„Massenvernichtungs-Umweltbombe“

Dürre-Katastrophe nach Staudamm-Bruch: Putins Schergen verwandeln Ukraine in Wüstenlandschaft

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Dramatische Auswirkung durch gesprengten Staudamm: Die Ukraine ist einer der wichtigsten Getreideexporteure. Doch jetzt droht die Dürre-Katastrophe.

Cherson - Beim Export von Getreide spielt die Ukraine seit Jahrzehnten eine Hauptrolle auf der Welt. Trotz des von Russland initiierten Krieges gelang es immer wieder, die Ausfuhr von Nahrungsmitteln für den Weltmarkt zu verhandeln. Doch nun müssen viele Abnehmerländer zittern. Denn durch den gesprengten Staudamm bei Cherson fällt die Wasserversorgung der Felder im Süden des Landes aus. Der Ukraine droht deshalb bereits im kommenden Sommer eine Dürre-Katastrophe.

„Die Zerstörung des Wasserkraftwerks Kachowka wird dazu führen, dass sich die Felder im Süden der Ukraine bereits im nächsten Jahr in Wüsten verwandeln könnten“, teilte das ukrainische Landwirtschaftsministerium am Mittwoch (7. Juni) mit. Auch die Trinkwasserversorgung in besiedelten Gebieten sei durch die Explosion an dem Staudamm betroffen. Zudem erwartet das Agrarministerium nach eigenen Angaben negative Folgen für die Fischerei.

Ukraine-News: Gesprengter Staudamm verwandelt die Felder um Cherson zu Wüsten

Der Kachowka-Staudamm war einen Tag zuvor in Folge des Ukraine-Krieges bei einer Explosion zerstört worden und prägt seither die Ukraine-News. Der 30 Meter hohe Damm, der 1956 am Fluss Dnjepr als Teil des Wasserkraftwerks Kachowka gebaut wurde, war vor der Zerstörung 3,2 Kilometer lang. Durch den Bruch auf der Hälfte seiner Länge strömte Wasser unkontrolliert aus dem riesigen Stausee und überflutete mehr als 80 Ortschaften in der umkämpften Region.

Der Ukraine-Krieg setzt der Landwirtschaft zu. Nach der Sprengung des Kachowka-Wasserwerks droht nun Dürre.

Die genauen Hintergründe sind noch unklar. Die Kriegsparteien geben sich gegenseitig die Schuld für den gebrochenen Staudamm. Während der Kreml von Sabotage durch die Ukraine sprach, beschuldigte die Mehrheit der Fachleute Russland, für die Zerstörung verantwortlich zu sein. Die Armee von Präsident Wladimir Putin habe durch eine gezielte Sprengung eine Gegenoffensive im Ukraine-Krieg ausbremsen wollen, so der allgemeine Tenor. Bereits im Zweiten Weltkrieg hatte die Rote Armee ähnlich gehandelt.

Folgen der Sprengung vom Kachowka-Staudamm sind verheerend für Landwirtschaft

Ungeachtet dessen sind die Folgen dramatisch. Nach der Explosion des Kachowka-Staudamms rechnet das ukrainische Agrarministerium ersten Schätzungen zufolge mit der Überschwemmung von etwa 10.000 Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche am nördlichen Ufer des Dnipro in der Region Cherson. Am südlichen Ufer, im russisch besetzten Gebiet, werde sogar ein Vielfaches dieser Fläche überflutet. In den kommenden Tagen werde man sich aber noch ein genaueres Bild von den Auswirkungen machen, hieß es weiter.

Gesprengter Staudamm - Karte zeigt das Ausmaß der Überschwemmung

„Massenvernichtungs-Umweltbombe“: Selenskyj verurteilt Sprengung als Kriegsverbrechen

Nach der Sprengung des Staudamms verurteilte Wolodymyr Selenskyj den Angriff. Man habe es mit der „größten menschengemachten Umweltkatastrophe in Europa seit Jahrzehnten“ zu tun, sagte der ukrainische Präsident. So seien die Folgen für Mensch, Tier, Umwelt, Infrastruktur und nicht zuletzt für den Ukraine-Krieg noch überhaupt nicht absehbar. Er bezeichnete die Zerstörung des Staudamms aber als eine „Massenvernichtungs-Umweltbombe“.

Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, zeigte sich ebenfalls „zutiefst erschüttert“. Wenn die russischen Streitkräfte für die Sprengung verantwortlich sein sollten, wie es aktuell den Anschein habe, dann sei dies „ein Kriegsverbrechen, wie wir es seit Jahrzehnten nicht mehr erlebt haben“, zitierte ihn die Nachrichtenagentur dpa am Mittwoch. „Die Verwendung von lebensspendendem Wasser als Waffe verurteile ich aufs Schärfste!“

Weltweite Hungerkatastrophe: Ukraine ist trotz Ukraine-Krieg weltweit größter Getreideexporteur

Tatsächlich wird nicht nur die Ukraine unter den Folgen zu leiden haben. Neben Russland zählt das Land weltweit zu den größten Getreideexporteuren. Schätzungen zufolge hängen weltweit bis zu 400 Millionen Menschen von den Lebensmittellieferungen aus der Ukraine ab. Entsprechend haben die Exporte einen großen Einfluss auf die globale Entwicklung der Preise. Trotz des Ukraine-Krieges gelang es zuletzt immer wieder mit Hilfe eines Getreideabkommens, einen Teil der Ausfuhren aus dem Land zu sichern. Dies galt zuletzt immer wieder als einer der wenigen diplomatischen Erfolge, um den weltweiten Anstieg der Getreidepreise zu dämpfen, die vor allem ärmeren Ländern zu schaffen machen. Doch nun erfährt die Produktion einen harten Rückschlag. (jkf)

Rubriklistenbild: © Ukrinform/dpa

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