Große Verluste

Trümmerfeld weckt Sorge: Ukraine befreit weiteres Dorf – doch am Ende könnte Putin profitieren

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Die Ukraine erobert nach zähem Kampf ein weiteres Dorf zurück. Jedoch: Auf die Gegenoffensive gegen Russland könnte jetzt die Feuerprobe warten.

Saporischschja – Die Ukraine hat in ihrer Gegenoffensive das nächste von Russland besetzte Dorf befreit: Uroschajne, eine Gemeinde mit ehemals 1000 Einwohnern an der Frontlinie im Gebiet Donezk. Die Ukraine feiert diesen Sieg – doch der Preis war offenbar enorm. Hinzu kommt, dass südlich von Uroschajne immense Herausforderungen im Ukraine-Krieg warten.

Ukraine-Krieg: Wochenlange Kämpfe um Uroschajne

Als die ukrainischen Soldaten am Mittwoch (16. August) in Uroschajne eindrangen, waren sämtliche Zivilisten bereits geflohen. Kein Wunder: Die Kämpfe um den Ort im Westen der Ukraine dauerten lange. Die Ukraine setzte ihre Artillerie laut einem Bericht des ZDF tagelang gegen die Besatzer aus Russland ein. Zugutekamen ihr letzten Ende die größere Reichweite und Präzision der westlichen Waffen, so die Einschätzung von Christian Mölling, Forschungsdirektor der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik.

Zerstörte Fahrzeuge pflastern den Weg der ukrainischen Gegenoffensive, hier eine Aufnahme aus der Gegend von Charkiw.

Ukraine-Krieg tobte um Uroschajne: Russen flohen offenbar zu Fuß

Die russische Armee sei am Ende kaum noch in der Lage gewesen, Gegenschläge auszuführen, so Mölling. Die letzten überlebenden Soldaten von Wladimir Putins Armee flohen offenbar zu Fuß aus Uroschajne. Ein russischer Kommandant schilderte danach, wie sein Bataillon aus dem Dorf gedrängt worden war.

Uroschajne ist das elfte Dorf, das die Ukraine in der Gegenoffensive von der Besetzung Russlands befreien konnte. Als strategisch wichtig gilt es, weil es an der Straße zur Küstenstadt Mariupol liegt. Zum Asowschen Meer sind es nun noch rund 90 Kilometer für die ukrainischen Befreier. Eine Tatsache, die teils zu Euphorie auch unter westlichen Beobachtern führte, wie Experte Mölling im ZDF ausführte. Das sei jedoch „definitiv übertrieben“. Aus der Befreiung des Ortes Schlussfolgerungen für den weiteren Kriegsverlauf zu ziehen, sei verfrüht.

Verluste der Ukraine bei Befreiungskampf offenbar immens

Zudem scheinen die Verluste der Ukraine zur Befreiung selbst kleiner Dörfer bisher immens zu sein. Vor Uroschajne hatte die Armee das Nachbardorf Staromajorske befreit, in einem ebenfalls zähem Kampf. Laut einem Bericht der Bild zeigen neue russische Drohnenaufnahmen, dass die Ukraine dabei mindestens 31 gepanzerte Fahrzeuge verlor, darunter 23 minengeschützten Mannschaftstransporter aus Nato-Staaten. Die Wracks seien auf den Feldern zu sehen gewesen.

Die Dezimierung der ukrainischen Ausrüstung könnte wiederum den Russen in die Hände spielen. Der Kreml feiert jeden zerstörten westlichen Panzer als Triumph. Die Ukraine bemüht sich zwar, beschädigte Panzer durch mobile Reparaturteams schnell wieder an die Front zu bringen, ist aber dennoch stark vom Westen und weiteren Waffenzusagen abhängig – während Russland auch auf seine eigene Kriegsproduktion baut.

Putin könnten auf Abnutzung der Ukraine setzen – Feste Verteidigungsanlagen Russlands warten

Putin könnte also im Ukraine-Krieg weiter auf den Faktor Zeit setzen – und darauf, dass die Ukraine einem langen Abnutzungskrieg nicht standhalten kann.

Zumal weiter südlich von Uroschajne die ersten befestigten Verteidigungslinien Russlands auf die ukrainischen Truppen warten, wie es im ZDF-Bericht heißt. Es sei ein wichtiger Test, wie die Ukraine diesen im Zuge ihrer Gegenoffensive standhalten kann, sagte Militärexperte Mölling.

Nach Befreiung von Uroschajne rückt Ukraine weiter nach Süden vor

Die ukrainische Armee ist eigenen Angaben zufolge bereits weiter nach Süden vorgerückt. „Im Abschnitt südlich von Uroschajne hatten sie Erfolg und sie setzen sich auf den neu erreichten Positionen fest“, teilte der Sprecher des Generalstabs, Andrij Kowaljow, am Donnerstag (17. August) mit.

Putin riskiert derweil einen Seekrieg mit der Nato, wie ein ehemaliger Offizier der Nato-Truppen warnt. Und zwar mit seinem Gebaren in den internationalen Gewässern des Schwarzen Meeres, wo Russland illegal Schiffe zum Getreidetransport blockiert. (smu)

Rubriklistenbild: © Juan Barreto/AFP

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