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Immer wieder wird Wüstenstaub aus der Sahara nach Deutschland getragen. Vor allem für Allergikerinnen und Allergiker kann das Wetterphänomen zur Belastung werden.
Frankfurt – Derzeit ist wieder Saharastaub im Anmarsch, der von der weltweit größten Trockenwüste in Nordafrika aufgewirbelt und vom Wind Tausende Kilometer in den Norden nach Deutschland getragen wird. Doch ist die kuriose Laune der Natur möglicherweise gefährlich für die eigene Gesundheit? Laut Deutschem Wetterdienst (DWD) nur bedingt.
Gefährlich oder unbedenklich? Saharastaub kann zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen führen
Die rot-gelbliche Farbe in der Luft wird von Feinstaub verursacht, welcher überwiegend aus Quarz, Alumosilikaten und Eisenoxiden besteht. Auch Kalziumkarbonat, Gips, Magnesium sowie Phosphor kommen zu kleinen Teilen darin vor. Weitgehend gefährlich soll der Saharastaub nicht sein, denn er wird vom DWD als „nicht toxisch“ eingestuft. Allerdings enthalte der Staub aus der Wüste größere Mengen an Partikeln unter 2,5 Mikrometer Durchmesser, die in die Lunge eindringen können.
Wie kommt der Saharastaub in die Atmosphäre?
Durch bodennahe Winde mit entsprechender Windgeschwindigkeit wird der Saharastaub in die Luft getragen. Entscheidend sind hier neben der Windgeschwindigkeit die Bodenfeuchte und die Korngrößen. Je nach Wettersituation – zum Beispiel Tiefdruckgebiet mit Hebungsprozess oder Gewitter mit Fallwinden – gelangt der Staub dann aus der bodennahen Luftschicht auch in größere Höhen bis zu mehrere Kilometer über Grund.
Quelle: Deutscher Wetterdienst (DWD)
Besonders bei empfindlichen Personen, die dem Saharastaub über mehrere Stunden oder länger ausgesetzt seien, können gesundheitliche Beeinträchtigungen auftreten. Nach Angaben des DWD sind in erster Linie Personen mit asthmatischen Beschwerden und kardiovaskulären Erkrankungen betroffen. „In Südeuropa treten Saharastaubereignisse deutlich häufiger auf und es gibt Hinweise auf eine höhere Sterblichkeit nach solchen Episoden“, heißt es im 2022 veröffentlichten FAQ.
Lungenmediziner warnen: Aus Saharastaub kann „hochgiftige Mischung“ entstehen
Anders als der DWD sieht das Umweltbundesamt den Saharastaub als weniger unbedenklich an. In einem Bericht auf der Website steht: „Es ist davon auszugehen, dass Wüstenstaub, wenn er bodennah auftritt, einen negativen Effekt auf die menschliche Gesundheit hat und die Entstehung von Atemwegserkrankungen sowie deren Verschlechterung begünstigt.“ Ferner verweist das Umweltbundesamt darauf, die Luftqualität zu prüfen und gegebenenfalls die Aktivitäten im Freien anzupassen.
Griechenland wurde vergangenes Jahr ebenfalls vom Saharastaub heimgesucht. Anders als in Deutschland ist man dort alarmiert. Der Verband der griechischen Lungenärztevereinigung warnte, dass sich der Staub mit Pollen, gefährlichen Bakterien oder Pilzen vermischen könnte. Daraus könne sich „eine hochgiftige Mischung“ ergeben. Thodoris Vasilakopoulos, Professor für Lungenheilkunde, empfahl daher, dass gefährdete Menschen Masken und Sonnenbrillen tragen sollten. Auch Meteorologe Dominik Jung erachtet den Saharastaub als gefährlich.
Wenn Wüstenstaub in der Atmosphäre ist, sollten Menschen mit bestehenden Atemwegserkrankungen sicherstellen, dass sie ihre Medikamente griffbereit haben und gegebenenfalls ihren Arzt konsultieren. Für zu Hause gilt es, die Fenster und Türen geschlossen zu halten oder einen Luftreiniger zu nutzen, um die Konzentration der Partikel in der Luft zu reduzieren. Darüber hinaus informieren Wetterdienste in aktuellen Meldungen, wann der Saharastaub vorbeigezogen ist oder sich abgesetzt hat. (cln)
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