Auch Große Koalition möglich

Bremen-Wahl: Das sind die möglichen Koalitionen für Bovenschulte

SPD und CDU lieferten sich bei der Bremen-Wahl ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Laut ersten Ergebnissen kann die aktuelle Regierung weitermachen - wenn sie will.

Update vom 14. Mai, 20:04 Uhr: Bei der Bremen-Wahl 2023 gibt es mit Andreas Bovenschulte (SPD) einen klaren Sieger. Laut den ersten Ergebnissen und Hochrechnungen kann sich der Rathauschef auf eine zweite Amtszeit freuen. Er machte seine SPD wieder zur stärksten Kraft, vor CDU, Grünen, Linken und Bürger in Wut. Damit kannn sich der Wahlgewinner den Bündnispartner aussuchen. Er werde mit allen demokratischen Parteien sprechen, sagte Bovenschulte in der ARD. Explizit schloss er auch die CDU mit ein, die in der vergangenen Legislaturperiode in der Opposition war.

Bremen-Wahl: Ergebnis macht drei Koalitionen für Bovenschulte realistisch

Für eine Mehrheit bräuchte eine Regierungskoalition nach der Bremen-Wahl 44 von 87 möglichen Sitzen in der Bürgerschaft. Auf Basis der ersten Prognose ergeben sich daraus nun folgende Varianten: Rot-Rot-Grün (49 Sitze), Große Koalition (51 Sitze) oder eine
Ampel-Koalition (44 Sitze).

Bremen-Wahl: Wer regiert künftig in Bremen?

Erstmeldung vom 14. Mai, 7:22 Uhr: Bremen - Jüngsten Umfragen zufolge wird die SPD bei der Bürgerschaftswahl in Bremen am Sonntag (14. Mai) stärkste Partei. Für den SPD-Spitzenkandidaten und amtierenden Bürgermeister Andreas Bovenschulte könnte das eine Fortsetzung seiner Regierung bedeuten. Fest steht das noch nicht, denn verschiedene Koalitionen sind denkbar: ein Zweier-Bündnis mit den Grünen, eine Große Koalition oder eine Fortführung des Bündnisses aus Linken, Grünen und SPD. Eine Zusammenarbeit mit der rechtspopulistischen Partei Bürger in Wut (BiW) gilt für alle Parteien im Parlament als ausgeschlossen und auch eine Jamaika-Koalition ist wohl nur auf dem Papier möglich.

Bremen-Wahl 2023: Rechtspopulisten könnten viertstärkste Kraft werden

Der Wahlkampf in Bremen ist vorbei, am Sonntag (14. Mai) sind rund 462.000 Bürger und Bürgerinnen zur Wahl ihres Landesparlaments aufgerufen. Zuletzt regierte im Zweistädte-Staat die Koalition aus SPD, Grünen und Linken, die laut Bürgermeister Bovenschulte gute Arbeit leistete. Ein Bekenntnis zur Fortführung des Regierungsbündnisses ist dies allerdings noch nicht, der SPD-Spitzenkandidat hielt sich zuletzt alle Optionen offen. Die Achillesferse der SPD bleibt indes die Bildungspolitik. Bremen wird seit über 70 Jahren rot regiert, wobei Bremer Schüler und Schülerinnen in Test wie etwa dem INSM-Bildungsmonitor regelmäßig unterdurchschnittlich abschneiden.

Wahlplakate der oppositionellen CDU und der regierenden SPD zur Bremer Bürgerschaftswahl am 14. Mai 2023.

Der jüngsten Umfrage des ZDF-Politbarometers vom Donnerstag zufolge käme die SPD aktuell auf 29 Prozent und wäre damit die stärkste Kraft in Bremen, gefolgt von der CDU mit 26 Prozent. Die Grünen erhielten nur 13 Prozent der Stimmen, die Linken lägen bei elf Prozent. Die FDP würde mit sechs Prozent ebenfalls in die Bürgerschaft einziehen, wenn auch nur knapp. Dass die Liberalen Teil der Regierung werden, wäre etwa mit einer Jamaika-Koalition aus Grünen, CDU und FDP rechnerisch möglich, ist ideologisch aber fast auszuschließen. Denn während die ökologische Partei sich für die Mobilitätswende einsetzt, sieht sich die Bremer FDP auf der Seite der Autofahrenden.

Die Rechtspopulisten BiW könnten der ZDF-Umfrage zufolge zehn Prozent erreichen und wäre damit fünftstärkste Kraft, noch vor der FDP. BiW-Gründer Jan Timke schloss nicht aus, dass die Gruppierung sogar die viertstärkste Partei werden könnte. Aufgrund interner Streitigkeiten, die nach außen getragen wurden, ist die Bremer AfD von der Wahl am Sonntag ausgeschlossen. Die rechtsextreme Partei ist tief zerstritten und reichte zwei konkurrierende Kandidatenlisten ein, was gegen geltendes Gesetz verstößt. Von diesem inneren Zerwürfnis profitierten die Bürger in Wut, doch eine Zusammenarbeit mit den Rechtspopulisten ist aus Sicht aller anderen im Bremer Parlament vertretenen Parteien ausgeschlossen.

Bremen-Wahl 2023: Koalition aus SPD, Grünen und Linken könnte fortgeführt werden

Es hängt maßgeblich vom Ergebnis der Grünen ab, ob es zu einer Fortführung des bisherigen Regierungsbündnisses kommt. Bei der Wahl vor vier Jahren schnitt die ökologische Partei mit 17,4 Prozent der Stimmen noch deutlich besser ab als zuletzt vorhergesagt. Aktuell sieht es nicht danach aus, dass es für eine Mehrheit von SPD und Grünen im Bremer Landtag reicht, weshalb die Koalition aus Linken, Grünen und SPD in die Verlängerung gehen könnte. Die grüne Partei hatten zuletzt immer mehr an Zuspruch verloren, während sie bei der Wahl vor vier Jahren noch das Zünglein an der Waage war.

Bremen-Wahl: Das Spitzenpersonal der Parteien im Überblick

Für die SPD geht bei der Bremen-Wahl der amtierende Bürgermeister Andreas Bovenschulte als Spitzenkandidat ins Rennen. Der Jurist wurde am 11. August 1965 in Hildesheim geboren.  Seit 1984 Mitglied der SPD, wurde er im Juni 2010 vom Parteitag zum Landesvorsitzenden der SPD Bremen gewählt. Er ist als Parteilinker bekannt, gilt parteiübergreifend aber auch als pragmatischer Politiker. So wurde er bei der Wahl zum Bürgermeister von Weyhe im Jahr 2014 auch von der CDU unterstützt.
Für die SPD geht bei der Bremen-Wahl der amtierende Bürgermeister Andreas Bovenschulte als Spitzenkandidat ins Rennen. Der Jurist wurde am 11. August 1965 in Hildesheim geboren. Seit 1984 Mitglied der SPD, wurde er im Juni 2010 vom Parteitag zum Landesvorsitzenden der SPD Bremen gewählt. Er ist als Parteilinker bekannt, gilt parteiübergreifend aber auch als pragmatischer Politiker. So wurde er bei der Wahl zum Bürgermeister von Weyhe im Jahr 2014 auch von der CDU unterstützt.  © Sina Schuldt/dpa
Während seines Studiums wohnte Bovenschulte in einer gemeinsamen WG mit Carsten Sieling, seinem Vorgänger im Amt des Bremer Bürgermeisters. Als Sieling auf eine weitere Amtszeit verzichtet, wurde Bovenschulte am 15. August 2019 zum Bremer Bürgermeister gewählt. Privat ist Bovenschulte ein begeisterter Fan von Werder Bremen, der als Dauerkartenbesitzer regelmäßig zu den Spielen ins Stadion geht.
Während seines Studiums wohnte Bovenschulte in einer gemeinsamen WG mit Carsten Sieling, seinem Vorgänger im Amt des Bremer Bürgermeisters. Als Sieling auf eine weitere Amtszeit verzichtet, wurde Bovenschulte am 15. August 2019 zum Bremer Bürgermeister gewählt. Privat ist Bovenschulte ein begeisterter Fan von Werder Bremen, der als Dauerkartenbesitzer regelmäßig zu den Spielen ins Stadion geht. © Imago
Als Herausforderer geht CDU-Spitzenkandidat Frank Imhoff in die Bremen-Wahl. Imhoff, am 23. Oktober 1968 in Bremen geboren, gehört schon seit Juni 1999 als Abgeordneter der Bremischen Bürgerschaft an. Nachdem die CDU aus der Bürgerschaftswahl in Bremen am 26. Mai 2019 erstmals in der Geschichte des Landes als stärkste Kraft hervorgegangen war, wurde Imhoff am 3. Juli 2019 zum Präsidenten der Bürgerschaft gewählt.
Als Herausforderer geht CDU-Spitzenkandidat Frank Imhoff in die Bremen-Wahl. Imhoff, am 23. Oktober 1968 in Bremen geboren, gehört schon seit Juni 1999 als Abgeordneter der Bermischen Bürgerschaft an. Nachdem die CDU aus der Bürgerschaftswahl in Bremen am 26. Mai 2019 erstmals in der Geschichte des Landes als stärkste Kraft hervorgegangen war, wurde Imhoff am 3. Juli 2019 zum Präsidenten der Bürgerschaft gewählt. © Hauke-Christian Dittrich/dpa
Imhoff absolvierte nach dem Abschluss der Realschule eine Ausbildung zum Landwirt. Von 1990 bis 1995 arbeitete er in einem landwirtschaftlichen Betrieb und absolvierte parallel eine Ausbildung zum Landschaftspfleger. 1996 übernahm er den elterlichen Hof mit Milchviehhaltung im Bremer Ortsteil Strom, den er seitdem als selbständiger Landwirt gemeinsam mit seiner Familie in fünfter Generation führt. Imhoff ist verheiratet und hat drei Kinder.
Imhoff absolvierte nach dem Abschluss der Realschule eine Ausbildung zum Landwirt. Von 1990 bis 1995 arbeitete er in einem landwirtschaftlichen Betrieb und absolvierte parallel eine Ausbildung zum Landschaftspfleger. 1996 übernahm er den elterlichen Hof mit Milchviehhaltung im Bremer Ortsteil Strom, den er seitdem als selbständiger Landwirt gemeinsam mit seiner Familie in fünfter Generation führt. Imhoff ist verheiratet und hat drei Kinder. © Hauke-Christian Dittrich/dpa
Für die Grünen ist Maike Schaefer bei der Bremen-Wahl wie schon 2019 erneut als Spitzenkandidatin am Start. Die Biologin, die am 2. Juni 1971 in Schwalmstadt geboren wurde, ist seit Januar 2002 Mitglied von Bündnis 90/Die Grünen Bremen. Von Juni 2015 bis August 2019 war sie Fraktionsvorsitzende ihrer Partei in der Bremischen Bürgerschaft, der sie als Abgeordnete von 2007 bis 2019 angehörte.
Für die Grünen ist Maike Schaefer bei der Bremen-Wahl wie schon 2019 erneut als Spitzenkandidatin am Start. Die Biologin, die am 2. Juni 1971 in Schwalmstadt geboren wurde, ist seit Januar 2002 Mitglied von Bündnis 90/Die Grünen Bremen. Von Juni 2015 bis August 2019 war sie Fraktionsvorsitzende ihrer Partei in der Bremischen Bürgerschaft, der sie als Abgeordnete von 2007 bis 2019 angehörte.  © Focke Strangmann/dpa
Bis 2019 war Schaefer umweltpolitische Sprecherin ihrer Fraktion. Seit August 2019 ist sie Stellvertreterin des Präsidenten des Senats und Bürgermeisterin von Bremen sowie Senatorin für Klimaschutz, Umwelt, Mobilität, Stadtentwicklung und Wohnungsbau. In dieser Funktion verantwortet Schaefer die Umgestaltung des Innenstadtverkehrs in Bremen mit Präferenz für ÖPNV und Fahrrad.
Bis 2019 war Schaefer umweltpolitische Sprecherin ihrer Fraktion. Seit August 2019 ist sie Stellvertreterin des Präsidenten des Senats und Bürgermeisterin von Bremen sowie Senatorin für Klimaschutz, Umwelt, Mobilität, Stadtentwicklung und Wohnungsbau. In dieser Funktion verantwortet Schaefer die Umgestaltung des Innenstadtverkehrs in Bremen mit Präferenz für ÖPNV und Fahrrad. © Eckhard Stengel/Imago
Kristina Vogt tritt erneut als Spitzenkandidatin der Linken bei der Bremen-Wahl an – so wie auch schon 2011, 2015 und 2019. Vogt ist seit 2008 Mitglied der Linken und war von 2010 bis 2011 Mitglied im Landesvorstand ihrer Partei. Seit 2011 saß sie als Abgeordnete in der Bremischen Bürgerschaft. Im August 2019 übernahm sie den Posten als Senatorin für Wirtschaft, Arbeit und Europa. Damit schied sie aus der Bürgerschaft aus.
Kristina Vogt tritt erneut als Spitzenkandidatin der Linken bei der Bremen-Wahl an – so wie auch schon 2011, 2015 und 2019. Vogt ist seit 2008 Mitglied der Linken und war von 2010 bis 2011 Mitglied im Landesvorstand ihrer Partei. Seit 2011 saß sie als Abgeordnete in der Bremischen Bürgerschaft. Von 2011 bis 2019 war sie Vorsitzende und Sprecherin ihrer Fraktion für Bildung und Inneres.  © Karsten Klama/dpa
Im August 2019 übernahm Vogt den Posten als Senatorin für Wirtschaft, Arbeit und Europa. Damit schied sie aus der Bürgerschaft aus. Vogt wurde am 3. Juni 1965 in Münster geboren und hat ein Kind. Bevor sie in die Politik einstieg, absolvierte sie eine Ausbildung zur Rechtsanwaltsfachangestellten.
Im August 2019 übernahm Vogt den Posten als Senatorin für Wirtschaft, Arbeit und Europa. Damit schied sie aus der Bürgerschaft aus. Vogt wurde am 3. Juni 1965 in Münster geboren und hat ein Kind. Bevor sie in die Politik einstieg, absolvierte sie eine Ausbildung zur Rechtsanwaltsfachangestellten.  © Mohssen Assanimoghaddam/dpa
Für die FDP tritt Thore Schäck als Spitzenkandidat bei der Bremen-Wahl an. Zu Beginn seiner politischen Laufbahn engagierte er sich kurzzeitig für die SPD Bremen, ehe er zur FDP wechselte. Bei der Bundestagswahl 2017 kandidierte er erfolglos für die FDP auf Platz 5 der Landesliste. Im Mai 2019 wurde er Mitglied der Bremischen Bürgerschaft. Er ist bau-, verkehrs- und finanzpolitischer Sprecher der FDP.
Für die FDP tritt Thore Schäck als Spitzenkandidat bei der Bremen-Wahl an. Zu Beginn seiner politischen Laufbahn engagierte er sich kurzzeitig für die SPD Bremen, ehe er zur FDP wechselte. Bei der Bundestagswahl 2017 kandidierte er erfolglos für die FDP auf Platz 5 der Landesliste. Im Mai 2019 wurde er Mitglied der Bremischen Bürgerschaft. Er ist bau-, verkehrs- und finanzpolitischer Sprecher der FDP.  © Hauke-Christian Dittrich/dpa
Im Oktober 2020 wurde Schäck zum Landesvorsitzenden der FDP Bremen gewählt. Die Wahl zum Spitzenkandidaten für die Bürgerschaftswahl fiel mit 91,6 Prozent deutlich aus. Jetzt gilt es noch, die Wahlberechtigten zu überzeugen. Mit der Botschaft „Who the heck is Thore Schäck?“ (Wer zum Teufel ist Thore Schäck) will die FDP ihren Kandidaten populär machen. Überall ist seine Telefonnummer zu finden, per QR-Code kann man auch seine Homepage aufrufen.
Im Oktober 2020 wurde Schäck zum Landesvorsitzenden der FDP Bremen gewählt. Die Wahl zum Spitzenkandidaten für die Bürgerschaftswahl fiel mit 91,6 Prozent deutlich aus. Jetzt gilt es noch, die Wahlberechtigten zu überzeugen. Mit der Botschaft „Who the heck is Thore Schäck?“ (Wer zum Teufel ist Thore Schäck) will die FDP ihren Kandidaten populär machen. Überall ist seine Telefonnummer zu finden, per QR-Code kann man auch seine Homepage aufrufen. © Sina Schuldt/dpa

Bei der Bürgerschaftswahl im Jahr 2019 erhielt die CDU mit 26,7 Prozent erstmals die meisten Stimmen, gefolgt von den Sozialdemokraten mit 24,9 Prozent, die ein historisch schlechtes Ergebnis erzielten. Trotzdem stellten die Christdemokraten nicht den Regierungschef. Denn lange Sondierungsgespräche der Grünen mit CDU und FDP sowie mit SPD und Linken hatten eine Entscheidung für das aktuelle Regierungsbündnis ergeben. Bei der diesjährigen Bürgerschaftswahl ist auch eine Große Koalition denkbar, sofern die SPD das Rennen weiter anführt und Bovenschulte damit wieder Bürgermeister wäre.

Bovenschulte vor Bremen-Wahl 2023 deutlich beliebter als Imhoff

Das würde der ZDF-Umfrage zufolge wohl auch den Wählerwillen widerspiegeln: Im direkten Vergleich mit dem amtierenden Bürgermeister Bovenschulte hat CDU-Spitzenkandidat Frank Imhoff das Nachsehen. 60 Prozent der Befragten sprachen sich für den Regierungschef aus, 23 Prozent votierten für den Herausforderer. Imhoff hofft indes nach eigener Aussage auf eine ähnliche Überraschung der CDU wie bei der Wahl zum Abgeordnetenhaus in Berlin. Dort konnten die Christdemokraten nach zwei Jahrzehnten erstmals wieder den regierenden Bürgermeister stellen (bme mit dpa).

Rubriklistenbild: © IMAGO/Eckhard Stengel

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