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Der Gasometer Oberhausen war der größte Gasbehälter in Europa. Heute ist das Bauwerk eine Veranstaltungshalle mit verschiedenen Ausstellungen.
Oberhausen – Heutzutage ist der Gasometer eines der bekanntesten Wahrzeichen von Oberhausen in Nordrhein-Westfalen. Mit einer Höhe von rund 118 Metern ist das Industriedenkmal in der Nähe des Centro Oberhausen die höchste Veranstaltungshalle Europas. Wechselnde Ausstellungen zu Themen wie Natur, Fußball oder Weltall haben in den vergangenen Jahren hunderttausende Besucher in die Ruhrgebietsstadt gelockt. Doch schon vor der Stilllegung im Jahr 1988 war das Bauwerk rekordverdächtig: Zum Zeitpunkt seiner Entstehung war der Gasometer laut den Verantwortlichen der größte Gasbehälter Europas.
Gasometer in Oberhausen war der größte Gasbehälter Europas
Der Gasometer in Oberhausen ist nicht nur ein wichtiges Zeugnis vergangener Tage, sondern auch ein wahres Meisterwerk der Ingenieurskunst, wie es auf der Website des Gasometers heißt. Bei dem Bauwerk handelt es sich um einen sogenannten Scheibengasbehälter. Darin wurde das Gas, das gespeichert werden sollte, von unten in den Innenraum geblasen und an anderer Stelle wieder entnommen. Auf dem Gas schwamm eine Gasdruckscheibe, die je nach gelagerter Menge an den ölgeschmierten Wänden auf und ab glitt.
Der größte Gasbehälter Europas ist zum einen sehr hoch, zum anderen mit einem Durchmesser von knapp 68 Metern aber auch deutlich breiter als viele vergleichbare Bauwerke. So ist beispielsweise der Hoesch-Gasometer in Dortmund „nur“ rund 49 Meter breit. Mit seiner Größe war er zur Speicherung von Gas äußerst wertvoll für die Industriebetriebe vor Ort. Insgesamt konnten bis zu 347.000 Kubikmeter Gas gespeichert werden. Wenn der Behälter befüllt war, befand sich die Gasdruckscheibe in 95 Metern Höhe.
Oberhausener Gasometer hatte wichtige Funktion in der Industrie
Die Industriebetriebe waren damals aufeinander angewiesen. So wurde das Gichtgas, das in den Eisenhütten der Gutehoffnungshütte im Norden des heutigen Oberhausener Stadtgebiets erzeugt wurde, für die Befeuerung der Kokerei in Osterfeld verwendet. Doch die Vernetzung war nicht optimal, wie die Verantwortlichen schreiben: Wenn der Kokereibetrieb nicht reibungslos lief, fackelte die Hütte ihr einfach Gas ab. Um das Problem zu lösen, wurde der damals größte Gasbehälter Europas nach zweijährigem Bau 1929 fertiggestellt. Der Bau kostete über 1,7 Millionen Reichsmark.
Dass das viele Geld gut angelegt war, zeigte sich bereits im Jahr nach der Fertigstellung des Behälters, da sich der Betrieb bereits zu diesem Zeitpunkt rechnete. Anfangs wurde in dem Behälter nur das energetisch arme Gichtgas gespeichert, später versorgte der Gasometer umliegende Industrieanlagen mit hochwertigem Koksgas. Als der Bedarf an Koks stagnierte, war die Oberhausener Kokerei zur Schließung gezwungen. Das Koksgas wurde nach und nach durch Erdgas ersetzt, dass über Pipelines angeliefert wurde. Der Gasometer war überflüssig – und wurde 1988 schließlich stillgelegt.
Nach der Stilllegung wurde Oberhausener Gasometer zu beliebtem Ausflugsziel
Nach der Stilllegung war die Zukunft des Gasometers lange unklar, sowohl Abriss als auch Erhalt waren möglich. Zwischenzeitlich schaltete sich sogar Coca-Cola ein, und bot kurzerhand an, den Gasometer kurzerhand zu einer rot-weißen Cola-Dose zu lackieren. Weil die Kosten der Umlackierung jedoch zu hoch waren, verwarf der US-amerikanische Getränkegigant die Pläne recht schnell wieder. Auf Vorschlag der Internationalen Bauausstellung (IBA) Emscher Park wurde der Gasometer schließlich zu einer außergewöhnlichen Ausstellungshalle.
In den Jahren 1993 und 1994 wurde der Gasometer zur Ausstellungshalle umgebaut. Heutzutage verfügt der Gasometer über eine Veranstaltungsfläche von über 7.000 Quadratmetern. Und das Industriedenkmal ist nicht nur gut besucht, wenn, wie zuletzt bei einem Spezialevent, der Sonnenuntergang aus dem Gasometer beobachtet werden kann: Allein die letzte Ausstellung „Das zerbrechliche Paradies“ lockte innerhalb von rund zwei Jahren über 1,3 Millionen Menschen nach Oberhausen. Bis zur Eröffnung der nächsten Ausstellung „Planet Ozean“ am 15. März 2023 ist der Gasometer geschlossen. (mg)
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