VonEva Burghardtschließen
Die Asiatische Hornisse ist eine Bedrohung für Bienen. Ein Imker aus NRW hat sie entdeckt und setzt alles daran, sie zu stoppen.
Leichlingen – Vielleicht wäre alles viel schlimmer gekommen, hätte Reiner Ziemann die Hornissen nicht in den Kühlschrank gelegt. Seit sieben Jahren ist der 67-Jährige Hobby-Imker. „Als ich einmal angefangen habe, hat es mich gepackt“, sagt er. Die Verbindung zur Natur und den Tieren gefalle ihm. Ende September hat der Imker aus NRW dann womöglich verhindert, dass hunderte Bienen in der Region sterben müssen.
Asiatische Hornisse in Leichlingen entdeckt – Imker: „Ich dachte, mich betrifft das nicht“
Dass die Asiatische Hornisse für heimische Bienenarten eine Bedrohung ist, wusste er, sagt Ziemann. Er habe das Thema aber weit von sich geschoben. „Ich dachte, mich betrifft das nicht“, sagt der Imker aus Leichlingen im Rheinisch-Bergischen Kreis. Dann wurde er misstrauisch, als an seinem Bienenstock ein Tier auftauchte, das anders aussah.
„Dass eine Hornisse sich mal eine von meinen Bienen holt, ist normal“, sagt Ziemann. „Aber irgendwann fiel mir eine Hornisse auf, die optisch nicht ins Bild passte.“ Er fotografierte das Tier und zoomte auf dem Foto näher ran. Da waren sie: die gelben Beine, der schwarze Oberkörper und der gelbe Ring am Hinterleib, eines der Erkennungsmerkmale der Asiatischen Hornisse. „Da dachte ich schon, das könnte eine Asiatische Hornisse sein.“
Bedrohung für NRW: Asiatische Hornisse breitet sich immer mehr aus
Seit diesem Jahr wird die invasive Tierart in Deutschland und NRW immer öfter gesichtet. „Das ist ein Problem“, sagt Ziemann. Im Gegensatz zu heimischen Arten sind die Völker der asiatischen Hornisse um ein Vielfaches größer. Statt 300 Tiere können es 3000 sein. „Das heißt, die Asiatische Hornisse holt sich nicht nur ab und zu mal eine Biene aus einem Stock“, sagt Ziemann. „Wenn sie einmal ein Bienenvolk entdeckt haben, ist das für die wie im Schlaraffenland.“ Wenn es dann immer weniger Bienen gibt, wird auch weniger bestäubt. Das wirkt sich auf Mensch und Tier aus. Es wird weniger geerntet und die Vögel finden weniger zu essen.
Also informierte der Imker nach dem Fund das zuständige Veterinäramt des Rheinisch-Bergischen Kreises. Mit einem Vogelnetz fing er eine Hornisse ein und setzte sie in ein Glas mit Luftlöchern. „Das habe ich dann erstmal in den Kühlschrank gestellt, um die Hornisse in den künstlichen Winterschlaf zu versetzen“, sagt Ziemann. Als die Biologinnen und Experten des Veterinäramtes dann bei Ziemann vorbeikamen und das Tier begutachteten, war klar: Es ist die Asiatische Hornisse.
„Wir wollten dann herausfinden, wo sich ihr Nest befindet“, sagt Ziemann. 15 Minuten braucht die Hornisse nach dem Aufenthalt im Kühlschrank, um wieder ganz bei sich zu sein. „Danach haben wir sie freigelassen, um zu sehen, in welche Richtung sie fliegt.“ Das Nest fanden der Imker und die Experten vom Veterinäramt aber so nicht. „Wir sind dann losgezogen, um es zu suchen“, sagt Ziemann. „Leider erfolglos.“
Leichlingen: Imker markiert Asiatische Hornisse farbig, dann wird ein Nest entdeckt
In den folgenden Tagen wiederholte sich das Spiel: Hornissen gefangen, Hornissen freigelassen, Flugrichtung beobachtet, Nest gesucht, Nest nicht gefunden. „Irgendwann haben wir dann sechs Asiatische Hornissen markiert“, sagt Ziemann. Mit blauen und pinken Punkten. „Um sie wiederzuerkennen.“
Der Anruf kam, kurz bevor sie in einer größeren Gruppe noch einmal ausrücken wollten, um das Nest zu suchen. Ein Mann war nach dem Urlaub nach Hause gekommen und hatte in seiner Garage ein Hornissennest entdeckt. Eines der Tiere war farbig markiert. Das kam dem Anwohner komisch vor. Er erinnerte sich an die Berichte über die Asiatische Hornisse und meldete sich dann bei der unteren Naturschutzbehörde. „So haben wir die Adresse bekommen“, sagt Ziemann.
Asiatische Hornisse
► Die Asiatische Hornisse ist eine aus Südostasien stammende, kleinere Verwandte der Europäischen Hornisse. Im Jahr 2004 wurde die Hornissenart in Südwest-Frankreich erstmals freigesetzt. Typisch ist unter anderem ihre schwarze Grundfärbung am Körper und ihre feine, aufrechte, schwarze und braune Behaarung. Ihr ursprüngliches Verbreitungsgebiet erstreckte sich von China über den Himalaya bis nach Taiwan und den Osten Indiens.
► Wissenschaftlicher Name: Vespa velutina. Größe: Königin bis 3 Zentimeter Körperlänge, Arbeiterin bis 2,4 Zentimeter. Zum Vergleich: Eine heimische Honigbiene hat eine Körperlänge zwischen einem und 1,8 Zentimeter.
► Frisst heimische Bienen, die keinerlei Schutzmechanismen gegen die neue Art entwickelt haben. Nistplatz: Hauptsächlich im Freien, in Baumkronen, oft in über zehn Metern Höhe.
Um sicherzugehen, dass die Hornissen in der Garage die gleichen waren, die Ziemanns Bienen fraßen, ließen er und die Experten in der Nähe wieder einige der Kühlschrank-Hornissen aus den Gläsern frei. „Die flogen direkt zum Nest“, berichtet Ziemann. „Da waren wir uns sicher, dass es die richtigen sind.“ Wären die Tiere in eine andere Richtung geflogen, hätten sie nicht zu dem Nest gehört, berichtet der Imker.
Um das Nest zu entfernen, verständigte die Gruppe einen Hornissen-Experten. Der sollte das Nest beseitigen und zerlegen. „Dafür braucht es einen besonderen Schutzanzug, um die Stiche abzuwehren“, sagt Ziemann. „Er sah darin aus wie ein Astronaut.“ Als das Nest dann zerlegt war, gab es gute Nachrichten: Die Königin hielt sich noch darin auf. „Wenn das nicht der Fall gewesen wäre, hätte es bald ein zweites Nest gegeben“, sagt Ziemann. „Es war also fünf vor zwölf.“
Asiatische Hornisse breitet sich aus: „Die Bevölkerung muss wachsam sein“
Dieses Mal ist es also gut gegangen. Aber wie wird sich die Situation mit den Asiatischen Hornissen in Deutschland entwickeln? Ziemann sagt: „Es wird sehr wahrscheinlich so sein, dass wir sie nicht mehr loswerden.“ Und das ist ein Problem. Wenn die Asiatische Hornisse sich in so großen Zahlen weiter vermehrt, treffe das nicht nur die Honigbienen. „Dann sind auch Schmetterlinge und Wildbienen dran“, sagt der Imker. Auch Vögel und Fledermäuse finden dann nichts mehr zu fressen. Das Problem sei, dass die Asiatische Hornisse hier keine Fressfeinde habe. Nicht einmal Vögel? „Vielleicht irgendwann mal, aber jetzt kennen sie die Hornisse eben noch nicht.“
Um die Verbreitung der Asiatischen Hornisse einzudämmen, sei es daher wichtig, wachsam zu bleiben. „Das gilt nicht nur für die Imker, sondern für die ganze Bevölkerung“, sagt Ziemann. „Man muss kritisch hinsehen und die Tiere melden.“ Die Asiatische Hornisse sei von der Europäischen Hornisse gut zu unterscheiden: Die Europäische Hornisse hat einen rot-braunen Oberkörper, der Hinterleib ist gelb-schwarz. Die Asiatische Hornisse hat hingegen einen schwarzen Oberkörper, gelbe Beine und am Hinterleib einen großen, gelben Ring. Für Menschen ist ein Stich der Asiatischen Hornisse nicht gefährlicher als der einer Europäischen. Ziemann sagt aber: „Ich habe gehört, dass er länger wehtut.“ (ebu)
Rubriklistenbild: © Markus Bollen




