Wahl in Baden-Württemberg: Experte prophezeit enges Rennen zwischen Özdemir und Hagel
VonLisa Mahnke
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In Baden-Württemberg liefern sich CDU und Grüne kurz vor der Wahl ein enges Duell. Der Skandal um Hagel könnte die letzten Tage noch prägen.
Nun ist es nur noch wenige Tage hin bis zur Landtagswahl in Baden-Württemberg 2026. Während der Grünen-Spitzenkandidat Cem Özdemir auf der Erfolgswelle reitet, strauchelt der CDU-Herausforderer Manuel Hagel mit einem alten Video, das ihn in die Defensive drängt. Entschieden ist allerdings noch nichts: Die letzten Wochen des Wahlkampfs seien typischerweise von einer hohen Dynamik geprägt, gerade vor Landtagswahlen, meint Thorsten Faas, Politikwissenschaftler und Wahlforscher an der Freien Universität Berlin.
„Da ist also gerade durchaus noch eine Menge zu holen – oder zu verlieren“, so Faas im Interview mit dem Tagesspiegel. Bei Hagel sieht es aktuell eher nach Letzterem aus. Eine Grünen-Politikerin hatte im Wahlkampfentspurt Videoausschnitte aus einem TV-Auftritt aus dem Jahr 2018 veröffentlicht, in denen der CDU-Politiker eine Realschülerin sexualisierte, die bei einem Besuch in der Schule eine Frage gestellt hatte. „Ich werd’s nie vergessen, die erste Frage, sie hieß Eva, braune Haare, rehbraune Augen“, sagte Hagel. Damals war er 29 Jahre alt und gerade Generalsekretär der CDU Baden-Württemberg.
„Keine gute Ausgangslage“ durch Video: Hagel muss nach Sexismus-Skandal mit Dilemma kämpfen
Auch zuvor war Hagels Ausgangspunkt nicht ideal. Özdemir war bereits bekannt. Dazu spielte dem Grünen-Politiker in die Karten, dass er sich als direkter Nachfolger des Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann präsentierte. Das Amt des Ministerpräsidenten sei zur Landtagswahl in Baden-Württemberg ein wichtiger Faktor, darauf baue die Kampagne der Grünen auf, so Faas.
„Unbeschrieben oder so beschrieben – beides ist keine gute Ausgangslage für ihn“, betonte der Politikwissenschaftler über die Situation des CDU-Spitzenkandidaten. Nun sei Hagel jedoch „in der Defensive, wo er aber als Herausforderer auf keinen Fall sein möchte.“ Denn eigentlich müsste der CDU-Politiker die letzte Woche nutzen, um Akzente zu setzen, sagte Faas.
Landtagswahl in Baden-Württemberg: Özdemir strebt Kretschmann-Nachfolge an
Stattdessen heiße es für Hagel jetzt: Augen zu und durch. Jeder ernst gemeinte inhaltliche oder personelle Vorschlag würde unter den aktuellen Umständen nur als Ablenkung vom Video gewertet. Das sei ein „echtes Dilemma“, meint Faas. Özdemir solle hingegen das Momentum mit Kretschmann im Rücken nutzen, so der Wahlforscher.
Kopf-an-Kopf-Rennen zur Landtagswahl in Baden-Württemberg: Grüne und CDU fast gleichauf
Trotz der schlechten Stellung von Hagel zeichnet sich in den Umfragen zwischen den Grünen und der CDU zur Landtagswahl Baden-Württemberg 2026 ein Kopf-an-Kopf-Rennen ab. Bei der am Freitag (27. Februar) veröffentlichten Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen für das ZDFlag die CDU bei 27 Prozent, die Grünen bei 25 Prozent. Die AfD folgte mit 19 Prozent, dahinter lagen die SPD (9 Prozent) sowie FDP und Linke (jeweils 6 Prozent). Sonstige Parteien folgten mit insgesamt acht Prozent.
Anmerkung der Redaktion: Bei der Umfrage handelte es sich um einen Mix aus telefonischer und SMS-basierter Online-Befragung. Es wurden 1049 Personen im Zeitraum vom 23. Februar bis 26. Februar befragt.
Landtagswahl in Baden-Württemberg: Grüne wollen Momentum mitnehmen
Der nur knappe Vorsprung der CDU zeigt: Wer in Baden-Württemberg – um es in den Worten von Politikwissenschaftler Faas zu sagen – noch einiges holt oder verliert, ist also noch vollkommen offen. Ob die Grünen unter Özdemir die CDU mit dem aktuell in die Enge gedrängten Hagel überholen können, wird sich wohl spätestens bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg am 8. März zeigen.
Zwischen Hagel und Özdemir herrscht kurz vor der Landtagswahl ungewöhnliche Zurückhaltung. Im TV-Triell wurde das Video von CDU-Kandidat Manuel Hagel zwar thematisiert, doch Özdemir verteidigte den CDUler statt die Steilvorlage zu nutzen. Sexismus gehe gar nicht, aber er nutze den Skandal nicht für billige Wahlkampfpunkte, sagte er dem Spiegel. Hagel selbst behauptete laut dpa, seine Frau habe ihm nach den Aussagen im Jahr 2018 „direkt den Kopf gewaschen“. Auch Özdemir meint: Hagel würde solche Aussagen heute nicht mehr tätigen. (Quellen: Tagesspiegel, ZDF, Spiegel, eigene Recherche) (lismah)