Aktuelle Umfrage: Mehrheit der Unions-Wähler vertraut Spahn nicht
VonPaula Völkner
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Jens Spahn erntet Kritik: Sie SPD spricht nach der geplatzten Richterwahl von einem „Vertrauensverlust“. Das belegt nun auch eine aktuelle Umfrage.
Berlin – Die Kritik an Jens Spahn reißt nicht ab: Zuerst gab es Vorwürfe in der Masken-Affäre, dann kam es zur Debatte über die geplatzte Richterwahl. Auch in der Bevölkerung scheint Unmut aufzukommen: Das zeigt eine aktuelle Umfrage* des Meinungsforschungsinstituts Forsa für das Magazin Stern.
Aktuelle Umfrage: 75 Prozent der Deutschen vertrauen Spahn nicht
75 Prozent der Befragten gaben in der aktuellen Umfrage an, den Fraktionschef von CDU/CSU für wenig oder gar nicht vertrauenswürdig zu halten. Während 18 Prozent der Befragten Spahn für überwiegend vertrauenswürdig halten, äußerten nur zwei Prozent, dass der CDU-Politiker in ihren Augen sehr vertrauenswürdig ist. Fünf Prozent äußerten sich nicht.
Infolge der geplatzten Richterwahl hatte besonders die Opposition Spahn als Fraktionschef in die Pflicht genommen. Aber auch die SPD äußerte Kritik. Im Politico-Podcast erklärte etwa SPD-Fraktionsgeschäftsführer Dirk Wiese: „Wenn wir eine Zusage bekommen, dass Richterinnen-Vorschläge für das Bundesverfassungsgericht eine Mehrheit bekommen und dann am Ende letztendlich Jens Spahn zurückrudern muss, dann ist das schon in gewisser Weise ein Vertrauensverlust.“
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Masken-Affäre und Richterwahl: Auch Unions-Wähler vertrauen Spahn nicht mehr
Auch in der Forsa-Umfrage zeigt sich, dass die Anhänger der anderen Parteien Spahn wenig Vertrauen entgegenbringen. Überraschender erscheint dabei jedoch das Ergebnis bei Unions-Wählern: 60 Prozent von Ihnen misstrauen dem CDU-Politiker laut Umfrage. 33 Prozent vertrauen Spahn überwiegend – nur vier Prozent sehr. Die Forsa-Umfrage wurde am Donnerstag und Freitag (10. und 11. Juli) telefonisch durchgeführt und damit einen Tag vor und am Tag der verschobenen Richterwahl.
Auch der CDU-Politiker räumte in einer ersten Äußerung vor größerem Kreis drei Tage nach dem Debakel Fehler im Umgang mit der Richterwahl ein. „Der letzte Freitag war für die Koalition ein schwerer Tag. Da gibt es nichts schönzureden“, so Spahn. Eine vertagte Richterwahl sei „sicher keine Staatskrise“, dennoch erklärte der CDU-Politiker: „Die Dimension der grundlegenden und inhaltlich fundierten Bedenken gegen eine der Kandidatinnen haben wir unterschätzt.“ Und: „Die Notbremse am Freitag kam zu spät.“ Man sei nicht mehr in der Lage gewesen, einen Kompromiss mit der SPD zu finden. „Daran haben beide Seiten ihren Anteil.“
Bundeskanzler Friedrich Merz versuchte im ARD-Sommerinterview die Wogen zu glätten und stellte sich trotz heftiger Kritik hinter seinen Fraktionschef. Auf die Frage, ob Spahn noch der richtige Mann auf dem Posten sei, sagte Merz: „Eindeutig ja.“ Beim nächsten Mal werde es besser gemacht. „Das war am Freitag nicht schön, aber das ist nun auch keine Krise der Demokratie, keine Krise der Regierung.“ Spahn in Schutz nehmend sagte Merz, der Widerstand in der Unionsfraktion sei „in dieser Form nicht absehbar“ gewesen. Auch in der SPD habe es Vorbehalte gegen diese Wahl gegeben. (pav/dpa)
*Datenbasis: 1008 Befragte. Statistische Fehlertoleranz: +/- 3 Prozentpunkte. Damit ist die Umfrage repräsentativ.