ein Prozent zurück. Die Aufklärungsquote sei im Kreis Soest leicht um 0,9 Prozent auf 57,6 Prozent gesunken, doch die Kriminaloberrätin ordnete ein: „Im Landesvergleich befinden wir uns bei der Aufklärungsquote unter den Top 10 der Polizeibehörden in NRW.“ Die Polizei werde die Entwicklung ihrer Aufklärungsquote „weiter beobachten“, doch minimale Schwankungen seien normal.
„Gewinner“ und „Verlierer“
Die Kriminalitätsstatistik 2024 teilt die Kommunen im Kreis Soest gewissermaßen zur Hälfte in Gewinner und Verlierer: Weniger Taten gab es in Soest (-1355/4639), Möhnesee (-63/654), Welver (-26/446), Werl (-102/2079), Wickede (-141/367), Geseke (-12/1235), und Lippstadt (-492/4736); mehr Taten verzeichnete die Polizei in Bad Sassendorf (+39/719), Ense (+24/331), Lippetal (+18/418), Warstein (+25/1617), Anröchte (+4/391), Erwitte (+26/664) und Rüthen (+53/397).
Die immens gesunkene Kriminalitäts-Quote in Soest hänge unmittelbar mit der Belegung der Zentralen Unterbringungseinrichtung für Flüchtlinge (ZUE) zusammen: Während die Zahl der Taten in Zeiten der ZUE-Überbelegung explosionsartig in die Höhe geschossen war, kehrte Ruhe ein, als das Land die Bewohnerzahl um knapp 1000 auf durchschnittlich etwa 800 verringerte. Die Ermittlungskommission „Prio“, die sich ausschließlich um Taten und Täter im Zusammenhang mit der ZUE kümmert, wurde zur Erfolgsgeschichte, die fortgesetzt wird. „Die EK Prio hat für Beruhigung gesorgt“, bestätigte Stefan Heimbuch.
Straftaten im Kreis Soest: Auffällig viele Ausländer im Verdacht
Auffällig ist, dass überdurchschnittlich viele Ausländer im Kreis Soest und ganz NRW straffällig wurden: Zwar sank die Quote der „nichtdeutschen“ Tatverdächtigen leicht von 32,5 auf 31,9 Prozent, aber: Mit 2485 Verdächtigen waren Ausländer in der kreisweiten Kriminalstatistik deutlich überrepräsentiert. „12 Prozent der Menschen, die hier im Kreis Soest wohnen, sind Nichtdeutsche. Der Anteil nichtdeutscher Tatverdächtiger ist deutlich höher“, sagte Isabel Frenser und unterstrich: „Das ist ein Problem, mit dem sich die Polizei vor allem auf der Straße immer wieder auseinandersetzen muss. Die Ursachen dafür sind mannigfaltig und können nicht allein durch die Polizei gelöst werden.“ Frenser sprach von einer „gesamtgesellschaftlichen Aufgabe“.
Man kann im Kreis Soest sicher leben und sich sicher fühlen.
Bei rund einem Drittel aller Fälle aus dem Kreis Soest handelte es sich 2024 um Diebstähle aller Art. Mit 6283 Fällen gab es 10 Prozent weniger Diebstähle als 2023. Vor allem Ladendiebstähle, Fahrraddiebstähle und Diebstähle aus Fahrzeugen beschäftigten die Polizei. Bei den Einbrüchen gab es einen leichten Anstieg um neun Taten auf 273, die Aufklärungsquote stieg auf 21 Prozent und lag damit deutlich überm Landesschnitt (13,5 Prozent). Doch sei man im Kreis Soest „weit entfernt“ von den Zahlen zwischen 2014 und 2017, als es rund 500 Einbrüche jährlich gegeben hatte.
Nach einer starken Zunahme gab es 2024 mit 125 Raubdelikten 50 weniger als im Vorjahr. In einem Fall – dem Silvester-Unglück von Geseke – musste und muss die Polizei wegen fahrlässiger Tötung ermitteln. Zudem gab es drei versuchte und einen vollendeten Totschlag.
