Düstere Prognose

Brisante Wetter-Lage in Deutschland – wie lange die Hochwasser-Gefahr noch andauert

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Hochwasser, Überschwemmungen und Sturzfluten haben in Süddeutschland große Zerstörung verursacht. Nun warnen Wetterexperten: Noch gibt es keine Entwarnung.

Frankfurt – Die Unwetterfront in Deutschland hat in den vergangenen Tagen hohe Schäden mit sich gebracht und mindestens sechs Todesopfer gefordert. Besonders verheerend erwischte das Jahrhunderthochwasser zahlreiche Regionen in Süddeutschland, betroffen waren und sind vor allem Bayern und Baden-Württemberg. Auch in Hessen kam es zu Überflutungen. Doch auch, wenn teils bereits wieder die Sonne scheint, könnte die Hochwasser-Gefahr noch andauern.

In westlichen Teilen Bayerns beginnt nach der dramatischen Wetter-Lage der vergangenen Tage bereits die Aufräumarbeit. Evakuierte Anwohner:innen können in einigen Regionen am 5. Juni wieder zurück nach Hause. Die Hochwasserzentrale teilt mit, dass der Stand in Gewässern in Baden-Württemberg insgesamt abfallend ist. Doch die Wetter-Lage bleibt weiter angespannt. Vor allem die Wasserstände an der Donau zwischen Donauwörth und Passau lassen auch Mittwochmittag noch keine endgültige Entwarnung zu. Laut Meteorologe Dominik Jung dürfte Niederschlag erneut zum Problem werden.

Auch die bayerische Stadt Passau hat wegen des Hochwassers den Katastrophenfall ausgerufen. Eine Entwarnung scheint nicht in Sicht.

Starker Niederschlag: Meteorologe warnt erneut vor Hochwasser in Süddeutschland

Bei wetter.net gibt der Wetterexperte nicht gerade freudige Aussichten auf die kommenden Tage: „In Süddeutschland droht neuer, kräftiger Regen.“ Besonders im Süden von Baden-Württemberg und Bayern soll bis zum Montag, 10. Juni, bis zu 30, in manchen Gebieten sogar bis zu 70 Litern Regen pro Quadratmeter fallen. Der Meteorologe bezieht sich dabei auf das Deutsche Wettermodell und erklärt, was dies für die ohnehin von den Fluten gezeichneten Regionen bedeuten könnte: „Neue kräftige Schauer und Gewitter können also hier erneut für ansteigende Bäche und Flüsse sorgen.“

Nicht nur das Deutsche Wettermodell, sondern auch das Europäische Wettermodell sagt laut wetter.net viel Niederschlag im Süden Bayerns und Baden-Württemberg voraus. Laut diesem Modell im 10-Tage-Trend sogar bis zu 120 Litern pro Quadratmeter.

Hochwasser in Süddeutschland: Bilder zeigen Ausmaß und massive Schäden der Fluten

In Rottenburg stieg der Neckar-Pegel bedenklich. Keller mussten ausgepumpt werden, tausende Sandsäcke kamen zum Einsatz.
In Rottenburg im Kreis Tübingen stieg der Neckar-Pegel bedenklich. Keller mussten ausgepumpt werden, tausende Sandsäcke kamen zum Einsatz. © IMAGO/Markus Ulmer
Im Bereich Taufach und Fetzachmoos bei Tübingen sind Teile der Landschaft komplett überschwemmt.
Im Bereich Taufach und Fetzachmoos bei Tübingen sind Teile der Landschaft komplett überschwemmt. © dpa/Jason Tschepljakow
In Haubersbronn in Schorndorf wurden die Straßen geflutet. Autos und Häuser stehen unter Wasser, zwei Menschen verlieren ihr Leben.
In Haubersbronn in Schorndorf wurden die Straßen geflutet. Autos und Häuser stehen unter Wasser, zwei Menschen verlieren ihr Leben. © IMAGO/Christian Wiediger
Starkregen verursachte eine starke Überschwemmung in der Ortsmitte von Rudersberg (Rems-Murr-Kreis) in Baden-Württemberg.
Starkregen verursachte eine massive Überschwemmung in der Ortsmitte von Rudersberg (ebenfalls Rems-Murr-Kreis) in Baden-Württemberg.  © IMAGO/Simon Adomat
Vom Hochwasser zerstörter Hausrat liegt vor einem Einzelhandelsgeschäft in der Ortsmitte von Rudersberg in Baden-Württemberg.
Vom Hochwasser zerstörter Hausrat liegt vor einem Einzelhandelsgeschäft in der Ortsmitte von Rudersberg. © dpa/Marijan Murat
3.6.2024
In Heidelberg trat bei einem Pegelstand von 3,6 Metern der Neckar im Bereich der alten Brücke über die Ufer und überspült die Straßen.  © IMAGO/Daniel Kubirski
Spielplätze und Sportplätze auf der Heidelberger Neckarwiese wurden geflutet.
Spielplätze und Sportplätze auf der Heidelberger Neckarwiese wurden geflutet. © dpa/Boris Roessler
Gebäude in Heidelberg müssen mit Sandsäcken gesichert werden.
Gebäude in Heidelberg müssen mit Sandsäcken gesichert werden. © IMAGO/Tim Wegner
In Schorndorf-Miedelsbach riss eine Sturzflut dutzende Autos weg, stapelte sie teilweise. Der Ortskern wurde komplett verwüstet.
Im Baden-Württembergerger Schorndorf-Miedelsbach riss eine Sturzflut dutzende Autos weg, stapelte sie teilweise.  © IMAGO/Simon Adomat
In Schorndorf-Miedelsbach riss eine Sturzflut dutzende Autos weg.
Der Ortskern wurde komplett verwüstet.  © IMAGO/Simon Adomat
Viele kleine Gemeinden sind betroffen. Besonders Rudersberg kämpft mit den Fluten.
Viele kleine Gemeinden sind betroffen. Besonders Rudersberg kämpft mit den Fluten.  © IMAGO/Alexander Wolf
In einem Teilort von Rudersberg liegt nur noch Schutt und Asche.
In einem Teilort von Rudersberg liegt nur noch Schutt und Asche.  © IMAGO/Alexander Wolf
Die Rettungskräfte werden vom DLRG und der Bundeswehr unterstützt. Immer wieder retten sie Menschen aus gefährdeten Wohngebieten. So auch in Baar-Ebenhausen in Bayern.
Die Rettungskräfte werden vom DLRG und der Bundeswehr unterstützt. Immer wieder retten sie Menschen aus gefährdeten Wohngebieten. So auch in Baar-Ebenhausen in Bayern. © IMAGO/Bernd März
Nach dem Dammbruch im Kreis Pfaffenhofen tritt das Wasser der Paar in der Gemeinde Baar-Ebenhausen über die Ufer.
Nach dem Dammbruch im Kreis Pfaffenhofen tritt das Wasser der Paar in der Gemeinde Baar-Ebenhausen über die Ufer.  © IMAGO/Bernd März
Baugebiete wie hier im bayerischen Offingen werden geflutet.
Baugebiete wie hier im bayerischen Offingen werden geflutet. © dpa/Karl-Josef Hildenbrand
Teile der Burgruine Falkenstein im oberbayerischen Flintsbach sind nach heftigen Regenfällen abgerutscht.
Teile der Burgruine Falkenstein im oberbayerischen Flintsbach sind nach heftigen Regenfällen abgerutscht.  © dpa/David Pichler
In Regensburg werden Wohnhäuser evakuiert, der Katastrophenfall wird ausgerufen.
In Regensburg werden Wohnhäuser evakuiert, der Katastrophenfall wird ausgerufen.  © dpa/Armin Weigel

„Erdrutsche und Sturzfluten“: Wohl kein Ende der Hochwasser-Gefahr in kommenden Tagen

Zwar sagt Dominik Jung in der Wettervorhersage, die Wetter-Lage würde „etwas entspannter“ und keinesfalls so großflächig wie das Hochwasser der vergangenen Tage sein. Doch warnt der Meteorologe in seinem Ausblick auch: „Hier und da kann es durchaus wieder Erdrutsche und Sturzfluten geben.“ Auch Meteorologe Adrian Leyser vom DWD schätzt die Gefahr ähnlich ein. Zwar sei „der große Dauerregen erst einmal Geschichte“, doch seien die prognostizierten hohen Niederschlagsmengen im Süden keine guten Nachrichten für die Hochwassergebiete. Problematisch dürften flächendeckende Regenfälle vor allem ab Sonntag werden, so Leyser.

Eine endgültige Entwarnung scheinen die Meteorologen nicht aussprechen zu wollen. Beim DWD wird betont, dass es aufgrund der Unsicherheiten in der Vorhersage noch zu früh sei, die Gefahr „wirklich abschätzen zu können“. Abgesehen von Bayern und Baden-Württemberg dürfte Deutschland in Hinsicht auf eine Hochwasser-Gefahr jedoch aufatmen. Sowohl in Hessen als auch in anderen Teilen soll es der Prognose nach weniger Niederschlag geben. Indes herrscht große Trauer um den verstorbenen Feuerwehrmann aus Pfaffenhofen an der Ilm, für dessen Familie nun ein Spendenaufruf gestartet wurde. (nbe)

Rubriklistenbild: © IMAGO/Frank Hoermann / SVEN SIMON

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