Drohnen-Vorfälle über NATO-Gebiet: München nicht der erste Flughafen – welche bisher betroffen waren
VonMarcus Giebel
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Der Flughafen München hat wegen Drohnen-Sichtungen seinen Betrieb kurzzeitig eingestellt. Auch in anderen Ländern gab es ähnliche Vorfälle.
München – Nun erlebt also auch der Süden Deutschlands in diesen ersten Herbst-Wochen verdächtige und folgenreiche Drohnen-Sichtungen über kritischer Infrastruktur. Am Donnerstagabend (2. Oktober) wurde wegen der Vorfälle der Flugbetrieb am Flughafen München zunächst eingeschränkt und später eingestellt. Nach Angaben des Airports konnten 17 Flüge nicht mehr am Abend starten, knapp 3000 Passagiere waren betroffen. Zudem wurden 15 ankommende Flüge nach Stuttgart, Nürnberg, Wien und Frankfurt umgeleitet.
In den Tagen zuvor hatten im Norden der Bundesrepublik bereits Drohnen-Überflüge für Aufsehen gesorgt. So durchsuchten Spezialkräfte der Polizei einen Frachter im Nord-Ostsee-Kanal, der im Zusammenhang mit der Sichtung eines Flugobjekts über einem Marineschiff stehen soll. Wie der Spiegel berichtete, besteht zudem der Verdacht, Einrichtungen in Schleswig-Holstein wie ein Kraftwerk, ein Klinikum und der Sitz der Landesregierung könnten von Drohnen aus der Luft vermessen worden sein.
Drohnen-Vorfälle über Flughäfen: Dänemark zieht nach Vorfall in Kopenhagen Konsequenzen
Nur zwei Tage später wurden unbemannte Flugkörper über den Flughäfen Aalborg, Esbjerg und Sönderborg sowie über dem Luftwaffenstützpunkt Skrydstrup entdeckt, wie unter anderem die französische Nachrichtenagentur Agence France-Presse (AFP) informiert. Zwei weitere Tage darauf tauchten ein oder zwei Drohnen über der Militärbasis Karup, dem größten Stützpunkt der dänischen Luftwaffe, auf.
Drohnen-Sichtungen über deutschen Flughäfen: Binnen acht Monaten 144 Fälle registriert
Im Fall von Norwegen berichtete unter anderem der öffentlich-rechtliche Rundfunk NRK, ein Flugzeug auf dem Weg von Oslo zum Flughafen Bardufoss in der nördlichen Provinz Troms habe am späten Abend des 28. September umkehren müssen. Am selben Tag waren auch in der Sperrzone am Flughafen Bronnoysund in der südlicher gelegenen Provinz Nordland Drohnen gesichtet worden, auch hier sei ein Flug umgeleitet worden.
Im Verdacht steht zumindest in den Fällen in Skandinavien Moskau. So war ein russisches Kriegsschiff an den Tagen der Vorfälle in Dänemark zwischen dänischen Inseln entdeckt worden. Es wird vermutet, dass Schiffe als Startrampe der Drohnen genutzt werden, möglicherweise jene, die zur sogenannten „Schattenflotte“ von Kreml-Chef Wladimir Putin zählen. Dänemarks Ministerpräsidentin Mette Frederiksen betonte in einer unter anderem auf Facebook verbreiteten Videobotschaft, es stehe fest, „dass es vor allem ein Land gibt, das eine Bedrohung für die europäische Sicherheit darstellt – und zwar Russland“.
In Deutschland haben die Störungen durch Drohnen an Flughäfen ebenfalls zugenommen. Wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) unter Berufung auf die Deutsche Flugsicherung berichtet, wurden im Jahr 2025 bis Ende August 144 Behinderungen durch Drohnen registriert. Im Vorjahr gab es demnach in den ersten acht Monaten 113 solcher Vorkommnisse, 2023 waren es 99. Besonders betroffen ist der Flughafen Frankfurt am Main, an dem 35 der 144 Behinderungen verzeichnet wurden. (Quellen: Flughafen München, Spiegel, afp, NRK, dpa) (mg)