COP30 in Brasilien: So hängt unser Überleben von diesem Klimagipfel ab
VonStephanie Munk
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In Bélém tagt ab die Klimakonferenz COP30, die über die Klimaschutz-Zukunft entscheidet. Das 1,5-Grad-Ziel wird erstmals für unerreichbar erklärt.
Bélém – Im Amazonas-Regenwald entscheidet sich dieser Tage die Zukunft des globalen Klimaschutzes. Die Weltklimakonferenz COP30 hat in der brasilianischen Stadt Belém begonnen, wo Delegierte aus über 190 Ländern unter schwierigen geopolitischen Vorzeichen über die Klimakrise verhandeln. Die Konferenz wird laut Experten als eine der folgenreichsten Klima-COPs des letzten Jahrzehnts bezeichnet – steht aber vor ernsthaftem Gegenwind.
Gesten reichen nicht, um beim Klimagipfel COP30 in Brasilien den Klimawandel auszuhalten (von links): der chilenische Präsident Gabriel Boric, UN-Generalsekretär Antonio Guterres, Brasiliens Präsident Luiz Inacio Lula da Silva und der brasilianische Gouverneur Helder Barbalho.
US-Präsident Donald Trump bezeichnet den menschengemachten Klimawandel als „den weltweit größten Betrug aller Zeiten“ und entsendet selbst keine hochrangigen Vertreter zur COP30. Manche sehen dies sogar als Vorteil: So kann Trump, der andere UN-Umweltvorhaben bereits blockierte, wenigstens nicht intervenieren.
Klimakonferenz COP30 in Zeiten von Trump, Kriegen und Handelskonflikten
Aber auch andere Staaten sehen in Zeiten von Kriegen, Rezession und Handelskonflikten andere Prioritäten als den Klimaschutz. Dabei findet die Klimakonferenz bereits in zwei aufeinanderfolgenden Jahren mit Rekordtemperaturen statt, die langfristig das Überleben auf dem Planeten gefährden. Auch die Klimapolitik von Bundeskanzler Friedrich Merz wird in diesem Zusammenhang teils kritisiert.
Die UN-Klimakonferenz findet vom 10. bis 21. November 2025 statt und markiert, wie The Guardian berichtet, einen entscheidenden Wendepunkt in der internationalen Klimapolitik. Zehn Jahre nach der Verabschiedung des Pariser Abkommens verschiebt sich der Fokus von Verhandlungen hin zu einer beschleunigten Umsetzung bestehender Klimaversprechen. UN-Generalsekretär António Guterres mahnte in seiner Eröffnungsrede zu Eile: „Jedes Zehntelgrad mehr Erderwärmung bedeutet mehr Hunger, Vertreibung und Verlust – vor allem für die, die am wenigsten dafür verantwortlich sind.“
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Klimagipfel COP30: Guterres mahnt zur Eile und zieht negative Bilanz des Klimaschutzes
Zehn Jahre nach der Vereinbarung des Pariser Klimaabkommens zieht der UN-Generalsekretär eine ernüchternde Bilanz: Die internationale Gemeinschaft sei am Ziel „gescheitert“, die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen. Stattdessen steuert die Erde auf eine gefährliche Erhitzung um etwa drei Grad zu. Wie die Nachrichtenagentur Reuters meldet, ist die COP30 die erste Konferenz, die dieses Scheitern offiziell anerkennt.
„Es ist eine ganz andere Verhandlungsarena als früher“, erklärte Petter Lyden, Klimaexperte von Germanwatch. „Statt um gemeinsame Regeln muss es jetzt um deren konkrete und entschiedene Umsetzung gehen.“ Umweltorganisationen wie Germanwatch und Greenpeace fordern einen UN-Reformprozess bei den Klimaverhandlungen, um zu verhindern, dass Bremser-Staaten und Lobbyisten der fossilen Energien die Bekämpfung der Klimakrise weiter behindern können.
Klimaexperten fordern vor COP30 ein „Notfallprogramm“ für die Erde
Jan Kowalzig, Klimaexperte der Organisation Oxfam, fordert angesichts der kritischen Lage ein „Notfallprogramm“. Ob die Europäische Union wie in früheren Jahren als treibende Kraft auftreten kann, bleibt fraglich. Die EU reist mit dem vergleichsweise vagen Ziel an, bis 2035 ihre Emissionen um 66,25 bis 72,5 Prozent zu verringern – eine Zusage, die Umweltorganisationen als unzureichend kritisieren.
Laut UNEP dominieren mehrere Hauptthemen die COP30: tiefgreifende Emissionskürzungen, der Schutz von Gemeinden vor Klimaauswirkungen sowie die Stärkung der Anpassungsfinanzierung und Frühwarnsysteme. Ein zentraler Knackpunkt der Verhandlungen wird die Finanzierung von Klimaschutzmaßnahmen in ärmeren Ländern sein. Bei der vorherigen Konferenz wurde zugesagt, dass Entwicklungsländer bis 2035 jährlich 300 Milliarden Dollar erhalten sollen – eine Summe, die nach Experteneinschätzung deutlich unter dem tatsächlichen Bedarf liegt. In Belém muss geklärt werden, woher diese Mittel konkret kommen sollen.
COP30 in Brasilien mit schwierigen Vorzeichen: Mehr Geld für Rüstung, weniger für Klimaschutz
Auch der weltgrößte Treibhausgasemittent China bleibt mit seinen neuen Klimazielen hinter den Erwartungen zurück. Gleichzeitig sorgen gekürzte Entwicklungshilfe und steigende Rüstungsausgaben wegen anhaltender Kriege dafür, dass weniger Geld für Klimaschutz zur Verfügung steht.
Brasilien hat, wie Reuters berichtet, die Länder aufgefordert, sich darauf zu konzentrieren, vergangene Versprechen zu verwirklichen – wie die COP28-Zusagen zum Ausstieg aus fossilen Brennstoffen – anstatt neue zu machen. Als Themenschwerpunkt hat die brasilianische Präsidentschaft unter Luiz Inácio Lula da Silva vden Waldschutz gesetzt.
Lula lanciert vor Klimakonferenz COP30 Regenwald-Fonds – Merz verspricht Beitrag
Brasiliens Präsident Lula lancierte dazu vergangenen Donnerstag einen globalen Fonds namens Tropical Forests Forever Facility, der Milliardensummen gewinnbringend anlegen und mit den Gewinnen Tropenländer für Waldschutzmaßnahmen belohnen soll. Bundeskanzler Friedrich Merz hat in seiner Rede vergangene Woche in Bélém bereits einen „namhaften“ Betrag zugesagt, dessen genaue Höhe jedoch unbekannt bleibt.
Die Wahl des Konferenzortes im Amazonasgebiet ist kein Zufall. Brasiliens Präsident Luiz Inácio Lula da Silva setzt damit ein bewusstes Zeichen, denn der dortige Regenwald spielt eine Schlüsselrolle im Kampf gegen die Erderwärmung. Nach Informationen des Guardian steht der Amazonas-Regenwald am Rande eines unumkehrbaren Kipppunkts, und Klimawandel zusammen mit Entwaldung bringen das Ökosystem bei einer Erwärmung über 1,5°C in Gefahr.
Gleichzeitig steht der Gastgeber selbst in der Kritik: Trotz seines Einsatzes für den Waldschutz treibt Lula die Ölförderung seines Landes voran – mit der Begründung, die Einnahmen für die Energiewende zu benötigen. (Quellen: AFP, The Guardian, ZDF) (smu)