Luftschlag der Ukraine

Das Schlachtfeld der Zukunft: Ukraine-Drohnen werden zur Nemesis russischer Panzer

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Sie sind klein wie Spielzeuge und knacken Kampfpanzer. Ein erfolgreicher Drohnen-Angriff der Ukraine hat jetzt ein Beben im russischen Fernsehen ausgelöst.

Nowomichajliwka – Wladimir Solowjow hat Gift und Galle gespuckt. Russische Militärblogger hatten darüber berichtet, dass eine Panzerkolonne Russlands durch einen Drohnen-Schwarm der Ukraine vollständig aufgerieben worden war; damit nicht genug: Sie hatten daraufhin Wladimir Putins Militärführung kritisiert. „Ich weiß nicht, was ich sagen soll“, schreibt Blogger Dem Z-Krieg zugewandt, laut Bild, „wie zum Teufel kann man ignorieren, dass der Feind FPV-Drohnen zur Verfügung hat?“

Grund genug für Solowjow als Moderator einer abendlichen Nachrichtensendung auf dem vom Kreml kontrollierten Fernsehsender Rossija 1 zu fordern, dass diese Blogger „zerstört – einfach eliminiert würden“, wie ihn die Kyiv Post zitiert. Dabei haben die Blogger hinzuweisen versucht auf einen Wandel, der sich im Ukraine-Krieg immer deutlicher herauszukristallisieren scheint – wie jedenfalls der Autor Stefan Korshak auf dem Blog medium veröffentlicht. 

Das russische Desaster auf dem Schlachtfeld von Nowomichajliwka erscheint ihm symptomatisch für den Verlauf des Ukraine-Krieges: Endergebnis wird seiner Meinung nach sein, „dass ein Drohnenteam aus vier Computerfreaks in einem Transporter sitzt, mit ein paar Flugsteuerungen und Richtantennen an Bord, und genauso gefährlich werden kann wie mehrere Dutzend Kampfhubschrauber“. Indem sie das Schlachtfeld überblicken und genau auswählen können, wohin sie jedes einzelne Sprengstoff-Paket fliegen wollen, können sie von bis zu vier Kilometern von der Frontlinie entfernt in nahezu jeder Hinsicht mehr präzisionsgelenkte Feuerkraft liefern als jedes andere eingesetzte Waffensystem; und das für einen Bruchteil des Preises.

Meilenstein des Ukraine-Krieges: Der tödliche Drohnen-Schwarm gegen Russland

Stein des Anstoßes ist ein Video, das den Angriff ukrainischer Drohnen auf einen gepanzerten russischen Konvoi zeigt – dabei sollen alle Fahrzeuge zerstört worden sein; mit dabei drei Kampfpanzer, ein Schützenpanzer und sieben gepanzerte Fahrzeuge. Sie marschieren in der Mittagszeit ohne jegliche Deckung oder infanteristische Unterstützung beziehungsweise ohne Überwachung des Luftraumes. Ihr Ziel soll laut Angaben von Bild gewesen sein, den umkämpften Ort Nowomichajliwka südlich zu flankieren und zur strategisch wichtigen Straße nach Wuhledar vorzustoßen. Ziel waren Stellungen der 72. mechanisierten Infanteriebrigade der Ukraine.

Für die Kyiv Post ein Meilenstein im Ukraine-Krieg: „Die Schlacht von Nowomichajliwka war wichtig, weil sie bestätigte, dass die Ukraine eine militärisch-technologische Revolution erlebt. Im Augenblick jedenfalls“, wie sie schreibt. Russische Militärblogger widersprachen schnell den Behauptungen des Kreml über einen erfolgreichen Angriff der Panzerkolonne und bestätigten damit ukrainische Berichte über schwere Verluste bei Nowomichajliwka durch Drohnen-Schwärme. Nach Ansicht vieler kremlfreundlicher Betreiber militärischer Informationsplattformen ist das anhaltende Versäumnis der russischen Armeeführung, dort und an anderen Standorten wirksame Verteidigungsmaßnahmen gegen Angriffsdrohnen zu entwickeln, schlichtweg fahrlässig.

Ein ukrainischer Soldat bedient eine Quadrocopter-Drohne – das geht künftig auch aus einem Transporter heraus ohne großen Aufwand. (Archivfoto)

Zum Fortschritt gezwungen: Ukraine muss Russland so günstig wie möglich niederkämpfen

Laut Kyiv Post zeigen die meisten der abgebildeten Treffer eine leichte Quad-Copter-Drohne mit einer an der Unterseite des Flugobjekts befestigten, selbstfliegenden RPG-Panzerabwehrraketengranate (Rocket Propelled Gun) aus der Sowjetzeit, die die relativ dünne Seiten- oder Heckpanzerung russischer T-72-Panzer oder gepanzerter Personentransporter trifft. Russische Fahrzeuge sind mit Drohnenschutzschirmen ausgestattet, doch die ukrainischen Flugzeuge weichen den Schirmen immer wieder aus, indem sie unter ihnen hindurchfliegen.

Die Ukraine ist zum Fortschritt gezwungen, weil sie sich einen konventionelleren Krieg nie leisten könnte, wie auch Stefan Korshak schreibt: Wenn Sie unseren Transporter mit den ukrainischen Drohnenpiloten vergleichen mit einer herkömmlichen 155-mm-Haubitze nach Nato-Standard, die 100.000 US-Dollar pro Granate mit präzisionsgelenktem Geschoss verballert, dann werden die ukrainischen Drohnenleute für das gleiche Geld das Hundertfache an Wirksamkeit erreichen – und sie verfügen mit weniger Aufwand über stärkere, präzisionsgelenkte Feuerkraft.

Putins Albtraum wird wahr: Ukraine ist auf dem Weg zu einer Drohnen-Weltmacht

Laut Korshak kommen allein schon die Granaten die Ukraine teuer zu stehen, daneben summieren sich die Kosten für das 155-mm-Artilleriegeschütz, die Unterstützungsfahrzeuge, die für den Transport der 155-mm-Munition erforderliche Logistik und die Ausbildung der Haubitzen-Besatzung ins Unermessliche – „zu den reinen Sachkosten addiert sich die Politik, die die Ukrainer verfolgen müssen, um die westlichen Verbündeten davon zu überzeugen ihnen die Geschütze aus den Steuereinnahmen zu finanzieren oder weiteres Geld zu beschaffen, um den Krieg weiter zu verfolgen.“

Deshalb schickt sich die Ukraine an, weltweit führender Hersteller von Drohnen zu werden, eine „Drohnenarmee“ aufzustellen, wie der stellvertretende ukrainische Ministerpräsident Mykhailo Fedorow angekündigt hat. Drohnen werden künftig nicht nur fliegen können oder schwimmen, sondern auch tauchen. Sie werden auf dem Wasser in Schwärmen auftreten und unter Wasser; und auch über oder unter dem Wasser autonom reagieren. Gerade schickt sich die Ukraine an, die Schwarzmeer-Flotte mittels unbemannter U-Boote von der Krim zu vertreiben.

„Drohnen spielen im Ukraine-Krieg eine nicht zu unterschätzende, große Rolle – sie haben gezeigt, dass die ursprüngliche Annahme, dass Drohnen in kleinen, asymmetrischen Kriegen eine große Rolle spielen können, falsch ist; sondern dass sie auch tatsächlich in großen Konflikten eine große Rolle spielen“, sagt Oberstleutnant Rüdiger Rauch, Drohnenabwehrexperte im Verteidigungsministerium, im Bundeswehr-Podcast Nachgefragt. Um so empfindlicher sind die stählernen Kolosse gegenüber der richtigen Führung im Gefecht, da bildet auch der Leopard keine Ausnahme; ohne Begleitschutz gegen Bedrohungen aus der Luft hat der Nato-Premiumpanzer gegen Killer aus dem Baumarkt schlechte Chancen.

Achillesferse des Leoparden: Angriffe aus der Luft oder von der Flanke

Die Achillesferse eines Leopard tritt in einer Notlage also schnell zutage, wie der ukrainische Kommandeur Andreij Nemtsew jetzt gerade gegenüber dem Hamburger Abendblatt geklagt hat: „Anstatt aus dem Hinterhalt zu attackieren, nutzen wir den Panzer für direkte Angriffsoperationen. Wir können nicht anders, weil wir keine anderen Kampfpanzer in unserem Bataillon haben.“ Dieses Schicksal teilen die Ukrainer mit ihren Gegnern.

Grundsätzlich sind die Luken in einem Einsatz geschlossen. Eventuell waren die russischen Truppen aber noch nicht im Angriffsmodus und hatten die Luken deshalb geöffnet gelassen. Prinzipiell wollen Panzerbesatzungen ihre Luken so lange wie möglich offen halten. Der Grund liegt darin, dass die Sicht bei geschlossener Luke eingeschränkt ist, und der Fahrer nicht so gut sehen kann, was die Beweglichkeit des Tanks einschränken würde.

Durch offene Luken können geübte Drohnenpiloten ihre Sprengladungen aber punktgenau im Panzerinneren platzieren – eine Chance, die sich mit dem sinkenden Ausbildungsstandard der Russen vergrößert, wie Forbes schreibt: „So schlecht das russische Training vor zwei Jahren auch war, so viel schlechter ist es heute. Um die Gesamtstärke seiner Frontformationen trotz katastrophaler Verluste aufrechtzuerhalten, kürzte die russische militärische Ausbildungseinrichtung ihre ohnehin unzureichende Ausbildung – und schickte mangelhaft vorbereitete Truppen an die Front.“

Offenbar haben sich die Russen nach diesem missglückten Durchbruchsversuch bei Nowomichajliwka selbst eingekeilt, wie die Kyiv Post aufgrund von Informationen ukrainischer Quellen schreibt: Ein Sprecher der 46. Mechanisierten Brigade der Ukraine, also einer Kampfformation, die nahe Nowomichajliwka stationiert ist, sagte, dass die russischen Streitkräfte den Schwerpunkt der Angriffe etwa zehn Kilometer nördlich auf ukrainische Stellungen rund um die Stadt Marjinka verlagert hätten, wo es seitdem wiederholt zu russischen Angriffen kam. Diese neuen russischen Angriffe machen nach wie vor kaum Fortschritte, hieß es im Newsfeed der 46. Brigade vom 2. Februar.

Experten vermuten: Irgendwann werden Drohnen die Artillerie ersetzen

Der unabhängige ukrainische Militärjournalist Jurij Butusow urteilt zu dem ukrainischen Erfolg: „Dies war wahrscheinlich einer der deutlichsten Beweise für die Dominanz von Drohnen, die unter bestimmten taktischen Umständen die Artillerie auf dem Schlachtfeld ersetzen.“

Die ukrainische Gruppe tochnyi.info berichtete am 27. Januar laut der Kyiv Post in einer Analyse, dass die im Internet veröffentlichten Videos einen starken Anstieg des Einsatzes von Drohnen belegen. In weniger als vier Wochen starteten ukrainische Piloten kleiner Drohnen im Januar 533 FPV-Angriffe (First Person View) gegen russische Truppen oder Kampffahrzeuge; das waren fast doppelt so viele wie im Oktober. Der intensivste Einsatz von Hobbydrohnen fand dem Bericht zufolge statt im Sektor Awdijiwka im östlichen Donbass, der zum aktuellen Hauptziel Russlands geworden ist.

Ukraine-Krieg: Die Ursprünge des Konflikts mit Russland

Menschen in Kiews feiern die Unabhängigkeit der Ukraine von der Sowjetunion
Alles begann mit dem Fall des Eisernen Vorhangs 1989. Die Öffnung der Grenzen zunächst in Ungarn leitete das Ende der Sowjetunion ein. Der riesige Vielvölkerstaat zerfiel in seine Einzelteile. Am 25. August 1991 erreichte der Prozess die Ukraine. In Kiew feierten die Menschen das Ergebnis eines Referendums, in dem sich die Bevölkerung mit der klaren Mehrheit von 90 Prozent für die Unabhängigkeit von Moskau ausgesprochen hatte. Im Dezember desselben Jahres erklärte sich die Ukraine zum unabhängigen Staat. Seitdem schwelt der Konflikt mit Russland. © Anatoly Sapronenkov/afp
Budapester Memorandum
Doch Anfang der 1990er Jahre sah es nicht danach aus, als ob sich die neuen Staaten Russland und Ukraine rund 30 Jahre später auf dem Schlachtfeld wiederfinden würden. Ganz im Gegenteil. Im Jahr 1994 unterzeichneten Russland, das Vereinigte Königreich und die USA in Ungarn das „Budapester Memorandum“ – eine Vereinbarung, in der sie den neu gegründeten Staaten Kasachstan, Belarus und der Ukraine Sicherheitsgarantien gaben.  © Aleksander V. Chernykh/Imago
Ukrainedemo, München
Als Gegenleistung traten die drei Staaten dem Atomwaffensperrvertrag bei und beseitigten alle Nuklearwaffen von ihrem Territorium. Es sah danach aus, als ob der Ostblock tatsächlich einen Übergang zu einer friedlichen Koexistenz vieler Staaten schaffen würde. Nach Beginn des Ukraine-Kriegs erinnern auch heute noch viele Menschen an das Budapester Memorandum von 1994. Ein Beispiel: Die Demonstration im Februar 2025 in München.  © Imago
Orangene Revolution in der Ukraine
Bereits 2004 wurde deutlich, dass der Wandel nicht ohne Konflikte vonstattengehen würde. In der Ukraine lösten Vorwürfe des Wahlbetrugs gegen den Russland-treuen Präsidenten Wiktor Janukowytsch Proteste  © Mladen Antonov/afp
Ukraine proteste
Die Menschen der Ukraine erreichten vorübergehend ihr Ziel. Der Wahlsieg Janukowytschs wurde von einem Gericht für ungültig erklärt, bei der Wiederholung der Stichwahl setzte sich Wiktor Juschtschenko durch und wurde neuer Präsident der Ukraine. Die Revolution blieb friedlich und die Abspaltung von Russland schien endgültig gelungen. © Joe Klamar/AFP
Wiktor Juschtschenko ,Präsident der Ukraine
Als der Moskau kritisch gegenüberstehende Wiktor Juschtschenko im Januar 2005 Präsident der Ukraine wurde, hatte er bereits einen Giftanschlag mit einer Dioxinvariante überlebt, die nur in wenigen Ländern produziert wird – darunter Russland. Juschtschenko überlebte dank einer Behandlung in einem Wiener Krankenhaus.  © Mladen Antonov/afp
Tymoschenko Putin
In den folgenden Jahren nach der Amtsübernahme hatte Juschtschenko vor allem mit Konflikten innerhalb des politischen Bündnisses zu kämpfen, das zuvor die demokratische Wahl in dem Land erzwungen hatte. Seine Partei „Unsere Ukraine“ zerstritt sich mit dem von Julija Tymoschenko geführten Parteienblock. Als Ministerpräsidentin der Ukraine hatte sie auch viel mit Wladimir Putin zu tun, so auch im April 2009 in Moskau. © Imago
Das Bündnis zerbrach und Wiktor Janukowitsch nutzte bei der Präsidentschaftswahl 2010 seine Chance.
Das Bündnis zerbrach und Wiktor Janukowytsch nutzte bei der Präsidentschaftswahl 2010 seine Chance. Er gewann die Wahl mit knappem Vorsprung vor Julija Tymoschenko. Amtsinhaber Wiktor Juschtschenko erhielt gerade mal fünf Prozent der abgegebenen Stimmen.  © Yaroslav Debely/afp
Proteste auf dem Maidan-Platz in Kiew, Ukraine, 2014
Präsident Wiktor Janukowytsch wollte die Ukraine wieder näher an Russland führen – auch aufgrund des wirtschaftlichen Drucks, den Russlands Präsident Wladimir Putin auf das Nachbarland ausüben ließ. Um die Ukraine wieder in den Einflussbereich Moskaus zu führen, setzte Janukowytsch im November 2013 das ein Jahr zuvor verhandelte Assoziierungsabkommen mit der Europäischen Union aus.  © Sergey Dolzhenko/dpa
Maidan-Proteste Ukraine
Es folgten monatelange Massenproteste in vielen Teilen des Landes, deren Zentrum der Maidan-Platz in Kiew war. Organisiert wurden die Proteste von einem breiten Oppositionsbündnis, an dem neben Julija Tymoschenko auch die Partei des ehemaligen Boxweltmeisters und späteren Bürgermeisters von Kiew, Vitali Klitschko, beteiligt waren. © Sandro Maddalena/AFP
Proteste auf dem Maidan-Platz in Kiew, der Hauptstadt der Ukraine
Die Forderung der Menschen war eindeutig: Rücktritt der Regierung Janukowiysch und vorgezogene Neuwahlen um das Präsidentenamt. „Heute ist die ganze Ukraine gegen die Regierung aufgestanden, und wir werden bis zum Ende stehen“, so Vitali Klitschko damals. Die Protestbewegung errichtete mitten auf dem Maidan-Platz in Kiew ihr Lager. Janukowytsch schickte die Polizei, unterstützt von der gefürchteten Berkut-Spezialeinheit. Es kam zu gewaltsamen Auseinandersetzungen, die über mehrere Monate andauerten. © Sergey Dolzhenko/dpa
Der Platz Euromaidan in Kiew, Hauptstadt der Ukraine, ist nach den Protesten verwüstet.
Die monatelangen Straßenkämpfe rund um den Maidan-Platz in Kiew forderten mehr als 100 Todesopfer. Etwa 300 weitere Personen wurden teils schwer verletzt. Berichte über den Einsatz von Scharfschützen machten die Runde, die sowohl auf die Protestierenden als auch auf die Polizei gefeuert haben sollen. Wer sie schickte, ist bis heute nicht geklärt. Petro Poroschenko, Präsident der Ukraine von 2014 bis 2019, vertrat die These, Russland habe die Scharfschützen entsendet, um die Lage im Nachbarland weiter zu destabilisieren. Spricht man heute in der Ukraine über die Opfer des Maidan-Protests, nennt man sie ehrfürchtig „die Himmlischen Hundert“. © Sergey Dolzhenko/dpa
Demonstranten posieren in der Villa von Viktor Janukowitsch, ehemaliger Präsident der Ukraine
Nach rund drei Monaten erbittert geführter Kämpfe gelang dem Widerstand das kaum für möglich Gehaltene: Die Amtsenthebung Wiktor Janukowytschs. Der verhasste Präsident hatte zu diesem Zeitpunkt die UKraine bereits verlassen und war nach Russland geflohen. Die Menschen nutzten die Gelegenheit, um in der prunkvollen Residenz des Präsidenten für Erinnerungsfotos zu posieren. Am 26. Februar 2014 einigte sich der „Maidan-Rat“ auf eigene Kandidaten für ein Regierungskabinett. Präsidentschaftswahlen wurden für den 25. Mai anberaumt. Die Ukraine habe es geschafft, eine Diktatur zu stürzen, beschrieb zu diesem Zeitpunkt aus der Haft entlassene Julija Tymoschenko die historischen Ereignisse.  © Sergey Dolzhenko/dpa
Ein Mann stellt sich in Sewastopol, eine Stadt im Süden der Krim-Halbinsel, den Truppen Russlands entgegen.
Doch der mutmaßliche Frieden hielt nicht lange. Vor allem im Osten der Ukraine blieb der Jubel über die Absetzung Janukowytschs aus. Gouverneure und Regionalabgeordnete im Donbass stellten die Autorität des Nationalparlaments in Kiew infrage. Wladimir Putin nannte den Umsturz „gut vorbereitet aus dem Ausland“. Am 1. März schickte Russlands Präsident dann seine Truppen in den Nachbarstaat. Wie Putin behauptete, um die russischstämmige Bevölkerung wie die auf der Krim stationierten eigenen Truppen zu schützen. In Sewastopol, ganz im Süden der Halbinsel gelegen, stellte sich ein unbewaffneter Mann den russischen Truppen entgegen. Aufhalten konnte er sie nicht. © Viktor Drachev/afp
Bürgerkrieg in Donezk, eine Stadt im Donbas, dem Osten der Ukraine
Am 18. März 2014 annektierte Russland die Halbinsel Krim. Kurz darauf brach im Donbass der Bürgerkrieg aus. Mit Russland verbündete und von Moskau ausgerüstete Separatisten kämpften gegen die Armee und Nationalgarde Kiews. Schauplatz der Schlachten waren vor allem die Großstädte im Osten der Ukraine wie Donezk (im Bild), Mariupol und Luhansk. © Chernyshev Aleksey/apf
Prorussische Separatisten kämpfen im Donbas gegen Einheiten der Ukraine
Der Bürgerkrieg erfasste nach und nach immer mehr Gebiete im Osten der Ukraine. Keine der Parteien konnte einen nachhaltigen Sieg erringen. Prorussische Separatisten errichteten Schützengräben, zum Beispiel nahe der Stadt Slawjansk. Bis November 2015 fielen den Kämpfen laut Zahlen der Vereinten Nationen 9100 Menschen zum Opfer, mehr als 20.000 wurden verletzt. Von 2016 an kamen internationalen Schätzungen zufolge jährlich bis zu 600 weitere Todesopfer dazu. © Michael Bunel/Imago
Trümmer von Flug 17 Malaysian Airlines nach dem Abschuss nahe Donezk im Osten der Ukraine
Aufmerksam auf den Bürgerkrieg im Osten der Ukraine wurde die internationale Staatengemeinschaft vor allem am 17. Juli 2014, als ein ziviles Passagierflugzeug über einem Dorf nahe Donezk abstürzte. Alle 298 Insassen kamen ums Leben. Die Maschine der Fluggesellschaft Malaysian Airlines war von einer Boden-Luft-Rakete getroffen worden. Abgefeuert hatte die Rakete laut internationalen Untersuchungen die 53. Flugabwehrbrigade der Russischen Föderation. In den Tagen zuvor waren bereits zwei Flugzeuge der ukrainischen Luftwaffe in der Region abgeschossen worden. © ITAR-TASS/Imago
Russlands Präsident Putin (l.), Frankreichs Präsident Francois Hollande, Bundeskanzlerin Angela Merkel und Petro Poroschenko in Minsk
Die Ukraine wollte den Osten des eigenen Landes ebenso wenig aufgeben wie Russland seine Ansprüche darauf. Im September 2014 kamen deshalb auf internationalen Druck Russlands Präsident Putin (l.), Frankreichs Präsident François Hollande, Bundeskanzlerin Angela Merkel und Petro Poroschenko in Minsk zusammen. In der belarussischen Hauptstadt unterzeichneten sie das „Minsker Abkommen“, das einen sofortigen Waffenstillstand und eine schrittweise Demilitarisierung des Donbass vorsah. Die OSZE sollte die Umsetzung überwachen, zudem sollten humanitäre Korridore errichtet werden. Der Waffenstillstand hielt jedoch nicht lange und schon im Januar 2015 wurden aus zahlreichen Gebieten wieder Kämpfe gemeldet. © Mykola Lazarenko/afp
Wolodymyr Selenskyj feiert seinen Sieg bei der Präsidentschaftswahl in der Ukraine 2019
Während die Ukraine im Osten zu zerfallen drohte, ereignete sich in Kiew ein historischer Machtwechsel. Wolodymyr Selenskyj gewann 2019 die Präsidentschaftswahl und löste Petro Poroschenko an der Spitze des Staates ab.  © Genya Savilov/afp
Wolodymyr Selenskyj
Selenskyj hatte sich bis dahin als Schauspieler und Komiker einen Namen gemacht. In der Comedy-Serie „Diener des Volkes“ spielte Selenskyj von 2015 bis 2017 bereits einen Lehrer, der zunächst Youtube-Star und schließlich Präsident der Ukraine wird. Zwei Jahre später wurde die Geschichte real. Selenskyj wurde am 20. Mai 2019 ins Amt eingeführt. Kurz darauf löste der bis dato parteilose Präsident das Parlament auf und kündigte Neuwahlen an. Seine neu gegründete Partei, die er nach seiner Fernsehserie benannte, erzielte die absolute Mehrheit.  © Sergii Kharchenko/Imago
Russische Separatisten in der Ost-Ukraine
Selenskyj wollte nach seinem Wahlsieg die zahlreichen innenpolitischen Probleme der Ukraine angehen: vor allem die Bekämpfung der Korruption und die Entmachtung der Oligarchen. Doch den neuen, russland-kritischen Präsidenten der Ukraine holten die außenpolitischen Konflikte mit dem Nachbarn ein. © Alexander Ryumin/Imago
Ukraine Militär
Im Herbst 2021 begann Russland, seine Truppen in den von Separatisten kontrollierte Regionen in der Ost-Ukraine zu verstärken. Auch an der Grenze im Norden zog Putin immer mehr Militär zusammen. Selenskyj warnte im November 2021 vor einem Staatsstreich, den Moskau in der Ukraine plane. Auch die Nato schätzte die Lage an der Grenze als höchst kritisch ein. In der Ukraine wurden die Militärübungen forciert. © Sergei Supinsky/AFP
Putin
Noch drei Tage bis zum Krieg: Am 21. Februar 2022 unterzeichnet der russische Präsident Wladimir Putin verschiedene Dekrete zur Anerkennung der Unabhängigkeit der Volksrepubliken Donezk und Lugansk. © Alexey Nikolsky/AFP
Explosion in Kiew nach Beginn des Ukraine-Kriegs mit Russland
Am 24. Februar 2022 wurde der Ukraine-Konflikt endgültig zum Krieg. Russische Truppen überfielen das Land entlang der gesamten Grenze. Putins Plan sah eine kurze „militärische Spezialoperation“, wie die Invasion in Russland genannt wurde, vor. Die ukrainischen Streitkräfte sollten mit einem Blitzkrieg in die Knie gezwungen werden. Moskau konzentrierte die Attacken auf Kiew. Innerhalb weniger Tage sollte die Hauptstadt eingenommen und die Regierung Selenskyjs gestürzt werden. Doch der Plan scheiterte und nach Wochen intensiver Kämpfe und hoher Verluste in den eigenen Reihen musste sich die russische Armee aus dem Norden des Landes zurückziehen. Putin konzentrierte die eigene Streitmacht nun auf den Osten der Ukraine. © Ukrainian President‘s Office/Imago
Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine, bei einer Fernsehansprache aus Kiew
Seit Februar 2022 tobt nun der Ukraine-Krieg. Gesicht des Widerstands gegen Russland wurde Präsident Wolodymyr Selenskyj, der sich zu Beginn des Konflikts weigerte, das Angebot der USA anzunehmen und das Land zu verlassen. „Ich brauche Munition, keine Mitfahrgelegenheit“, sagte Selenskyj. Die sollte er bekommen. Zahlreiche westliche Staaten lieferten Ausrüstung, Waffen und Kriegsgerät in die Ukraine. Hunderttausende Soldaten aus beiden Ländern sollen bereits gefallen sein, ebenso mehr als 10.000 Zivilpersonen. Ein Ende des Kriegs ist nach wie vor nicht in Sicht. © Ukraine Presidency/afp

In einer Kolumne in der Washington Post vom 29. Januar mit dem Titel „Die Hoffnungen der Ukraine auf einen Sieg über Russland schwinden“ schrieb der Analyst Ishaan Tharoor, dass die Kampflinien in der Ukraine aufgrund der Kriegsmüdigkeit des Westens wahrscheinlich stagnieren würden. Ohne milliardenschwere westliche Militärhilfe kann sich die Ukraine nicht gegen Russland durchsetzen. Koshak ist sicher: „Wenn die Reichweite der Drohnen der Artillerie gleichkommt, wird der moderne Krieg auf den Kopf gestellt werden.“

Bis dahin geifert Moderator Solowjow sicher weiter gegen das, was Russland am liebsten ignoriert. Solowjow ist der vielleicht prominenteste Befürworter der russischen Invasion der Ukraine und ihrer Beseitigung als unabhängiger Staat. „Diese Menschen müssen identifiziert und eingesperrt werden. All diese Leute auf Telegram, Blogger ... sie sind Feinde und sie müssen mit den brutalsten Methoden bekämpft werden. Wenn Sie Desinformation verbreiten, sollten Sie vernichtet – einfach eliminiert werden“, sagt er.

Rubriklistenbild: © IMAGO/Ashley Chan

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