Armut in der Türkei wächst: „Fleisch für viele ein Traum“
VonErkan Pehlivan
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Fleisch und viele andere Lebensmittel werden in der Türkei für viele unbezahlbar. Ob Finanzminister Mehmet Simsek die Probleme richten kann, bleibt fraglich.
Ankara - Auch nach der Türkei-Wahl hat sich an der schlechten Wirtschaftslage nichts geändert. Hohe Inflation und Währungsverfall setzen den Menschen weiter zu. Viele Lebensmittel werden in der Türkei für immer mehr Menschen in dem Land unbezahlbar, darunter auch Fleisch. In den vergangenen sechs Jahren sei der Preis für Fleisch um 808 Prozent gestiegen, teilte der CHP-Abgeordnete Cevdet Akay mit. Hatte 2010 ein Kilogramm Fleisch noch 25 Türkische Lira (TL) gekostet, bezahlt man heute den Angaben zufolge 227 TL. „Viele können nur noch von Fleisch träumen“, hieß es.
Auch die Preise für Brot werden erneut steigen. Das Büro für Landprodukte TMO (Toprak Mahsulleri Ofisi) hat die Belieferung von Mehlproduzenten mit subventioniertem Weizen eingestellt. Dadurch sind die Preise für je 50 kg Mehl von 340 TL auf 570 TL gestiegen. Damit dürften die Brotpreise um 30 bis 50 Prozent ansteigen.
„Hungergrenze“ deutlich über Mindestlohn
Auch die Inflationszahlen zeigen deutlich, dass alles in dem Land teurer wird. Gibt das staatliche Statistikbüro die Inflationszahl mit knapp 40 Prozent an, so liegt diese eigentlich bei 109 Prozent. Gleichzeitig verliert die Türkische Lira an Wert, was die Menschen in dem Land zusätzlich belastet. Gerade Geringverdiener haben es schwer, um über die Runden zu kommen. Der Mindestlohn liegt bei 8.500 TL (330 Euro). Dies deckt nicht einmal mehr die reinen Lebensmittelkosten einer vierköpfigen türkischen Familie ab. Die sogenannte „Hungergrenze“ liegt bei rund 11.000 TL.
İktisatçı Hayri Kozanoğlu:
“Ne Mehmet Şimşek’in ne Gaye Erkan’ın niyetlerinin emeğiyle geçinen yurttaşların hayatlarını düzeltmek olmadığı, Türkiye ekonomisinin kapılarını tekrar yabancı sermayeye açmak olduğu görülüyor.”https://t.co/P0xvfuPRmqpic.twitter.com/rOZRF8oSJl
Mit dem neuen Finanzminister Mehmet Simsek und der neuen Chefin der türkischen Zentralbank, Hafize Gaye Erkan, will Präsident Recep Tayyip Erdogan der Wirtschaft auf die Beine helfen. Die Armut der Menschen dürfte dabei allerdings noch weiter fortbestehen. „Es scheint, dass weder Mehmet Şimşek noch Gaye Erkan die Absicht haben, das Leben der Bürger, die von ihrer Arbeit leben, zu verbessern. Es geht ihnen um das Öffnen der Türen der türkischen Wirtschaft für ausländisches Kapital“, sagte Wirtschaftsexperte Hayri Kozanoglu in einem TV-Interview.
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Um die Inflation einzudämmen, wird die türkische Zentralbank in den kommenden Wochen sehr wahrscheinlich ihren Leitzins erhöhen. Das könnte die Armut der Menschen weiter verschärfen. „Die türkische Wirtschaft steht vor so großen Problemen, dass eine Anhebung der Zinssätze zu neuen Problemen und Komplikationen führen wird“, so Kozanoglu. (Erkan Pehlivan)