Bandenkriege in Haiti

Chaos in Haiti weitet sich aus: Diplomaten aus USA und Deutschland verlassen das Land

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Während eines Auslandsbesuchs von Haitis Staatschef eskaliert in dem Land die Gewalt. Ein Treffen am Montag soll Lösungen aufzeigen.

Port-au-Prince – Vor dem Hintergrund zunehmender Bandenkriminalität und Gewalteskalation in Haiti haben am Wochenende mehrere Staaten ihre Botschaftsteams, Diplomatinnen und Diplomaten aus dem Karibikstaat evakuiert. Das berichteten verschiedene internationale Medien übereinstimmend. Darüber hinaus soll am Montag (11. März) bei einem Treffen auf Jamaika über die angespannte Lage in dem Land beraten werden.

In einer nächtlichen Aktion am frühen Sonntagmorgen sei ein Teil der Beschäftigten der US-Botschaft ausgeflogen worden, berichtet Politico. Der deutsche Botschafter und der Ständige Vertreter in der Hauptstadt Port-au-Prince folgten laut einem Bericht der Nachrichtenagentur AFP im Laufe des Sonntags gemeinsam mit diplomatischem Personal aus EU-Kreisen. Ein Sprecher des Auswärtigen Amts begründete den Schritt mit der „sehr angespannten Sicherheitslage“ im Land, eine aktuelle Lagebeschreibung der US-Botschaft bezeichnet die Situation als „unvorhersehbar und gefährlich“.

Seit Tagen verschärft sich die ohnehin angespannte Lage in Haiti. Fachleute sprechen von einem Fall der Regierung.

Eskalation in Haiti: Bewaffnete Gruppen liefern sich Straßenschlachten mit Militärs

Im völlig verarmten Haiti verschärfen sich seit längerer Zeit die politischen Verhältnisse hin zu Chaos und Bandenkriminalität. Die neueste Eskalation ist die Folge einer Auslandsreise von Haitis unbeliebtem Regierungschef Ariel Henry. Er hatte in Kenia um UN-Unterstützung für sein Land geworben und sitzt nun in Puerto Rico fest. Bewaffnete Gruppen haben seit seiner Ausreise den Druck auf die Hauptstadt Port-au-Prince erhöht und zuletzt Massenausbrüche aus Gefängnissen orchestriert. Ihnen gegenüber stehen die Truppen von Haitis Regierung.

Um eine Lösung für die Situation zu finden, haben die Staaten der Karibischen Gemeinschaft (Caricom) bereits am Freitag zu einem Treffen am Montag auf Jamaika eingeladen. Ziel des Gipfels, bei dem auch Gesandte der USA, Frankreichs, Kanadas und der Vereinten Nationen teilnehmen sollen, sei es laut dem Vizepräsident Guyanas, Bharrat Jagdeo, „Ordnung zu schaffen und das Vertrauen in das haitianische Volk wiederherzustellen“.

Politisch angespannte Lage im Karibikstaat: Haiti ohne Regierung

Dabei betonte Jagdeo den Ernst der Lage. Er sagte, dass Kriminelle Haiti übernommen hätten und es „keine Regierung“ mehr gebe. Viele der ausgeflogenen Botschaftsbeschäftigten sind laut Medienberichten zunächst in die Dominikanische Republik gereist, um „bis aus Weiteres“ aus dem Nachbarland zu arbeiten und die Situation weiter im Blick zu behalten.

In der von mehreren Banden umgebenen US-Botschaft in Haiti verbleiben nach wie vor einige der wichtigsten Mitarbeiter, die Sicherheit um das Gebäude wurde darüber hinaus erhöht. Von US-Seite heißt es, dass keine aktive Militär-Intervention in Haiti geplant sei, sondern stattdessen die involvierten Partner „unterstützt und ermutigt“ werden sollten „selbst eine Lösung zu finden“. So sei von US-Seite aus etwa eine Unterstützung der geplanten multinationalen Mission unter kenianischer Führung denkbar.

Haiti steckt seit Jahren in einer schweren Krise, zu der neben Bandengewalt auch politische Instabilität und wirtschaftliche Not gehören. Allein in den vergangenen fünf Jahren hat sich laut einem AFP-Bericht die Zahl der auf humanitäre Hilfe angewiesenen Menschen in dem Land nach UN-Angaben verdoppelt. (saka mit AFP)

Rubriklistenbild: © Clarens Siffroy/AFP

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