Alaska als Weltbühne

Anchorage im Fokus – Trump-Putin-Gipfel zum Ukraine-Krieg sorgt für gemischte Gefühle

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Putin besucht Anchorage erstmalig. Trump will Frieden schaffen – allerdings ist die Stadt skeptisch, ob das Treffen Erfolg haben wird.

Anchorage – Anchorage, die größte Stadt Alaskas, steht vor einem Ereignis, das in der jüngeren Geschichte der Region seinesgleichen sucht: Am Freitag treffen sich US-Präsident Donald Trump und Russlands Präsident Wladimir Putin auf dem streng gesicherten Joint Base Elmendorf-Richardson, um über ein mögliches Ende des Ukraine-Kriegs zu beraten – allerdings ohne den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj am Tisch. Für viele Einheimische ist die Lage zwiespältig: Zwischen der Freude über internationale Aufmerksamkeit, Furcht vor politischen Fehltritten und einer ordentlichen Portion Humor schwankt die Stimmung in der nördlichsten Metropole der USA.

Anchorage vor dem Trump-Putin-Gipfel zum Ukraine-Krieg

Denn: Während Washington, Moskau und europäische Hauptstädte fieberhaft die diplomatischen Fäden ziehen, genießen die Menschen in Anchorage die letzten warmen Sommertage. Es ist Hochsaison für Lachsfang und Beerenernte – und viele Alaskaner wollen sich davon nicht einmal von einem historischen Gipfeltreffen abhalten lassen.

„Ich freue mich darauf, mein Boot im Prince William Sound ins Wasser zu lassen – das ist mein Plan“, sagt Andy Moderow von einer örtlichen Naturschutzorganisation gegenüber The Guardian. Andere formulieren es direkter: „Sie sollen bloß nicht meine Pläne versauen.“

Trump und Putin: Die Geschichte ihrer Beziehung in Bildern

Wandbild Putin Trump Litauen
Einen besseren US-Präsidenten als Donald Trump kann sich Kremlchef Wladimir Putin gar nicht wünschen: So könnte dieses Wandbild in der litauischen Hauptstadt Vilnius interpretiert werden. Bemerkenswert: Es ist eine Aufnahme aus dem Mai 2016, als Trump nicht gar nicht im Amt war. Offenbar schwante den Menschen in Litauen schon damals Böses. © Petras Malukas/AFP
Trump telefoniert mit Putin
Trump hat seit Jahren einen guten Draht zu Putin. Am 28. Januar 2017 telefonierte er im Oval Office des Weißen Hauses zum ersten Mal mit dem russischen Präsidenten. © Mandel Ngan/AFP
Wachsfiguren von Trump und Putin
Schon damals standen sie sich auch in Wachsfigurenkabinetten nahe, so auch in Sofia (Bulgarien). © Valentina Petrova/dpa
G20-Gipfel - Trump trifft Putin
Das erste persönliche und extrem heikle Treffen mit Putin wickelte Trump beim G20-Gipfel in Hamburg im Juli 2017 unfallfrei ab. Im Kreml wie im Weißen Haus herrschten anschließend Optimismus und Zufriedenheit.  © Evan Vucci/dpa
G20 Summit - Demonstration
Aktivisten von Oxfam standen dem G20-Gipfel kritisch gegenüber. Mit ihrer Aktion wollten sie auf den Abzweig zwischen mehr sozialer Ungleichheit und weniger Armut hinzuweisen. Sie trugen Masken von Theresa May, Donald Trump, Shinzō Abe, Emmanuel Macron, Angela Merkel, Justin Trudeau, Wladimir Putin, und Jacob Zuma. © Michael Kappeler/dpa
G20-Gipfel - Trump trifft Putin
„Der Fernseh-Trump unterscheidet sich sehr vom realen Menschen,“ sagte Putin nach dem G20-Gipfel in Hamburg vor der Presse über seinen US-Kollegen Donald Trump. © Steffen Kugler/dpa
Apec-Gipfel in Vietnam
Ein zweites Mal trafen sich Trump und Putin am Rande des Gipfels der Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsgemeinschaft (Apec) im vietnamesischen Da Nang. © dpa
Putin trifft Trump beim Apec-Gipfel in Vietnam
Beide Präsidenten stimmten damals überein, dass das Verhältnis ihrer Länder nicht gut sei. Putin sah weiter eine tiefe Krise. Russland sei aber bereit, „eine neue Seite aufzuschlagen, vorwärtszugehen, in die Zukunft zu schauen“. © Mikhail Klimentyev
Trump Putin Da Nang
„Wenn wir ein Verhältnis zu Russland hätten, das wäre eine gute Sache“, sagte Trump. Sein persönliches Verhältnis zu Putin sei gleichwohl in sehr gutem Zustand, obwohl man sich nicht gut kenne. © Jorge Silva/AFP
Helsinki-Gipfel
Im Juli 2018 kamen Trump und Putin in Helsinki zu ihrem ersten offiziellen Gipfel zusammen.  © Heikki Saukkomaa/dpa
USA Ausstieg aus INF-Abrüstungsvertrag
Sie begrüßten sich mit einem kurzen, doch kräftigen Händedruck. „Es ist an der Zeit, detailliert über unsere bilateralen Beziehungen zu sprechen und über die schmerzhaften Punkte auf der Welt. Davon gibt es sehr viele“, sagte Putin. Trump betonte: „Die Welt möchte, dass wir miteinander auskommen.“ © Alexander Zemlianichenko/dpa
Helsinki
Während des Gipfeltreffens gingen in Helsinki mehrere Hundert Menschen aus Protest auf die Straßen. Dabei machten sie auf eine Reihe von Missständen aufmerksam.  © Joonas SaloIlta-Sanomat/Imago
Melania Trump
Auch First Lady Melania Trump war in Helsinki mit von der Partie. © Alexei Nikolsky/AFP
Trump und Putin
Trump äußerte sich hinterher zufrieden über sein Treffen mit Putin: „Der Dialog ist sehr gut verlaufen“, sagte er bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Putin. „Ein produktiver Dialog ist nicht nur gut für die Vereinigten Staaten und Russland, sondern für die Welt.“ © Brendan Smialowski/AFP
Proteste gegen Treffen von Trump und Putin
Derweil protestierten die Menschen auch im fernen Washington, D.C., gegen das Treffen. Unter anderem hielt eine Frau vor dem Weißen Haus ein Schild in die Höhe, auf dem die beiden Präsidenten karikiert waren.  © Andrew Harnik/dpa
100. Jahrestag Waffenstillstand Erster Weltkrieg
Im November 2018 nahmen Trump und Putin an einer Gedenkfeier anlässlich des Endes des Ersten Weltkriegs in Paris teil. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron lud damals zum Spitzentreffen ein. © Ludovic Marin/AFP
Erster Weltkrieg - Waffenstillstand 1918
Auch vor Ort waren First Lady Melania Trump (links), die damalige Bundeskanzlerin Angela Merkel und Brigitte Macron, die Ehefrau des französischen Präsidenten. © Francois Mori/dpa
Beginn des G20-Gipfels
Kurz danach trafen Trump und Putin beim G20-Gipfel in Buenos Aires erneut aufeinander. © Ralf Hirschberger/dpa
G20-Gipfel in Argentinien
Die Gespräche wurden von der Eskalation zwischen Russland und der Ukraine um einen Seezwischenfall vor der Krim überschattet. Deshalb sagte Trump ein direktes Treffen mit Putin am Rande des Gipfels kurzfristig ab.  © dpa
Japan, Osaka
Im Juni 2019 trafen Trump und Putin beim G20-Treffen im japanischen Osaka zusammen. © Imago
Osaka 2019
Trump wurde dabei von einem Reporter angesprochen, ob er Putin bei ihrem gemeinsamen Treffen auch sagen werde, dass sich der Kremlchef nicht in die US-Wahlen einzumischen habe. Trump beugte sich zu Putin und sagte: „Mische Dich nicht in unsere Wahlen ein“ – ein Lächeln glitt dabei über Trumps Gesicht. Die Aktion war allerdings nicht ganz ernst gemeint. © Brendan Smialowski/AFP
Osaka 2019
Trump nannte das Verhältnis zu Putin „sehr, sehr gut“.  © Brendan Smialowski/AFP
Trump Putin
Am Ende seiner ersten Amtszeit musste sich Trump wegen Machtmissbrauchs und Behinderung der Ermittlungen im Senat verantworten. Hintergrund war die sogenannte Ukraine-Affäre. Viele Menschen in den USA sahen Trump als Verräter – und Putin als Feind. © Olivier Douliery/AFP
Ukrainekrieg - Anti-Kriegsprotest in New York
Im Januar 2025 kam Trump zum zweiten Mal an die Macht. Im Ukraine-Krieg stellte er sich auf die Seite von Putin. Das rief Proteste hervor. Auch am Times Square in New York galt: Trump ist ein Verräter. © Adam Gray/dpa
Trump Putin
Trump sucht dennoch weiter die Nähe zu Putin. Nach offiziellen Angaben haben beide im Februar 2025 ein erstes Mal miteinander telefoniert, seit der US-Präsident wieder im Amt ist. Vor dem zweiten Gespräch am 18. März verkündete Trump: „Ich freue mich sehr auf das Gespräch mit Präsident Putin.“ Auch danach telefonierte er noch mehrmals mit seinem russischen Amtskollegen. © Alexander Nemenow/AFP
Trump und Putin
Am 15. Augsut 2025 kam es zum Gipfel zwischen Trump und Putin in Alaska. Es handelte sich um das erste persönliche Treffen der beiden Staatschefs seit Putins Einmarsch in die Ukraine im Februar 2022. Das Treffen fand in der Stadt Anchorage statt. Am Ende gab es von beiden Staatschefs nichts Konkretes. © Andrew Caballero-Reynolds/AFP

Gespräch zwischen Trump und Putin: Symbolträchtiger Ort in Alaska mit imperialer Vergangenheit

Dass der Gipfel ausgerechnet in Alaska stattfindet, ist kein Zufall. Für Moskau bietet der Bundesstaat gleich mehrere Vorteile: geografische Nähe – nur 90 Kilometer trennen Alaska von Sibirien – und vor allem historische Symbolkraft. Von 1799 bis 1867 gehörte „Russisch-Amerika“ zum Zarenreich, bis es nach dem teuren und verlustreichen Krimkrieg für 7,2 Millionen Dollar an die USA verkauft wurde.

Diese Vergangenheit hat der Kreml zuletzt immer wieder propagandistisch aufgegriffen. Russische Politiker wie Dmitri Medwedew oder Propagandisten wie Olga Skabeyeva erklärten, Alaska sei „historisches russisches Land“, das eines Tages zurückgeholt werden könne, berichtet der Kyiv Independent. Schon 2022 tauchten in russischen Städten Plakatwände mit dem Slogan „Alaska ist unser“ auf. Historiker verweisen zwar darauf, dass es sich um innenpolitisch motivierte Rhetorik handelt, doch das Timing – unmittelbar vor einem Gipfel in Anchorage – sorgt in den USA für Misstrauen.

Pro-Ukraine-Protest in Anchorage – Am 15. August 2025 demonstrieren Unterstützer der Ukraine in Alaskas größter Stadt gegen den Trump-Putin-Gipfel und fordern, Kiew nicht außen vor zu lassen.

Proteste und Gebete in Anchorage – eine Stadt im Ausnahmezustand

Die Ankunft Putins löst in Anchorage nicht nur Neugier, sondern auch massiven Protest aus. Entlang der Zufahrtsstraßen wehen ukrainische Fahnen, Plakate fordern: „Kein Deal ohne Kiew“. Hanna Correa, eine 40-jährige Ukrainerin, die 2019 in die USA zog, zeigt sich, wie bbc.com sie zitiert, bewegt über die Solidarität der Anwesenden: „Als ich die vielen Amerikaner mit ihren Fahnen sah, musste ich weinen.“ Sie kritisiert scharf, dass Selenskyj nicht eingeladen wurde.

Gleichzeitig bereitet sich die St. Tikhon Orthodox Church mit mehrtägigen Gebeten auf das Treffen vor. Priester Nicholas Cragle, der sieben Jahre in Russland lebte, beschreibt die Situation, ebenfalls laut bbc.com, als „schmerzhaft und nah am Herzen“ seiner Gemeinde.

Doch nicht alle sehen den Gipfel kritisch. Fischer Don Cressley aus North Pole, der zum Angeln in Anchorage ist, wünscht sich schlicht ein baldiges Ende des Krieges: „Trump macht einen großartigen Job. Ich hoffe, dass das hier bald vorbei ist.“ Gouverneur Mike Dunleavy verteidigt die Begegnung als notwendige Gelegenheit für direkte Gespräche und betont gegenüber Sky News: „Es ist schwierig, solche Kriege zu lösen, ohne dass sich die Beteiligten zusammensetzen.“

Alaska – Von „Russisch-Amerika“ zum Schauplatz des Ukraine-Friedensgipfels

Jahr/DatumEreignisBedeutung für Alaska / den Gipfel
1799Gründung der „Russisch-Amerikanischen Kompanie“Beginn der russischen Kolonialverwaltung in Alaska
1867Verkauf Alaskas an die USA für 7,2 Mio. DollarSymbolischer Bezugspunkt für heutige russische Rhetorik
1959Alaska wird 49. US-BundesstaatFester Bestandteil der US-Strategie im Pazifikraum
2017Zwischenstopp von Xi Jinping in AnchorageBeleg für Alaskas Rolle bei hochrangiger Diplomatie
2022Russische Propaganda fordert offen „Alaska ist unser“Wiederaufleben imperialer Narrative
2023Internationaler Haftbefehl gegen Wladimir PutinErschwert Reisen in viele westliche Länder
15. August 2025Trump-Putin-Gipfel auf Joint Base Elmendorf-RichardsonDiskussion über Ukraine-Krieg, ohne Teilnahme der ukrainischen Seite

Quellen: Euronews, Kyiv Independent, Al Jazeera, The Guardian, Washington Post.

Politisches Kalkül und heikle Vorschläge: Putin und Trump sprechen über Ukraine-Krieg

Hinter den Kulissen werden brisante Szenarien diskutiert. Laut Washington Post könnte Putin fordern, dass die Ukraine ihre Truppen aus den teilweise besetzten Regionen Donezk und Luhansk abzieht – ohne im Gegenzug Gebiete wie Cherson oder Saporischschja aufzugeben. Selenskyj hat jegliche Gebietsabtretung strikt ausgeschlossen, da dies verfassungswidrig wäre.

Trump hingegen hat das Treffen als „Fühltermin“ bezeichnet. Er wolle schon „nach zwei Minuten“ wissen, ob ein Deal möglich sei. Gleichzeitig hat er in der Vergangenheit wiederholt angedeutet, Landtausch-Modelle zu erwägen – eine Vorstellung, die in Kiew und europäischen Hauptstädten Alarm auslöst. Beobachter warnen, Putin könne Trump einen scheinbaren Friedenserfolg präsentieren, der in Wirklichkeit Moskaus territoriale Gewinne zementiert.

Zwischen Alltagsleben und Weltpolitik: Putin in Anchorage wenig willkommen

Trotz der geopolitischen Brisanz verliert Anchorage seinen typischen Humor nicht. Lokale Medien scherzen über alternative Gipfelorte – von Sarah Palins Wohnzimmer bis zu einer Wanderung auf den Flattop Mountain. Selbst ironische Bitten, schreibt The Guardian, wie „Bitte verkaufen Sie uns nicht zurück“ machen die Runde, in Erinnerung an den Verkauf von 1867.

Doch hinter den Witzen bleibt die Sorge, dass dieser Gipfel Geschichte schreiben könnte – nicht unbedingt im Sinne der Ukrainer oder westlicher Verbündeter. „Putin wird hier fünf Meilen entfernt sein. Er ist nicht willkommen“, sagt die Aktivistin Meg Leonard gegenüber Sky News. Und Veteran Christopher Kelliher bringt es aus seiner Sicht auf den Punkt: „Putin sollte nicht in unserem Staat sein, geschweige denn in unserem Land.“

Trump und Putin, aber kein Selenskyj: Ein Ukraine-Krieg-Gipfel mit ungewissem Ausgang

Das Treffen in Anchorage ist das erste direkte Aufeinandertreffen beider Präsidenten auf US-Boden außerhalb der UNO seit 2007. Für Putin bedeutet es ein symbolisches Ende seiner diplomatischen Isolation, für Trump womöglich die Chance, sich als Friedensstifter zu inszenieren – und vielleicht seiner erklärten Sehnsucht nach einem Nobelpreis näherzukommen.

Doch der Ausgang ist ungewiss. Die Ukraine bleibt, obwohl es doch um den Ukraine-Krieg geht, außen vor, Europa warnt vor einem übereilten Deal, und die Bevölkerung Alaskas schwankt zwischen Stolz, Skepsis und dem Drang, das Beste aus den letzten Sommertagen zu machen. Und so wird Anchorage an diesem Freitag nicht nur Schauplatz großer Weltpolitik – sondern auch ein Ort, an dem sich zeigt, wie eng lokale Lebensrealität und globale Konflikte miteinander verknüpft sind. Für Irritation sorgte indes bereits am Freitagmittag Russlands Außenminister Sergej Lawrow, der bei seiner Ankunft ein provokantes T-Shirt trug. (chnnn)

Rubriklistenbild: © IMAGO / Anadolu Agency

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