Klimawandel und Extremwetter

„Das war erst der Anfang“: Wetterexperte prophezeit weitere Hochwasser und Erdrutsche in Deutschland

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Extremwetter infolge des Klimawandels ist auch hierzulande möglich. Das zeigt das Hochwasser in Süddeutschland erneut. Meteorologe Dominik Jung blickt besorgt in die Zukunft.

München – Im Sommer 2023 offenbarten verheerende Waldbrände vielerorts im Mittelmeerraum, welche Bedrohungen der Klimawandel für Mensch und Natur mit sich bringt. Aber nicht nur in mediterranen Regionen Europas treten die Folgen der globalen Erwärmung immer häufiger gefährlich zutage.

Auch in Deutschland sind extreme Wetter-Ereignisse nicht ausgeschlossen, das Hochwasser im Ahrtal im Sommer 2021 hat das schmerzhaft verdeutlicht. Und das aktuelle Hochwasser in Teilen Bayerns und Baden-Württembergs lässt es umso klarer werden. Meteorologe Dominik Jung von wetter.net zeigte sich besorgt: „Das war erst der Anfang.“

Meteorologe Jung: Extremwetter-Ereignisse werden in Deutschland immer häufiger

Der Meteorologe erklärte, dass das gegenwärtige Hochwasser in Bayern schon durch den vorangegangenen Starkregen abzusehen gewesen sei. Er selbst schätzte die Wetterlage gegenüber IPPEN.MEDIA ein, als am Sonntag (2. Juni) vielerorts Hochwasser-Chaos herrschte.

Häufige höre er den Vorwurf, dass es Extremwetter wie dieses schon seit jeher gab. Und obwohl das natürlich nicht falsch sei, nehme die Häufigkeit derartiger Wetterphänomene faktisch seit Jahren stetig zu und trete folglich in immer schwerwiegenderen Formen zutage.

Wetterexperte Jung warnt: „Die aktuellen Fluten sind nur ein Vorgeschmack“

„Vor drei Jahren gab es die katastrophale Ahrtalflut. Vor einigen Wochen ein Jahrhunderthochwasser im Saarland und in Teilen von Rheinland-Pfalz, nun direkt die schwere Flut in Süddeutschland“, betonte Jung. Schuld sei dabei aber immer wieder das gleiche Phänomen: Stark- und Dauerregen.

Anhaltende massive Niederschläge häuften sich in der Vergangenheit vor allem in Süddeutschland sowie in der Region rund um die nordrhein-westfälische Stadt Hagen, wie aus Daten einer Studie des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung hervorgeht, über die das ZDF berichtete: Während in Hagen zwischen 1991 und 2020: durchschnittlich 4,9 Starkregentage pro Jahr auftraten, rechnet das Institut demnach zwischen 2031 und 2060 mit 5,9 Starkregentagen im jährlichen Durchschnitt.

Aber auch für das künftige Klima sei dem Wetterexperten Jung keine generelle Besserung in Sicht: „Das wird sich fortsetzen. Die aktuellen Fluten sind nur ein Vorgeschmack auf das, was Deutschland und ganz Europa noch bevorstehen wird“, mahnte Jung.

Meteorologe äußert sich besorgt: „Das Extremwetter nimmt deutlich zu“

Sichtbar werde das bereits daran, dass sich Klima-Umschwünge immer rascher von einem Extrem ins nächste abwechseln. So etwa würden lange und schädliche Trockenperioden mittlerweile häufig von heftigen Niederschlagsphasen abgelöst. „Das Extremwetter nimmt deutlich zu“, stellte Jung fest.

In Passau bleibt die Lage infolge des Hochwassers angespannt

Hochwasser in Süddeutschland: Wie sind die Wetter-Aussichten für die nächsten Tage?

In den kommenden Tagen dürfte Diplom-Meteorologe Jung zufolge vorerst einmal etwas Ruhe in die Wetterlage einkehren. Doch damit könnte es im Juni wohl noch nicht getan sein. Denn die daran anknüpfende Prognose des europäischen Wettermodells gibt Jung bereits neuen Grund zur Sorge. 

„Es werden im Süden schon wieder 70 bis 120 Liter Regen pro Quadratmeter erwartet. Das meiste davon soll am kommenden Wochenende vom Himmel kommen“, mahnt der Wetterexperte mit Blick auf die nächsten zehn Tage (bis zum 14. Juni). In Süddeutschland sei deshalb auch aktuell noch keine Entwarnung der angespannten Hochwasserlage abzusehen.

„Wir müssen daher mit weiteren Erdrutschen und auch wieder mit steigenden Flusspegeln im Süden von Deutschland rechnen“, warnt Jung. Außerdem sei zunächst noch nicht abzusehen, wie weit die neuen Regenfälle dann auch Richtung Norden ausgreifen. „Es gilt die nächsten Tage, die Wetterprognosen genau zu beobachten“, rät der Diplom-Meteorologe deshalb. (fh)

Rubriklistenbild: © IMAGO/Harald Dostal

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