Bis vor Putins Haustür

„Liutyi“ in der Luft: Ukraine bastelt an Super-Drohne – Reichweite doppelt so hoch wie Taurus

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Ukrainische Zukunftsvision: Ein Webcam-Bild zeigt Flammen und Rauch über der Kuppel des Kreml-Senatsgebäudes. Das Bild stammt vom Mai 2023. Der Kreml behauptet, dass ukrainische Drohnen eingeschlagen waren. Mittlerweile könnten die ukrainischen Drohnen tatsächlich so weit reichen.
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Sie kann Marathon: die neu entwickelte Drohne mit dem Namen „Böse“. Dank ihres Erfindungsreichtums rückt die Ukraine Moskau in Reichweite ihrer Rache.

Kiew – Ulrike Franke könnte Recht behalten. „Die Ukraine ist in den letzten Jahren und insbesondere seit Beginn des Krieges zu einer Drohnenmacht geworden“, sagte Franke vom Thinktank European Council on Foreign Relations gegenüber dem ZDF. Und sie ist sich ziemlich sicher: „Es ist wahrscheinlich, dass die Ukraine aus diesem Krieg als wichtiges Drohnenhersteller-Land hervorgehen wird.“ Mit der Überwasser-Drohne Magura 5 waren die Verteidiger gegen Wladimir Putin schon beinahe zur Seemacht aufgestiegen, jetzt scheint ihr dieses Husarenstück auch in der Luft gelungen zu sein. Die neueste Innovation im Ukraine-Krieg heißt Liutyi (zu Deutsch etwa: „böse, kämpferisch“) und kann fliegen – und zwar richtig weit.

Den massiven ukrainischen Drohnenangriff Anfang März auf das Flugzeugwerk Berijew in Taganrog schreibt Russland schon diesem neuen ukrainischen Drohnentyp zu – was bedeuten würde, dass der mindestens 1000 Kilometer überwinden kann. Und das würde nicht nur den deutschen Taurus-Marschflugkörper mit seinen 500 Kilometern Reichweite um Längen übertreffen, sondern auch die ungefähr 200 Kilometer weit reichenden Storm-Shadow-Raketen in den Schatten stellen. Das hieße also, dass das Hickhack um deutsche Marschflugkörper ein Ende hätte, und die Ukraine den Krieg bis an Wladimir Putins Haustür zurücktragen könnte – aus eigenen Mitteln.

Das neue Marketing: Social-Media-Präsentation mit Katze und Zimmerpflanze

Ende vergangenen Jahres bereits hatte Mychajlo Fedorow der Euromaidan Press angekündigt, die Ukraine baue in diesem Jahr eine Armee von Tausenden von Drohnen mit Tiefenangriffsfähigkeit auf. Nach Angaben des ukrainischen Ministers für digitale Transformation konstruierten in der Ukraine inzwischen etwa zehn private Unternehmen Drohnen, die Moskau und St. Petersburg erreichen können. „Das ist eine preisgünstige Lösung, die von jedem Standort aus problemlos eingesetzt werden kann. Die Fernsteuerung minimiert den Bedarf an Personal und die Gefahr von menschlichen Verlusten in Kampfeinsätzen“, schwärmten die Entwickler der Seedrohne Magura 5 in dem ukrainischen Online-Magazin Militarnyi – die Ukraine hat ihrer Innovationskraft jetzt Flügel verliehen und projiziert eine ähnliche Billig-Lösung an den Himmel.

Details sind geheim, Ende 2023 hatte das ukrainische Unternehmen Ukroboronprom erstmals in sozialen Medien Behauptungen gestreut, dass eine entwickelte Kampfdrohne „eine Reihe erfolgreicher Testphasen“ durchlaufen habe. Damals tauchte auch ein Foto eines Modells auf der Facebook-Seite der stellvertretenden Ministerin für strategische Industrien, Anna Gvozdiar, auf– mit Katze und Zimmerpflanze, was dann viral ging.

Euromaidan Press berichtet, seit Anfang 2024 hab die Ukraine ihre neuen einheimischen unbemannten Langstrecken-Langstreckenflugzeuge „Liutyi“ schon massenhaft operativ eingesetzt für präzise Angriffe auf Ziele tief im Inneren Russlands. Dabei wurden mehr als ein Dutzend hochwertiger Industrieanlagen Russlands lahmgelegt, darunter Raffinerien, Öldepots und Fabriken – in einem Umkreis von 800 Kilometern um die Grenzen der Ukraine. Das Aussehen der Drohne erinnert entfernt an die israelische Heron, die auch die Bundeswehr zur Aufklärung einsetzt.

Die neue Marathon-Drohne: 75 Kilogramm Sprengstoff bis zu 1.000 Kilometer hinweg

Militarnyi schreibt, der Rumpf hat in Form eines integrierten zweistrahligen raketenförmigen Flugkörpers. Der Antrieb erfolgt durch einen Verbrennungsmotor mit einem im Heck befindlichen Schubpropeller. Diese Anordnung wurde wahrscheinlich gewählt, um das Gewicht so auszubalancieren, dass der Einbau eines schweren Sprengsatzes im Bug möglich ist – bis zu 75 Kilogramm Sprengstoff soll sie transportieren können. Die Drohne verfügt über ein festes Fahrwerk mit Rädern, was durch Beschleunigung auf der Landebahn den Einsatz eines klassischen Flugzeugstarts ermöglicht. Die relativ geringen Abmessungen des Flugzeugs ermöglichen es, nicht an Flugplätze gebunden zu sein und Starts insbesondere von Autobahnen mit festem Belag durchzuführen.

„Die neuen Drohnen-Streitkräfte sind keine Frage der Zukunft, sondern vielmehr etwas, das in naher Zukunft zu einem sehr konkreten Ergebnis führen sollte“

Wolodymyr Selenskyj in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung

Die Maße sind unbekannt. Die Bauart mit dem langen, zweigeteilten Leitwerk erinnert an die Heron, die mit fast neun Metern Länge und fast 17 Metern Spannweite rund 250 Kilo Nutzlast transportiert – sie dürfte größer als die Liutyi sein. Die iranische Shahed-Drohne ist ein schmal bauender Deltaflügler mit bis zu 60 Kilogramm Tragfähigkeit und damit vergleichbar der neuen ukrainischen Drohne. Damit wäre Liutyi das erste ukrainische System, das in Bezug auf Nutzlast, Reichweite und autonomer Angriffsfähigkeit mit den Selbstmorddrohnen Shahed-136 des Iran vergleichbar ist, schreibt das Online-Magazin UAV. Militarnyi will aus eigenen Quellen erfahren haben, dass die ungefähren Kosten einer Liutyi-Drohne bei rund 93.000 Dollar liegen.

Über die Kosten einer Shahed-Drohne bestehen unterschiedliche Angaben zwischen 20.000 und bis zu 180.000 Euro. Die Liutyi macht den Krieg für die Ukraine insofern bezahlbar. Der Euromaidan Press sagte Digitalminister Mychajlo Fedorow, dass die meisten ukrainischen Hersteller private Unternehmen seien, im Gegensatz zur staatlich dominierten russischen Drohnenproduktion. Er teile die Einschätzung des Chefs des ukrainischen Militärgeheimdienstes, Kyrylo Budanow, dass die Ukraine bei der Produktion von Langstreckendrohnen „eine gewisse Art von Parität“ mit Russland erreicht habe.

Die neue Start-up-Hype: Der Staat gibt Risikokapital für Drohnen-Ingenieure

Der Minister gab gegenüber Euromaidan Press an, dass im Jahr 2023 mehr als 300.000 Drohnen verschiedener Typen unter Vertrag genommen und mehr als 100.000 davon an die Front geschickt wurden. Die Ukraine hat die Steuern auf Komponenten erlassen, die Vertragsabwicklung vereinfacht und staatliche Monopole in der Munitions- und Artillerieproduktion abgeschafft, was Berichten zufolge das schnelle Wachstum der ukrainischen Drohnen-Industrie unterstützt habe. Der 33-jährige Digitalminister Fedorow steht im Mittelpunkt der ukrainischen Bemühungen, private militärische Start-ups zu fördern, um die Drohnen-Industrie aufzubauen, schrieb n-tv kürzlich. Die jüngste Angriffsserie auch mit der Liutyi-Drohne spiegele die Fortschritte der Regierung bei der Deregulierung des Drohnen-Marktes und der Aufstockung der Finanzmittel wider, sagte Fedorow. Der Staat trete in dem Bereich als Risikokapitalgeber auf.

Demnach wurden im vergangenen Jahr über eine Regierungsinitiative etwas mehr als Millionen Euro an Zuschüssen für Start-ups im militärischen Bereich eingesammelt. Der Betrag solle sich bis Ende 2024 etwa verzehnfachen, sagte der Minister. „Wir werden dafür kämpfen, die Finanzierung weiter zu erhöhen.“ Im Gegensatz dazu nimmt sich die russische Drohnen-Produktion bescheiden aus. Die Wirtschaftswoche hat Ende vergangenen Jahres über eine eigene russische Produktionsanlage geschrieben: Seit Herbst 2022 soll die in der Region Tatarstan stehen, etwa 1.000 Kilometer östlich von Moskau. „Dem Ziel, jährlich 6000 Drohnen in Russland herzustellen, ist Präsident Wladimir Putin damit einen großen Schritt nähergekommen“, schrieb die Wirtschaftswoche im Dezember.

Im Januar 2024 legte Moskau die Latte höher: Russland will bis 2030 mehr als 32.000 Drohnen pro Jahr produzieren; das sei fast das Dreifache der aktuellen Produktionsmenge, sagte der Erste Vizeministerpräsident Andrei Beloussow der staatlichen Nachrichtenagentur TASS zufolge. Obwohl der Ukraine-Krieg insofern als Katalysator neue Technologien hervorbringt, ist der Nutzen abhängig von einem hohen Maß organisatorischer Intelligenz und Flexibilität – auch da scheint die Ukraine den Russen eine Nasenlänge voraus zu sein.

Die neue Drohnen-Streitmacht Ukraine gründet Truppengattung Unmanned Systems Force

Laut der Frankfurter Allgemeinen Zeitung wird die Drohnenarmee der Ukraine jetzt auch organisatorisch vollumfänglich in die Kommandostrukturen eingebettet werden. Die ukrainische Armee hat nach den Worten von Präsident Wolodymyr Selenskyj die eigenständige Truppengattung Unmanned Systems Force (zu Deutsche „unbemannte Systeme“) per Dekret gegründet und die Erfolge gegen die Schwarzmeer-Flotte für seine Entscheidung angeführt. „Dank der Drohnen hat die Ukraine die Sicherheitslage im Schwarzen Meer wirklich verändert“, sagte Selenskyj. Durch den Einsatz der sogenannten Seedrohnen – unbemannte Boote mit großer Sprenglast – sei die russische Schwarzmeer-Flotte sowohl von der südukrainischen Küste als auch aus der Umgebung der Halbinsel Krim verdrängt worden.

Wolodymyr Selenskyj – Vom Komödianten zum Symbol des Widerstands

Als am 24. Februar 2022 russische Truppen in die Ukraine einmarschierten, sah zunächst alles nach einem leichten Sieg Russlands aus. Doch daraus wurde nichts. Die Ukraine leistete vom ersten Tag an erbitterten Widerstand und wehrte sich mit vereinten Kräften gegen die Invasion. Das liegt auch an ihrem Präsidenten. Wolodymyr Selenskyj überraschte mit seinem Auftreten im Krieg von Beginn an die ganze Welt – vor allem den Aggressor aus Russland.
Als am 24. Februar 2022 russische Truppen in die Ukraine einmarschierten, sah zunächst alles nach einem leichten Sieg Russlands aus. Doch daraus wurde nichts. Die Ukraine leistete vom ersten Tag an erbitterten Widerstand und wehrte sich mit vereinten Kräften gegen die Invasion.  © Ukrainian Presidents Office/Imago
Wolodymyr Selenskyj
Das liegt auch an ihrem Präsidenten. Wolodymyr Selenskyj überraschte mit seinem Auftreten im Krieg von Beginn an die ganze Welt – vor allem den Aggressor aus Russland. © Imago
Selenskyj kandidiert in der Ukraine
Wolodymyr Oleksandrowytsch Selenskyj wurde am 25. Januar 1978 als Sohn jüdischer Eltern in Krywyj Rih im Südosten der damals noch sowjetischen Ukraine geboren. Er schloss erfolgreich ein Jurastudium ab, war aber nie als Jurist tätig.  © dpa
Wolodymyr Oleksandrowytsch Selenskyj wurde am 25. Januar 1978 als Sohn jüdischer Eltern in Krywyj Rih im Südosten der damals noch sowjetischen Ukraine geboren. Er schloss erfolgreich ein Jurastudium ab, war aber nie als Jurist tätig. Stattdessen gründete er zunächst eine Kabarettgruppe, die fünf Jahre lang von Moskau aus durch die Staaten der ehemaligen Sowjetunion tourte. Als Komiker und Schauspieler erlangte er große Popularität – in der Ukraine und in Russland.
Stattdessen gründete er zunächst eine Kabarettgruppe, die fünf Jahre lang von Moskau aus durch die Staaten der ehemaligen Sowjetunion tourte. Als Komiker und Schauspieler erlangte er große Popularität – in der Ukraine und in Russland. © Alexander Gusev/Imago
Seit 2003 ist Selenskyj mit Olena Wolodymyriwna Kijaschko verheiratet. Sie gingen auf dieselbe Schule, lernten sich aber erst während ihres Studiums des Bauingenieurwesens an der Universität in ihrer Heimatstadt Krywyj Rih kennen. Das Paar hat zwei Kinder, Tochter Oleksandra (geboren 2004) und Sohn Kyrylo (geboren 2013). Im Dezember 2019 landete Olena Selenska auf einer Liste der 100 einflussreichsten Menschen der Ukraine auf Platz 30. Nummer eins war ihr Ehemann.
Seit 2003 ist Selenskyj mit Olena Wolodymyriwna Kijaschko verheiratet. Sie gingen auf dieselbe Schule, lernten sich aber erst während des Studiums an der Universität in ihrer Heimatstadt Krywyj Rih kennen.  © Vadim Ghirda/dpa
Stichwahl um Präsidentenamt in der Ukraine
Das Paar hat zwei Kinder, Tochter Oleksandra (geboren 2004) und Sohn Kyrylo (geboren 2013). Im Dezember 2019 landete Olena Selenska auf einer Liste der 100 einflussreichsten Menschen der Ukraine auf Platz 30. Nummer eins war ihr Ehemann. © dpa
Arte - Diener des Volkes
Mit Politik hatte Selenskyj lange nichts am Hut. Dann legte eine populäre Fernsehserie den Grundstein für seinen politischen Durchbruch. In der Comedy-Serie „Diener des Volkes“, die im April 2022 auch auf Arte lief, trat Selenskyj 2015 als Geschichtslehrer auf. © Arte/dpa
Mit Politik hatte Selenskyj lange nichts am Hut. Dann legte eine populäre Fernsehserie den Grundstein für seinen politischen Durchbruch. In der Comedy-Serie „Diener des Volkes“, die im April 2022 auch auf Arte lief, trat Selenskyj 2015 als Geschichtslehrer auf. Von der Korruption in der ukrainischen Politik angewidert, stürzt sich seine Figur in den Wahlkampf und wird zum Präsidenten gewählt. Selenskyj nahm sich das Drehbuch zum Vorbild und verkündete am Silvesterabend 2018 seine Kandidatur für die Wahl Präsidentschaftswahl.
Von der Korruption in der ukrainischen Politik angewidert, stürzt sich seine Figur in den Wahlkampf und wird zum Präsidenten gewählt. Selenskyj nahm sich das Drehbuch zum Vorbild und verkündete am Silvesterabend 2018 seine Kandidatur für die Wahl Präsidentschaftswahl.  © Arte/dpa
Vereidigung von Selenskyj als neuer Präsident der Ukraine
Die Unzufriedenheit mit dem damaligen Staatschef Petro Poroschenko verhalf Selenskyj zum Sieg. Am 20. Mai 2019 trat er das Amt des ukrainischen Präsidenten an. Er erhielt zahlreiche Gratulationen aus dem Ausland, so zum Beispiel von Donald Trump, Emmanuel Macron oder Justin Trudeau. Auch Kanzlerin Angela Merkel sprach ihm ihre Glückwünsche aus und lud ihn nach Berlin ein.  © Evgeniy Maloletka/dpa
Die Unzufriedenheit mit dem damaligen Staatschef Petro Poroschenko verhalf Selenskyj zum Sieg. Am 20. Mai 2019 trat er das Amt des ukrainischen Präsidenten an. Er erhielt zahlreiche Gratulationen aus dem Ausland, so zum Beispiel von Donald Trump, Emmanuel Macron oder Justin Trudeau. Auch Kanzlerin Angela Merkel sprach ihm ihre Glückwünsche aus und lud ihn nach Berlin ein. Anders fiel die Reaktion in Russland aus. Von Ministerpräsident Dmitri Medwedew erhielt er herablassende Ratschläge, für eine Gratulation sei es dagegen „zu früh“. Auch bei der Amtseinführung gab es keine Gratulation aus Moskau.
Anders fiel die Reaktion in Russland aus. Von Ministerpräsident Dmitri Medwedew erhielt er herablassende Ratschläge, für eine Gratulation sei es dagegen „zu früh“. Auch bei der Amtseinführung gab es keine Gratulation aus Moskau. © Wolfgang Kumm/dpa
Vor der Wahl hatte Selenskyj seinen Vorgänger Petro Poroschenko dafür kritisiert, Briefkastenfirmen in Steueroasen zu unterhalten. Als im Oktober 2021 dann aber die Pandora Papers veröffentlicht wurden, stellte sich heraus, dass auch Selenskyj selbst Anteile an einer solchen Firma auf den britischen Jungferninseln besessen hatte. Zum Zeitpunkt seiner Wahl 2019 gab er seine Anteile ab. Steueroasen sind in der Ukraine nicht illegal.
Vor der Wahl hatte Selenskyj seinen Vorgänger Petro Poroschenko dafür kritisiert, Briefkastenfirmen in Steueroasen zu unterhalten. Diese sind in der Ukraine allerdings nicht illegal. © Sergei Chuzavkov/afp
Bitter End Yacht Club auf Virgin Gorda auf den Britischen Jungferninseln
Als im Oktober 2021 dann aber die Pandora Papers veröffentlicht wurden, stellte sich heraus, dass auch Selenskyj selbst Anteile an einer solchen Firma auf den britischen Jungferninseln besessen hatte. Zum Zeitpunkt seiner Wahl 2019 gab er seine Anteile ab.  © Imago
Selenskyj
Selenskyj war der erste Präsident in der Geschichte der Ukraine, der eine konfrontative Politik gegenüber Oligarchen führte. Unter anderem gründete er einen Nationalen Sicherheitsrat, der Sanktionen gegen Oligarchen verhängen kann. © Evgen Kotenko/Imago
Selenskyj war der erste Präsident in der Geschichte der Ukraine, der eine konfrontative Politik gegenüber Oligarchen führte. Unter anderem gründete er einen Nationalen Sicherheitsrat, der Sanktionen gegen Oligarchen verhängen kann – und dies zum Beispiel gegen Wiktor Medwedtschuk tat. Der wies alle Anschuldigungen zurück. Die Sanktionen froren seine Vermögenswerte ein und hinderten ihn daran, Geschäfte in der Ukraine zu tätigen. Medwedtschuk, der aufgrund einer Anklage wegen Hochverrats unter Hausarrest stand, tauchte im Februar 2022 unter. Im April 2022 wurde er vom Inlandsgeheimdienst festgenommen und im September 2022 bei einem Gefangenenaustausch Russland übergeben.
Er setzte das Mittel zum Beispiel gegen Wiktor Medwedtschuk ein. Der wies alle Anschuldigungen zurück. Die Sanktionen froren seine Vermögenswerte ein und hinderten ihn daran, Geschäfte in der Ukraine zu tätigen. Medwedtschuk, der aufgrund einer Anklage wegen Hochverrats unter Hausarrest stand, tauchte im Februar 2022 unter. Im April 2022 wurde er vom Inlandsgeheimdienst festgenommen und im September 2022 bei einem Gefangenenaustausch Russland übergeben. © Instagram Account of Volodymyr Zelensky/afp
Schon früh in seiner Amtszeit musste sich Selenskyj mit den Wünschen und Forderungen des damaligen US-Präsidenten Donald Trump auseinandersetzen. So soll Trump seinen ukrainischen Amtskollegen in einem Telefonat am 25. Juli 2019 aufgefordert haben, als Gegenleistung für Militärhilfe in Höhe von fast 400 Millionen Dollar Ermittlungen gegen Joe Biden, Trumps möglichen Gegenspieler bei der US-Wahl 2020, einzuleiten. Biden soll einst als US-Vizepräsident die Entlassung des ukrainischen Generalstaatsanwalts veranlasst haben, um seinen Sohn Hunter Biden, der bei einem ukrainischen Erdgaskonzern tätig war, vor Korruptionsermittlungen zu schützen. Das Telefonat, das im August 2020 bekannt wurde, löste in den USA später die „Ukraine-Affäre“ aus.
Schon früh in seiner Amtszeit musste sich Selenskyj mit den Wünschen und Forderungen des damaligen US-Präsidenten Donald Trump auseinandersetzen. So soll Trump seinen ukrainischen Amtskollegen in einem Telefonat am 25. Juli 2019 aufgefordert haben, als Gegenleistung für Militärhilfe in Höhe von fast 400 Millionen Dollar Ermittlungen gegen Joe Biden, Trumps möglichen Gegenspieler bei der US-Wahl 2020, einzuleiten.  © Saul Loeb/afp
Joe Biden Hunter
Biden soll einst als US-Vizepräsident die Entlassung des ukrainischen Generalstaatsanwalts veranlasst haben, um seinen Sohn Hunter Biden (hinten), der bei einem ukrainischen Erdgaskonzern tätig war, vor Korruptionsermittlungen zu schützen. Das Telefonat, das im August 2020 bekannt wurde, löste in den USA später die „Ukraine-Affäre“ aus. © Imago
Selenskyjs Amtszeit wurde von Beginn an vom Verhältnis zu Russland überschattet. Schon in seiner Antrittsrede bezeichnete Selenskyj die Beendigung des Krieges im Donbass als seine vorrangige Aufgabe. Während des Ukraine-EU-Gipfels im Juli 2019 in Kiew schlug Selenskyj in einer Videobotschaft an Wladimir Putin direkte Gespräche in der belarussischen Hauptstadt Minsk vor. Daran sollten nach Selenskyjs Plan auch US-Präsident Donald Trump, die britische Regierungschefin Theresa May, der französische Präsident Emmanuel Macron sowie Bundeskanzlerin Angela Merkel teilnehmen. Am 11. Juli 2019 kam es immerhin zu einem ersten Telefongespräch zwischen Selenskyj und Putin.
Selenskyjs Amtszeit wurde von Beginn an vom Verhältnis zu Russland überschattet. Schon in seiner Antrittsrede bezeichnete Selenskyj die Beendigung des Krieges im Donbass als seine vorrangige Aufgabe. Während des Ukraine-EU-Gipfels im Juli 2019 in Kiew schlug Selenskyj in einer Videobotschaft an Wladimir Putin direkte Gespräche in der belarussischen Hauptstadt Minsk vor. © Ukraine Presidential Press Service/afp
Nach der Präsidentenwahl in der Ukraine
Daran sollten nach Selenskyjs Plan auch US-Präsident Donald Trump, die britische Regierungschefin Theresa May, der französische Präsident Emmanuel Macron sowie Bundeskanzlerin Angela Merkel teilnehmen. Am 11. Juli 2019 kam es immerhin zu einem ersten Telefongespräch zwischen Selenskyj und Putin. © dpa
Trump, Macron, Selenskyj - Paris
Die Gespräche führten zu einem kurzfristigen Waffenstillstand in der Ostukraine, einem Gefangenenaustausch sowie zu einem Truppenrückzug in drei Gebieten an einer Demarkationslinie bis Ende März 2020. Es war das einzige Mal, dass Selenskyj mit Putin zusammentraf.  © Lafargue Raphael/Imago
Am 9. Dezember 2019 in Paris nahm Selenskyj an Verhandlungen im Normandie-Format teil, an denen der französische Präsident Emmanuel Macron, Bundeskanzlerin Angela Merkel und der russische Präsident Wladimir Putin beteiligt waren. Die Gespräche führten zu einem kurzfristigen Waffenstillstand in der Ostukraine, einem Gefangenenaustausch sowie zu einem Truppenrückzug in drei Gebieten an einer Demarkationslinie bis Ende März 2020. Es war das einzige Mal, das Selenskyj mit Putin zusammentraf.
Am 9. Dezember 2019 in Paris nahm Selenskyj an Verhandlungen im Normandie-Format teil, an denen der französische Präsident Emmanuel Macron, Bundeskanzlerin Angela Merkel und der russische Präsident Wladimir Putin beteiligt waren.  © Charles Platiau/afp
Selenskyj
Alle Bemühungen um einen Frieden nützten aber nichts. Im Lauf des Jahres 2021 verschärfte sich die Situation weiter. Immer häufiger besuchte Selenskyj (Mitte) Militärübungen der ukrainischen Armee, so auch am 16. Februar 2022 in der Stadt Riwne. © Imago
Alle Bemühungen um einen Frieden nützten aber nichts. Im Lauf des Jahres 2021 verschärfte sich die Situation immer weiter. Am 23. Februar 2022 versuchte Selenskyj noch einmal in einer Ansprache, den drohenden Krieg abzuwenden. Darin wendete er sich vor allem an die Menschen in Russland: „Wenn wir angegriffen werden, wenn man unser Land, unsere Freiheit, unser Leben und das Leben unserer Kinder zu nehmen versucht, werden wir uns verteidigen“, sagte Selenskyj auf Russisch. Es war das vorerst letzte Mal, dass man Selenskyj glatt rasiert und mit Anzug und Krawatte sah.
Am 23. Februar 2022 versuchte Selenskyj noch einmal in einer Ansprache, den drohenden Krieg abzuwenden. Darin wendete er sich vor allem an die Menschen in Russland: „Wenn wir angegriffen werden, wenn man unser Land, unsere Freiheit, unser Leben und das Leben unserer Kinder zu nehmen versucht, werden wir uns verteidigen“, sagte Selenskyj auf Russisch. Es war das vorerst letzte Mal, dass man Selenskyj glatt rasiert und mit Anzug und Krawatte sah.  © Ukrainian Presidents Office/Imago
In der Nacht zum 24. Februar begann der russische Angriff auf die Ukraine. In Kiew kam es zu den ersten Krisensitzungen. Acht Jahre nach der Krim-Annexion eskalierte der Ukraine-Krieg.
In der Nacht zum 24. Februar 2022 begann der russische Angriff auf die Ukraine. In Kiew kam es zu den ersten Krisensitzungen. Acht Jahre nach der Krim-Annexion im März 2014 eskalierte der Ukraine-Krieg.  © Imago
London, United Kingdom
Im Westen war die Solidarität mit der überfallenen Ukraine groß. Der Regierungssitz im Vereinigten Königreich leuchtete in den ukrainischen Farben.  © Hesther Ng/Imago
In der Nacht zum 24. Februar begann der russische Angriff auf die Ukraine. Danach sollen die USA Selenskyj angeboten haben, ihm bei der Flucht zu helfen. Selenskyj lehnte an, er und seine Regierung blieben in Kiew, auch als russische Truppen auf die Hauptstadt vorrückten. Die Nachrichtenagentur AP verbreitete Selenskyjs Antwort: „Ich brauche Munition, keine Mitfahrgelegenheit.“ Seitdem ist er zum Symbol des ukrainischen Widerstands geworden.
Die USA sollen Selenskyj angeboten haben, ihm bei der Flucht zu helfen. Selenskyj lehnte an, er und seine Regierung blieben in Kiew, auch als russische Truppen auf die Hauptstadt vorrückten. Die Nachrichtenagentur AP verbreitete Selenskyjs Antwort: „Ich brauche Munition, keine Mitfahrgelegenheit.“ Seitdem ist er zum Symbol des ukrainischen Widerstands geworden. © Ukraine Presidency/afp

„Dies ist ein wichtiger Schritt in der Entwicklung der ukrainischen Armee“, sagt der ukrainische Verteidigungsminister Rustem Umerov anlässlich des Erlasses. Neue Technologien erforderten neue Ansätze, neue Doktrinen, andere Planungen und eine andere Führung als das klassische Feldheer, urteilt DefenceNetwork. „Die Liste der Aufgaben ist nun klar“, sagte Selenskyj laut der FAZ, „spezielle Stabsstellen für die Arbeit mit Drohnen, spezielle Einheiten, effektive Ausbildung, Systematisierung der Erfahrungen, ständige Skalierung der Produktion und Zusammenfassen der besten Ideen und der besten Spezialisten in diesem Bereich.“ Dies sei nun eine Aufgabe für die Armee, das Verteidigungsministerium und die Regierung als Ganzes.

Die neuen Drohnen-Streitkräfte seien ihm zufolge „keine Frage der Zukunft, sondern vielmehr etwas, das in naher Zukunft zu einem sehr konkreten Ergebnis führen sollte“. Womöglich der effektivsten Drohnenarmee der Welt. (Karsten Hinzmann)

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