Verstärkung für Bundeswehr

Pistorius lockt wieder mehr Leute zur Bundeswehr

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Obwohl die Zahl der Bundeswehrsoldaten erstmals wieder über 181.000 beträgt, wird Pistorius kritisiert. Doch wächst die Bundeswehr zu langsam?

Berlin – Noch vor einem Monat beklagte Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD), dass die Aussetzung der Wehrpflicht im Jahr 2011 ein Fehler gewesen sei. Sie sei aber nicht von heute auf morgen rückgängig machen, erklärte Pistorius damals. Die Bundeswehr habe dafür nicht ausreichend Kasernen oder Ausbildungspersonal. Dennoch ist die Zahl der aktiven Soldaten in der Bundeswehr laut eigener Website im Oktober wieder auf mehr als 181.000 gestiegen. Allerdings gab es sowohl einen Rückgang bei den Beruf- als auch bei den Zeitsoldaten. Das Plus ging einzig und allein auf die Freiwillig Wehrdienst Leistenden (FWDL) zurück. Kann die Bundeswehr ihr erklärtes Ziel von 203.000 Männern und Frauen in Uniform bis zum Jahr 2031 erreichen?

„Wir setzen auf ein umfangreiches Konzept zur Gewinnung von Personal. Die Herausforderung bei den kleiner werdenden Jahrgängen besteht darin, die Stärken und Besonderheiten der Bundeswehr zu thematisieren“, sagte Pistorius im Oktober dem RND. Tatsache sei: „Viele junge Menschen suchen eine sinnstiftende Aufgabe in ihrem Leben. Wer sich für die Bundeswehr entscheidet, leistet einen Beitrag zur Sicherheit und Freiheit in unserem Land.“ Die Bundeswehr würde den jungen Menschen in Deutschland rund 1000 verschiedene Jobs bieten, „die vor allem eines verbindet: die Kameradschaft“, betonte Pistorius.

Verteidigungsminister Pistorius vereinte im Oktober 2023 mehr als 181.000 Soldaten bei der Bundeswehr. (Archivbild)

Bundeswehr sei „in schlimmen Zustand“: Wadephul kritisiert Pistorius

Gesucht würden vom Mannschafter beim Heer, über den IT-Informationstechnik-Spezialisten bis hin zum Eurofighter-Piloten, wie die Bundeswehr mitteilte. „Wir brauchen ausreichend ausgebildetes Personal, nur mit Männern und Frauen fliegen unsere Flugzeuge und fahren unsere Schiffe“, sagte Pistorius beim Arbeitsbesuch im Bundesamt für das Personalmanagement. „Wir müssen öffentlich präsent bleiben und werden dafür in den nächsten Monaten und Jahren neue Wege gehen und andere überarbeiten.“ Ein wichtiger Punkt sei auch die Personalbindung.

Unionsfraktionsvize Johann Wadephul hat Pistorius der dpa zufolge indes scharf kritisiert. Die Bundeswehr sei in einem „schlimmen Zustand“ sagte der Politiker. Er forderte mehr Tempo bei der Ausrüstung der Truppe. Außerdem sprach er sich für eine Dienstpflicht aus – diese sollte nicht nur in der Bundeswehr möglich sein, sondern auch im Katastrophenschutz oder in den Rettungsdiensten. Er forderte, eine Dienstpflicht müsse von Maßnahmen zur Steigerung der Attraktivität begleitet werden: „Das muss sich in der Rente auszahlen und bei der Nutzung öffentlicher Einrichtungen.“ Laut Spiegel-Informationen hat Pistorius zumindest gefordert, dass die Wehrsoldaten auch 2024 weiterhin kostenlos Bahn fahren können.

Weniger Berufssoldaten, mehr Freiwillige: Bundeswehr wächst mit Pistorius langsam

Die Zahl der aktiven Soldaten der Bundeswehr betrug im September noch 180.907. Im Oktober sind knapp 500 Wehrleistende mehr registriert. Während sowohl die Zahl der Berufs- als auch der Zeitsoldaten um zusammen gut 1000 sank, stieg die FWDL-Stärke um knapp 1500 an.

24.292 Soldatinnen sind aktuell bei der Bundeswehr, was mehr als 13 Prozent entspricht. Außerdem waren im Oktober 2023 81.529 Menschen in Zivilbeschäftigung bei der Bundeswehr. Insgesamt sind 1433 Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr unmittelbar bei Auslandseinsätzen eingesetzt (Stand 20. November).

„Wir müssen uns wieder an den Gedanken gewöhnen, dass die Gefahr eines Krieges in Europa drohen könnte. Und das heißt: Wir müssen kriegstüchtig werden. Wir müssen wehrhaft sein. Und die Bundeswehr und die Gesellschaft dafür aufstellen“, sagte Pistorius vor wenigen Wochen im ZDF. Ob und wann er das Ziel erreichen wird und ob 203.000 Soldaten bis zum Jahr 2031 erreichen in der Bundeswehr sein werden, bleibt weiterhin offen. (Lisa Mariella Löw)

Rubriklistenbild: © Marcus Brandt/dpa

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