VonCedric Sporkertschließen
Die Stadt und die Stadtwerke haben konkrete Pläne, wie die Wärmeversorgung der Zukunft in Hamm aussehen kann.
Hamm – Noch beträgt der Anteil der fossilen Energie aus Gas und Öl bei der Wärmeversorgung in Hamm über 90 Prozent. Dieser Anteil muss rapide sinken, wenn Heizen bezahlbar bleiben und die Hammer Klimaziele auch nur annähernd erreicht werden sollen. Ein Schlüssel ist die Fernwärme.
Massiver Fernwärme-Ausbau in den nächsten 30 Jahren
Aktuell liegt der Anteil der Fernwärme allerdings bei lediglich 8 Prozent. Pläne der Stadtwerke, die Geschäftsführer Reinhard Bartsch auf der Jahrestagung der Klimaagentur in der vergangenen Woche vorstellte, sehen allerdings einen massiven Ausbau in den nächsten 30 Jahren vor.
An dessen Ende soll der gesamte Bereich nördlich von Lippe und Kanal sowie der Hammer Westen großflächig mit Fernwärme versorgt werden können, die durch umweltfreundliche Energie aus der Müllverbrennungsanlage erzeugt wird.
Seit Monaten laufen bereits Arbeiten, um rund 800 HGB-Wohnungen im Westen anzuschließen. Deshalb ist die Dortmunder Straße nach wie vor gesperrt. Durch die Nutzung des immer noch rund 80 Grad Celsius warmen Rücklaufs (Ausgangstemperatur: 130 Grad) soll die am Lausbach produzierte Wärme künftig deutlich effizienter genutzt werden.
Kosten in Höhe von 1 Milliarde Euro - Nur für Norden und Westen
Der vollständige Ausbau des Netzes wird viel Geld und Zeit kosten. Etliche Straßen müssen aufgerissen werden. Für den kompletten Ausbau allein im Westen und Norden geht Bartsch von Kosten in Höhe von einer Milliarde Euro aus. Sollte sich jeder Hauseigentümer eine eigene Wärmepumpe zulegen müssen, lägen die Kosten allerdings doppelt so hoch, rechnet Bartsch vor.
Während für den Westen und Norden schon konkrete Pläne vorliegen, waren weite Teile des Ostens bis zuletzt noch ein weißer Fleck auf der Fernwärme-Karte der Zukunft. Das hat sich in dieser Woche geändert. An diesem Montag hat die Gesellschafterversammlung der Trianel eine Vorentscheidung über den Bau eines dritten Kraftwerk-Blocks getroffen, der ausschließlich mit Wasserstoff als Energieträger laufen soll.
Ministerin Mona Neubaur besucht Trianel Gaskraftwerk Hamm




Mit der Abwärme dieses Blocks und selbiger des direkt nebenan geplanten Elektrolyseurs, der aus Windenergie von der Nordsee grünen Wasserstoff produzieren soll, könnte künftig auch der Osten mit Fernwärme versorgt werden.
Fernwärme günstiger als Gas, geringe Kosten für Netzanschluss
Preislich wäre das wohl unschlagbar günstig. Schon jetzt ist Fernwärme günstiger als Gas. Während die Gaspreise in Zukunft weiter steigen, seien ähnliche Anstiege bei der Fernwärme nicht zu erwarten, so Bartsch.
Auch die einmalige Einrichtung des Anschlusses ist vergleichsweise preiswert. Wärmetauscher und Hausanschluss kosteten zusammen aktuell rund 4.000 Euro. Eine Wärmepumpe liegt je nach Art beim drei- bis zehnfachen Anschaffungs- und Einbaupreis.
Nahwärmenetze sollen zeitnah eingerichtet werden
Die Wärmepumpe hat mit unter 2 Prozent derzeit einen verschwindend geringen Anteil an der Wärmeversorgung in Hamm. Dieser Anteil wird in den kommenden Jahren allerdings sukzessive steigen. In Neubaugebieten liegt er bereits bei annähernd 100 Prozent – oft in Verbindung mit einer Photovoltaik-Anlage auf dem Dach. In solchen Gebieten verlegen die Stadtwerke schon jetzt keine Gasleitungen mehr.
In Altbau-Siedlungen sollen in den nächsten Jahren Nahwärmenetze mit effizienten Großwärmepumpen die Zeit bis zum jeweiligen Fernwärme-Anschlusspunkt mindestens überbrücken. Bis zum kommenden Jahr soll eine kommunale Wärmeplanung erarbeitet sein, über die jeder Bürger transparent einsehen kann, wo wann welche Maßnahmen geplant sind.
Dadurch sollen Eigentümer verlässlich eigene Investitionen planen können. Schließlich sei es ärgerlich, wenn man erst viel Geld in eine komplett neue Heizung installiert und zwei Jahre später Fernwärme verfügbar wird.
Wer akut vor der Entscheidung für eine neue Heizung steht und diese nicht mehr aufschieben kann, sollte sich bei der Klimaagentur melden. Die bietet Beratung und kann an passende Energieberater und Handwerker vermitteln.
Alle möglichen Wärmequellen sollen genutzt werden
Es gelte, künftig alle Wärmequellen anzuzapfen, die zur Verfügung stehen – und diese dann möglichst effizient zu nutzen. Mit großen Industriebetrieben liefen bereits Gespräche zur Nutzung der jeweiligen Abwärme aus den Produktionsprozessen, so Bartsch.
Auch Wärme aus Kanalwasser oder alten Grubenschächten könnte in die Versorgung einbezogen werden. Erste Untersuchungen hätten etwa ergeben, dass Wärme aus dem einzigen noch offenen Schacht der Zeche Sachsen (Schacht 4) künftig für die Versorgung des Reha-Zentrums, des Maximares und möglicherweise Teile des Rietzgartenviertels genutzt werden könnte.
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