Antisemitismus nach Kirk-Tod: Extremisten machen Juden und Israel für Attentat verantwortlich
VonLisa Mahnke
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Nach dem Tod von Charlie Kirk eskalieren antisemitische Kommentare. Trump und seine Anhänger geben Linken die Schuld. Die Situation droht zu eskalieren.
Washington, D. C. – Nach der Ermordung der rechtsextremen Schlüsselfigur Charlie Kirk, Mitbegründer von Turning Point USA, häufen sich antisemitische Kommentare in den sozialen Medien. Der US-Präsident Donald Trump und seine Anhänger geben währenddessen den Linken die Schuld für Kirks Tod und schwören Rache. Mehrere Stimmen warnen vor Gewalt, darunter auch Israels Premierminister Benjamin Netanjahu.
Attentat auf Charlie Kirk: Bilder zeigen das Entsetzen – und den mutmaßlichen Täter
Wer aktuell die Suchwörter „Charlie Kirk“ und „Mossad“ auf der Onlineplattform X eingibt, findet eine Masse an Verschwörungstheorien. Die beliebteste Theorie unter rechten Nutzern: Der Mossad, also der israelische Geheimdienst, würde hinter dem Attentat stecken.
Viele rechtsextreme Persönlichkeiten berufen sich dabei auf ein Zitat eines Moderators eines Onlineportals für rechtsgerichtete Meinungen und Verschwörungstheorien, Infowars. Laut dem Moderator Harrison Smith soll der rechtsextreme Influencer Kirk geglaubt haben, Israel werde versuchen, ihn umzubringen. Am Mittwoch (10. September) bestätigte Smith die Aussagen erneut.
„Charlie Kirk wurde von Juden ermordet“, schrieb ein Nutzer auf X, der sich selbst als „stolzer Weißer“ beschreibt und sich ebenfalls auf den Kommentar von Smith bezieht. Dazu teilte der Nutzer ein älteres Video von Kirk, in dem er behauptete: „Jüdische Gemeinschaften haben genau die Art von Hass gegen Weiße gefördert, von der sie behaupten, dass die Menschen sie nicht mehr gegen sie einsetzen sollen.“ Er behauptete, dass jüdische Spender eine angeblich existierende Anti-Weiß-Bewegung maßgeblich finanzieren würden.
„Amerikanischer Reichtagsbrand“: Rechtsextremer fordert nach Kirk-Tod Verfolgung von Demokraten
Der rechtsextreme Blogger Matt Forney, der für Rassismus, Antisemitismus und Sexismus bekannt ist, schrieb auf X: „Die Ermordung von Charlie Kirk ist der amerikanische Reichstagsbrand.“ Der Brand des Reichstagsgebäudes in der Nacht auf den 28. Februar 1933 war Grundlage für die de facto Außerkraftsetzung der Grundrechte in der Weimarer Verfassung durch die sogenannte Reichstagsbrandverordnung. Sie machte den Weg frei für die Verfolgung von politischen Gegnern und Minderheiten und die Errichtung der nationalsozialistischen Diktatur.
Forney forderte drastische Maßnahmen: „Es ist Zeit für ein hartes Durchgreifen gegen die Linke.“ Das beinhalte, alle demokratischen Politiker zu verhaften, die Demokratische Partei als kriminelle Vereinigung zu verbieten und Liberale „zum Schweigen“ zu bringen. „Sie haben das verursacht“, so der Rechtsextreme weiter.
„Absurd“: Netanjahu reagiert auf Internet-Gerüchte nach Attentat auf Charlie Kirk
Auf Nachfrage von Newsmax reagierte der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu sarkastisch auf die Internet-Gerüchte: „Israel verändert auch die Umlaufbahn des Mondes, Israel treibt auch die Sonne an.“ Weiter sagte Israels Premier: „Ich meine, die ganze Sache ist nicht nur verrückt. Sie ist so absurd, so dumm, so lächerlich“. Er zog allerdings auch geschichtliche Parallelen in der Rhetorik und betonte, dass auch die Gefahr von Gewalt gegen Juden steige, wenn die Verschwörungstheorien geglaubt würden.
Politikwissenschaftler warnen ebenfalls vor gewalttätigen Eskalationen. „Wir sind im Grunde genommen ein Pulverfass von einem Land“, sagte beispielsweise Robert Pape, Professor für Politikwissenschaft an der Universität von Chicago, laut der New York Times. „Wir beobachten eine radikalere Politik und mehr Unterstützung für Gewalt als jemals zuvor, seit wir diese Studien in den letzten vier Jahren durchführen.“
Nach Tod von Charlie Kirk: Rechte sehen sich im „Krieg“ und wollen „Rache“
Charlie Kirk war eine Schlüsselfigur der US-amerikanischen Rechten. Er wurde am Mittwoch (10. September) bei einer öffentlichen Veranstaltung auf einem College-Campus in Utah erschossen. Wenige Stunden vor dem Angriff forderte Kirk auf X, es sei „100% notwendig“ einen Mord einer Ukrainerin in einer U-Bahn in North Carolina zu politisieren. Solche Attacken stehen aktuell im Mittelpunkt der öffentlichen Debatte in den USA, begleitet von zum Teil unzensierten Videos, die in den sozialen Medien kursieren.
Forney ist nicht der einzige, der Rache fordert. Viele rechte Stimmen sehen sich im „Krieg“, darunter der Fox News-Moderator Jesse Watters und die rechtsextremen Influencer Alex Jones und Chaya Raichik. Auf rechtsextremen Webseiten wird offen zur Gewalt gegen Demokraten aufgeworfen. Manche Stimmen warnen vor einem Bürgerkrieg.
Der US-Präsident behauptete laut der New York Times, dass eine linke Rhetorik, die Parallelen zwischen Kirk und Nationalsozialisten, Schuld an der Gewalt sei. „Er würde Rache an der Urne wollen“, sagte Trump im Gespräch mit Fox News. Die Sorge bleibt allerdings, dass die Trump-Regierung sich die Stimmung im Land für eine rechte US-Politik zunutze machen könnte – oder dass es in den USA zu gewaltvollen Ausschreitungen kommt. (Quellen: New York Times, Newsmax, Fox News, eigene Recherche) (lismah)