Schub für Münchner Start-up

Abfang-Drohnen für die Bundeswehr: Pistorius setzt auf Bayern

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Etwas 3D-Druck, viel Software und fertig ist der Putin-Schreck? Weltweit tüfteln Unternehmen an Abfang-Drohnen – Pistorius kauft heimische Innovation.

München – „Die Drohnen, die in Polen für viel Geld mit Kampfjets abgeschossen wurden, hätten unsere Drohnen schneller und günstiger vom Himmel holen können“, sagt Balázs Nagy. Gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (F.A.S.) gibt sich der Geschäftsführer und Mitgründer von Tytan Technologies selbstbewusst. Aufgrund der Entwicklungen im Ukraine-Krieg und vor allem Wladimir Putins aktuellen Provokationen gegenüber der NATO hat der Münchner Drohnen-Unternehmer gut Lachen.

Ziel der Mühen: Fragment einer Shahed-Drohne am Ort eines russischen Angriffs in Charkiw. Einige Münchner Start-ups arbeiten daran, Drohnen zum Abfangen von Shaheds zu entwickeln. Tytan Technologies soll jetzt einen Auftrag von der Bundeswehr erhalten zu haben (Symbolfoto).

Laut der F.A.S. werde das Unternehmen demnächst „offiziell mit der Entwicklung einer Komplettlösung für den Schutz von militärischen Liegenschaften und kritischer Infrastruktur“ der Bundeswehr beauftragt. Das Blatt will erfahren haben, dass die Kooperation zu den Streitkräften über das Innovationslabor in Erding laufe. „Bei dem neuen Projekt geht es vor allem um den Schutz vor Drohnen der NATO Klasse 2, zu denen etwa die Shahed-Drohnen zählen“, schreibt Anna Sophie Kühne in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (F.A.Z.). Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) setzt also seinen Kurs fort. Im April hatte er schon zu Testzwecken Kampfdrohnen für die Bundeswehr bestellt. Jetzt wird die Drohnen-Truppe also um die Verteidigung ergänzt.

Pistorius investiert in die Bundeswehr: Mit Cleverness und Know-how aus der bayerischen Landeshauptstadt

Wieder mit Cleverness und Know-how aus der bayerischen Landeshauptstadt. Im Global Tech Ecosystem Index des niederländischen Datenanbieters Dealroom belegt München aktuell weltweit den 19. Platz und liegt damit hinter Shanghai und vor Amsterdam; die Daten spiegeln die Summe an Start-ups, die in der Stadt gegründet worden sind oder dort ihren Hauptsitz haben. „Hier bietet das Münchner Startup-Ökosystem eine entscheidende Ressource – das Gründerzentrum UnternehmerTUM an der Technischen Universität München (TUM)“, schreibt Efthymis Angeloudis. Für die Deutsche Welle (DW) spricht der Wirtschaftsjournalist von rund 100 Firmengründungen in München jährlich.

„Vierhundert Shaheds pro Nacht, ein Abfangjäger pro Shahed und ein Drohnenpilot pro Abfangjäger – selbst wenn KI-basierte Zielerfassung den letzten Teil dieser Gleichung letztendlich beseitigt, wächst der logistische Aufwand schnell an. Ohne Kostenkontrolle kann der Einsatz der ,billigen‘ Abfangjäger schnell teuer werden.“

Roland Oliphant, The Telegraph

„Wir brauchen Zehntausende von intelligenten Robotern auf dem Gefechtsfeld, und das sind in allererster Linie heute Drohnen, die Sie in kleinen Fabriken herstellen können“, sagte Thomas Enders vor einiger Zeit gegenüber der (F.A.Z.). Enders war nicht nur Vorstandsvorsitzender des europäischen Luft- und Raumfahrtkonzerns EADS, sondern auch Chef von Airbus, ist seit einigen Jahren Präsident des deutschen Thinktanks Deutsche Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP) und nichtoperatives Mitglied im Verwaltungsrat von Helsing. Das Unternehmen aus München ist eines der Start-ups, deren Kamikaze-Drohnen die Bundeswehr ausprobiert. Tytan Technologies kommt jetzt dazu. Dessen Mitbegründer ist ein ehemaliger Studierender der Luft- und Raumfahrttechnik an der TU München.

Von Taurus bis Leopard – die Waffensysteme der Bundeswehr im Überblick

Die Bundeswehr ist zu See, an Land und in der Luft mit verschiedenen Waffensystemen präsent.
Marine, Heer und Luftwaffe können auf ein breites Angebot an militärischem Arsenal zurückgreifen. Wir zeigen in dieser Fotostrecke eine Auswahl. © dpa (3) / Boris Roessler / Moritz Frankenberg / Bernd von Jutrczenka
Ein Startfahrzeug eines Patriot-Luftabwehrsystems der Bundeswehr. (Symbolfoto)
Patriot (MIM-104): Weitreichendes Flugabwehrraketensystem zur Abwehr von Flugzeugen, Marschflugkörpern und ballistischen Raketen. Bekämpfungsreichweite ca. 68 Kilometer, kann mehrere Ziele gleichzeitig erfassen und bekämpfen. © IMAGO / Schöning
Ein Flugabwehrsystem Skyranger 35 von Rheinmetall, in diesem Fall auf einem GTK Boxer als Waffenplattform.
Ein Flugabwehrsystem Skyranger 35 von Rheinmetall, in diesem Fall auf einem GTK Boxer als Waffenplattform – es kombiniert Kanone und Boden-Luft-Raketen und ist spezialisiert auf Drohnenabwehr. © IMAGO / Zoonar
Die Fregatte F 222 Baden-Württemberg nimmt an der multinationalen Formationsfahrt teil auf dem Transit im Ostchinesischen Meer im Rahmen des Indo-Pacific Deployment, am 11.09.2024.
Die Fregatte „Baden-Württemberg“ ist das Typschiff der modernen F125-Klasse der Deutschen Marine und wurde für langandauernde, weltweite Einsätze mit geringer Besatzung konzipiert. Sie zeichnet sich durch hohe Automatisierung, vielseitige Einsatzmöglichkeiten und eine besondere Eignung für Stabilitätsmissionen und Kriseninterventionen aus. © Bundeswehr/Leon Rodewald
Ein Tornado-Kampfflugzeug startet während der Übung „Baltic Hunter 2023“ vom Flugplatz des Taktischen Luftwaffengeschwaders 73 „Steinhoff“ in Rostock-Laage.
Der Tornado ist ein zweistrahliges Mehrzweckkampfflugzeug, das von Deutschland, Großbritannien und Italien entwickelt wurde und seit den 1980er Jahren vor allem für Tiefflugangriffe, Aufklärung und elektronische Kampfführung eingesetzt wird. Er bleibt trotz seines Alters ein wichtiger Bestandteil der Luftwaffe, insbesondere als Träger für die nukleare Teilhabe und spezialisierte Aufgaben. © Jens Büttner/dpa
Kampfpanzer Leopard 2A7 der Bundeswehr (vorne) bei einer Übung mit einem Puma-Schützenpanzer (hinten). (Archivfoto)
Der Leopard 2 ist ein deutscher Kampfpanzer, der seit 1979 das Rückgrat der Panzertruppe bildet und als Hauptwaffensystem der Bundeswehr sowie vieler Nato-Staaten gilt. Er vereint hohe Feuerkraft durch seine 120-mm-Glattrohrkanone, starken Panzerschutz und außergewöhnliche Beweglichkeit und ist speziell für den Kampf gegen gegnerische Panzerverbände konzipiert. © IMAGO/Björn Trotzki
Infanterist der Zukunft der Bundeswehr ausgestattet u.a. mit Panzerfaust 3.
Die Panzerfaust 3 ist eine moderne, tragbare Panzerabwehrwaffe der Bundeswehr, die mit einem Mehrfachscharfschuss-System und einem hochentwickelten Gefechtskopf ausgestattet ist, um gut geschützte Fahrzeuge zu bekämpfen. Sie bietet eine hohe Präzision, Reichweite von bis zu 600 Metern und kann sowohl gegen gepanzerte Fahrzeuge als auch gegen befestigte Ziele eingesetzt werden. © Björn Trotzki/imago
Drohne "Luna"
„Luna“ ist ein unbemanntes Aufklärungsdrohnensystem der Bundeswehr, das zur Echtzeitüberwachung und Zielaufklärung auf dem Gefechtsfeld eingesetzt wird. Mit einer Reichweite von bis zu 100 Kilometern liefert die „Luna“-Drohne Bild- und Videodaten zur Unterstützung von Einsatzkräften. © dpa
Wuchtig: Eine Panzerhaubitze 2000 der Bundeswehr.
Die Panzerhaubitze 2000 ist ein selbstfahrendes Artilleriegeschütz der Bundeswehr mit einer 155-mm-Kanone, das Reichweiten von 30 Kilometern mit Standard- und bis zu 40 Kilometern mit reichweitengesteigerter Munition erzielt. © IMAGO / Sven Simon
Am 28.02.22 lief das Minenjagdboot Dattelnzur Verstärkung der NATO-Nordflanke aus.
Das Minenjagdboot „Datteln“ ist Teil der Frankenthal-Klasse (Klasse 332) der Deutschen Marine und spezialisiert auf das Aufspüren und Beseitigen von Seeminen. Es nimmt regelmäßig an internationalen Nato-Einsätzen und Übungen teil und trägt so zur Sicherung von Seewegen bei. © Presse- und Informationszentrum Marine
Soldaten bei der Waffen- und Geräteausbildung mit einem Gewehr (Archivfoto aus dem Jahr 2005).
Das G36 ist seit 1997 das Standard-Sturmgewehr der Bundeswehr und zeichnet sich durch sein geringes Gewicht, die modulare Bauweise und die einfache Handhabung aus. Es verfügt über eine Feuerrate von etwa 750 Schuss pro Minute und ist mit einem integrierten Optiksystem ausgestattet. Es wird schrittweise durch das modernere G95 ersetzt. © dpa
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Die Bundeswehr nutzt aktuell die Pistole P8 als Standarddienstpistole im Kaliber 9 x 19 mm, plant jedoch deren Ablösung durch die modernere P13. Für Spezialkräfte werden bereits die neuen Walther P14 und P14K eingeführt, die speziell auf deren Anforderungen zugeschnitten sind. (Symbolfoto) © dpa (Symbolbild)
Bundeswehr in Hamburg
Der Wiesel ist ein leicht gepanzertes, luftverlastbares Kettenfahrzeug der Bundeswehr, das vor allem bei Fallschirmjägern und Spezialkräften im Einsatz ist. Es existiert in verschiedenen Varianten, etwa mit 20-mm-Maschinenkanone oder Panzerabwehrlenkwaffen, und bietet hohe Mobilität bei geringem Gewicht. © Markus Scholz/dpa
Von Kiew schon lange angefragt: der Taurus-Marschflugkörper aus Deutschland.
Der Taurus ist ein hochpräziser, weitreichender Marschflugkörper, der von Deutschland und Schweden entwickelt wurde und vor allem zur Bekämpfung stark geschützter Bodenziele aus großer Entfernung eingesetzt wird. Mit einer Reichweite von über 500 Kilometern und modernster Zielerfassungstechnologie ermöglicht der Taurus präzise Angriffe bei minimalem Risiko für das Trägerflugzeug. © IMAGO / Political-Moments
Deutsches Flugabwehrsystem Iris-T
Das Luftverteidigungssystem IRIS-T SLM. Es dient der Abwehr von Flugzeugen, Hubschraubern, Marschflugkörpern und Drohnen. Seit 2024 in der Bundeswehr eingeführt. © Wolfgang Kumm/dpa
Korvette läuft zu EU-Einsatz vor Libyen aus
Die Korvette „Ludwigshafen am Rhein“ ist ein modernes Kriegsschiff der Braunschweig-Klasse der Deutschen Marine, das vor allem für Küstenüberwachung, Aufklärung und Schutzaufgaben eingesetzt wird. Sie ist mit einem 76-mm-Geschütz, Flugabwehrraketen und Seezielflugkörpern bewaffnet und zeichnet sich durch hohe Wendigkeit und moderne Sensorik aus. © picture alliance / dpa
Mit dieser Ausrüstung kämpft unsere Bundeswehr
Der Mungo ist ein leicht gepanzertes Mehrzweckfahrzeug der Bundeswehr, das speziell für den schnellen Transport von Soldaten und Material, insbesondere für Spezialkräfte, entwickelt wurde. Aufgrund seiner kompakten Bauweise und Luftverlastbarkeit eignet sich der Mungo besonders für Einsätze in schwierigem Gelände und bei schnellen Operationen. © Quelle: Bundeswehr
PIONIERPANZER DACHS: Der Panzer ist ein Arbeitsgerät der Pioniere und basiert auf dem Fahrgestellt des Leopard 1. Mit seinem Teleskoparmbagger errichtet er Ein- und Ausfahrten sowie Zu- und Abfahrten an Gewässerübergangsstellen und macht den Gewässergrund befahrbar. Außerdem dient er zum Anlegen und Beseitigen von Hindernissen und Sperren auf dem Gefechtsfeld. TECHNISCHE DATEN: Motorleistung: 610 kW (830 PS); Gewicht: ca. 43 t; Baggerleistung: ca. 140 Kubikmeter/h
Der Pionierpanzer Dachs ist ein spezialisiertes Unterstützungsfahrzeug der Bundeswehr, das auf dem Leopard-1-Fahrgestell basiert und für Aufgaben wie Baggern, Räumen und Bergen eingesetzt wird. Ausgestattet mit Baggerarm, Räumschild und Seilwinde ermöglicht er Pionieren das Überwinden von Hindernissen und das Befahrbarmachen von Wegen unter Gefechtsbedingungen. © Quelle: Bundeswehr
Ein Raketenwerfer MARS II steht in der Alb-Kaserne.
Der MARS II ist das moderne Raketenartilleriesystem der Bundeswehr, das präzisionsgelenkte Raketen mit Reichweiten von bis zu 84 Kilometern abfeuern kann. Es basiert auf dem amerikanischen MLRS M270, bietet hohe Feuerkraft und Flexibilität und wird vor allem zur Unterstützung von Bodentruppen eingesetzt. © Sebastian Gollnow/dpa
Die Eurofighter sind beeindruckende Kampfjets. Zahlreiche westliche Armeen haben sie in ihrem Bestand. Fotos lassen erahnen, welche technischen Fähigkeiten sie haben.
Der Eurofighter Typhoon ist ein Mehrzweckkampfflugzeug europäischer Herkunft, das durch seine hohe Wendigkeit und vielseitige Bewaffnung sowohl Luftüberlegenheits- als auch Präzisionsangriffe ermöglicht. Er bildet das Rückgrat der Luftwaffen mehrerer europäischer Staaten und ist für Luftverteidigung, Begleitschutz sowie internationale Einsätze ausgelegt. © dpa
U-Boot der Klasse U212A
Die U-Boote der Klasse 212 A sind das Rückgrat der deutschen Marine und zählen zu den modernsten konventionellen U-Booten weltweit. Dank ihres außenluftunabhängigen Brennstoffzellenantriebs sind sie besonders leise, ausdauernd und schwer zu orten, was sie ideal für Aufklärungs- und Spezialoperationen macht. (Symbolfoto)  © picture alliance / Daniel Reinhardt/dpa
Die Bundeswehr in Afghanistan: Von dem Ausspäh-Programm "Prism" wußten die Deutschen angeblilch schon seit 2011.
Der Dingo ist ein gepanzertes Allschutz-Transport-Fahrzeug (ATF) der Bundeswehr, das vor allem für Patrouillen- und Konvoifahrten in gefährlichen Einsatzgebieten entwickelt wurde und durch hervorragenden Minen- und ballistischen Schutz vielen Soldaten das Leben gerettet hat.  © picture alliance / dpa
Bundeswehr
Das MANTIS, ehemals auch Nächstbereichschutzsystem C-RAM (NBS C-RAM), ist ein stationäres Luft-Nahbereichs-Flugabwehrsystem (engl. Short Range Air Defense, kurz SHORAD). Neben den klassischen Zielen der Flugabwehr, wie Flugzeuge und Hubschrauber, kann es sowohl gegen kleine Ziele wie Drohnen/UAVs und Lenkwaffen als auch gegen sogenannte RAM-Ziele (Raketen, Artilleriegeschosse und Mörser) eingesetzt werden. © Bundeswehr
Wiesbaden Army Airfield
Der Kampfhubschrauber Tiger ist ein deutsch-französischer, zweisitziger Mehrzweckhubschrauber der Bundeswehr, der für Panzerabwehr, Luftnahunterstützung und Aufklärung konzipiert wurde. Er ist mit modernen Waffen wie Panzerabwehrlenkraketen, Maschinengewehren und Luft-Luft-Raketen ausgestattet ist. Die Bundeswehr plant, den Tiger bis 2032 aus der Nutzung zu nehmen und schrittweise durch leichtere Kampfhubschrauber zu ersetzen. © Andreas Arnold/dpa
Militärische Fahrzeuge im Norden von Sachsen-Anhalt
Der Schützenpanzer Marder war über Jahrzehnte das Standardfahrzeug der Panzergrenadiertruppe der Bundeswehr und gilt als bewährtes, wendiges und feuerkräftiges Waffensystem. Mit seiner 20-mm-Bordmaschinenkanone, Panzerabwehrlenkwaffen und moderner Nachtsichttechnik bot er den Panzergrenadieren Schutz, Mobilität und vielseitige Einsatzmöglichkeiten – sowohl im Kalten Krieg als auch bei Auslandseinsätzen, etwa in Afghanistan. © Klaus-Dietmar Gabbert/dpa
Symbolbild: Das Panzergrenadierbataillon 112 ist mit dem Schützenpanzer Puma auf dem Weg in die Letzlinger Heide zum Gefechtsübungszentrum Heer, am 12.02.2024.
Der Puma ist der modernste Schützenpanzer der Bundeswehr und ersetzt schrittweise den Marder. Er bietet eine hochmoderne Kombination aus starker Bewaffnung, umfassendem Schutz und digitaler Vernetzung, wodurch er optimal auf die Anforderungen moderner Gefechtsführung und die Zusammenarbeit mit dem Kampfpanzer Leopard 2 ausgelegt ist. © Bundeswehr/Julia Dahlmann
Tag der Bundeswehr 2024
Der CH-53 ist der größte und schwerste Transporthubschrauber der Bundeswehr und seit 1975 im Einsatz, vor allem für den schnellen Transport von Personen, Material und bei Katastrophenhilfe sowie in Auslandseinsätzen wie Afghanistan und Mali. Aufgrund seines Alters und steigender Wartungsprobleme soll der CH-53 bis 2030 durch den moderneren CH-47F Chinook ersetzt werden. © Frank Hammerschmidt/dpa

Und einer, der „im besten Fall mithilft, dass Deutschland die militärische Zukunft nicht länger verschläft“, urteilt ZEIT Online über Balázs Nagy. Der 30-Jährige und sein Mitgründer Batuhan Yumurtaci sollen vor zwei Jahren in der Ukraine den Gewinner-Vorschlag eines Wettbewerbs zur besten technischen Abwehr-Lösung gegen Putins Shahed-Drohnen eingereicht haben. Wie andere Unternehmen auch kooperieren sie deshalb eng mit Frontsoldaten, um deren Erkenntnisse wiederum in eigene Entwicklungen einfließen zu lassen, so die ZEIT-Autoren Hauke Friederichs und Marc Widmann. Bewährte Kriegstechnik soll jetzt also auch der Bundeswehr zugute kommen. Doch härter als Russlands Drohnenschwärme sei als Gegner die „gemütliche Bundeswehrverwaltung“ kritisiert die ZEIT.

NATO: „Experte auf der Welt, wenn es um die Abwehr von Drohnen geht, ist derzeit leider die Ukraine“

Björn Müller beklagt, dass Deutschland ein Ökosystem für militärische Drohnen-Start-ups fehle. Zwar nennt der Autor des deutschen Reservisten-Magazins loyal als Fortschritt die Wehrtechnische Dienststelle 61 in Manching, zu der seit 2021 ein „Drone Innovation Hub“ gehöre, wie Müller schreibt. „Der kann Unternehmen zwar Halle und Felder zum Testen bieten, aber der Hub hat keine Werkzeuge, um vielversprechende Vorhaben finanziell zu flankieren. Die zahlreichen Studien, Modelle und Demonstratoren, die es braucht, um überhaupt an die Tür des Beschaffungsprozesses zu gelangen, kosten Start-ups sehr viel Geld, wobei ihnen meist die Luft ausgeht.“

„Gleichzeitig konzentriert sich ein Großteil des Militärbündnisses noch immer auf die Kriegsführung der Vergangenheit und ist nicht in der Lage, mit der nicht enden wollenden Flut von Cyberangriffen und anderen hybriden Aktivitäten Schritt zu halten, die Energieinfrastrukturen, Finanzinstitute und Regierungsdatenbanken weit jenseits der traditionellen Frontlinien bedrohen“, schreibt Lara Jakes für die New York Times (NYT). „Der einzige Experte auf der Welt, wenn es um die Abwehr von Drohnen geht, ist derzeit leider die Ukraine, denn sie kämpft fast täglich gegen russische Drohnen“, sagte Mette Frederiksen während des Gipfeltreffens der Europäischen Politischen Gemeinschaft (EPG) kürzlich in Kopenhagen, zitiert die Deutsche Presseagentur (dpa) die dänische Ministerpräsidentin.

Bundeswehr-Ausrüster selbstbewusst: „Das System darf nicht mehr kosten als die Drohne, die es abwehrt“

Wie dpa weiterer berichtete, folgte der EPC-Gipfel auf ein Treffen der 27 Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union in Kopenhagen – dort war ein besserer Schutz des europäischen Luftraums erörtert worden; beispielsweise auch durch eine „Drohnenmauer“, die sowohl die baltischen Staaten für ihre Grenzen zu Russland als auch Polen planen. „Während viele Politiker ihre Unterstützung für die Initiative zum Ausdruck brachten, warnten einige vor zu hohen Erwartungen“, so die dpa. Tatsächlich sind Zeit und Kosten die größten Gegner der NATO-Länder – David Kirichenko spricht von einem „unerbittlichen Innovationswettlauf“, in dem sich die beiden Kriegsgegner befinden; ob Balázs Nagy, sein Unternehmen Tytan Technologies oder Mitbewerber diesem Tempo gewachsen sind, muss sich zeigen.

„Das Zeitfenster zwischen der Einführung neuer Waffensysteme und der Entwicklung wirksamer Gegenmaßnahmen reduziert sich teilweise auf wenige Wochen“, so Kirichenko in einer Analyse für den US-Thinktank „Atlantic Council“. Aufgrund der schieren Notwendigkeit, mit Innovationen das eigene Überleben zu sichern, erachtet Kirichenko die Ukraine ihren westlichen Konkurrenten als weit voraus geeilt – trotz eines günstigen Tech-Umfelds oder genügend Risiko-Kapital externer Geldgeber. „Unser Ziel war von Anfang an: Das System darf nicht mehr kosten als die Drohne, die es abwehrt“, erläutert Balázs Nagy gegenüber der F.A.Z.. Ihm zufolge lägen die Stückkosten der Münchner Abfang-Drohne auf einem niedrigen fünfstelligen Betrag; dieser solle aber auf einen vierstelligen Betrag gedrückt werden.

Ukraine-Krieg vernichtet Massen an Material: „Vierhundert Shaheds pro Nacht, ein Abfangjäger pro Shahed“

Der Innovationswettlauf für Abfang-Drohnen in der Welt steht dem zwischen den Kriegsparteien offenbar in nichts nach. Etablierte Rüstungsschmieden wie Saab tüfteln an den Drohnen genau so wie Start-ups in Europa oder den USA; von den ukrainischen Drohnen-Entwicklern ganz zu schweigen. Die Produkte sind dabei vergleichbar: Teile aus dem 3D-Drucker und viel Software. 80 Prozent der knapp 40 Mitarbeiter von Tytan seien Softwareingenieure, schreibt F.A.Z.-Redakteurin Anna Sophie Kühne. Essenziell für einen erfolgreichen Jäger soll sein, dass er schneller ist als der Angreifer und sein Tempo zu einem bestmöglichen Preis realisieren kann; also zählen Größe und die Korrespondenz mit der Masse des Sprengkopfes.

Abfangjäger haben mehrere Kollisionen zu überstehen, wenn nicht gegen jede angreifende Drohne auch eine zum Abfangen gestartet werden solle – außer klein und schnell müssen Drohen zum Abfangen also auch bis auf Äußerste widerstandsfähig sein – und das ist ein Muss, dass über das Programmieren hinausgeht. Fünf Drohnen-Modelle zum Abfangen soll die Ukraine bisher zugelassen haben, schreibt Roland Oliphant „Es gibt kein Standarddesign, aber eines gilt von Kiew über Bristol bis Kalifornien: die Größe der beteiligten Unternehmen“, wie der Korrespondent des britischen Telegraph schreibt und auf Marcel Plichta verweist. Der ehemalige Geheimdienstanalyst der US-Armee und Experte für Drohnenkriegsführung sieht die Herausforderung vor allem im Maßstab; also der Masse an zu liefernden Systemen.

Technologie und Prototypen seien vorhanden, wie er gegenüber dem Telegraph äußert. Aber auch die Piloten fehlen – für die Masse an Drohnen, die benötigt wird. Roland Oliphant rechnet hoch: „Vierhundert Shaheds pro Nacht, ein Abfangjäger pro Shahed und ein Drohnenpilot pro Abfangjäger – selbst wenn KI-basierte Zielerfassung den letzten Teil dieser Gleichung letztendlich beseitigt, wächst der logistische Aufwand schnell an. Ohne Kostenkontrolle kann der Einsatz der ,billigen‘ Abfangjäger schnell teuer werden.“

Rubriklistenbild: © IMAGO/Viacheslav Madiievskyi

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