VonFlorian Naumannschließen
Die Raubtiere Bär und Wolf sorgen für Verunsicherung auch in Bayern. Hubert Aiwanger warnt kurz vor der Wahl.
Osnabrück/München - Kurz vor der Landtagswahl in Bayern hat Landes-Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger politische Fehler beim Umgang mit Wildtieren wie Bären und Wölfen gerügt. Der Freie-Wähler-Chef warnte in der Neuen Osnabrücker Zeitung vor negativen Auswirkungen auf den Tourismus in Bergregionen - und auch „Konflikten“ mit den Tierpopulationen, „bis hin zu menschlichen Todesfällen“.
„Bären haben wie auch Wölfe keine natürlichen Feinde in Deutschland und breiten sich deshalb immer mehr aus“, sagte Aiwanger. Das sei nicht den Tieren anzulasten, sondern einer unvernünftigen Politik. Er forderte, (mehr) Wölfe zu schießen - und gegebenenfalls auch Bären.
Aiwanger warnt kurz vor Bayern-Wahl vor Wolfs-Problem - auch für Dörfer und Städte
Aiwanger forderte, den „günstigen Erhaltungszustand“ des Wolfes anzuerkennen. Es gebe inzwischen rund 2000 Wölfe in Deutschland. „Bei einer jährlichen Zuwachsrate von 30 Prozent und mehr müssten 500 Tiere pro Jahr erlegt werden, damit sich der Bestand nicht weiter ausbreitet und letztendlich gezwungen ist, in Dörfer oder Städte vorzudringen“, rechnete Aiwanger vor.
Anderenfalls seien Freilandtierhaltung und der Tourismus in Oberbayern und im Allgäu massiv gefährdet. „Gerade der Bär breitet sich aufgrund der Überpopulation in Regionen wie dem Trentino auch zunehmend nach Bayern aus, und wir werden zeitnah erleben, dass Wanderer als Tourismusgäste in Bergregionen ausbleiben“, warnte Aiwanger.
Zum Verhaltensmuster der Bären in Oberbayern sei bislang noch wenig bekannt. „Wenn allerdings zu erwarten ist, dass eine direkte Gefahr für Menschen ausgeht, dann muss der Bär auch entnommen werden“, forderte der Freie-Wähler-Chef.
Wolf und Bär erhitzen die Gemüter: Dauer-Streit in den Alpen - und Lieblingsthema für Populisten
Wölfe töten in Deutschland jedes Jahr hunderte Nutztiere wie Schafe und Rinder. Der Abschuss der Raubtiere ist bislang nur unter strengen Auflagen möglich. Nachgewiesene Angriffe auf Menschen hat es in Deutschland in den letzten Jahren allerdings nicht gegeben. Im Frühjahr hatte ein Bär in Norditalien einen Jogger getötet. In Deutschland sollen vereinzelt Schafe von Bären gerissen worden sein.
Die Themen „Wolf“ und „Bär“ erhitzen in Bayern regelmäßig die Gemüter - spätestens, seit „Problembär“ Bruno 2006 in Bayern auftauchte. Auch Landtagspräsidentin Ilse Aigner (CSU) warnte Anfang September vor Gefahren für die Almwirtschaft durch den Wolf. Im CSU-Regierungsprogramm für die Landtagswahl im Oktober heißt es: „Wölfe und andere Raubtiere müssen auf ein verträgliches Maß begrenzt und reduziert werden.“
Zugleich haben Kritiker und Experten zuletzt darauf hingewiesen, dass auch Rechtspopulisten gerne Wolf und Bär auf die Agenda heben. „Auch die FPÖ hat den Wolf im Programm“, sagte der Chef des Meinungsforschungsinstituts Insa, Herrmann Binkert, zuletzt. Gleiches gelte für die AfD. „Die AfD ist einfach die Gegenpartei zu den Grünen“, sagte Binkert. „Alle Themen, mit denen die Grünen sich schwertun, werden von der AfD auf besondere Weise besetzt: Kernenergie, Migration, Wolf.“ In der Slowakei warnte die rechtspopulistische Partei Sme Rodina vor den Parlamentswahlen vor einer unkontrollierten Ausbreitung von Braunbären.
Streit über den Wolf-Abschuss: Özdemir will bei Problemen „nicht daran hindern“ - Bauern fordern mehr
Der politische Streit schwelt unterdessen weiter - er dreht sich um die Frage, ob Problemtiere oder alle Tiere Ziel einer Bejagung werden sollen. Die Bundesminister Cem Özdemir und Steffi Lemke (Grüne) haben sich bereits für den leichteren Abschuss von problematischen Wölfen ausgesprochen. „Ich sag‘ nur, machen Sie es. Ich werde Sie nicht daran hindern“, sagte Özdemir im Sommer bei einem Besuch in Bayern über das Schießen von Problemwölfen: „Das Bundesnaturschutzgesetz lässt nicht nur zu, dass Wölfe, die Nutztiere reißen und Zäune überspringen, entnommen werden, sondern auch ganze Rudel.“ Mehr gestatte allerdings das europäische Recht nicht.
Lemke hatte später eingeräumt, es gebe zu viel Bürokratie für Landwirte, die ihre Tiere vor dem Wolf schützen wollen. Die Umweltministerin wollte bis Ende September Vorschläge zur Verbesserung der Lage machen, wie kreiszeitung.de berichtete. Dieser Zeitplan ist offensichtlich nicht aufgegangen - Lemke wollte sich nun aber Anfang Oktober mit Vorschlägen zu Wort melden.
Die bisherige Wolfspolitik ist ein Musterbeispiel für eine weltfremde, ignorante und abgehobene Politik, die nur auf Symbolik zielt und die wirklichen Probleme bewusst ignoriert.
Im Fokus der Kritik steht aber auch das besagte Europarecht. Als die 16 Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten vor kurzem Gespräche mit der EU-Kommission in Brüssel führten, stand der Wolf auf der Agenda. Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) pochte auf Änderungen. Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hatte im Juli just in Bayern eine Absenkung des Schutzstatus des Wolfes vorsichtig in Aussicht gestellt. Ein Pony von der Leyens war von einem Wolf gerissen worden - der Angreifer wurde später zum Abschuss freigegeben.
„Die ideologisch motivierte Hinhaltetaktik der Bundesregierung ist nicht mehr tolerierbar“, sagte unterdessen der CDU-Bundestagsabgeordnete Hans-Jürgen Thies schon im September. Zu einer ähnlichen Einschätzung kam zuletzt der Deutsche Bauernverband: „Die bisherige Wolfspolitik ist ein Musterbeispiel für eine weltfremde, ignorante und abgehobene Politik, die nur auf Symbolik zielt und die wirklichen Probleme bewusst ignoriert“, sagte Generalsekretär Bernhard Krüsken im September der Agentur Reuters. „Das ist Treibstoff für Politikverdrossenheit.“ (fn mit Material von AFP und Reuters)
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