1. Februar

Streik in NRW: Flughafen Köln/Bonn am Donnerstag weitestgehend lahmgelegt

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Am Donnerstag, 1. Februar, kommt es zu Ausfällen im Flugverkehr. Verdi hat an Flughäfen zu Streiks aufgerufen. An einem Airport in NRW ist die Beteiligung „extrem hoch“.

Update vom 1. Februar, 6.46 Uhr: Am Flughafen Köln/Bonn geht am Donnerstag so gut wie nichts mehr. Bereits im Vorfeld hatte der Airport wegen des Warnstreiks „erhebliche Beeinträchtigungen des Flugbetriebs“ angekündigt. 86 der 113 geplanten Passagierflüge seien gestrichen worden. Vor allem Starts finden so gut wie keine statt. Auch in Düsseldorf wurden Flüge gecancelt. Der Flughafen der Landeshauptstadt hat nach eigenen Angaben etwa ein Drittel der Starts und Landungen annulliert.

In Köln/Bonn sei die Warnstreik-Beteiligung „extrem hoch“, sagte der für den Warnstreik zuständige Verdi-Gewerkschaftssekretär Özay Tarimder der Deutschen Presse-Agentur am frühen Donnerstagmorgen. Für die Nachtschicht der Fluggastkontrolle sei niemand erschienen und für die etwas später startende Nachtschicht der Personal- und Warenkontrolle hätten sich nur sehr wenige Beschäftigte eingefunden. „Das war ein erfolgreicher Streikauftakt.“

Der Bereich des Check-In Schalter im Flughafen Köln/Bonn ist am Donnerstagmorgen, 1. Februar, menschenleer. 

Einige Flüge werden am Donnerstag über kleinere Airports abgefertigt, die nicht vom Streik betroffen sind. So nehme etwa der Flughafen Paderborn/Lippstadt nach eigenen Angaben insgesamt zwölf weitere Flugzeuge auf. Damit erwarte der Airport 24 zusätzliche Flüge am Donnerstag. Der erste Abflug sei um 6 Uhr erfolgt, die letzte Maschine starte um 20.35 Uhr. „Erneut ist es uns innerhalb kürzester Zeit gelungen, ausreichend qualifiziertes Personal für die Bedienung der zusätzlichen Maschinen zu gewinnen“, wird Flughafen-Geschäftsführer Roland Hüser in einer Mitteilung zitiert.

Streik an Flughäfen in NRW: Ausfälle und Verspätungen am Donnerstag

[Erstmeldung] Hamm - Einen Tag vor dem angekündigten Streik im Nahverkehr ruft die Gewerkschaft Verdi jetzt auch die Luftsicherheitskräfte in Deutschland dazu auf, ihre Arbeit niederzulegen. Am Donnerstag, 1. Februar, müssen sich Urlauber und Reisende auf Flugausfälle und Verspätungen einstellen. Der Warnstreik gilt bundesweit. Auch Flughäfen in Nordrhein-Westfalen sind betroffen.

Wie Verdi in einer Mitteilung am Dienstag mitteilt, sind Beschäftigte in der Personen-, Waren- und Frachtkontrolle sowie in Servicebereichen zum ganztägigen Streik aufgerufen. Gestreikt wird an folgenden Flughäfen:

  • Hamburg
  • Bremen
  • Hannover
  • Berlin
  • Köln/Bonn
  • Düsseldorf
  • Leipzig
  • Dresden
  • Erfurt
  • Frankfurt/Main
  • Stuttgart

Laut Verdi betrifft der Streikaufruf rund 25.000 Beschäftigte der Luftsicherheitsbranche. Ohne sie ist kein Betrieb der Sicherheitsbereiche an den Flughäfen möglich.

Warnstreik an den Flughäfen Köln/Bonn und Düsseldorf

Am Flughafen Köln/Bonn soll der Warnstreik in der Personal- und Warenkontrolle bereits am späten Mittwochabend mit Beginn der Nachtschicht starten, in der Fluggastkontrolle um 0 Uhr. Das teilte ein Sprecher von Verdi der Deutschen Presse-Agentur mit. In Düsseldorf beginnt der Arbeitskampf demnach um Mitternacht, in der Fluggastkontrolle gegen 3 Uhr. Gegen 0 Uhr in der Nacht auf Freitag soll der Streik enden.

„Passagiere, die für Donnerstag einen Flug von oder nach Köln/Bonn gebucht haben, werden gebeten, sich bei ihrer Airline oder ihrem Reiseveranstalter über den Status ihres Fluges zu informieren, bevor sie zum Flughafen anreisen“, schreibt der Flughafen Köln/Bonn. Am Donnerstag seien dort regulär insgesamt 103 Passagierflüge (53 Starts, 60 Landungen) geplant.

Von den ursprünglich geplanten 113 Flugbewegungen am Flughafen Köln/Bonn sollen 86 abgesagt worden sein. Am Düsseldorfer Airport wurden ebenfalls Flüge storniert – ein Drittel der Starts und Landungen. Dort sollen 189 statt rund 290 Flüge stattfinden.

Verdi ruft zu Warnstreiks an Flughäfen auf – mehr Geld für Sicherheitskräfte gefordert

Verdi fordert unter anderem höhere Löhne für die Sicherheitskräfte. Im Detail geht es um 2,80 Euro mehr Lohn pro Stunde, höhere Funktionszulagen und Mehrarbeitszuschläge ab der ersten Überstunde bei einer Laufzeit des Tarifvertrages von zwölf Monaten. Laut der Gewerkschaft konnte in den bisher drei Tarifverhandlungsrunden mit dem Bundesverband der Luftsicherheitsunternehmen (BDLS) keine Einigung erzielt werden.

„Mit der Forderung soll der Kaufkraftverlust der Beschäftigten durch die Inflation ausgeglichen werden. Die starken Preissteigerungen bei Lebensmitteln und der Energie belasten die Geldbeutel, insbesondere in den unteren Lohngruppen“, schreibt Verdi. Zudem gehe es darum, dass die Arbeit der Luftsicherheitskräfte finanziell attraktiv bleibe. „Schon jetzt gibt es einen Mangel an qualifizierten Arbeitskräften, die bereit sind, rund um die Uhr, an Wochenenden und an Feiertagen äußerst flexibel an den Flughäfen zu arbeiten – die Sicherheit im Luftverkehr ist nicht zum Nulltarif zu haben“, wird Verhandlungsführer Wolfgang Pieper zitiert.

Warnstreik an Flughäfen in Deutschland: Mögliches Angebot „völlig unzureichend“

Die Arbeitgeber hätten zwar die Vorlage eines möglichen Angebots in Aussicht gestellt, allerdings unter der Vorbedingung, dass Verdi ein Schlichtungsverfahren vereinbare. Dies lehnte die Gewerkschaft nach eigenen Angaben ab. Außer sei das Angebot „völlig unzureichend“. Laut Verdi sieht das mögliche Angebot Entgelterhöhungen im Jahr 2024 von 4 Prozent vor; das entspreche in der untersten Lohngruppe rund 0,55 Euro und in der obersten Lohngruppe rund 0,82 Euro mehr pro Stunde. Im Jahr 2025 solle es dann eine weitere Erhöhung von 3 Prozent geben – also rund 0,43 Euro in der untersten und 0,64 Euro mehr pro Stunde in der obersten Lohngruppe.

Die Tarifverhandlungen werden am 6. und 7. Februar 2024 in Berlin fortgesetzt.

Streik am Flughafen: Rechte für Fluggäste

Wenn der Flug gestrichen wurde oder sich um mehr als fünf Stunden verspätet, haben Reisende gemäß einer zuletzt 2021 aktualisierten EU-Fluggastrechte-Richtlinie zwei Möglichkeiten: die Stornierung und Rückerstattung des Geldes oder einen Ersatztransport. Aber Vorsicht: Eine finanzielle Entschädigung bei Annullierung gibt es nur, wenn keine „außergewöhnlichen Umstände“ vorliegen. Solche Umstände sind aber etwa gegeben, wenn nicht die Beschäftigten der Airline, sondern Angestellte eines externen Dienstleisters oder der Flughafengesellschaft streiken.

Erst vor wenigen Tagen hatte der große Warnstreik bei der Deutschen Bahn geendet – einen halben Tag früher als ursprünglich geplant. Weitere Streiks wird es auf der Schiene vorerst nicht geben. Die Bahn und die Lokführergewerkschaft GDL haben sich auf eine Friedenspflicht bis zum 3. März geeinigt. Ab 5. Februar soll unter Ausschluss der Öffentlichkeit über die Tarife verhandelt werden.

Kurz nach Ende der Einschränkungen im Bahnverkehr rief Verdi dann zu Warnstreiks im ÖPNV auf. Am Freitag, 2. Februar, sollen Beschäftigte in vielen kommunalen Verkehrsbetrieben ihre Arbeit für einen Tag niederlegen. In NRW sind mehrere Betriebe am Warnstreik beteiligt, unter anderem im Ruhrgebiet. Teilweise wurden die Betriebe von der Entscheidung überrumpelt – wie etwa bei den Stadtwerken Hamm, wo die Infos erst nach der Mitteilung von Verdi langsam durchsickerten.

Rubriklistenbild: © Thomas Banneyer/dpa

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