VonMaximilian Gangschließen
Die asiatische Hornisse breitet sich in NRW aus. Das kann schlimme Folgen haben. Sichtungen müssen deshalb immer gemeldet werden.
Köln – Sie ist nur rund 2,5 Zentimeter groß, und dennoch kann die Ankunft der asiatischen Hornisse in Deutschland immense Folgen für das ganze Ökosystem haben. Nach Frankreich, Belgien und den Niederlanden ist die asiatische Hornisse nun auch in Deutschland und NRW angekommen. Begünstigt durch den Klimawandel, breitet sie sich rasch aus. Und die Zahl der Sichtungen steigt stark an.
Asiatische Hornisse: Fast 100 Sichtungen in NRW
Ende September 2023 gab es seit Anfang April desselben Jahres knapp unter 100 Sichtungen der Asiatischen Hornisse in NRW, wie das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (Lanuv) mitteilt. Das sorgt unter anderem für Kritik des Imkerverbands an der Regierung; man hätte in der staatlichen Bekämpfung des Insekts „Versäumnisse“ gemacht, hieß es dort.
Nach Angaben des Landesamts für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (Lanuv) gab es im Sommer 2022 acht Sichtungen, in diesem Sommer waren es bereits 20. Zudem dürfte es noch weitere bisher unentdeckte Ansiedlungen in ganz NRW geben. „Eine weitere Ausbreitung ist daher zu vermuten“, heißt es weiter vom Lanuv.
| Asiatische Hornisse | Europäische Hornisse | |
| Kopf | Schwarz, mit orangefarbener Stirn | Rötlich bis schwarz |
| Thorax (Bereich zwischen Kopf und Hinterleib) | Schwarz | Rotbraun mit schwarzer v-förmiger Zeichnung |
| Hinterleib | Schwarz, mit orangefarbener Spitze | Rotbraun und Schwarz, mit wespentypischer schwarz-gelber Spitze |
Asiatische Hornisse breitet sich in NRW aus – mit Folgen für Bienen
Für Menschen ohne Allergien ist ein Stich der asiatischen Hornisse zwar schmerzhaft, aber meist ungefährlich. Doch die Ausbreitung der asiatischen Hornissen kann anders als bei der in NRW verbreiteten sogenannten „schwarzen Hornisse“ Folgen für das Ökosystem haben, denn die Tiere fressen die heimischen Bienen. Imker könnten so Schwierigkeiten bei der Honigproduktion haben. Ein Bienensterben hätte im schlimmsten Fall aber auch gravierende Auswirkungen auf Nutzpflanzen wie Obstbäume: Die sind auf die Bienenbestäubung angewiesen.
Aus diesem Grund ist die Sichtung einer asiatischen Hornisse meldepflichtig, damit ihr Verhalten besser beobachtet werden kann. Sichtungen können online auf dem Neobiota-Portal gemeldet werden – bestenfalls mit Foto. Alternativ ist auch eine Meldung bei der zuständigen Naturschutzbehörde möglich.
Wie geht die asiatische Hornisse auf Bienenjagd?
► Die asiatische Hornisse patrouilliert vor den Bienenstöcken. Durch ihre Schnelligkeit und Agilität ist die Hornisse in der Lage, Bienen im Flug zu fangen. Wie das LANUV die weitere Vorgehensweise des Eindringlings beschreibt, klingt schon beinahe martialisch: „Sobald eine Biene gefangen wurde, werden Kopf, Flügel, Beine und Abdomen (Anm.: Hinterleib) abgetrennt, die Flugmuskulatur wird an die Larven verfüttert“.
► Wenn erstmal eine Biene dem asiatischen Räuber zum Opfer gefallen ist, hat das Folgen für das gesamte Bienenvolk, wie Matthias Roth vom Kölner Imkerverein vor einigen Wochen im Gespräch mit 24RHEIN sagte: „Das merken dann natürlich auch die Bienen und sie trauen sich dann nicht mehr, aus dem Nest zu kommen. Dadurch gehen die Völker ein“. Sobald das Bienenvolk nachhaltig geschwächt ist, dringt die asiatische Hornisse in den Bienenstock ein, frisst den Honig und entfernt die Brut, so das LANUV.
► Die heimische Biene hat – im Gegensatz zu ihrem asiatischen Pendant – keine Abwehrmechanismen gegen die Angriffe der asiatischen Hornisse entwickeln können. Deshalb hat die Biene gegen den Jäger aus Asien keine Chance. Die Bienen machen laut dem LANUV rund 85 Prozent des Speiseplans der asiatischen Hornisse aus – aber auch andere Insekten, wie Mücken und Fliegen, fallen ihr zum Opfer. Die asiatische Hornisse gehört damit zu den gefährlichsten exotischen Tieren, die neu in NRW sind.
Asiatische Hornisse in NRW: In diesen Orten wurde das Insekt bereits gesichtet
Gerade in den Monaten Mai bis Juli 2023 sind die Meldungen des „schwarzen Jägers“ – wie die asiatische Hornisse aufgrund ihrer Färbung auch genannt wird – sprunghaft angestiegen, was aber auch mit der öffentlichen Aufmerksamkeit für das Thema zusammenhängen könnte. Laut den Daten des Landesamts für Natur, Umweltschutz und Verbraucherschutz NRW (LANUV) gab es in folgenden Städten und Gemeinden verifizierte Meldungen:
- Duisburg
- Düsseldorf
- Köln
- Mönchengladbach
- Alsdorf (Städteregion Aachen)
- Stolberg (Städteregion Aachen)
- Borken (Kreis Borken)
- Coesfeld (Kreis Coesfeld)
- Erkelenz (Kreis Heinsberg)
- Geilenkirchen (Kreis Heinsberg)
- Waldfeucht (Kreis Heinsberg)
- Wassenberg (Kreis Heinsberg)
- Hilden (Kreis Mettmann)
- Bergheim (Rhein-Erft-Kreis)
- Frechen (Rhein-Erft-Kreis)
- Dormagen (Rhein-Kreis Neuss)
- Grevenbroich (Rhein-Kreis-Neuss)
- Much (Rhein-Sieg-Kreis)
- Ibbenbüren (Kreis Steinfurt)
- Niederkrüchten (Kreis Viersen)
- Moers (Kreis Wesel)
- Voerde (Kreis Wesel)
- Kein Anspruch auf Vollständigkeit, Stand: 29. Juli
Asiatische Hornisse: Folgen für das Ökosystem
Darum ist die Biene wichtig für das Ökosystem
► Laut den Umweltschützern von Greenpeace ist die Biene „unendlich wertvoll“ für das deutsche Ökosystem.
► Bienen spielen eine zentrale Rolle bei der Bestäubung von Pflanzen. Pollen und Nektar von Blüten sind Nahrung für Insekten. Um den Nektar zu sammeln, muss sie ins Innere der Blüte. Dabei bleiben Pollen an den Haaren der Tiere hängen.
► Fliegt die Biene anschließend zu einer anderen Blüte, um weiteren Nektar zu sammeln, werden die Pollen auf die sogenannte Narbe übertragen. Jetzt können neue Samenkörner in der Blüte heranreifen.
► Viele Obstsorten und andere Nutzpflanzen sind von der Bestäubung durch Bienen abhängig - andernfalls könnten sie sich kaum fortpflanzen.
Viele Nutzpflanzen sind bei der Fortpflanzung auf die Bestäubung von Bienen angewiesen. Fällt diese teilweise weg, muss mit einem Ertragsrückgang unter anderem bei Obst- und Gemüse gerechnet werden, was – wie in einem zusammenhängenden System üblich – weitere Konsequenzen, wie finanzielle Einbußen, zur Folge hätte. Allein in Europa gibt es laut den Umweltschützern von Greenpeace 4.000 Gemüsesorten, die nur dank summender Insekten überleben können. (mg, mit dpa) Fair und unabhängig informiert, was in NRW und Deutschland passiert – hier unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.
Rubriklistenbild: © Axel Heimken/dpa

