Ausgerechnet an einem Punkt

Gegenoffensive im Ukraine-Krieg: „Gepanzerte Faust“ soll Putins Truppen zerschlagen

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Die Ukraine kommt bei ihrer Gegenoffensive im Süden angeblich voran. Eine neue Taktik soll die russische Armee an einem Frontabschnitt aufreiben.

Robotyne - Der Ukraine-Krieg ist auch immer eine Auseinandersetzung der Bilder, die militärische Botschaften transportieren. Ein solches Signal sandten die ukrainischen Streitkräfte bei der Verteidigung ihres Landes gegen die russische Armee Anfang September mit einem weiteren Video in den Sozialen Netzwerken.

Ukraine-Krieg: Neue Taktik gegen russische Armee im Süden der Front

Zu sehen ist die 33. mechanisierte Brigade (siehe X-Video unten) mit etlichen Panzern, darunter sind gleich mehrere der in Deutschland produzierten Leopard-2-Kampfpanzer, die die Ukraine von westlichen Partnern bekam. Wann die Aufnahme entstanden ist, ist nicht bekannt. Zumindest sieht es sommerlich aus.

Offenbar will die ukrainische Seite mit dem aus Russland gestreuten Gerücht aufräumen, dass viele der „Leos“ bereits zerstört seien. Währenddessen vermeldete Kiew am Montag (4. September) erneut einen Vorstoß an einem südlichen Frontabschnitt, von wo aus es sehr wahrscheinlich in Richtung Asowsches Meer sowie die Krim gehen soll. Was dank einer neuen Taktik realistischer wird?

„Die Ukraine setzt auf eine ‚gepanzerte Faust‘, um jetzt durch die nächsten Linien zu stoßen“, erklärte der österreichische Oberst Markus Reisner dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) dazu. Gemeint sei der Einsatz schwerer Kampfpanzer kombiniert mit anderen gepanzerten Fahrzeugen, erläuterte der Miliärexperte weiter. Zwei der drei Bataillone mit deutschen Leopard-Panzern befänden sich einsatzbereit in der Region, erzählte Reisner. Bei besagter Region handelt es sich um den Frontabschnitt in der Oblast Saporischschja südlich von Orichiw bei Robotyne.

Ukraine-Krieg: Russen erleiden wohl bei Nowodaniliwka und Nowoprokopiwka Verluste

„Während der Offensive konnten die ukrainischen Kräfte in Richtung Nowodaniliwka und Nowoprokopiwka vordringen. Der Feind erleidet im Süden erhebliche Verluste an Personal, Waffen und Ausrüstung“, erzählte Vize-Verteidigungsministerin Hanna Malyar. Experte Reisner ordnete zudem ein: „Die Ukraine hat noch weitere Kräfte bereitgestellt, wie eine Brigade mit Schützenpanzern vom Typ Stryker und Marder und britische Kampfpanzer vom Typ Challenger.“ Sobald die Chance bestünde, würde diese „gepanzerte Faust“ im Süden angreifen.

Die Ukraine setzt auf eine ‚gepanzerte Faust‘, um jetzt durch die nächsten Linien zu stoßen.

Markus Reisner, österreichischer Militärexperte bei „RND“

Teil dieser Einheiten dürfte auch die 33. mechanisierte Brigade sein, die seit Monaten in der Region kämpft. Ausgerechnet jene Brigade also, die laut dem amerikanischen Wirtschaftsmagazin Forbes am 8. Juni gemeinsam mit der 47. Angriffsbrigade in einem russischen Minenfeld südlich von Mala Tokmachka (ebenfalls bei Orichiw) drei ihrer 14 Panzer Leopard 2A6, 16 ihrer 109 Schützenpanzer M-2 sowie drei ihrer sechs Minenräumpanzer Leopard 2R verloren haben soll. Und zwar binnen kürzester Zeit nach dem Start der Gegenoffensive, was im Westen Sorgen bereitet hatte.

Ukraine-Krieg: Ukrainische Armee kann südlich von Robotyne wohl Flanken sichern

Die jüngsten Fortschritte bei Nowodaniliwka und Nowoprokopiwka sind insofern markant, als dass die Ukrainer damit auf einem Frontabschnitt zwischen zehn und 15 Kilometern ihre Flanken sichern könnten. Aktuell werde in den Wäldern rund um die Siedlungen gekämpft, hieß es aus Kiew. Unabhängig überprüfen lassen sich diese Informationen nicht, ein Dementi zum angeblichen Stand im Süden gab es aus Moskau jedoch nicht. Ziel in dieser Region ist ein Durchbruch in Richtung Asowsches Meer, um die dortigen russischen Truppen vom Nachschub abzuschneiden und sie gegebenenfalls auf die Krim zurückzudrängen.

Diese These argumentierten Militärexperten x-fach. So gelten das durch Russland stark befestigte Tokmak und das ukrainische „Widerstandsnest“ Melitopol an der Küste als die nächsten Ziele. Doch: Die Zeit drängt. Denn: Der Herbst und damit schlechteres Wetter sind nicht weit. Der Ukraine-Krieg hatte wiederholt gezeigt, dass gerade mit Panzern eine Offensive bei Starkregen, Schlamm oder gar Schnee kaum möglich ist. Die neue Taktik nach zuvor kleinteiligen Angriffen, teils nur mit kleinen Infanterie-Einheiten, soll jetzt helfen. (pm)

Rubriklistenbild: © Screenshot X@DefenceU

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