CSU-Parteitag in München

„Schwarz-Grün isch over“: Söder schwört seine CSU ein

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Beim letzten CSU-Parteitag vor der Bayern-Wahl 2023 gibt es Rundumattacken – und Selbstversicherung.

Die Umfragen sind gerade recht schlecht für die CSU in Bayern, bei nur 36 Prozent liegt die Partei demnach gerade. Aber umso geschlossener stellen sich die Christsozialen hinter ihren Spitzenmann. Mit 96,6 Prozent bestätigten die Delegierten des Parteitages ihren Vorsitzenden, den bayrischen Ministerpräsidenten Markus Söder, am Wochenende wieder im Amt. Ein gutes, ein hervorragendes Ergebnis. Söder galt lange nicht als der geborene Parteiliebling, vor zwei Jahren hatte er nur magere 87,6 Prozent erhalten.

Das Treffen in München war die letzte große Mobilisierung der Basis vor der Landtagswahl am 8. Oktober. Und diese Mobilisierung, das nochmalige Kräfteschöpfen und die Stärkung Söders vor dem Wahlkampf-Endspurt war auch das einzige Thema des Parteitags.

Ein Münchener (naja, fast) im Himmelreich: Markus Söder lässt sich von den Seinen in der bayrischen Hauptstadt feiern.

Im ersten Teil seiner anderthalbstündigen Rede arbeitete sich Landesvater Söder an der seiner Ansicht nach miserablen Regierungspolitik der Berliner Ampelregierung ab. Die CSU sei „der Stachel im Fleisch der Ampel“, rief er, und die sei „die schlechteste Bundesregierung, die Deutschland je hatte“.

Bayerns Ministerpräsidenten seit 1945

Bundeskanzler Konrad Adenauer (mit Zylinder, CDU), Bundesratspräsident Karl Arnold (l, CDU) und Fritz Schäffer (r, CSU) bei der feierlichen Eröffnungssitzung des Deutschen Bundestages am 07.09.1949 in Bonn.
28. Mai 1945 – 28. September 1945: Fritz Schäffer (r, CSU) mit Konrad Adenauer (mit Zylinder, CDU), Bundesratspräsident Karl Arnold (l, CDU) bei der feierlichen Eröffnungssitzung des Deutschen Bundestages am 07.09.1949 in Bonn. © dpa
28. September 1945 – 21. Dezember 1946: Wilhelm Hoegner (SPD), ernannt durch die USA.
28. September 1945 – 21. Dezember 1946 (erste Amtszeit): Wilhelm Hoegner (SPD), ernannt durch die USA. © IMAGO/Rolf Poss
21. Dezember 1946 –
 14. Dezember 1954: Hans Ehard (CSU) mit Ehefrau Sieglinde.
21. Dezember 1946 – 14. Dezember 1954: Hans Ehard (CSU) mit Ehefrau Sieglinde. © IMAGO
14. Dezember 1954 – 16. Oktober 1957 (zweite Amtszeit): Wilhelm Hoenger (SPD) trat nach Verlust der Mehrheit im Landtag zurück.
14. Dezember 1954 – 16. Oktober 1957 (zweite Amtszeit): Wilhelm Hoenger (SPD) trat nach Verlust der Mehrheit im Landtag zurück. © IMAGO
16. Oktober 1957 – 26. Januar 1960: Hanns Seidel (CSU) überreicht General Lauris Norstad den Bayerischen Lowen.
16. Oktober 1957 – 26. Januar 1960: Hanns Seidel (CSU) überreicht General Lauris Norstad den Bayerischen Lowen. © IMAGO
26. Januar 1960 – 11. Dezember 1962 (zweite Amtszeit): Hans Erhard (CSU).
26. Januar 1960 – 11. Dezember 1962 (zweite Amtszeit): Hans Erhard (CSU). © IMAGO
11. Dezember 1962 – 7. November 1978: Ministerpräsident Alfons Goppel und Parteivorsitzender Franz Josef Strauß (beide CSU).
11. Dezember 1962 – 7. November 1978: Ministerpräsident Alfons Goppel, der aus Altersgründen zurücktrat, und Parteivorsitzender Franz Josef Strauß (beide CSU). © IMAGO
7. November 1978 – 3. Oktober 1988: Franz Josef Strauß (CSU) mit Münchens ehemaligem Oberbürgermeister Erich Kiesl.
7. November 1978 – 3. Oktober 1988: Franz Josef Strauß (CSU) mit Münchens ehemaligem Oberbürgermeister Erich Kiesl. © Heinz Gebhardt/IMAGO
3. Oktober 1988 – 19. Oktober 1988: Max Streibl (CSU) führte das Amt erst kommissarisch und trat dann in seiner offiziellen Amtszeit (19. Oktober 1988 – 28. Mai 1993) wegen der „Amigo-Affäre“ zurück.
3. Oktober 1988 – 19. Oktober 1988: Max Streibl (CSU) führte das Amt erst kommissarisch und trat dann in seiner offiziellen Amtszeit (19. Oktober 1988 – 28. Mai 1993) wegen der „Amigo-Affäre“ zurück. © IMAGO
28. Mai 1993 – 9. Oktober 2007: Edmund Stoiber (CSU) trat nach einem innerparteilichen Machtkampf zurück.
28. Mai 1993 – 9. Oktober 2007: Edmund Stoiber (CSU) trat nach einem innerparteilichen Machtkampf zurück. © IMAGO/Astrid Schmidhuber
9. Oktober 2007 – 27. Oktober 2008: Günther Beckstein (CSU) schied aus dem Amt, als die CSU bei der Landtagswahl 2008 einen deutlichen Stimmenverlust hinnehmen musste.
9. Oktober 2007 – 27. Oktober 2008: Günther Beckstein (CSU) schied aus dem Amt, als die CSU bei der Landtagswahl 2008 einen deutlichen Stimmenverlust hinnehmen musste. © IMAGO
27. Oktober 2008 – 13. März 2018: Horst Seehofer (CSU) gab das Amt ab, als die Ernennung zum Bundesminister des Innern, für Bau und Heimat anstand.
27. Oktober 2008 – 13. März 2018: Horst Seehofer (CSU) gab das Amt ab, als die Ernennung zum Bundesminister des Innern, für Bau und Heimat anstand. © Sammy Minkoff/IMAGO
13. März 2018 – 16. März 2018: Ilse Aigner (CSU) übernahm das Amt der Ministerpräsidentin kommissarisch.
13. März 2018 – 16. März 2018: Ilse Aigner (CSU) übernahm das Amt der Ministerpräsidentin kommissarisch. © Charles Yunck/IMAGO
Seit 16. März 2018: Markus Söder (CSU) ist Ministerpräsident von Bayern und CSU Vorsitzender.
Seit 16. März 2018: Markus Söder (CSU) ist Ministerpräsident von Bayern und CSU Vorsitzender. © IMAGO

Söder wettert auf CSU-Parteitag gegen „sture grüne Ideologie“

Bundespolitisch sprach sich Söder gegen Änderungen bei der „Erbschaftsteuer aufs Elternhaus“ aus, für die Streichung der Mehrwertsteuer auf Lebensmittel und dafür, „sich wieder um die normalen Menschen zu kümmern“. Von den Ampel-Parteien pickte er sich speziell die Grünen raus wegen derer angeblichen „sturen grünen Ideologie“. Die hätten halt „kein Bayern-Gen“. Seine „schwäbische“ Folgerung für die Regierungsbildung im Freistaat nach der Wahl: „Schwarz-Grün isch over“.

Trotz der Kritik hat Söder in seiner Wortwahl einiges rausgenommen an extrem scharfer Polemik gegenüber den Grünen im Vergleich zum Wahlkampfbeginn im Sommer. Auch scheint er bemerkt zu haben, dass sich mittlerweile in Teilen der Bevölkerung regelrechte Wut gegen die Grünen aufgebaut hat, die in deren Wahlkampf nicht nur zu steten massiven Störaktionen, sondern auch zu Gewalt geführt hat.

Migration

Ein gewichtiges Thema, populistisch gewendet und vereinfacht, punktete beim CSU-Parteitag in München: die Zuwanderung von Menschen, die in Europa Schutz suchen. Ultrarechte schüren den Fremdenhass und die demokratischen Parteien finden kein positives Gegenkonzept.

In München forderte CDU-Chef Friedrich Merz Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) erneut auf, gemeinsam mit der Union eine Lösung zu suchen. „Ich biete Ihnen an: Lassen Sie uns das zusammen machen, und wenn Sie das mit den Grünen nicht hinbekommen, dann werfen Sie sie raus.“ Es gebe hier „Sprengstoff für den Zusammenhalt unserer Gesellschaft“, warnte Merz. CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann sagte der „Süddeutschen Zeitung“: „Wenn wir dieser Herausforderung Herr werden wollen, dann müssen die Parteien im Bundestag bereit sein, parteiübergreifend den Schulterschluss zu suchen“. Alexander Dobrindt, Chef der CSU-Landesgruppe in Berlin, sagte „Phoenix“: „Es gibt mit uns im Bundestag eine Mehrheit, diese Entscheidungen zum Stopp der illegalen Migration zu beschließen“.

Der Bundeskanzler hat nun mögliche zusätzliche Veränderungen in Aussicht gestellt, um die Migration zu kanalisieren. „Das sind sehr viele, die nach Europa und nach Deutschland kommen, und die Zahl hat dramatisch zugenommen“, sagte er am Samstag in Nürnberg. Scholz bekannte sich zum Grundrecht auf Asyl, mahnte aber auch effektivere Abschiebung an. Je nach aktueller Lage werde man „an den Grenzen möglicherweise weitere Maßnahmen ergreifen müssen“.

Die Lage ist für Scholz angesichts der gestiegenen Zahlen „schwierig“. Das auszusprechen sei in einer demokratischen Gesellschaft, die über Probleme frei diskutiere, unverzichtbar und richtig. „Deutschland bekennt sich zum Asylrecht“, betonte er. Wer komme und sich nicht auf Schutzgründe berufen könne oder Straftaten begangen habe, müsse aber zurückgeführt werden. Hierfür sei vieles vorangebracht worden. So sei mit den Ländern vereinbart worden, dass ihre zuständigen Behörden 24 Stunden erreichbar seien. Das hätten noch nicht alle umgesetzt, seien aber auf dem Weg. „Das wird helfen.“ FR/dpa

Friedrich Merz bietet Olaf Scholz auf CSU-Parteitag Koalition an

Die Flüchtlingsthematik mit stark steigenden Zahlen sprach er deutlich an, ohne dabei in Richtung der radikalen Rhetorik der AfD zu gleiten. Er wollte eine „zunehmende Überforderung“ ausgemacht haben: „Wir brauchen eine Wende in der Migrationspolitik.“ Söder forderte erneut eine „Zuwanderungsgrenze“, in der Vorwoche hatte er von maximal 200.000 Flüchtlingen pro Jahr geredet. Parteitagsgast Friedrich Merz, CDU-Vorsitzender, bot dem Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) die Hilfe der Union an: Wenn er mit den Grünen keine Änderung erreiche, solle er diese rauswerfen, CDU/CSU stünden bereit.

Friedrich Merz teilt bei der CSU wieder aus.

Die AfD ging Markus Söder frontal an. Im Wahlkampf 2018 hatte er mit einem Schwenk in Richtung der Parolen der extremen Rechten beim Geflüchteten-Thema erlebt, wie die Umfragewerte in den Keller rasten. Denn eine schrille Tonalität der Christsozialen mit ins Fremdenfeindliche reichendem Vokabular wie bei der AfD kamen im Freistaat nicht gut an. Erst durch eine erneute Kehrtwende konnte er den Verlust der CSU auf damals schon äußerst schlechte 37,2 Prozent begrenzen.

Söder bezeichnet AfD als „Rechtsradikale“ und „schlimmste Kreml-Knechte“

Jetzt bezeichnet Söder die AfD als „Rechtsradikale“ und wegen ihrer pro-russischen Haltung im Ukraine-Krieg als „schlimmste Kreml-Knechte“. Seinen Koalitionspartner „Freie Wähler“ und dessen Spitzenkandidaten Hubert Aiwanger ließ er weitgehend ungeschoren. Über die Affäre um die Nazi-Hetzschrift, die in der Schultasche des Gymnasiasten Hubert Aiwanger gefunden worden war, sagte er lediglich, bei der Landtagswahl gehe es „nicht um ein Flugblatt“.

In Bayern „lebt es sich einfach besser“, rundete Söder dann ab. Bei den erneuerbaren Energien würde der Freistaat „powern und pushen“, einzig in Bayern gebe es ein eigenes Familien- und Pflegegeld. Und er beschwor „bayerische Freiheit statt Berliner Verbote“. Sechs Minuten stehender Applaus. (Patrick Guyton)

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