Unwetter

Starkregen: Anwohner fühlen sich im Stich gelassen - Wasserschaden im Heimathaus

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Ortsvorsteher Frank Lukow und Anwohner Sebastian Schmieding zeigten dem WDR Schäden und viel Frust und erläuterten, was für eine Verbesserung der Situation passieren müsste.
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Nach dem Starkregen am Sonntag machten am Montag Anwohner im Westholz ihrem Ärger Luft. Einen Wasserschaden gibt es im Heimathaus und Rathaus Welver.

Welver – Es war das nächste Starkregenereignis binnen acht Wochen. Wieder scheint es die Bewohner im Westholz von Vellinghausen besonders getroffen zu haben. Anwohner und der Ortsvorsteher fühlen sich im Stich gelassen.

„Das ist eine Problematik, die wir in diesem Wohnbereich bestimmt schon seit mehr einem Jahrzehnt haben“, sagt Ortsvorsteher Frank Lukow. „Die Anwohner behelfen sich seit Jahren mit dem Einbau von Rückstauklappen.“ Diese funktionieren entweder elektrisch oder mechanisch. Doch längst nicht jeder hat so eine Rückstauklappe. „Wer eine hat, hat Glück. Wer keine hat, hat Pech gehabt“, sagt Lukow.

Starkregen: Viele haben mechanische Rückstauklappen

Dazu kommt: „Man kann ja als Bewohner nicht bei jedem Starkregenereignis im Keller sein, um die Rückstauklappen zu schließen. Hier leben auch viele ältere Menschen.“ Viele wüssten auch gar nicht, was sie bei Hochwasser mit ihrer mechanischen Regenrückstauklappe im Keller machen müssen.

Ende Juni stand das Wasser im Keller von Familie Schmieding 42 Zentimeter hoch. Am vergangenen Sonntag, traf die Familie von Sebastian Schmieding nicht ganz so hart. Das Wasser „nur“ wenige Zentimeter tief in seiner Tiefgarage. „Wenn ich jetzt keine Rückstauklappe gehabt hätte, hätte es vermutlich anders ausgesehen“, sagt der Anwohner.

Starkregen: Keller im Westholz voll gelaufen

Etliche andere Keller seien hingegen auch am Sonntag voll gelaufen: Der von Thomas Sellnau. Anwohner Klaus Georgi hatte dank Rückstauklappe so wie Familie Schmieding nur eine kleine Pfütze im Keller. Von einer Familie, die eine Straße weiter wohnt, habe der Ortsvorsteher Bilder zugeschickt bekommen. „In ihrem Kellerschacht schwammen die Frösche von draußen“, berichtet Lukow.

Der Ortsvorsteher fordert von der Gemeinde Welver, eine Bestandsaufnahme und Inspektion des 40 Jahre alten Kanalsystems. Seine Befürchtung: „Unter Umständen gibt es eine Verbindung zwischen den beiden eigentlich getrennten Systemen Regen- und Schmutzwasserkanal.“ Nur ein einziges Mal habe Straßen-NRW die Gräben in 25 Jahren ausgebaggert – so lange lebt Luko in Vellinghausen. „Das ist dann nicht ausreichend. Das Problem ist, wir haben hier in dem Ort viele Schnittstellen und unterschiedliche Zuständigkeiten. Alle müssen sich untereinander besser koordinieren.“ Dazu gehören Gemeinde Welver, Stadt Hamm, Wasserwirtschaftsverband für die Gräben sowie Straßen NRW.

50 Liter pro Quadratmeter in Vellinghausen

Die Feuerwehr bestätigt auf Anfrage, dass Vellinghausen zwischen 16 und 17.30 Uhr zu den Einsatzschwerpunkten zählte. Durch Umpumpen sei für die vom Starkregen überlastete Pumpstation in Vellinghausen Entlastung geschaffen worden.

„50 Liter Regen pro Quadratmeter sind in Vellinghausen zusammen gekommen“, sagt Gemeinde-Sprecher Wolfgang Lückenkemper. Die Pumpwerke der Gemeinde Welver werden per Fernüberwachung elektronisch kontrolliert. Die Bereitschaft des Bauhofes sei am Sonntag verdoppelt worden. Als die Alarmierung zum überlasteten Pumpwerk eingegangen sei, hätten die Keller bereits eine Stunde vorher voller Wasser gestanden.

Wieder Wasserschaden im Heimathaus Welver

In Meyerich seien 66 Liter pro Quadratmeter gefallen. Anders als in Vellinghausen sei in dem Ort die Pumpstation jedoch nicht abgesoffen. Mit Sandsäcken und Pumpen seien die Keller vor dem Eindringen des Oberflächenwassers gesichert worden.

Die Gemeinde habe sich auf die Agenda geschrieben, herauszufinden, auf welchem Weg das Oberwasser in die Schmutzwasserkanäle in Vellinghausen gelangt. Insgesamt sieben Mal mussten die örtlichen Löschgruppen der Feuerwehr, die mit 55 Einsatzkräften im Dienst war, im Gemeindegebiet ausrücken. Unter anderem musste die Werler Landstraße in Berwicke kurzzeitig gesperrt werden, weil Wasser von der Fahrbahn abgepumpt werden musste.

Wieder ein Wasserschaden Heimathaus Welver.

Einen Wasserschaden gibt es außerdem im Rathaussaal und im Heimathaus Welver zu verzeichnen. Genau an der Stelle, wo es bereits vor einigen Jahren zu einem Wasserschaden gekommen war, über dem Diorama ist erneut Wasser eingedrungen, berichtet Lückenkemper, der am Montag den Schaden zusammen mit einem Dachdecker begutachtet hat. Es wird vermutet, dass es sich ein Tier auf dem Dach gemütlich gemacht hat und für das Loch verantwortlich ist. Die Sanierung sei sehr aufwendig, da ein Gerüst in das Diorama zur Schlacht von Vellinghausen eingebaut werden müsse. Die Höhe des Schadens ließ sich am Montag noch nicht beziffern. Das Thema wurde auf die Tagesordnung der Ratssitzung am Dienstag, 8. August, gesetzt. Sie findet wegen des Wasserschadens nicht im Rathaussaal, sondern in der Schützenhalle Borgeln statt.

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