Kritik an Netanjahu wächst

Debatte um Gaza-Waffenruhe: Israel und Hamas erörtern zweite Phase

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Die Verhandlungen über die anstehende Phase des Waffenstillstands mit der Hamas und die Freisetzung der Geiseln haben bisher wenig Anlauf genommen. Aktuell gibt es wieder Bewegung.

Tel Aviv/Gaza – Die Verhandlungen über eine Fortsetzung der fragilen Waffenruhe im Gazastreifen nehmen Fahrt auf. Die Gespräche über die zweite Phase des Abkommens zwischen Israel und der islamistischen Hamas werden nach den Worten des US-Sondergesandten Steve Witkoff im Verlauf dieser Woche an einem noch unbekannten Ort fortgesetzt. Im Rahmen der zweiten Phase sollen alle noch lebenden israelische Geiseln freikommen. Witkoff habe sehr „produktive und konstruktive“ Telefonate mit dem israelischen Regierungschef Benjamin Netanjahu, Katars Ministerpräsident Mohammed bin Abdulrahman Al Thani und dem ägyptischen Geheimdienstchef Hassan Raschad geführt, sagte er dem US-Sender Fox News.

Waffenruhe zwischen Israel und Hamas: Geiseln seit 500 Tagen in Gefangenschaft 

Die USA, Ägypten und Katar hatten als Vermittler die derzeit geltende erste Phase der Waffenruhe und eine Vereinbarung über die Freilassung von 33 Geiseln im Austausch gegen palästinensische Häftlinge eingefädelt. Sie gilt seit dem 19. Januar und endet am 1. März. Ob die zweite Phase des Deals, in der die Kämpfe endgültig enden sollen, tatsächlich zum Tragen kommt, ist jedoch ungewiss. Die weiterhin in dem abgeriegelten Küstengebiet verbliebenen Geiseln sind mit dem heutigen Datum seit 500 Tagen in Gefangenschaft. 73 werden noch festgehalten, wobei 36 davon wohl nicht mehr am Leben sind. Das Forum der Angehörigen der Entführten hat für Montag unter dem Motto „Holt sie aus der Hölle“ zu Kundgebungen und einem Tag des Fastens aufgerufen, um an ihr Schicksal zu erinnern. Das Fasten beginne um 10:40 Uhr MEZ und solle am Abend mit einer Kundgebung in Tel Aviv enden, meldete die Times of Israel.

Regierungschef Netanjahu hatte am Sonntag bei einem Treffen mit US-Außenminister Marco Rubio in Jerusalem gedroht, im Gazastreifen würden sich die „Tore zur Hölle“ öffnen, sollten die Geiseln nicht freigelassen werden.

Gespräche über die nächste Phase der Waffenruhe mit der Hamas und die Freilassung der Geiseln kommen wieder in Gang.

Verhandlungen über zweite Phase der Gaza-Waffenruhe – Israel schickt Delegation nach Kairo

Israels Sicherheitskabinett kommt derweil am Montag zu Beratungen über die zweite Phase des Gaza-Abkommens zusammen, wie Netanjahus Büro nach der Ankündigung des US-Sondergesandten Witkoff mitteilte. Am selben Tag werde eine Delegation israelischer Unterhändler zu Gesprächen in die ägyptische Hauptstadt Kairo reisen. Nach der Sitzung des Sicherheitskabinetts würden diese Unterhändler Anweisungen für die zweite Phase erhalten.

Demonstranten in Tel Aviv warfen Netanjahu am Wochenende erneut vor, eine Fortsetzung der Waffenruhe vereiteln zu wollen, um seine rechtsextremen Koalitionspartner nicht zu verprellen und sich an der Macht zu halten. Der Regierungschef steht unter dem Druck der Hardliner, die den Krieg in Gaza fortsetzen und die Hamas komplett vernichten wollen. Auf X dementiert Netanjahu die Vorwürfe. „Wie alle hochrangigen Vertreter der US-Regierung wiederholt bezeugt haben, weigerte sich die Hamas monatelang, zu verhandeln, und war der einzige Faktor, der dem Abkommen im Wege stand“, schreibt der Regierungschef.

Waffenruhe in Gaza soll fortgesetzt werden – USA und Israel erhöhen Druck auf Hamas

Umso mehr werden die Befürchtungen um ein Aufflammen der Kämpfe im Gazastreifen immer größer. Am Wochenende traf eine von der neuen US-Regierung freigegebene Lieferung schwerer Bomben in Israel ein. Laut örtlichen Medienberichten handelt es sich um 1.600 bis 1.800 Bomben. Unterdessen hat US-Außenminister Marco Rubio erneut ein Ende der Hamas-Herrschaft in dem Küstengebiet gefordert. Die seit 2007 im Gazastreifen herrschende Hamas dürfe dort nicht länger an der Macht bleiben. Solange sie Israel mit Gewalt drohen könne, werde Frieden unmöglich bleiben, sagte Rubio nach einem Treffen mit Netanjahu. Die palästinensische Terrororganisation müsse zerstört werden. Rubio sagte, die Tatsache, dass die Hamas „weiterhin Geiseln und sogar Tote festhält, zeigt ihre kranke Verkommenheit“.

Rubriklistenbild: © dpa/Oded Balilty

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