Rechte schwören Rache

Antisemitismus nach Kirk-Tod: Extremisten machen Juden und Israel für Attentat verantwortlich

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Nach dem Tod von Charlie Kirk eskalieren antisemitische Kommentare. Trump und seine Anhänger geben Linken die Schuld. Die Situation droht zu eskalieren.

Washington, D. C. – Nach der Ermordung der rechtsextremen Schlüsselfigur Charlie Kirk, Mitbegründer von Turning Point USA, häufen sich antisemitische Kommentare in den sozialen Medien. Der US-Präsident Donald Trump und seine Anhänger geben währenddessen den Linken die Schuld für Kirks Tod und schwören Rache. Mehrere Stimmen warnen vor Gewalt, darunter auch Israels Premierminister Benjamin Netanjahu.

Attentat auf Charlie Kirk: Bilder zeigen das Entsetzen – und den mutmaßlichen Täter

Nach dem Attentat auf Charlie Kirk veröffentlichte das FBI Bilder und ein Video des mutmaßlichen Täters. Die Trauer in den USA ist groß nach dem Tod des US-Aktivisten.
Nach dem Attentat auf Charlie Kirk veröffentlichte das FBI Bilder und ein Video des mutmaßlichen Täters. Die Trauer in den USA ist groß nach dem Tod des US-Aktivisten. Eine Chronologie der Ereignisse. © FBI (2)/IMAGO / SOPA Images
Diese Aufnahme entstand nur Minuten vor dem tödlichen Attentat. Charlie Kirk beantwortet gerade Fragen aus dem Publikum - eine Routine, die ihm zum Verhängnis werden sollte.
Diese Aufnahme entstand nur Minuten vor dem tödlichen Attentat. Charlie Kirk beantwortet gerade Fragen aus dem Publikum - eine Routine, die ihm zum Verhängnis werden sollte. © Tess Crowley
Die letzten Minuten von Charlie Kirk: Der 31-Jährige wirft noch Baseballkappen in die Menge, bevor der tödliche Schuss fällt.
Die letzten Minuten von Charlie Kirk: Der 31-Jährige wirft noch Baseballkappen in die Menge, bevor der tödliche Schuss fällt.  © Tess Crowley/dpa
Auf diesem Campus der Utah Valley University in Orem ereignete sich das tödliche Attentat auf Charlie Kirk. Der 31-jährige Aktivist wurde vor 3000 Zuschauern von einem Scharfschützen erschossen, der sich auf einem nahegelegenen Dach positioniert hatte.
Auf diesem Campus der Utah Valley University in Orem ereignete sich das tödliche Attentat auf Charlie Kirk. Der 31-jährige Aktivist wurde vor 3000 Zuschauern von einem Scharfschützen erschossen, der sich auf einem nahegelegenen Dach positioniert hatte. © Lindsey Wasson/dpa
Charlie Kirk galt als einer der einflussreichsten konservativen Aktivisten der USA.
Charlie Kirk galt als einer der einflussreichsten konservativen Aktivisten der USA.  © IMAGO/Charles-McClintock Wilson
Sekunden vor seinem Tod wurde Charlie Kirk von einem Zuschauer nach Waffengewalt gefragt. Seine letzte Antwort „Zählt man Bandengewalt mit oder nicht?“ sollten seine letzten öffentlichen Worte werden.
Sekunden vor seinem Tod wurde Charlie Kirk von einem Zuschauer nach Waffengewalt gefragt. Seine letzte Antwort „Zählt man Bandengewalt mit oder nicht?“ sollten seine letzten öffentlichen Worte werden. © IMAGO/Charles McClintock-Wilson
Diese dramatischen Szenen spielten sich ab, als Charlie Kirk erschossen wurde. Augenzeugen berichten von Panik unter den 3000 Zuschauern, die sofort zu Boden gingen und um ihr Leben rannten.
Diese dramatischen Szenen spielten sich ab, als Charlie Kirk erschossen wurde. Augenzeugen berichten von Panik unter den 3000 Zuschauern, die sofort zu Boden gingen und um ihr Leben rannten. © Tess Crowley/dpa
Schock und Fassungslosigkeit auf dem Campus der Utah Valley University: Studenten und Besucher können nicht glauben, was sie gerade miterlebt haben. Viele weinen und trösten sich gegenseitig nach dem brutalen Attentat.
Schock und Fassungslosigkeit auf dem Campus der Utah Valley University: Studenten und Besucher können nicht glauben, was sie gerade miterlebt haben. Viele weinen und trösten sich gegenseitig nach dem brutalen Attentat. © IMAGO/Charles McClintock Wilson
Was als normale Universitätsveranstaltung begann, endet mit einem Großaufgebot von Rettungskräften.
Was als normale Universitätsveranstaltung begann, endet mit einem Großaufgebot von Rettungskräften. © Tyler Tate/dpa
Falsche Spur: Diese Festnahme erwies sich als Fehlgriff der Ermittler. Der Mann wurde nach stundenlangen Verhören wieder freigelassen - der wahre Charlie Kirk-Attentäter ist weiterhin auf der Flucht.
Falsche Spur: Diese Festnahme erwies sich als Fehlgriff der Ermittler. Der Mann wurde nach stundenlangen Verhören wieder freigelassen - der wahre Charlie Kirk-Attentäter ist weiterhin auf der Flucht. © IMAGO/Charles McClintock-Wilson
Spurensicherung am Schauplatz der Tragödie: Polizeibeamte durchkämmen das Gelände rund um das „American Comeback Tour“-Zelt, unter dem Charlie Kirk erschossen wurde. Jeder Zentimeter wird nach Hinweisen auf den flüchtigen Täter abgesucht.
Spurensicherung am Schauplatz der Tragödie: Polizeibeamte durchkämmen das Gelände rund um das „American Comeback Tour“-Zelt, unter dem Charlie Kirk erschossen wurde. Jeder Zentimeter wird nach Hinweisen auf den flüchtigen Täter abgesucht. © Tess Crowley/dpa
Stille Trauer hinter Absperrband: Auch die Polizeiabsperrung kann die Menschen nicht davon abhalten, Charlie Kirk die letzte Ehre zu erweisen.
Stille Trauer hinter Absperrband: Auch die Polizeiabsperrung kann die Menschen nicht davon abhalten, Charlie Kirk die letzte Ehre zu erweisen.  © IMAGO/Joe Rondone/The Republic
Symbole der Trauer und des Patriotismus: Die Gedenkstätte wird zum Wallfahrtsort für konservative Amerikaner.
Symbole der Trauer und des Patriotismus: Die Gedenkstätte wird zum Wallfahrtsort für konservative Amerikaner. © IMAGO/Joe Rondone/The Republic
Nationale Trauer im Yankee Stadium: Charlie Kirks Portrait erstrahlt auf der riesigen Videowand, während tausende Fans eine Schweigeminute einhalten.
Nationale Trauer im Yankee Stadium: Charlie Kirks Portrait erstrahlt auf der riesigen Videowand, während tausende Fans eine Schweigeminute einhalten.  © IMAGO/Vincent Carchietta
Tatort-Rekonstruktion unter der Brücke: Forensiker arbeiten daran, den genauen Ablauf des Attentats zu verstehen.
Tatort-Rekonstruktion unter der Brücke: Forensiker arbeiten daran, den genauen Ablauf des Attentats zu verstehen.  © Lindsey Wasson/dpa
Trauernde halten große Portraits von Charlie Kirk in die Höhe und gedenken des erschossenen Aktivisten.
Trauernde halten große Portraits von Charlie Kirk in die Höhe und gedenken des erschossenen Aktivisten.  © Madeleine Kelly/dpa
Blumen, Ballons und Bibelverse: Diese bewegende Gedenkstätte zeigt Charlie Kirk als christlichen Märtyrer.
Blumen, Ballons und Bibelverse: Diese bewegende Gedenkstätte zeigt Charlie Kirk als christlichen Märtyrer. © Ross D. Franklin/dpa
Hunderte junge Menschen versammelten sich zu einer spontanen Gedenkfeier für Charlie Kirk.
Hunderte junge Menschen versammelten sich zu einer spontanen Gedenkfeier für Charlie Kirk. © Tess Crowley/dpa
Vor dem Hauptquartier von Turning Point USA wird die Tragödie greifbar.
Vor dem Hauptquartier von Turning Point USA wird die Tragödie greifbar. © Ross D. Franklin/dpa
Charlie Kirks Büros: Die Zentrale seiner politischen Organisation wird zum Symbol einer Bewegung ohne Anführer.
Charlie Kirks Büros: Die Zentrale seiner politischen Organisation wird zum Symbol einer Bewegung ohne Anführer. © Ross D. Franklin/dpa
Nationale Trauer im Herzen der Macht: Die amerikanische Flagge weht auf halbmast vor dem Weißen Haus zu Ehren von Charlie Kirk.
Nationale Trauer im Herzen der Macht: Die amerikanische Flagge weht auf halbmast vor dem Weißen Haus zu Ehren von Charlie Kirk. © Mark Schiefelbein/dpa
Stiller Protest nach der Tragödie: Ein Charlie Kirk-Anhänger steht mit seinem „Pray for America“-Schild am Straßenrand.
Stiller Protest nach der Tragödie: Ein Charlie Kirk-Anhänger steht mit seinem „Pray for America“-Schild am Straßenrand. © Alex Goodlett/dpa
Nächtliche Kerzenwache für Charlie Kirk: Die Mischung aus amerikanischen Flaggen und christlichen Botschaften macht deutlich, wie seine Anhänger Patriotismus und Glauben miteinander verbinden.
Nächtliche Kerzenwache für Charlie Kirk: Die Mischung aus amerikanischen Flaggen und christlichen Botschaften macht deutlich, wie seine Anhänger Patriotismus und Glauben miteinander verbinden. © Ross D. Franklin/dpa
Anhänger Charlie Kirks versammeln sich vor dem Krankenhaus, in das der schwer verletzte Aktivist eingeliefert wurde. Die Nachricht seines Todes trifft sie wie ein Schlag.
Anhänger Charlie Kirks versammeln sich vor dem Krankenhaus, in das der schwer verletzte Aktivist eingeliefert wurde. Die Nachricht seines Todes trifft sie wie ein Schlag. © IMAGO/Madeleine Kelly
Auch Donald Trump ist auf einem Foto der Kirk-Gedenkstätte vor dem Timpanogos Regional Hospital zu sehen.
Auch Donald Trump ist auf einem Foto der Kirk-Gedenkstätte vor dem Timpanogos Regional Hospital zu sehen. © Lindsey Wasson/dpa
Donald Trump reagiert mit scharfen Worten auf Charlie Kirks Tod. Der US-Präsident macht die „radikale Linke“ für das Attentat verantwortlich und verspricht, alle Beteiligten zur Rechenschaft zu ziehen. (Archivbild)
Donald Trump reagiert mit scharfen Worten auf Charlie Kirks Tod. Der US-Präsident macht die „radikale Linke“ für das Attentat verantwortlich und verspricht, alle Beteiligten zur Rechenschaft zu ziehen. (Archivbild) © Manuel Balce Ceneta/dpa
US-Fahnder veröffentlichten Bilder einer „Person von Interesse“ – sie sollen den miutmaßlichen Täter zeigen.
US-Fahnder veröffentlichten Bilder einer „Person von Interesse“ – sie sollen den miutmaßlichen Täter zeigen. © FBI (2)
Beamte stehen auf einem Dach mit Blick auf den Tatort. Das FBI hat neue Überwachungsaufnahmen vom mutmaßlichen Attentäter auf Charlie Kirk veröffentlicht.
Beamte stehen auf einem Dach mit Blick auf den Tatort. Das FBI hat zwei Tage nach der tat Überwachungsaufnahmen vom mutmaßlichen Attentäter auf Charlie Kirk veröffentlicht.  © IMAGO / UPI Photo/ FBI (Collage)
US-Medien berichten über den Tatverdächtigen im Fall Charlie Kirk.
Zwei Tage nach der Tat verkündete Donald Trump live im TV die Festnahme des mutmaßlichen Täters im Fall Charlie Kirk. Es handelt sich um einen 22-Jährigen aus Utah. © Patrick T. Fallon/AFP

Wer aktuell die Suchwörter „Charlie Kirk“ und „Mossad“ auf der Onlineplattform X eingibt, findet eine Masse an Verschwörungstheorien. Die beliebteste Theorie unter rechten Nutzern: Der Mossad, also der israelische Geheimdienst, würde hinter dem Attentat stecken.

„Von Juden ermordet“: Rechtsextreme verbreiten Verschwörungstheorien – Kirk-Angst bietet Basis

Viele rechtsextreme Persönlichkeiten berufen sich dabei auf ein Zitat eines Moderators eines Onlineportals für rechtsgerichtete Meinungen und Verschwörungstheorien, Infowars. Laut dem Moderator Harrison Smith soll der rechtsextreme Influencer Kirk geglaubt haben, Israel werde versuchen, ihn umzubringen. Am Mittwoch (10. September) bestätigte Smith die Aussagen erneut.

„Charlie Kirk wurde von Juden ermordet“, schrieb ein Nutzer auf X, der sich selbst als „stolzer Weißer“ beschreibt und sich ebenfalls auf den Kommentar von Smith bezieht. Dazu teilte der Nutzer ein älteres Video von Kirk, in dem er behauptete: „Jüdische Gemeinschaften haben genau die Art von Hass gegen Weiße gefördert, von der sie behaupten, dass die Menschen sie nicht mehr gegen sie einsetzen sollen.“ Er behauptete, dass jüdische Spender eine angeblich existierende Anti-Weiß-Bewegung maßgeblich finanzieren würden.

Charlie Kirk war Mitbegründer und CEO der rechspopulistischen Organisation Turning Point USA (Archivbild).

„Amerikanischer Reichtagsbrand“: Rechtsextremer fordert nach Kirk-Tod Verfolgung von Demokraten

Der rechtsextreme Blogger Matt Forney, der für Rassismus, Antisemitismus und Sexismus bekannt ist, schrieb auf X: „Die Ermordung von Charlie Kirk ist der amerikanische Reichstagsbrand.“ Der Brand des Reichstagsgebäudes in der Nacht auf den 28. Februar 1933 war Grundlage für die de facto Außerkraftsetzung der Grundrechte in der Weimarer Verfassung durch die sogenannte Reichstagsbrandverordnung. Sie machte den Weg frei für die Verfolgung von politischen Gegnern und Minderheiten und die Errichtung der nationalsozialistischen Diktatur.

Forney forderte drastische Maßnahmen: „Es ist Zeit für ein hartes Durchgreifen gegen die Linke.“ Das beinhalte, alle demokratischen Politiker zu verhaften, die Demokratische Partei als kriminelle Vereinigung zu verbieten und Liberale „zum Schweigen“ zu bringen. „Sie haben das verursacht“, so der Rechtsextreme weiter.

„Absurd“: Netanjahu reagiert auf Internet-Gerüchte nach Attentat auf Charlie Kirk

Auf Nachfrage von Newsmax reagierte der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu sarkastisch auf die Internet-Gerüchte: „Israel verändert auch die Umlaufbahn des Mondes, Israel treibt auch die Sonne an.“ Weiter sagte Israels Premier: „Ich meine, die ganze Sache ist nicht nur verrückt. Sie ist so absurd, so dumm, so lächerlich“. Er zog allerdings auch geschichtliche Parallelen in der Rhetorik und betonte, dass auch die Gefahr von Gewalt gegen Juden steige, wenn die Verschwörungstheorien geglaubt würden.

Politikwissenschaftler warnen ebenfalls vor gewalttätigen Eskalationen. „Wir sind im Grunde genommen ein Pulverfass von einem Land“, sagte beispielsweise Robert Pape, Professor für Politikwissenschaft an der Universität von Chicago, laut der New York Times. „Wir beobachten eine radikalere Politik und mehr Unterstützung für Gewalt als jemals zuvor, seit wir diese Studien in den letzten vier Jahren durchführen.“

Nach Tod von Charlie Kirk: Rechte sehen sich im „Krieg“ und wollen „Rache“

Charlie Kirk war eine Schlüsselfigur der US-amerikanischen Rechten. Er wurde am Mittwoch (10. September) bei einer öffentlichen Veranstaltung auf einem College-Campus in Utah erschossen. Wenige Stunden vor dem Angriff forderte Kirk auf X, es sei „100% notwendig“ einen Mord einer Ukrainerin in einer U-Bahn in North Carolina zu politisieren. Solche Attacken stehen aktuell im Mittelpunkt der öffentlichen Debatte in den USA, begleitet von zum Teil unzensierten Videos, die in den sozialen Medien kursieren.

Forney ist nicht der einzige, der Rache fordert. Viele rechte Stimmen sehen sich im „Krieg“, darunter der Fox News-Moderator Jesse Watters und die rechtsextremen Influencer Alex Jones und Chaya Raichik. Auf rechtsextremen Webseiten wird offen zur Gewalt gegen Demokraten aufgeworfen. Manche Stimmen warnen vor einem Bürgerkrieg.

Der US-Präsident behauptete laut der New York Times, dass eine linke Rhetorik, die Parallelen zwischen Kirk und Nationalsozialisten, Schuld an der Gewalt sei. „Er würde Rache an der Urne wollen“, sagte Trump im Gespräch mit Fox News. Die Sorge bleibt allerdings, dass die Trump-Regierung sich die Stimmung im Land für eine rechte US-Politik zunutze machen könnte – oder dass es in den USA zu gewaltvollen Ausschreitungen kommt. (Quellen: New York Times, Newsmax, Fox News, eigene Recherche) (lismah)

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa/ZUMA Press Wire | Brian Cahn

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