VonStephanie Munkschließen
Am Flughafen München sind Drohnen gesichtet worden, Flüge wurden annulliert, Passagiere strandeten. Was wir über den Vorfall wissen und was nicht.
München – Aufregung am Münchner Flughafen in der Nacht zum Freitag: Mehrere Menschen berichteten über Drohnen am Himmel über dem Münchner Flughafen. Was genau passiert war, was über die Drohnen bekannt ist und wie es jetzt weitergeht, erfahren Sie hier.
Drohnen am Münchner Flughafen gesichtet: Was wir wissen und was nicht
Laut Bundespolizei hatten mehrere Personen am Abend des Donnerstag (2. Oktober) eine Drohne in der Nähe des Flughafens München gemeldet. Später seien die Drohnen auch direkt über dem Gelände des Münchner Flughafens gesichtet worden. Laut Bild waren es wahrscheinlich fünf oder sechs mehrflügelige Drohnen mit circa einem Meter im Durchmesser. Quelle sei ein mit dem internen Bericht vertrauter, hoher Mitarbeiter einer deutschen Behörde.
Wie am Freitagnachmittag bekannt wurde, sind offenbar auch gegen 19.30 Uhr Drohnen über einem Bundeswehrzentrum bei Erding gsichtet worden. Darüber berichtete die Bild. In dem Innovationszentrum würden neuartige Drohnen der Bundeswehr entwickelt.
| Was wir über die Drohnen am Flughafen München wissen | Was wir über die Drohnen am Flughafen München nicht wissen |
|---|---|
| Gesichtet wurden wohl fünf oder sechs Drohnen mit rund einem Meter Durchmesser | Über den Täter oder Verdächtige ist bisher nichts bekannt |
| Mehrere Personen sichteten Drohne über dem Flughafen München | Durchsuchungen auf dem Flughafengelände brachten keine Erkenntnisse |
| Erste Sichtungen wurden am Donnerstagabend gemeldet | Herkunft der Drohnen ist noch unklar |
| 32 Flüge wurden gestrichen, ab 22.15 Uhr durften keine Flugzeuge mehr in München landen | Die Art der Drohne ist nicht bekannt |
| Am frühen Freitagmorgen wurde der Flugbetrieb wieder aufgenommen | Noch ist nicht bestätigt, ob eine konkrete Gefahr für den Flugverkehr bestand |
| 3000 Passagiere waren betroffen, übernachteten auf Feldbetten oder in Hotels | |
| Bayerns Ministerpräsident Söder kündigte nach der Drohnensichtung ein Schnellgesetz zum Abschuss von Drohnen an |
Drohnen am Flughafen München gesichtet: Das ist zur aktuellen Lage bekannt
In den frühen Morgenstunden des Freitag (3. Oktober) konnte der Luftverkehr wieder seinen normalen Ablauf aufnehmen, teilte die Bundespolizei mit. Zu den Ausfällen am Flughafen München sollte es am Dienstagmorgen eine Besprechung am Flughafen geben. Gegen 10 Uhr soll es neue Informationen geben. Der Betrieb laufe normal, teilte ein Sprecher des Flughafens am Freitag gegen 11 Uhr mit. Die Flüge, die für den 3. Oktober geplant waren, sollen stattfinden, so der Sprecher weiter.
Drei gestrichene Langstreckenflüge der Lufthansa nach Asien würden voraussichtlich am Freitagnachmittag nachgeholt, erklärte ein Lufthansa-Sprecher.
Drohnen am Flughafen München: Das ist zu Verdächtigen bekannt
Wer hinter den gesichteten Flugobjekten über dem Münchner Flughafen steckt, ist derzeit völlig offen. Durchsuchungen der Polizei ergaben bisher nichts. Die Bundespolizei in der Nacht zu Freitag weder die Flugobjekte noch Verantwortliche ausfindig machen – trotz eines großangelegten Einsatzes mit Beamten der Landes- und Bundespolizei sowie einem Polizeihubschrauber.
Ein Sprecher der Bundespolizei sagte der Nachrichtenagentur AFP, trotz „umfangreicher Fahndungsmaßnahmen“ habe kein Verursacher identifiziert werden können. Das Gelände sei aus der Luft abgesucht worden, es habe jedoch nichts festgestellt werden können. Die Drohnenart sei nicht bekannt. Auch, ob es wirklich eine konkrete Gefahr für den Flugverkehr am Flughafen München gab, ist unklar.
Nach Drohnensichtungen im Flughafen München kündigt Söder Schnellgesetz an
Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CDU) hat am Freitag nach den Drohnensichtungen am Münchner Flughafen reagiert. Er kündigte ein Schnellgesetz zum „Schutz unserer gesamten Infrastruktur“ an, wie Bild berichtet. Am Dienstag (7. Oktober) will der Ministerrat das Gesetz bereits verhandeln. „Die Drohnenvorfälle zeigen den großen Druck“, wird Söder zitiert. „Ab jetzt muss gelten: Abschießen statt Abwarten! Und zwar konsequent! Unsere Polizei muss Drohnen sofort abschießen können.“
Drohnen am Flughafen München – deutsche Flugsicherung reagierte sofort
Die Deutsche Flugsicherung sperrte nach Sichtung der Drohnen in den späten Abendstunden des Donnerstags die Start- und Landebahnen am Münchner Flughafen, wie es hieß. Polizisten von Landes- und Bundespolizei überwachten das Areal und suchten nach Flugkörpern sowie verdächtigen Personen. Sie fanden jedoch nichts. Zusätzlich kreiste ein Hubschrauber der Polizei über dem Flughafen München.
Drohnen über dem Flughafen München – Folgen für die Passagiere
Für Passagiere, die in der Nacht vom Flughafen München aus starten wollten oder dort landen sollten, wurde es nach den Drohnensichtungen ungemütlich: Etwa 3000 Reisende waren von erheblichen Einschränkungen betroffen. Flüge wurden annulliert, Passagiere strandeten oder ihre Flüge wurden zu anderen Flughäfen umgeleitet.
Tausende nach Drohnensichtungen betroffen: Fotos vom Münchner Flughafen




Ein Reisender berichtete der Deutschen Presse-Agentur, dass die Maschine bereits auf der Startpiste gestanden habe, dann jedoch wieder zum Abfertigungsgebäude zurückgefahren sei. Mehrere hundert Passagiere übernachteten auf Feldbetten in der Abfertigungshalle. Laut Flughafenbetreiber erhielten die gestrandeten Reisenden Decken, Getränke und kleine Mahlzeiten.
Andere gestrandete Fluggäste kamen in Hotels unter. Im München findet noch bis Sonntag das Oktoberfest statt, das größte Volksfest der Welt. Die Stadt ist also voll, Touristen aus aller Welt wollen derzeit in die bayerische Landeshauptstadt reisen.
Flüge annulliert und umgeleitet wegen Drohnensichtungen am Flughafen München
Insgesamt wurden laut Flughafenbetreiber 17 Flugverbindungen am Donnerstagabend gestrichen. 19 Lufthansa-Flüge hätten wegen der Einstellung des Flugbetriebs abgesagt oder umgeleitet werden müssen, erklärte ein Unternehmenssprecher.
Ab circa 22:15 Uhr konnten auch keine Landungen mehr stattfinden: 15 Maschinen wurden stattdessen nach Stuttgart, Nürnberg, Wien und Frankfurt weitergeleitet, wie der Betreiber auf der Webseite des Airports mitteilte. Insgesamt waren 32 Flüge wegen der Drohnen gestrichen worden.
Drohnen am Flughafen München – Vorfälle häufen sich, auch in Deutschland
Drohnenüberflüge unbekannter Herkunft sorgten zuletzt auch über dänischen Flughäfen und Militäreinrichtungen für Aufsehen. München ist also nicht der erste Flughafen, auf dem Drohnensichtungen für Aufregung und Verunsicherung sorgten. Dänemark vermutet dahinter hybride Angriffen. Schleswig-Holstein wurden vergangene Woche „Drohnenschwärme“ entdeckt, teilte Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) mit. Dobrindt warnte vergangenen Samstag vor einer gestiegenen Sicherheitsgefahr in Deutschland aufgrund der Drohnenvorfälle. Er kündigte den Aufbau eines neuen Drohnenabwehrzentrums an.
Die NATO wertet ähnliche Luftraumverletzungen in Polen, Estland und Rumänien als gezielte Provokation Russlands. Moskau mit Kremlchef Wladimir Putin weist die Vorwürfe zurück. (Quellen: dpa, Deutschlandfunk, Bild) (smu)
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