Gastbeitrag

Gaza, USAID, Krieg in Israel: Jordanien reagiert entsetzt auf Donald Trump

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Die Gaza-Pläne von Donald Trump stoßen in Jordanien auf breite Ablehnung.

Donald Trump will die Palästinenser aus Gaza in die benachbarten arabischen Staaten umsiedeln und streicht nahezu die komplette Entwicklungshilfe. Der renommierte jordanische politische Kolumnist Osama Al-Sharif zeigt in seinem Gastbeitrag aus Amman, welch Schockwellen die Ankündigungen des US-Präsidenten beim wichtigen Verbündeten im Nahen Osten auslösen.

  • Jordanien steht im Zentrum eines politischen Sturms: Der Gaza-Plan von Donald Trump stößt auf Widerstand.
  • Die Forderung nach einer Umsiedlung der Palästinenser wird als Versuch gesehen, die Annexion des Westjordanlandes voranzutreiben.
  • Jordanien lehnt den Plan entschieden ab. Die Regierung in Amman sieht die Umsiedlung als rote Linie. Die Politik in den USA riskiert damit die Beziehungen zu einem engen Verbündeten.
  • Osama Al-Sharif ist Journalist und politischer Kommentator mit Sitz in Amman. Die Übersetzung aus dem Englischen übernahm Thomas Kaspar.

Zehntausende Jordanier haben im ganzen Königreich der Kälte und dem Regen getrotzt, um nach dem Freitagsgebet gegen die schockierende Erklärung von Präsident Donald Trump zu demonstrieren. Die Ankündigung, die USA würden den Gazastreifen „übernehmen“ und „besitzen“, während sie mehr als zwei Millionen dort lebende Palästinenser vertreiben, treibt die Menschen in Massen auf die Straßen.

Trump empörte die arabische Welt mit diesen Plänen auf einer Pressekonferenz mit dem israelischen Premierminister Benjamin Netanjahu im Weißen Haus. Einige Tage zuvor hatte er die Umsiedlung der Bewohner des Gazastreifens nach Jordanien und Ägypten gefordert, angeblich aus humanitären Gründen. 

Jordanien und Ägypten lehnen Trumps Gaza-Plan unverzüglich ab

Seine Ankündigungen wurden von den Führern Jordaniens und Ägyptens, der Palästinensischen Autonomiebehörde, Saudi-Arabien, der Arabischen Liga und Dutzenden von Hauptstädten der Welt unverzüglich abgelehnt. Vor allem aber wurden sie von den kriegsmüden Bewohnern des Gazastreifens zurückgewiesen, die nach einem wackeligen Waffenstillstandsabkommen und 15 Monaten israelischer Angriffe, die 90 Prozent des Gazastreifens in Schutt und Asche legten und mehr als 50.000 Tote forderten, mit katastrophalen Lebensbedingungen zu kämpfen haben.

Nach Trumps Ankündigungen, die in Washington und in den Hauptstädten der Welt hohe Wellen schlugen, versuchten seine Berater, das Gesagte wieder zu relativieren. Es würden keine US-Truppen in den Gazastreifen entsandt und die Bewohner des Gazastreifens nicht gewaltsam aus ihrer Heimat vertrieben. Trumps Team schränkte zudem ein, dass die USA zwar bereit seien, bei den Aufräumarbeiten zu helfen, sich aber nicht am Neuaufbau beteiligen wollten.

Die Aufforderung, Millionen von Palästinensern zu vertreiben, wurde zwar sofort von israelischen Extremisten begrüßt, löste in Jordaniens Hauptstadt Amman jedoch Schockwellen aus. Niemand hatte damit gerechnet, dass ein amtierender US-Präsident so weit von der jahrzehntelangen Politik in der israelisch-palästinensischen Frage abweichen und damit auch die Stabilität eines engen Verbündeten – in diesem Fall Jordaniens – gefährden würde.

Trumps Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt Israels war ein schwerer Schlag für die Zweistaatenlösung

Trumps Aufforderung an Jordanien, die Menschen aus Gaza aufzunehmen, erfolgte weniger als eine Woche vor dem geplanten Antrittsbesuch von König Abdullah beim US-Präsidenten im Weißen Haus.

Während Trumps erster Amtszeit war es König Abdullah noch gelungen, dessen Nahost-Politik irgendwie auszubalancieren. Der jordanische Herrscher zahlte aber einen hohen politischen Preis dafür. 

Trumps Anerkennung Jerusalems, einschließlich des besetzten Ostteils, als Hauptstadt Israels war ein schwerer Schlag für die Zweistaatenlösung, für die sich Jordanien ebenso wie die übrige internationale Gemeinschaft einsetzt. Dieser Schritt untergrub Jordaniens Rolle als Wächter der Al-Aqsa-Moschee in Jerusalem.

Und als damals Trump seinen Friedensplan zur Beendigung des israelisch-palästinensischen Konflikts vorstellte, lehnte König Abdullah diesen ebenso wie die Palästinenser umgehend ab.

Vor dem Gaza-Krieg: Die Geschichte des Israel-Palästina-Konflikts in Bildern 

Vor 60. Gründungstag von Israel
Die Generalversammlung der Vereinten Nationen entschied 1947 über die Teilung Palästinas in zwei Staaten, einen jüdischen und einen arabischen. Im Teilungsplan wurde auch festgelegt, dass die Briten ihr Mandat für Palästina bis August 1948 niederlegen. Großbritannien hatte nach dem Ersten Weltkrieg das Gebiet besetzt und war 1922 offiziell mit dem Mandat über Palästina beauftragt worden. Am 14. Mai 1948 wurde auf Grundlage des UN-Beschlusses der jüdische Staat gegründet. © dpa
Proklamation des Staates Israel
Nach der Unterzeichnung der Proklamationsurkunde am 14. Mai 1948 im Stadtmuseum von Tel Aviv hält eine nicht identifizierte Person das Schriftstück mit den Unterschriften in die Höhe. Links ist David Ben Gurion zu sehen, der erste Ministerpräsident Israels. © dpa
Israelischer Unabhängigkeitskrieg
Ein historisches Datum für den Staat Israel. Doch die arabischen Staaten Libanon, Syrien, Jordanien, Ägypten und Irak erkannten die Gründung nicht an und überschritten nur einen Tag später mit ihren Armeen die Grenzen. So begann der Palästina-Krieg, der im Januar 1949 mit dem Sieg Israels endete. Das Foto zeigt israelische Mitglieder der paramilitärischen Organisation Haganah im August 1948.  © AFP
Operation Yoav
Die israelische Armee konnte während des Krieges 40 Prozent des Gebiets erobern, das eigentlich laut dem ursprünglichen UN-Plan zur Teilung für die arabische Bevölkerung vorgesehen war. So wurde auch der westliche Teil von Jerusalem von Israel besetzt.  © Imago
Waffenstillstand Israel Palästina 1949
Die Vereinten Nationen vermittelten zwischen Israel und Ägypten, und so kam es zwischen den beiden Ländern am 24. Februar 1949 zu einem Waffenstillstandsvertrag. Andere arabische Kriegsgegner folgten mit Waffenstillständen bis Juli 1949. Laut Schätzungen starben bei dem Krieg, den die arabischen Länder gestartet hatten, mehr als 6000 Israelis und 6000 Araber.  © ACME Newspictures/afp
Arafat. Geschichte des Krieges in Israel
Jassir Arafat gründete 1959 die Fatah, eine Partei in den palästinensischen Autonomiegebieten. Laut ihrer Verfassung war ihr Ziel, auch mit terroristischen Mitteln die Israelis aus Palästina zu vertreiben und Jerusalem als Hauptstadt zu installieren. Ebenfalls als Ziel rief die Fatah die „Ausrottung der ökonomischen, politischen, militärischen und kulturellen Existenz des Zionismus“ aus.  © PPO/afp
Arafat
1993 erkannte die Fatah mit ihrem Vorsitzenden Jassir Arafat das Existenzrecht Israels im Osloer-Friedensprozess an, und wollte den Terror als Waffe nicht mehr nutzen. Allerdings gab es immer wieder Bombenattentate in Israel. 2011 suchte Arafat den Schulterschluss mit der Hamas. Gemeinsam planten sie, eine Übergangsregierung zu bilden, was bis heute nicht umgesetzt wurde. Innerhalb der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO) ist die Fatah die stärkste Fraktion. © Aleksander Nordahl/Imago
1974 Arafat vor UN
Im Oktober 1974 erkannte die Vollversammlung der Vereinten Nationen die PLO als Befreiungsbewegung an. Daraufhin wurde Arafat als Vertreter eingeladen. Am 13. November 1974 eröffnete Arafat die Debatte in der Vollversammlung. Er beendete die Rede mit dem Satz: „Ich bin mit einem Olivenzweig in der einen und dem Gewehr des Revolutionärs in der anderen Hand hierhergekommen. Lasst nicht zu, dass der grüne Zweig aus meiner Hand fällt!“ © dpa
Kampfflugzeug im Sechs-Tage Krieg
Vom 5. Juni bis 10. Juni 1967 fand der Sechstagekrieg zwischen Israel auf der einen und Ägypten, Jordanien und Syrien auf der anderen Seite statt. Auslöser war die ägyptische Blockade der Seestraße von Tiran für die Israelis, die so abgeschnitten waren. Außerdem hatte der ägyptische Präsident den Abzug der Blauhelme erzwungen, die die nördliche Grenze Israels sicherten. Als Drohung schickte Ägypten dann 1000 Panzer und 100.000 Soldaten an die Grenzen zu Israel. Als Reaktion auf die Bedrohung flogen die Israelis einen Präventiv-Schlag. Auf dem Foto sieht man ein ägyptisches Kampfflugzeug. Während des Krieges konnte Israel die Kontrolle über den Gazastreifen, die Sinai-Halbinsel, die Golanhöhen, das Westjordanland und Ostjerusalem erlangen. Weil Israel seine Angreifer besiegen konnte, machte der Staat am 19. Juni 1967, neun Tage nach seinem Sieg, Ägypten und Syrien ein Friedensangebot. Darin enthalten die Aufforderung, Israel als Staat anzuerkennen. © AP/dpa
Arabisch-israelischer Krieg
Am 6. Oktober 1973, dem höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur, startete eine arabische Militärkoalition unter Führung Ägyptens und Syriens einen Überraschungsangriff, gleichzeitig auf die Sinai-Halbinsel und die Golanhöhen. Nach anfänglichem Erfolg der arabischen Kriegsparteien gelang es Israel, sich zu behaupten. Erst mit dem Friedensvertrag sechs Jahre später am 26. März 1979, normalisierten sich die Beziehungen zwischen Ägypten und Israel. Ägypten war der erste arabische Staat, der das Existenzrecht Israels anerkannte. © afp
Friedensvertrag zwischen Israel und Ägypten, Jimmy Carter schüttelt dem ägyptischen Präsidenten Anwar al-Sadat die Hand.
Das Friedensabkommen vom 26. März. 1979 war ein wichtiger Meilenstein. US-Präsident Jimmy Carter gratulierte damals dem ägyptischen Präsidenten Anwar al-Sadat und dem israelischen Premierminister Menachem Begin vor dem Weißen Haus. Nach den Camp-David-Verhandlungen unterzeichneten sie den Friedensvertrag zwischen den beiden Ländern dort. © Consolidated News Pictures/afp
Beschuss im Libanonkrieg
1982 begann mit dem Libanonkrieg der erste große israelisch-arabische Konflikt, der von Israel gestartet wurde. Die Kriegsparteien waren die israelische Armee und verbündete Milizen auf der einen, die PLO und Syrien auf der anderen Seite. Israel besetzte im Rahmen des Krieges zwischen 1982 und 1985 den Süden Libanons. Später richtete Israel daraufhin dort eine „Sicherheitszone“ ein, die aber Angriffe der Hisbollah aus dem Libanon auf nordisraelische Städte nicht verhindern konnte. Am 25. Mai 2000 zog die israelische Armee aus dem Südlibanon ab.  © Dominique Faget/afp
Soldaten und Kinder bei der Intifada 1987
Am 8. Dezember 1987 brach im Westjordanland und im Gazastreifen ein gewaltsamer Aufstand der Palästinenser gegen die israelische Besatzung aus. Diesen Aufstand nennt man Intifada. Auf dem Foto ist zu sehen, wie israelische Soldaten Kinder anweisen, das Gebiet zu verlassen, als Hunderte von Demonstranten Steine und Flaschen schleudern.  © Esaias Baitel/afp
Hamas-Kundgebung im Gaza-Streifen
Die PLO (Palästinensische Befreiungsorganisation), die ihre Zentrale in Tunis hatte, wollte einen eigenen palästinensischen Staat ausrufen, hatte aber keine Kontrolle über die entsprechenden Gebiete. Im Zuge dessen kam es zu einem Gewaltausbruch, der erst 1991 abnahm. 1993 wurde schließlich mit dem Osloer Abkommen die erste Intifada beendet. © Ali Ali/dpa
Der PLO-Führer Yasser Arafat und der israelischen Premierminister Yitzahk Rabin schütteln sich 1993 die Hände.
Nach Jahrzehnten von Gewalt und Konflikten unterschrieben am 13. September 1993 Israels Außenminister Shimon Peres und Mahmoud Abbas, Verhandlungsführer der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO), unter Aufsicht der russischen und amerikanischen Außenminister die „Osloer Verträge“. Das Foto des Händedrucks zwischen Palästinenservertreter Jassir Arafat und dem israelischen Ministerpräsident Yitzhak Rabin und US-Präsident Bill Clinton wurde weltberühmt. © J. David Ake/afp
Yasir Arafat, Shimon Peres und Yitzhak Rabin erhalten den Friedensnobelpreis
Nach der Unterzeichnung der Osloer Verträge bekamen Jassir Arafat, Schimon Peres und Yitzhak Rabin den Friedensnobelpreis für 1994. Hier die Preisträger zusammen mit ihrer Medaille und ihrem Diplom im Osloer Rathaus. Die Friedensverträge wurden damals als wichtiger Startpunkt für Frieden in der Region gesehen. © Aleksander Nordahl/Imago
Bill Clinton, König Hussein und Rabin bei der Friedenssitzung
1994 folgten Friedensverhandlungen zwischen Jordanien und Israel 1994 im Weißen Haus. Auf dem Foto ist zu sehen, wie der jordanische König Hussein und der israelische Premierminister Yitzahk Rabin bei der Friedenssitzung sich die Hände schütteln. © Imago/ ZUMA Press
Sarg von Yitzhak Rabin, Geschichte des Kriegs in Israel
Mit der Hoffnung auf Frieden in der Region wurde der Hass von israelischen Extremisten größer. Diese wollten Abkommen mit den arabischen Staaten und der PLO nicht akzeptieren. So wurde Yitzhak Rabin zur Zielscheibe und wurde 1995 im Anschluss an eine große Friedenskundgebung in Tel Aviv von einem rechtsextremen Juden ermordet. Das Foto zeigt den Sarg des Premierministers in Jerusalem bei seiner Beerdigung.  © Jim Hollander/dpa
Junge schießt mit Katapult bei der zweiten Intifada, Geschichte des Krieges in Israel
Obwohl es in den 1990er Jahren mit den Osloer Verträgen große Hoffnung auf Frieden gab, hatte sich die Situation nach der Ermordung von Yitzhak Rabin massiv aufgeheizt. 2000 kam es zur zweiten Intifada, dem gewaltvollen Aufstand der Palästinenser mit Straßenschlachten. Die zweite Intifada dauerte bis 2005. © Imago/UPI Photo
Israelische Soldaten 2006, Geschichte des Krieges in Israel
2006 kam es wieder zwischen Israel und dem Libanon zum Krieg. Die Auseinandersetzung wird auch 33-Tage-Krieg oder zweiter Libanon-Krieg genannt, weil sie nach gut einem Monat am 14. August 2006 mit einem Waffenstillstand endete. Das Foto zeigt einen israelischen Soldaten im Libanon-Krieg im Jahr 2006. Eine israelische Artillerieeinheit hatte soeben an der libanesisch-israelischen Grenze in den Libanon gefeuert. Fast 10.000 israelische Soldaten kämpften in der Nähe von etwa einem Dutzend Dörfern im Südlibanon gegen Hisbollah-Kämpfer.  © Menahem Kahana/afp
Israelisches Militär feuert auf Ziele im Libanon
Auslöser des Libanon-Kriegs waren anhaltende Konflikte zwischen der Terrororganisation Hisbollah und der israelischen Armee. Um die Angriffe zu stoppen, bombardierte die israelische Luftwaffe die Miliz aus der Luft und verhängte eine Seeblockade. Die Hisbollah antwortete mit Raketenbeschuss auf den Norden Israels. Später schickte Israel auch Bodentruppen in den Süden von Libanon.  © Atef Safadi/dpa
Angriff im Süden von Beirut
Die libanesische Regierung verurteilte die Angriffe der Hisbollah und forderte internationale Friedenstruppen, um den Konflikt zu beenden. Am 14. August 2006 stimmten schließlich nach einer UN-Resolution die Konfliktparteien einem Waffenstillstand zu. Sowohl die Hisbollah als auch Israel sahen sich als Sieger.  © Wael Hamzeh/dpa
Krieg in Israel
2014 startete die israelische Armee (IDF) mit der Operation Protective Edge am 8. Juli eine Militäroperation, weil die Hamas aus dem Gazastreifen immer wieder Israel beschoss. Ab dem 26. Juli 2014 folgte eine unbefristete Waffenruhe, die kanpp neun jahre währte.  © Abir Sultan/dpa
Jahrestag der Angriffe auf Israel am 7. Oktober
Am 7. Oktober 2023 startete die Hamas einen Überraschungsangriff auf Israel mit Raketenbeschuss und Bodeninfiltrationen aus dem Gazastreifen, was zu schweren Verlusten und der Entführung zahlreicher Geiseln führte. Hier ist eine Gesamtansicht der zerstörten Polizeistation in Sderot nach den Angriffen der Hamas-Terroristen zu sehen.  © Ilia Yefimovich/dpa
Jahrestag der Angriffe auf Israel am 7. Oktober
Bei dem Überfall der Hamas und anderer extremistischer Gruppierungen auf Israel wurden rund 1200 Menschen getötet und mehr als 250 Israelis als Geiseln in den Gazastreifen verschleppt. Seitdem wurden laut der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde im Gazastreifen Zehntausende Menschen getötet, darunter auch viele Frauen und Minderjährige. © Ilia Yefimovich/dpa

Jordanien und Ägypten sollen nach Trumps Plan fast zwei Millionen Menschen aus Gaza aufnehmen

Jetzt provozierte der wiedergewählte US-Präsident mit dem Vorschlag, dass Jordanien und Ägypten fast zwei Millionen Palästinenser aus dem Gazastreifen aufnehmen sollen. Und als die beiden Länder einstimmig ablehnten, legte Trump noch einmal nach, indem er behauptete, dass es nur eine Frage der Zeit sei, bis die Nachbarn letztlich zustimmen würden.

Nur zwei Wochen nach der Vereidigung Trumps befindet sich Jordanien nun also im Zentrum eines politischen Sturms, entfacht durch den plumpen Plan des Präsidenten. Die Tatsache, dass die Vertreibung von Palästinensern gegen internationales Recht verstößt – es ist nicht weniger als das Verbrechen der ethnischen Säuberung – scheint Trump nicht abzuschrecken. 

Die rechtlichen Vorbehalte sind das eine. Doch dass der US-Präsident nun einen extremistischen israelischen Vorschlag unterstützt, der darauf abzielt, die Palästinenser aus ihrer historischen Heimat zu vertreiben, stürzt Jordanien in tiefe Bedrängnis. In der Folge sind der Likud und andere ultranationalistische Israelis mit der Vorstellung hausieren gegangen, dass Jordanien nun de facto ein palästinensischer Staat werden sollte.

Umsiedlung von Palästinensern ist für den jordanischen König Abdullah eine rote Linie

König Abdullah hat die Umsiedlung von Palästinensern, insbesondere aus dem Westjordanland, zu einer roten Linie für das Königreich erklärt. Sein Außenminister Ayman Safadi hat betont, dass jede Umsiedlung als Kriegserklärung interpretiert werden würde. Jordanische Gesetzgeber haben die Verabschiedung eines Gesetzes gefordert, das die Überführung von Palästinensern nach Jordanien verbietet.

Jordanien war in den letzten zehn Jahren zu einem noch engeren Verbündeten der USA geworden, indem es sich dem Krieg gegen Daesh angeschlossen hat. (Anmerkung des Übersetzers: Daesh, auch „Daish“, ist eine Abkürzung von „Der Islamische Staat im Irak und der Levante“. Terroristen empfinden diese Abkürzung als despektierlich. Vor allem Politiker in den USA und Frankreich nennen den Islamische Staat so, um den Terroristen das Framing nicht zuzugestehen, sie seien repräsentativ für die muslimische Welt.)

Die militärische Bedeutung des Königreichs für die USA hat nach deren Rückzug aus Afghanistan zugenommen, der israelische Nachbar gestattete in jüngster Zeit den USA sogar die Nutzung jordanischer Luftwaffenstützpunkte. Im Gegenzug unterstützen die USA die jordanische Staatskasse jährlich mit Milliarden von Dollar durch Zuschüsse und zinsgünstige Darlehen. 

Trumps Entscheidung, USAID weitgehend auszusetzen, trifft Jordanien hart

Trumps zusätzliche Entscheidung, alle Aktivitäten der Entwicklungshilfe-Organisation USAID weltweit auszusetzen, trifft Jordanien besonders hart.

Die US-Behörde ist an Dutzenden von Projekten in den Bereichen Gesundheit, Bildung, Abwasserentsorgung, Unterstützung syrischer Flüchtlinge, sowie bei wirtschaftlicher und politischer Entwicklung beteiligt. Amman befürchtet, dass Trump die finanzielle und wirtschaftliche Abhängigkeit Jordaniens von den USA als Instrument nutzen könnte, um Zugeständnisse zu erzwingen.

Die Befürchtung ist, dass Israel die Vorschläge des US-Präsidenten nutzen könnte, um die Annexion des Westjordanlandes voranzutreiben.

Osama Al-Sharif

Es gibt einen großen Unterschied zwischen den Beziehungen des Gazastreifen zu Jordanien und Ägypten. Denn Zehntausende von Menschen aus dem Westjordanland sind auch jordanische Staatsbürger. Die Grenzübergänge zwischen dem Königreich und dem Westjordanland sind seit dem Krieg von 1967 geöffnet, und Tausende nutzen täglich die Brücken zwischen den beiden Ufern des Jordans.

Trumps Pläne stellen eine existenzielle Bedrohung für das Königreich Jordanien dar

Während die Mehrheit der Fachleute der Meinung ist, dass Trumps Vorschlag für den Gazastreifen niemals durchkommen wird, fürchten doch einige, dass Israel die Vorschläge des Präsidenten nutzen könnte, um die Annexion des Westjordanlandes voranzutreiben. Das wiederum würde so viel Druck aufbauen, dass die palästinensischen Bewohner gezwungen wären, nach Jordanien zu fliehen.

Drei Wochen führt Israel einen brutalen Krieg gegen palästinensische Flüchtlingslager im Westjordanland. Unter der derzeitigen rechtsextremen israelischen Regierung sind die Palästinenser im Westjordanland einer Welle von Siedlerangriffen, wirtschaftlicher Strangulierung, Landenteignung, Masseninhaftierung und kollektiver Bestrafung ausgesetzt - alles mit dem Ziel, die Bewohner zum Verlassen des Landes zu bewegen.

Der Tod der Zweistaatenlösung und die Normalisierung der Forderungen nach einer Umsiedlung der Palästinenser stellen eine existenzielle Bedrohung für das Königreich Jordanien dar. Eine neuerliche Vertreibung würde auch das Ende des Rückkehrrechts für fast zwei Millionen Palästina-Flüchtlinge bedeuten, die bereits in Jordanien leben. 

Trumps Gaza-Vorschlag ist gefährlich und muss von allen entschieden abgelehnt werden

Während die Unterstützung der Standhaftigkeit der Palästinenser auf ihrem eigenen Gebiet die vorderste Verteidigungslinie des Königreichs darstellt, nimmt Jordanien nichts mehr als selbstverständlich an.

Trumps Gaza-Vorschlag ist gefährlich und muss von allen entschieden abgelehnt werden. Wie auch immer – die Zukunft des Gazastreifens stellt eine große Herausforderung für die Weltgemeinschaft dar. Was Trump nicht verstanden hat, ist, dass das grundlegende Recht der Palästinenser auf Selbstbestimmung respektiert und anerkannt werden muss. Sie haben sich dieses Recht verdient und müssen es ausüben dürfen.

Jordanien wird niemals eine alternative Heimat für die Palästinenser sein. Ein Transfer kann niemals normalisiert oder als Option in Betracht gezogen werden. (Osama Al-Sharif)

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