Verteidigungspolitik

Zwei-Prozent als Marschziel der Nato: Amerikaner werden gegenüber Deutschland langsam ungeduldig

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Seine Befürchtung: In fünf Jahren klopft der Russe an Europas Tür. General Christopher Cavoli ist Oberbefehlshaber der Nato-Streitkräfte in Europa und fordert ein stärkeres Engagement der Europäer für ihre eigene Sicherheit.
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Zwei Prozent als Minimum, Maximum oder als wünschenswertes Ziel? Zehn Jahre nach Wales streitet die Nato weiter, wer wie viel zur Kriegskasse beisteuert.

Washington D.C. – Den Amerikanern reißt der Geduldsfaden. Das jedenfalls sagt jetzt Michael Allen, der als Sonderassistent von Präsident George W. Bush und leitender Direktor des Nationalen Sicherheitsrats gearbeitet hat, gegenüber Newsweek. Vor zehn Jahren sind die Nato-Mitglieder in Wales übereingekommen, ihre Länder aufzurüsten. Passiert ist wenig; und wie schon so oft klagen die Amerikaner allgemein über die unterdurchschnittliche Beteiligung Europas, und vor allem Deutschlands, an der Verteidigungsfähigkeit der Nato gegenüber einem Russland, das im Ukraine-Krieg klar als Aggressor auftritt.

Und das unter Wladimir Putin klare Ambitionen gegenüber dem Baltikum hegt. Laut dem Hamburger Abendblatt besteht die große Sorge im Bündnis: Binnen fünf Jahren nach Kriegsende in der Ukraine könne ein aggressives Russland seine Armee nicht nur auf den alten Stand bringen, sondern sogar zu einer größeren und leistungsfähigeren Streitmacht ausbauen. Dazu gehöre ein Modernisierungsprogramm mit neuen Technologien, das dem Westen Sorgen machen müsse, warnt Nato-Oberbefehlshaber Christopher Cavoli, ein amerikanischer Vier-Sterne-General, der aus dem belgischen Mons heraus das Supreme Headquarters Allied Powers Europe leitet.

Genau diese Entwicklung befürchtet auch Michael Allen – mit den entsprechenden Schlussfolgerungen: „Wenn die Europäer wirklich wollen, dass die Vereinigten Staaten weiterhin ein wichtiger Akteur in der Nato und natürlich auch in der europäischen Sicherheit bleiben, müssen sie sich engagieren auf eine konkrete Art und Weise und den amerikanischen Politikern signalisieren: ,Ihr seid nicht die einzigen Menschen auf der Welt, die die Rechnung bezahlen.‘“

Grundsatzfrage: Wie lange werden die USA die Ukraine noch am Leben halten?

Einer von Deutschlands bekanntesten Militärhistorikern, Sönke Neitzel, hatte noch Ende November gegenüber der ARD gewarnt, dass sich allein schon durch den Krieg der Hamas gegen Israel der Fokus der US-Amerikaner zugunsten Israels verschoben habe. Darüber hinaus beurteilt Neitzel die Situation auf dem osteuropäischen Kriegsschauplatz vor allem deshalb als schwierig, „weil die Republikaner und Teile der Demokraten immer schon gesagt haben, dass der Schwerpunkt eigentlich China ist“. Seiner Meinung nach sehen die Amerikaner eher die Europäer am Zuge der Ukraine zu helfen. „Wir wissen aber auch: Ohne die USA gäbe es die Ukraine nicht mehr; und ohne die USA wäre auch Europa außerstande, die Ukraine so sehr zu unterstützen, dass sie diesen Krieg weiterhin führen könnte.“ Die grundsätzlich spannende Frage also ist: Wie lange werden die USA die Ukraine noch am Leben halten?

Wenn die USA von Europa sprechen, meinen sie vorrangig das wirtschaftliche starke Deutschland – so sagt auch Fabrice Pothier, ein ehemaliger Direktor der Politikplanung für die Nato, der an der Wales-Zusage mitgearbeitet hat, gegenüber Newsweek: „Deshalb ist Deutschland – das immer der ‚Swing State‘ der europäischen Verteidigungsausgaben war – aufgrund seines verteidigungsindustrieellen Gewichts jetzt noch wichtiger.“ 2014 war Russland nach dem Zerfall der Sowjetunion mit der völkerrechtswidrigen Annexion der Krim als militärischer global-player zurückgekommen auf die Weltbühne. Daraufhin hatte sich die Nato im September gleichen Jahres in Wales getroffen, um sich auf „erhöhte Einsatzbereitschaft“ einzuschwören – das war das 26. Gipfeltreffen seit der Gründung des Bündnisses im Jahr 1949. Seitdem ist das vorher bereits bestehende gemeinsame Ziel notwendiger denn je: jeweils zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts rein für die Verteidigung auszugeben.

Grundsätzliche Kritik: Nato ist immer noch nicht auf einen Krieg mit Russland vorbereitet

Das wird für die Amerikaner zu einer existentiellen Größe – durch die umfassenden Hilfen für die Ukraine sind deren Depots auch mittlerweile leer, und mit China tritt eine weitere Großmacht immer selbstbewusster auf. Die meisten Mitglieder der westlichen 31-Nationen-Allianz werden aber auch in diesem Jahr das Zwei-Prozent-Ziel des „Verteidigungsinvestitionsversprechens“ von Wales verfehlen; selbst nach den zehn Jahren, in denen der russische Präsident Wladimir Putin seine Großmannssucht wieder offensiv zur Schau gestellt hat. Zu den Nationen, die immer noch hinterherhinken, zählen Deutschland, Frankreich, die Türkei, Italien und Spanien. Die Nato, so warnten die Staats- und Regierungschefs, sei weiterhin nicht auf einen direkten Krieg mit Russland vorbereitet.

Der Krieg Russlands hat erneut gezeigt, dass Europa auf die militärische und finanzielle Macht der USA angewiesen ist; eine Abhängigkeit, die durch die Ziele in Wales gemildert werden sollte. Allerdings gilt unter Experten die Zwei-Prozent-Marke eher als Prognose denn als festes Ziel, wie die Zeitschrift für Wirtschaftspolitik über das Ergebnis aus Wales schreibt: „Das Gipfelkommuniqué fordert, dass die Nato-Mitglieder, die unter dem Zwei-Prozent-Wert liegen, sich in den kommenden zehn Jahren, also bis 2024, auf diesen ‚zubewegen sollen‘. Sich auf eine Marke zuzubewegen ist doch etwas anderes, als diese zu erreichen.“

Laut einer Nato-Aufstellung in 2019 erreichten nur sieben Länder die Zwei-Prozent-Marke oder überschritten sie sogar. Die Breite der Rüstungsausgaben bezogen auf das Bruttoinlandsprodukt variiert immerhin stark: von 3,42 Prozent in den USA bis zu 0,55 Prozent in Luxemburg. Im Durchschnitt gaben die Bündnisstaaten 1,63 Prozent für ihre Verteidigung aus. Deutschland belegte zu dem Zeitpunkt mit 1,36 Prozent Platz 17 von 28. Das ist weniger als in Frankreich oder Großbritannien mit ihren kostspieligen Atomwaffenarsenalen und postkolonialen Ex-Weltmachts-Attitüden, aber mehr als in anderen, vergleichbaren Ländern wie Italien oder Kanada. Zudem war zumindest in Deutschland gegenüber 2014 mit 1,18 Prozent eine gewisse Steigerung zu verzeichnen, wie die Zeitschrift für Wirtschaftspolitik hervorhebt.

Grundproblem: Nur ein Drittel der Nato-Länder hält sich an die Übereinkunft von Wales

Bis zum letzten Bündnis-Gipfel im Juli 2023 hatte die Situation kaum zu mehr Optimismus beitragen können: Nur elf der 31 Nato-Staaten waren über das Zwei-Prozent-Ziel hinausgeschossen: Polen (3,9 Prozent), die USA (3,49), Griechenland (3,01), Estland (2,73), Litauen (2,54), Finnland (2,45 Prozent), Rumänien (2,44), Ungarn (2,43), Lettland (2,27), Großbritannien (2,07) und die Slowakei (2,03). Allerdings setzen die USA ihre Hoffnungen weiterhin vorrangig auf die wirtschaftlich starken Länder in Europa; ein hoher Prozentsatz in einem wirtschaftlich schwachen Griechenland täuscht über dessen wahre Schlagkraft hinweg. Pothier: „Wir brauchen diejenigen mit einem ausreichend hohen BIP, damit mit den Ausgaben wirklich Massen gekauft werden können, und wir als Nato einen Unterschied in Bezug auf unsere Lagerbestände und unsere strategische Tiefe erreichen können.“

Immerhin rüsten jetzt die Länder an der Nato-Ostflanke stark nach: Polens ehemaliger Verteidigungsminister Mariusz Błaszczak beispielsweise hatte während seiner Amtszeit erklärt, Polen wolle „die größte Landstreitkraft in Europa“ aufbauen. Dazu gehört primär eine Verdoppelung des Militärs auf 300.000 Mann und eine groß angelegte Shopping-Tour: Für die Jahre 2023 bis 2026 wurden Rüstungskäufe für umgerechnet 37 Milliarden Euro eingeplant. Aus der Vergangenheit heraus erklärt sich die Angst Polens vor Russland. Und deren Grenze zum bärbeißigen Russland-Vasallen Belarus treibt Polens Rüstungsanstrengungen nochmals voran. Ähnlich handeln die Balten: Im vergangenen Jahr verpflichtete sich die estnische Premierministerin Kaja Kallas in Tallinn zu einem neuen Ausgabenziel von drei Prozent des BIP und erklärte im Mai gegenüber Newsweek: „Wir befinden uns in einer neuen Sicherheitsrealität, und jeder muss seinen Teil dazu beitragen.“

Grundkonflikt: CDU und SPD sehen unterschiedlichen Sinn im Zwei-Prozent-Ziel

Dieser Ansatz scheint sich langsam auch in Deutschland Bahn zu brechen – 2020 hatte Militärhistoriker Sönke Neitzel in seinem Buch Deutsche Krieger gefordert, die Bundeswehr entweder abzuschaffen oder ihrer Rolle als Landstreitmacht entsprechend zu finanzieren. Wales hatte aber die Parteien in Deutschland schon längst entzweit, beziehungsweise hatten die Parteien unterschiedlich auf den Druck des damaligen US-Präsidenten Donald Trump reagiert, wie Ulf von Krause für die Bundesakademie für Sicherheitspolitik schrieb. Trump hatte gedroht, europäischen Sicherheitsinteressen links liegen lassen zu wollen, und die von Angela Merkel geführte Bundesregierung hatte daraufhin den Verteidigungsetat hochzuschrauben gelobt.

Dieses zumindest verbale Einknicken gegenüber der US-Regierung wurde von der SPD als Ansatzpunkt gesehen, das Zwei-Prozent-Ziel zu einem Wahlkampfthema zu machen und auf Konfrontationskurs zu gehen. Im Wahlprogramm wurde der Nato-Beschluss von Wales (den man mitgetragen hatte), als ,falsch und unsinnig‘ bezeichnet, da seine Umsetzung bedeuten würde, dass Deutschland die Verteidigungsausgaben dann auf 70 bis 80 Milliarden Euro anheben müsste. Im Gegensatz dazu beinhaltete das Wahlprogramm der Union die Position der Kanzlerin, die Ausgaben bis 2024 schrittweise in Richtung zwei Prozent zu erhöhen, weil das eine Frage der Verlässlichkeit sei. Im Koalitionsvertrag von 2018 wurde dann etwas weicher vereinbar, man wolle dem Zielkorridor der Vereinbarungen in der Nato folgen.

Karl-Heinz Kamp sah aber schon 2018 für 2024 schwarz, wie der damalige Präsident der Bundesakademie für Sicherheitspolitik schrieb: Zunächst benötige die Bundeswehr Geld, um die Ausrüstung der bestehenden Verbände überhaupt wieder auf einen Stand von 100 Prozent zu bringen. „Im Februar 2018 verkündete das Verteidigungsministerium sogar den ,4+5+6-Plan‘, also das Ziel, in 2019 um vier Milliarden, 2020 um fünf und 2021 um sechs Milliarden zuzulegen. Dieser Betrag von 15 Milliarden Euro war konkret mit Ausgabenplänen hinterlegt und hätte die Bundesrepublik die 1,5 Prozent bereits 2021 erreichen lassen. Von einer solchen Basis aus hätte Deutschland glaubhaft argumentieren können, 2024 die zwei Prozent erreichen zu können. Aber bereits die im März 2018 verkündeten Haushaltspläne der Bundesregierung machten diese Planungen gleich wieder zunichte.“

Grund zum Zweifeln: Versprechen von Bundeskanzler Scholz bleibt bloße Absichtserklärung

Auch die Amerikaner wissen: Das Zwei-Prozent-Versprechen aus Wales braucht Zeit. Die Nationen, die im Rückstand sind, verweisen darauf, dass sie möglicherweise noch ein Jahrzehnt oder länger bis zum Ziel benötigten. Das Schlusslicht unter den Nato-Ländern bilden relativ kleine Nationen, darunter Belgien (1,26 Prozent), Slowenien (1,35 Prozent) und Portugal (1,48 Prozent).

Pothier bleibt aber unnachgiebig: „Zwei Prozent sind wirklich die Mutter aller Ziele, einfach weil sie den Kern des Bündnisses als einen transatlantischen Vertrag treffen, in dem die USA die Sicherheit Europas gewährleisten und von den Europäern erwartet wird, dass sie ihren Teil dazu beitragen.“ Das künftige Mitglied Schweden will in den Finanzen sogar Nato-Primus werden, weil das Land als Ostsee-Anrainer immerhin eine exponierte Stellung gegenüber Russlands Marine einnimmt. Wie ihn Newsweek zitiert, sei Verteidigungsminister Pål Jonson der Meinung, dass Schweden auf absehbare Zeit nicht nur auf, sondern über der Zwei-Prozent-Marke bleiben müsse.

Die Nato wächst und kämpft: Alle Mitgliedstaaten und Einsätze des Bündnisses

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Gegründet wurde die Nato am 4. April 1949 in Washington, D.C. Zunächst zwölf Staaten unterzeichneten den Nordatlantikvertrag: Belgien, Dänemark, Frankreich, das Vereinigte Königreich, Island, Italien, Kanada, Luxemburg, die Niederlande, Norwegen, Portugal und die USA. Sie wurden zu den Gründungsmitgliedern der Nato. Hier präsentiert Gastgeber und US-Präsident Harry S. Truman das Dokument, das die Grundlage für das Verteidigungsbündnis bildet. Der erste Oberkommandeur war der US-Amerikaner Dwight D. Eisenhower, der nach seiner Zeit bei der Nato Truman im Amt des US-Präsidenten beerben sollte. © imago
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In den ersten Jahren nach ihrer Gründung stand die Nato ganz im Dienste der Abwehr der sowjetischen Gefahr. 1952 fanden in Deutschland zahlreiche Manöver der Mitgliedsstaaten statt, unter anderem überwacht vom zweiten Oberkommandeur der Nato, Matthew Ridgway (2.v.l.) und dem damaligen französischen Botschafter in Deutschland, Andre Francois-Poncet (3.v.r.). © imago
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Im Jahr 1952 traten zwei weitere Länder der Nato bei: Griechenland und die Türkei. Die Anzahl der Nato-Mitglieder stieg also auf 14. Noch im selben Jahr fanden die ersten Manöver des Verteidigungsbündnisses statt. Beteiligt waren neben Einheiten Großbritanniens und der USA auch Kampftaucher, sogenannte Froschmänner, der türkischen Marine. © imago
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Im Jahr 1954 beschlossen die Nato-Mitgliedsstaaten auch der Bundesrepublik Deutschland den Beitritt anzubieten. Der britische Außenminister Anthony Eden reiste nach Paris, um im Palais de Chaillot die Vereinbarung zu unterzeichnen. Ein Jahr später, 1955, wurde die BRD als 15. Mitglied der Nato in das Verteidigungsbündnis aufgenommen. © UPI/dpa
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Kurz nach Gründung durchlitt die Nato bereits ihre erste interne Krise. Frankreich entzog bereits 1959 seine Flotte der Nato-Unterstellung. 1966 verabschiedeten sich die Vertreter des Landes aus allen militärischen Organen des Verteidigungsbündnisses. Frankreichs Präsident Charles de Gaulle (l.), hier bei der Beerdigung John F. Kennedys, fürchtete eine Dominanz der USA in der Nato und pochte auf die Unabhängigkeit der französischen Streitkräfte. Das Land kehrte erst im Jahr 2009 wieder als vollwertiges Mitglied in die militärischen Strukturen zurück. © imago
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Im Jahr 1982 fand die nächste Erweiterungsrunde der Nato statt. Spanien wurde das 16. Mitglied des Verteidigungsbündnisses und nahm kurz darauf am Nato-Gipfel in Bonn teil. In der damaligen Bundeshauptstadt kamen die Staatsoberhäupter und Regierungschefs zusammen (v.l.n.r.): Kare Willoch (Norwegen), Francisco Balsemao (Portugal), Leopoldo Calvo-Sotelo (Spanien), Bülent Ulusu (Türkei), Margaret Thatcher (Großbritannien) und Ronald Reagan (USA). © imago
Ihren ersten Kampfeinsatz startete die Nato am 30. August 1995 mit der Operation „Deliberate Force“ gegen serbische Freischärler im ehemaligen Jugoslawien. Offiziell trat die Nato dabei nur als eine Art bewaffneter Arm der UN-Mission im Land auf. Beteiligt waren 5000 Soldaten aus 15 Ländern mit 400 Flugzeugen, darunter 222 Kampfflugzeugen. 54 dieser Maschinen, die rund um die Uhr von drei Flugzeugträgern und 18 Luftwaffenstützpunkten in Europa losflogen, waren F-16 Fighting Falcon (im Bild).
Am 30. August 1995 startete die Nato die Operation „Deliberate Force“ gegen serbische Freischärler im ehemaligen Jugoslawien. Offiziell trat die Nato dabei nur als eine Art bewaffneter Arm der UN-Mission im Land auf. Beteiligt waren 5000 Soldaten aus 15 Ländern mit 400 Flugzeugen, darunter 222 Kampfflugzeugen. 54 dieser Maschinen, die rund um die Uhr von drei Flugzeugträgern und 18 Luftwaffenstützpunkten in Europa losflogen, waren F-16 Fighting Falcon (im Bild). © DOD/USAF/afp
Bei der Operation kam es zum ersten Kampfeinsatz der deutschen Luftwaffe seit dem Zweiten Weltkrieg. 14 deutsche Tornado-Kampfflugzeuge flogen von Piacenza aus 65 Einsätze. Nach dem Abzug der schweren Waffen durch die Serben und einer Garantie für die verbliebenen Schutzzonen wurde die Luftoperation am 21. September 1995 beendet. Nato-Befehlshaber Leighton Smith (Mitte) und UN-Balkankommandant Bernard Janvier (rechts) konnten sich schon am Tag davor am Flughafen von Sarajevo als Sieger fühlen.
Am ersten Kampfseinsatz der Nato war auch Deutschland beteiligt. Die Bundeswehr schickte Tornado-Kampfflugzeuge in den Krieg in Jugoslawien. Ab Juni 1999 übernahm Deutschland die militärische Führung über einen Sektor des Kosovos im Rahmen der so genannten Kosovo-Friedenstruppe (KFOR). Zu Beginn befanden sich rund 6.000 deutsche Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr im Einsatz im Kosovo. © ANJA NIEDRINGHAUS/afp
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Es war der erste Kriegseinsatz der deutschen Luftwaffe seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. 14 deutsche Tornado-Kampfflugzeuge flogen von Piacenza aus 65 Einsätze im ehemaligen Jugoslawien. Nach dem Abzug der schweren Waffen durch die Serben und einer Garantie für die verbliebenen Schutzzonen wurde die Luftoperation am 21. September 1995 beendet. © dpa
Bereits im Jahr 1998 hatte hatte das Kabinett Kohl gemeinsam mit den Wahlsiegern der Bundestagswahl 1998, Gerhard Schröder und Joschka Fischer, den ersten Einsatz deutscher Soldaten in einem militärischen Konflikt in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg beschlossen. Außenminister Fischer appellierte: „Wir haben immer gesagt: ‚Nie wieder Krieg!‘ Aber wir haben auch immer gesagt: ‚Nie wieder Auschwitz!‘“ Die Menschen in Deutschland gingen bei Antikriegsdemos gegen den Nato-Einsatz auf die Straße, so wie hier zum Beispiel am 25. März 1999 in Leipzig.
Bereits im Jahr 1998 hatte das Kabinett Kohl gemeinsam mit den Wahlsiegern der Bundestagswahl 1998, Gerhard Schröder und Joschka Fischer, den ersten Einsatz deutscher Soldaten in einem militärischen Konflikt in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg beschlossen. Außenminister Fischer appellierte: „Wir haben immer gesagt: ‚Nie wieder Krieg!‘ Aber wir haben auch immer gesagt: ‚Nie wieder Auschwitz!‘“ Die Menschen in Deutschland gingen bei Antikriegsdemos gegen den Nato-Einsatz auf die Straße, so wie hier zum Beispiel am 25. März 1999 in Leipzig.  © ECKEHARD SCHULZ/Imago
Seit Anfang 2001 lieferten sich die Rebellen der UCK (Befreiungsarmee im Kosovo), die bereits im Kosovo-Krieg gegen die Serben gekämpft hatten, Kämpfe mit der mazedonischen Armee. Nach Abschluss eines Friedensabkommens stimmte die UCK ihrer Entwaffnung und Auflösung zu und übergab der Nato ihre Waffen. Insgesamt wurden 3875 Waffen der Rebellen eingesammelt und eingeschmolzen.
Seit Anfang 2001 lieferten sich die Rebellen der UCK (Befreiungsarmee im Kosovo), die bereits im Kosovo-Krieg gegen die Serben gekämpft hatten, Kämpfe mit der mazedonischen Armee. Nach Abschluss eines Friedensabkommens stimmte die UCK ihrer Entwaffnung und Auflösung zu und übergab der Nato ihre Waffen. Insgesamt wurden 3875 Waffen der Rebellen eingesammelt und eingeschmolzen. © Louisa Gouliamaki/dpa
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Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs erweiterte sich die Nato um Länder der ehemaligen Sowjetunion. Am 12. März 1999 wurden die Flaggen von Polen, Tschechien und Ungarn am Nato-Hauptquartier in Brüssel (Belgien) gehisst. Das Verteidigungsbündnis war damit auf 19 Mitgliedsstaaten gewachsen. © ATTILA SEREN/imago
Im August 2003 übernahm die Nato durch ein Mandat der Vereinten Nationen in Afghanistan das Kommando über internationale Friedenstruppen und läutete damit den ersten Einsatz des Bündnisses außerhalb Europas ein. der Einsatz der International Security Assistance Force (ISAF) war ein sogenannter friedenserzwingender Einsatz unter Verantwortung der beteiligten Staaten im Rahmen des Krieges in Afghanistan von 2001 bis 2014.
Im August 2003 übernahm die Nato durch ein Mandat der Vereinten Nationen in Afghanistan das Kommando über internationale Friedenstruppen und läutete damit den ersten Einsatz des Bündnisses außerhalb Europas ein. Der Einsatz der International Security Assistance Force (ISAF) war ein sogenannter friedenserzwingender Einsatz unter Verantwortung der beteiligten Staaten im Rahmen des Krieges in Afghanistan von 2001 bis 2014.  © SHAH MARAI/afp
Nato-Einsatz in Afghanistan
Am Nato-Einsatz in Afghanistan beteiligte sich auch die deutsche Bundeswehr. Mit gleichzeitig 5.300 stationierten Soldatinnen und Soldaten war es der größte Auslandseinsatz der Bundeswehr. Als Teil der International Security Assistance Force (ISAF) waren deutsche Streitkräfte an mindestens zehn Kampfeinsätzen beteiligt. Zwischen 2001 und 2014 wurden 59 Bundeswehrsoldaten in Afghanistan getötet. © Michael Kappeler/dpa
Im Februar 2020 unterzeichnete Donald Trumps Regierung mit den Taliban das Doha-Abkommen
Im Februar 2020 unterzeichnete Donald Trumps Regierung mit den Taliban das Doha-Abkommen, das einen vollständigen Abzug der US-Truppen aus Afghanistan bis Ende April 2021 beinhaltete. Trumps Nachfolger Joe Biden terminierte den Abzug der US-Truppen bis zum symbolischen Stichtag des 11. September. Die verbündeten Nato-Staaten schlossen sich an, und so begann auch die Bundeswehr mit dem Abzug ihrer letzten Streitkräfte aus Afghanistan. © Boris Roessler/dpa
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Im Jahr 2004 fand die bis dato größte Erweiterungsrunde der Nato statt. Der damalige US-Außenminister Colin Powell gab bekannt, dass das Verteidigungsbündnis sieben neue Mitgliedsstaaten auf einen Streich aufnehmen werde: Bulgarien, Estland, Lettland, Litauen, Rumänien, die Slowakei und Slowenien. Die Nato bestand damit aus 26 Mitgliedern. © BENOIT DOPPAGNE/imago
Seit Juni 2005 unterstützt die Nato die Afrikanische Union, u.a. auch die AU-Mission in Somalia (Amisom). Dort kontrolliert die mit der Terrororganisation Al Qaida verbundene islamistische Bewegung Al-Shabaab Teile des Südens und setzt die Scharia in strenger Form durch. Im Rahmen der AU-Mission in Somalia testet ein Panzerfahrer im Januar 2013 seine Lenkung, während er auf einem Stützpunkt an der Front in Lower Shabelle stationiert ist.
Seit Juni 2005 unterstützt die Nato die Afrikanische Union, u.a. auch die AU-Mission in Somalia (Amisom). Dort kontrolliert die mit der Terrororganisation Al Qaida verbundene islamistische Bewegung Al-Shabaab Teile des Südens und setzt die Scharia in strenger Form durch. Im Rahmen der AU-Mission in Somalia testet ein Panzerfahrer im Januar 2013 seine Lenkung, während er auf einem Stützpunkt an der Front in Lower Shabelle stationiert ist. © TOBIN JONES/afp
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Zu ihrem 50-jährigen Bestehen im Jahr 2009 nahm die Nato zwei weitere Mitglieder auf: Albanien und Kroatien. Bundeskanzlerin Angela Merkel begrüßte den albanischen Ministerpräsidenten Sali Berisha bei den Feierlichkeiten rund um die Erweiterung sowie zum Jubiläum auf dem Nato-Gipfel in Straßburg und Kehl. © imago
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Am 5. Juni 2017 wird die Nato um ein weiteres Mitglied erweitert. Montenegro tritt dem Verteidigungsbündnis bei. Das Land hatte sich 2006 von Serbien unabhängig erklärt und wurde inklusive Flagge elf Jahre später in Brüssel am Nato-Hauptquartier begrüßt.  © Gong Bing/imago
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Die vorerst letzte Nato-Erweiterung fand im Jahr 2020 statt. Am 27. März trat Nordmazedonien dem Verteidigungsbündnis bei. Griechenland hatte die Aufnahme des Landes wegen eines Streits über dessen Namen jahrelang blockiert. Nachdem sich beide Länder geeinigt hatten, war der Weg frei für gemeinsame Manöver, wie hier zum Beispiel mit Einheiten der US-Armee in der Nähe von Krivolak. © imago
Im Rahmen ihrer Mission im Irak traniert und unterstützt die Nato die irakischen Sicherheitskräfte im Kampf gegen den sogenannten Islamischen Staat. Am 9. Dezember 2021 trafen sich der irakische Sicherheitsberater Qassem al-Araji (links) und der Nato-Befehlshaber Michael Lollesgaard in der „Grünen Zone“ der Hauptstadt Bagdad. Die USA-geführte Koalition beendete damals ihren Kampfeinsatz und verlegte sich auf eine Ausbildungs- und Beratungsrolle.
Im Rahmen ihrer Mission im Irak traniert und unterstützt die Nato die irakischen Sicherheitskräfte im Kampf gegen den sogenannten Islamischen Staat. Am 9. Dezember 2021 trafen sich der irakische Sicherheitsberater Qassem al-Araji (links) und der Nato-Befehlshaber Michael Lollesgaard in der „Grünen Zone“ der Hauptstadt Bagdad. Die USA-geführte Koalition beendete damals ihren Kampfeinsatz und verlegte sich auf eine Ausbildungs- und Beratungsrolle. © AHMAD AL-RUBAYE/afp
Nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine hat die Nato ihre seit Jahren bestehende Mission für die Luftsicherheit der baltischen Staaten an der Ostflanke des Militärbündnisses noch einmal ausgebaut. Zur Luftraum-Überwachung setzt Frankreich vier Rafale-Kampfflugzeuge ein. Vor dem Start am 25. November 2022 bereitet ein Düsenjägerpilot in Mont-de-Marsan noch einmal sein Flugzeug für die viermonatigen Mission vor.
Nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine hat die Nato ihre seit Jahren bestehende Mission für die Luftsicherheit der baltischen Staaten an der Ostflanke des Militärbündnisses noch einmal ausgebaut. Zur Überwachung des Luftraums setzt Frankreich vier Rafale-Kampfflugzeuge ein. Vor dem Start am 25. November 2022 bereitet ein Pilot in Mont-de-Marsan noch einmal seinen Jet für die viermonatige Mission vor.  © THIBAUD MORITZ/afp
Unter dem Eindruck des Ukraine-Kriegs ist im April 2023 auch Finnland der Nato beigetreten. Der Schritt ist historisch. Finnlands Präsident Sauli Niinistö bezeichnete den Nato-Beitritt als Beginn einer neuen Ära. Finnland hat eine 1340 Kilometer lange Grenze zu Russland. Das nordische Land mit seinen rund 5,5 Millionen Einwohnern hatte zuvor jahrzehntelang großen Wert auf militärische Bündnisfreiheit gelegt. Mit dem Beitritt Finnlands wächst die Nato-Außengrenze Richtung Russland nun auf mehr als das Doppelte an.
Unter dem Eindruck des Ukraine-Kriegs ist im April 2023 auch Finnland der Nato beigetreten. Der Schritt ist historisch. Finnlands Präsident Sauli Niinistö bezeichnete den Nato-Beitritt als Beginn einer neuen Ära. Finnland hat eine 1340 Kilometer lange Grenze zu Russland. Das nordische Land mit seinen rund 5,5 Millionen Einwohnern hatte zuvor jahrzehntelang großen Wert auf militärische Bündnisfreiheit gelegt. Mit dem Beitritt Finnlands wächst die Nato-Außengrenze Richtung Russland nun auf mehr als das Doppelte an. © JOHN THYS/afp
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Und am Horizont ist bereits die nächste Erweiterung der Nato zu sehen. Zusammen mit Finnland hatte sich auch Schweden um einen Beitritt zum Verteidigungsbündnis beworben. Der Aufnahmeprozess läuft. Im baltischen Meer fanden bereits erste gemeinsame Übungen der US Navy und der schwedischen Marine statt.  © IMAGO/U.S. Navy
Droht immer wieder mit einem Austritt aus der Nato: US-Präsident Donald Trump.
Bereits während seiner ersten Amtszeit stellte US-Präsident Donald Trump den Nutzen der Nato für die USA infrage und kritisierte die Verbündeten dafür, zu wenig in ihre Verteidigung zu investieren. Stattdessen würden sich die Staaten der Europäischen Union (EU) auf die militärische Stärke der USA verlassen. Nach seinem Sieg bei der US-Wahl 2024 erneuerte Trump seine Kritik und stellte sogar Artikel 5 des Nordatlantikvertrags infrage. Dieser besagt, dass ein Angriff auf einen Nato-Staat als Angriff auf alle Nato-Staaten gilt. © Anna Ross/Uncredited/dpa/Montage

Für Deutschland ist Historiker Neitzel skeptisch – er zweifelt an der Ehrlichkeit von Bundeskanzler Olaf Scholz, die zwei Prozent erreichen zu können oder überhaupt ernsthaft zu wollen, wie er gegenüber dem Norddeutschen Rundfunk klar geäußert hat. Das wären nämlich bis zu 30 Milliarden Euro pro Jahr neben dem 100 Milliarden-Sondervermögen. Neitzel: „Ich nehme ihm das nicht wirklich ab. Ich würde das so interpretieren, dass das erstmal eine Absichtserklärung ist, wie in der Politik üblich. Und zurzeit weiß er ja auch noch nicht einmal, ob er 2027 noch Bundeskanzler ist.“ (Karsten Hinzmann)

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